Elektrofachkraft

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Elektrofachkraft ist in Deutschland die Bezeichnung einer Person, die Elektrotechnische Arbeiten ausführen und überwachen darf.

Nach EU-Recht ist das so definiert: "Elektrofachkraft ist, wer auf Grund seiner fachlichen Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Bestimmungen die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann." (BGR A 3 ; 2 Begriffsbestimmungen Nr. 6)

Frühere Regelung[Bearbeiten]

Die Norm DIN VDE 1000-10 (VDE 1000-10):2009-01 (Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen) sowie die alte BG-Vorschrift BGV A3 (Berufsgenossenschaftliche Vorschrift für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in der Nachdruckfassung von Januar 2005; Unfallverhütungsvorschrift Elektrische Anlagen und Betriebsmittel vom 1. April 1979 in der Fassung vom 1. Januar 1997), war stark auf die deutsche elektrotechnische Berufsausbildung abgestimmt und wurde von der EU verworfen. Dennoch gibt es in Deutschland nach wie vor wenige Elektrofachkräfte, die nicht eine klassische Elektrotechnische Ausbildung haben:

In Deutschland übliche Qualifikation[Bearbeiten]

Abschnitt 5.2 der genannten DIN VDE 1000-10 (VDE 1000-10) enthält u. a. folgende Formulierung zur Qualifikation: Die Anforderung der fachlichen Ausbildung für bestimmte Tätigkeiten auf dem Gebiet der Elektrotechnik ist in der Regel durch den Abschluss einer der nachstehend genannten Ausbildungsgänge des jeweiligen Arbeitsgebietes der Elektrotechnik erfüllt:

  • a) Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf zum Gesellen/Facharbeiter,
  • b) Ausbildung zum Handwerksmeister,
  • c) Ausbildung zum Industriemeister,
  • d) Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker,
  • e) Ausbildung zum Diplomingenieur, Bachelor oder Master.

Auch die Durchführungsanweisungen zur BGV A3 vom 1. April 1979 in der Fassung vom 1. Januar 1997 konkretisieren die Qualifikation der Elektrofachkraft:

Die fachliche Qualifikation als Elektrofachkraft wird im Regelfall durch den erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung, z. B. als Elektroingenieur, Elektrotechniker, Elektromeister, Elektrogeselle, nachgewiesen. Sie kann auch durch eine mehrjährige Tätigkeit mit Ausbildung in Theorie und Praxis nach Überprüfung durch eine Elektrofachkraft nachgewiesen werden. Der Nachweis ist zu dokumentieren[1].

Ergänzend definiert DIN VDE 1000-10 (VDE 1000-10) die "Verantwortliche Elektrofachkraft -VEFK", die Fach- und Führungsverantwortung übernimmt und vom Unternehmer dafür beauftragt (bestellt) ist. Die Beauftragung bedarf der Schriftform, da es sich hierbei um eine Pflichtenübertragung im Sinne des § 13.2 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) und § 9.2 des Ordnungswidrigkeitengesetzes (OwiG) handelt. Bei der Beauftragung sind der Verantwortungsbereich (elektrotechnischer Gesamtbetrieb bzw. Teilbereich Elektrotechnik) und die Befugnisse zu regeln. Für die Ausübung der Tätigkeit als VEFK ist eine Qualifikation als Techniker, Meister oder Ingenieur im Berufsfeld Elektrotechnik erforderlich. Für andere Ausbildungsgänge ist die hierfür notwendige Qualifikation gesondert nachzuweisen (siehe VDE 1000-10 Abs. 5.3).

Als einziger Beruf im IT-Bereich gehört auch der Informations- und Telekommunikations-System-Elektroniker (ITSE) zu den Elektrofachkräften. Inzwischen auch der neue Beruf des Fachpraktikers für IT-Systeme. (Seit Januar 2014)

Darüber hinaus gibt es die Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten und die elektrotechnisch unterwiesene Person (EUP). Eine Person, die weder Elektrofachkraft noch EUP ist, ist ein elektrotechnischer Laie. Als solcher gilt auch ein Student der Fachrichtung Elektrotechnik.

Anhang A der VDE 1000-10 weist explizit darauf hin, dass es eine „Elektrofachkraft, die umfassend für alle elektrotechnischen Arbeitsgebiete ausgebildet und qualifiziert ist“, nicht gibt. Jede Elektrofachkraft gilt nur für das Gebiet, auf dem sie ausgebildet wurde, als solche und für andere Gebiete als elektrotechnischer Laie.

Änderung durch die EU-Harmonisierung[Bearbeiten]

Die alte „ständische Ordnung“, nach der die Regel „einmal Elektrofachkraft, immer Elektrofachkraft“ galt, kann heute nicht mehr aufrechterhalten werden. Denn in der Praxis ist die Elektrofachkraft denselben Regeln unterworfen wie andere „Befähigte Personen“ (früher „Sachkundige“). Danach muss eine Person nicht nur eine fachlichen Ausbildung (Grundausbildung) haben, sondern auch über aktuelle Kenntnisse und Erfahrungen verfügen (also die Tätigkeit, z.B. das Wechseln von 230-V-Steckdosen in der Haustechnik, aktiv in den letzten Jahren ausgeübt haben, was z.B. bei einem Planungsingenieur nur bedingt der Fall ist). Außerdem ist der Nachweis notwendig, dass die Person aktive Kenntnis der aktuellen einschlägigen Bestimmungen hat, es muss also eine nachgewiesene Weiterbildung stattgefunden haben. (Vgl. Anforderungen an Befähigte Personen.)

Dies gilt besonders für „Sondertätigkeiten“ wie z.B. im Prüflabor, da für das Prüfen von Anlagen eigene Bestimmungen gelten, die den meisten „ausführenden Elektrikern“ nicht bekannt sind.

Andererseits gilt nun auch „eine andere technische Qualifikation mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der Elektrotechnik“ (vergl. Befähigte Personen im Bereich Explosionsgefährdungen) als ausreichende Grundausbildung. Wichtig ist dabei, dass die Person die ihr „übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann“ (siehe obige Definition der Elektrofachkraft).

Alles in allem wird mit der neuen EU-weiten Regelung der Schwerpunkt weg von der Grundausbildung (die in Deutschland ja stark reglementiert ist) hin zu den aktuellen Kenntnissen und deren aussagekräftigen Nachweisen gelenkt.

Tätigkeiten[Bearbeiten]

In den verschiedenen EU-Ländern gibt es unterschiedliche Stellen, bei denen sich Personen registrieren müssen, die in den jeweiligen Ländern elektrotechnische Arbeiten ausführen wollen. Teilweise gilt dies nur für öffentliche Netze, während die Hausinstallation frei umgesetzt werden darf. Die jeweiligen Regeln für die einzelnen Länder müssen im Einzelfall nachgefragt werden, meist sind die nötigen Papiere in der jeweiligen Landessprache auszufüllen. In vielen Fällen können sich Elektrobetriebe hier Hilfe bei der Handwerkskammer oder der Industrie- und Handelskammer holen.

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland sind nur Elektrofachkräfte berechtigt, elektrische Anlagen zu errichten, zu ändern oder instandzusetzen. Für Anlagen, die an das öffentliche Elektrizitätsversorgungsnetz angeschlossen sind - und dies sind nahezu alle, die mit 230/400 V betrieben werden -, muss die Elektrofachkraft zudem in das Installateurverzeichnis des Verteilungsnetzbetreibers (VNB) eingetragen sein. Gesetzlich geregelt ist dies in der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für den Netzanschluss und dessen Nutzung für die Elektrizitätsversorgung in Niederspannung (kurz: Niederspannungsanschlussverordnung, NAV) vom 1. November 2006. Dort heißt es in § 13 "Elektrische Anlage": Unzulässige Rückwirkungen der Anlage sind auszuschließen. Um dies zu gewährleisten, darf die Anlage nur nach den Vorschriften dieser Verordnung, nach anderen anzuwendenden Rechtsvorschriften und behördlichen Bestimmungen sowie nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik errichtet, erweitert, geändert und instand gehalten werden [...] Die Arbeiten dürfen außer durch den Netzbetreiber nur durch ein in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragenes Installationsunternehmen durchgeführt werden...

Siehe auch[Bearbeiten]

Zur Situation in der Schweiz:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (Hrsg.): Unfallverhütungsvorschrift Elektrische Anlagen und Betriebsmittel. Köln, 2005. (PDF; 239 kB).

BGV A 3 (PDF; 71 kB)

BGR A 3 (PDF; 194 kB)



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