Elektrizitätsversorgungsunternehmen
Ein Elektrizitätsversorgungsunternehmen (auch Stromversorgungsunternehmen; kurz Elektrizitätsversorger, Stromversorger oder Stromanbieter) ist ein Unternehmen, welches seine Kunden mit Elektrischer Energie (historisch und umgangssprachlich „Elektrizität“ oder „Strom“ genannt) versorgt, d. h. beliefert.
Im engeren Sinne werden nur solche Unternehmen als Elektrizitätsversorger bezeichnet, die einen Endverbraucher direkt beliefern, insbesondere solche, die hierfür ein Verteilungsnetz betreiben.[1] Im weiteren Sinne sind alle Unternehmen der Elektrizitätswirtschaft, also der gesamten Versorgungskette von der Erzeugung über den Handel, den Transport und die Verteilung bis zum Verbraucher unter diesem Begriff mit eingeschlossen.[2]
Inhaltsverzeichnis |
Situation nach Ländern[Bearbeiten]
Deutschland[Bearbeiten]
In Deutschland kann man die Elektrizitätsversorgungsunternehmen unterteilen in
- überregionale Versorger, die auch Hochspannungsnetze betreiben, und
- regionale Versorgungsunternehmen, die häufig Tochterunternehmen der großen Energieversorgungsunternehmen oder Stadtwerke sind.
Nach § 3 Nr. 18 EnWG sind Energieversorgungsunternehmen „natürliche oder juristische Personen, die Energie an andere liefern, ein Energieversorgungsnetz betreiben oder an einem Energieversorgungsnetz als Eigentümer Verfügungsbefugnis besitzen“. Sie übernehmen also Aufgaben der Erzeugung, der Verteilung und des Vertriebs. Hierunter fallen die neben den Elektrizitätversorgungsunternehmen auch Erdgas- und Fernwärmeversorgungsunternehmen.
Das EnWG (§§ 6–10) schreibt in Umsetzung des europäischen Gemeinschaftsrechtes eine Entflechtung der sogenannten vertikal integrierten EVU vor.
Vertikal integrierte Elektrizitätsversorgungsunternehmen sind nach der Legaldefinition des § 3 Nr. 38 EnWG solche Unternehmen oder eine Gruppe von Unternehmen, die im Elektrizitätsbereich mindestens eine der Funktionen Übertragung oder Verteilung und mindestens eine der Funktionen Erzeugung oder Vertrieb wahrnehmen; entsprechend liegt im Gasbereich ein vertikal integriertes EVU vor, wenn das Unternehmen oder die Gruppe mindestens eine der Funktionen Fernleitung, Verteilung, Betrieb einer Flüssigerdgas-Anlage oder Speicherung und gleichzeitig eine der Funktionen Gewinnung oder Vertrieb von Erdgas wahrnimmt. Das bedeutet: Der Netzbetrieb muss rechtlich, operationell, informationell und buchhalterisch unabhängig von anderen Tätigkeiten im Bereich der Energieversorgung organisiert werden.
Unternehmen[Bearbeiten]
In Deutschland gibt es über 1000 Stromversorgungsunternehmen.[3] Die weitaus höchsten Umsätze erzielen:
| Rang | Unternehmen | Umsatz | Jahr |
|---|---|---|---|
| 1. | E.ON | 113 Mrd. € | 2011 |
| 2. | RWE | 52 Mrd. € | 2011 |
| 3. | EnBW | 18 Mrd. € | 2011 |
| 4. | Vattenfall Europe | 11 Mrd. € | 2011 |
| 5. | EWE AG | 7,5 Mrd. € | 2011 |
Zusammen beherrschen die ersten vier etwa 80 Prozent des deutschen Strommarktes (vgl. ihre Netzbetreiberrolle für die vier Regelkreise im Stromnetz). Sie waren in der Deutschen Verbundgesellschaft, ab 2001 bis 2007 Verband der Netzbetreiber, zusammengeschlossen. Diese Gesellschaft arbeitete die Regeln für den Betrieb der Kraftwerke aus. Die Strompreise in Deutschland können mitunter stark variieren, wobei die Preise vor allem im Süd-Westen und Osten Deutschlands hoch skalieren. Der Preisunterschied ist jedoch aufgrund verschiedener Berechnungen oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist (Öko/Klimatarife, Pakettarife, Sonderabschläge, Haupt- und Nebenzeit)[4]. Bedingt ist dieser Umstand einerseits durch die Preisfreiheit der Grundversorger, andererseits auch durch die Qualität der Anbindungen an überregionale Stromnetze.[5]
Die DB Energie versorgt die Fahrzeuge der Deutschen Bahn und anderer Eisenbahnverkehrsunternehmen mit Einphasenwechselstrom der Frequenz 16,7 Hz. Da dies nur für den Bahnbetrieb geschieht, zählt man sie nicht zu den eigentlichen EVU, obwohl sie ein umfangreiches Hochspannungsleitungsnetz betreibt, welches auch nach Österreich und in die Schweiz führt.
Daneben gibt es einige EVU, die Elektroenergie vorwiegend aus erneuerbaren Energiequellen („Ökostrom“) herstellen bzw. verteilen. Die größten von den großen EVU unabhängigen Ökostrom-Anbieter sind:
| Rang | Unternehmen | Umsatz | Jahr |
|---|---|---|---|
| 1. | LichtBlick | 0,625 Mrd. € | 2011 |
| 2. | Naturstrom AG | 0,112 Mrd. € | 2011 |
| 3. | Elektrizitätswerke Schönau | 0,100 Mrd. € | 2011 |
| 4. | Greenpeace energy | 0,083 Mrd. € | 2011 |
Alle Elektrizitätsversorgungsunternehmen müssen in Deutschland in hohem Maße kooperieren. So gibt es zahlreiche Hochspannungsleitungen, bei denen nicht alle Leitungssysteme (110 kV, 220 kV und 380 kV) vom selben EVU betrieben werden. Daneben gibt es auch gemeinsam von den EVU und der Deutschen Bahn betriebene Hochspannungsleitungen. Die Elektrizitätsversorgungsunternehmen sind gut organisiert; die industriellen Kunden ebenfalls. Zwischen Industrie und den Elektrizitätsversorgungsunternehmen besteht ein partnerschaftliches Verhältnis, wie unter anderem die sogenannten Verbändevereinbarungen VV II+ zeigen.
Nachfolgend einige bekannte deutsche Verbände:
- Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)
- Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK)
- Verband kommunaler Unternehmen (VKU)
- local energy
Österreich[Bearbeiten]
In Österreich gibt es zwei nationale Erzeuger-Gesellschaften sowie eine Reihe von regionalen Gesellschaften, die oft aber nur als Verteiler bzw. Stromhändler tätig sind (s. u.). Sie sind meist Gesellschaften mit Anteilen der einzelnen Bundesländer, einige (z. B. EVN, Wien Energie) haben auch eigene Elektrizitätswerke, um Spitzenbedarf abzudecken.
Die wichtigsten Stromerzeuger sind:
Bahnstrom
Die wichtigsten Ökostrom-Erzeuger sind:
Die Verteilergesellschaften sind:
- BEWAG – Burgenland
- ENERGIE AG – Oberösterreich
- Energie Allianz Austria GmbH – Österreich
- Energie Steiermark AG (u.a. STEWEAG-STEG) – Steiermark
- EVN – Niederösterreich
- KELAG – Kärnten
- Salzburg AG – Salzburg
- TIWAG – Tirol
- VKW – Vorarlberg
- Wien Energie Stromnetz
Die Übertragungsnetzbetreiber sind:
Im Zuge der Deregulierung des Strommarktes sind neue Anbieter dazugekommen, die sowohl die Endkonsumenten als auch Betriebe beliefern. Allerdings haben sie keine Infrastruktur. Der Windkraftwerkeausbau geschieht konzentriert im Norden und Osten Österreichs. Im Januar 2006 waren ca. 800 MW Leistung installiert. 2009 wurde in Österreich kein einziges neues Windrad errichtet; Österreich ist europäisches Schlusslicht.[6]
Schweiz[Bearbeiten]
Die großen Elektrizitätsversorgungsunternehmen in der Schweiz sind:
- Axpo Holding (Axpo)
- Alpiq Holding
- Aare-Tessin AG für Elektrizität (Atel)
- EOS Holding (EOS)
- BKW FMB Energie AG (BKW)
- Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ)
- Schweizerische Bundesbahnen (SBB) für das Bahnstromnetz
- Repower
Die Schweizer Elektrizitätsversorgungsunternehmen sind grossmehrheitlich im Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen organisiert.
Siehe auch[Bearbeiten]
- Elektrizitätswirtschaft
- Energiemarkt
- Energiewirtschaft
- Energieversorgung
- Öffentliches Versorgungsunternehmen
- Schlichtungsstelle Energie
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ § 3 Energiewirtschaftsgesetz. Abgerufen am 24. Januar 2012.
- ↑ NACE (Version 2.0), Abschnitt D, Abteilung 351 „Elektrizitätsversorgung“.
- ↑ Liste aller Stromanbieter. Auf www.verivox.de. Abgerufen am 24. Januar 2012.
- ↑ Strom-Preisvergleich für Ihre Region
- ↑ Stromanbieter Atlas. Stromvergleich.de, abgerufen am 2. Mai 2013.
- ↑ Windkraft in Österreich 2009. Interessengemeinschaft Windkraft Österreich. 3. Februar 2010, abgerufen am 24. Januar 2012.

