Elektromagnetische Umweltverträglichkeit

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Elektromagnetische Umweltverträglichkeit (EMVU) bezeichnet die Verträglichkeit der Immissionen elektromagnetischer Felder (EMF) auf die Umwelt, insbesondere den Menschen und legt Grenzwerte zur Gewährleistung der Sicherheit und Verhinderung möglicher gesundheitlicher Schäden fest. Der Themenkomplex ist seit Jahrzehnten unter dem übergeordneten Begriff der Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) ein zentrales Thema in der Elektrotechnik. Die EMVU ist darin ein Teilgebiet der EMV mit dem Schwerpunkt auf Umweltauswirkungen.

Der umfassendere Begriff Elektrosmog hingegen bezeichnet sowohl die zugehörigen Erscheinungsformen der elektromagnetischen Felder, als auch die der elektrischen und magnetischen Felder denen eine Schädlichkeit bzw. ein Ausgesetzsein zugesprochen wird (ähnlich wie Smog) als auch eine allfällige unerwünschte Wirksamkeit derselben auf Lebewesen.

Ursachen[Bearbeiten]

Elektrische und magnetische Felder entstehen aufgrund einer Potentialdifferenz (Elektrische Spannung und Magnetische Spannung) oder einer Ladungsdifferenz (Elektrische Ladung) zwischen zwei Orten. Man unterscheidet

Magnetische Wechselfelder und elektromagnetische Felder werden durch Stromfluss in elektrischen Leitern verursacht (Elektrodynamik), wobei sich, wenn Leiter und Rückleiter nahe beieinander geführt werden, die magnetischen Wirkungen aufheben können. In elektrotechnischen Anlagen und Geräten und in deren Nähe und den Zuleitungen verursachen Ströme niederfrequente magnetische sowie hochfrequente elektromagnetische Felder, z. B.:

Wirkungen[Bearbeiten]

Ausgehend von der Definition der elektrischen Feldstärke (sie beschreibt die Fähigkeit des elektrischen Feldes, Kraft auf Ladungen auszuüben) werden überall, wo ein elektrisches Feld nachweisbar ist, Kräfte auf Ladungen ausgeübt. Wesentlich dabei ist, ob es auch zu Wirkungen auf lebendes Gewebe kommt.

Elektromagnetische Felder werden seit dem Jahr 1764 [6] in der Medizin verwendet, hauptsächlich zur Erwärmung und Durchblutungssteigerung, damit verbunden zur Verbesserung der Wund- und Knochenheilung,[7] aber auch mittlerweile als Skalpellersatz in der HF-Chirurgie zur Durchtrennung von Gewebe oder bei der Verödung von Arrhythmiezentren im Herzen (Hochfrequenzablation). Intensiv erforscht und in der Medizin therapeutisch genutzt ist vor allem die im Folgenden erläuterte thermische Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Wechselfelder.

Niederfrequente elektrische Felder, insbesondere das elektrostatische Feld der Erde dringen im Gleichgewichtsfall nicht in einen leitfähigen Körper ein, sondern enden zufolge der Influenz an dessen Oberfläche, beispielsweise an der Oberfläche des menschlichen Körpers, von Pflanzen oder Gebäuden, anders als magnetische Felder, die auch die Körper durchdringen. Hochfrequenter kapazitiver Strom kann hingegen in den Körper eindringen und fließt vorwiegend in den oberen Hautschichten als Leitungsstrom über die Blutgefäße und Blutbahnen.[1] Extrem hochfrequente elektromagnetische Felder wie beispielsweise Röntgen- oder Gammastrahlung können tief eindringen.

Thermische Wirkung[Bearbeiten]

Der Wärmeeintrag in Gewebe erfolgt über die dielektrische Erwärmung auf molekularer Ebene abhängig von der Resonanz der Moleküle, der Energieübergang führt gleichzeitig zu einer Dämpfung der elektromagnetischen Welle. Je nachdem welches Molekül direkt (oder welches Nachbarmolekül durch Wärmekonvektion) betroffen ist, ergeben sich unterschiedliche Wirkungen. Die thermische Wirkung kann bei konzentrierter Exposition zu einer Eiweißzersetzung führen, wenn die lokale Temperatur einen Grenzwert von etwa 40 °C überschreitet. Auf Temperaturänderungen sind manche Zelltypen und Gewebe dabei stärker empfindlich [8]. Gewebe mit starker Zellteilung wie Knochenmark, Darmepithel und embryonales Gewebe enthalten hochsensible Zelltypen, Muskulatur und Nervengewebe sind vergleichsweise resistenter. Sofern die Leistungsfähigkeit der körpereigenen Reparatursysteme gegeben ist, ist eine Beschädigung von einzelnen Zellen unproblematisch, ansonsten können Mutationen kumulieren.[9]

Elektromagnetische Wellen mit Wellenlängen über etwa 0,5 µm übertragen zu wenig Energie, um chemisch stabile Molekülbindungen aufzubrechen, können jedoch Wasserstoffbrückenbindungen in Wasser und in Biomolekülen stören und dadurch die Denaturierung und Inaktivierung von Biomolekülen auslösen. Ebenso können über Polarisationseffekte die Ladungen vorhandener Radikale (Moleküle mit reaktionsfreudigen Elektronen) umgeordnet werden, wodurch sich neue Reaktionsprodukte ergeben können.[10]

Der Wärmeeintrag in biologisches Gewebe hängt von zahlreichen Faktoren ab:

  • von der Leistungsdichte des elektromagnetischen Feldes am Ort der exponierten Person, beeinflusst durch
    • die Leistung (und Richtcharakteristik) der Strahlungsquelle,
    • Absorption, Reflexion, Beugung und Streuung der Strahlen zwischen Strahlungsquelle und Strahlungsempfänger,
    • Abstand des Strahlungsempfängers
    • und von der Einwirkdauer
  • sowie im Körper [11]
    • von den Resonanzfrequenzen der ansprechbaren Moleküle (Schwingungsanregung von Molekülen mit Dipolmomenten, Anregung zur Rotation),
    • von der Frequenz bzw. dem Resonanzbereich dafür bzw. den Körperabmessungen,
    • von den elektrischen Materialeigenschaften, der elektrischen Leitfähigkeit und elektrischen Durchschlagsfestigkeit der Gewebe
    • vom Wassergehalt der Gewebe,
    • von den Körperabmessungen im Bezug zu den Wellenlängen, für die der Körper als Aufnahmeantenne dient in Verbindung mit der
    • Ausrichtung des Körpers im Feld,
    • auftretende Absorptionsspitzen, hervorgerufen durch im Körper oder außerhalb des Körpers stattgefundenen Reflexionen, Beugungen oder Streuungen oder wenn die einzelnen Körperzellen nicht in Bewegung sind und Belastungen immer denselben Zellverband treffen.
    • induzierten Wirbelströmen

Aufgrund der zahlreichen Faktoren ist eine Grenzwertfestsetzung nicht einfach.[12] Die Wärmewirkung wird zudem beeinflusst[13]

  • von der Empfindlichkeit der Gewebe bzw. Zellen für Wärme
  • durch die Abkühlung aufgrund der Durchblutung
  • von der Körpermasse,

Anlagen, bei denen diese Grenze überschritten wird, sind abgeschirmt (etwa Mikrowellengeräte) oder vor Zutritt geschützt (Sendeanlagen). Durch Leckstrahlung an schlecht abgeschirmten Geräten mit hoher Leistung (etwa industrielle Kunststoff-Schweißgeräte) können Grenzwerte überschritten werden.[14]

Die thermische Belastung durch Mobilfunk nimmt in Gegenden mit gut ausgebauten GSM oder UMTS-Funknetzen tendenziell ab, weil die am Körper getragenen Mobiltelefone dort eine geringere Sendeleistung benötigen und diese mit der Basisstation (dem Funkmasten) über das Sendeprotokoll auch aushandeln. Die Feldstärken, die von den Funkmasten ausgehen, sind wegen der verglichen mit dem Mobiltelefon großen Entfernung der Sendemasten am Körper der exponierten Person verschwindend gering. Man kann davon ausgehen, dass die Grenzwerte von Mobiltelefonen eingehalten und unterschritten werden, selbst in schwach ausgebauten Funknetzen, in denen eine hohe Sendeleistung der Telefone eingestellt wird.

Eine Kuriosität stellt der Frey-Effekt dar, ein Phänomen das in der Nähe leistungsstarker Sendeanlagen mit gepulsten Ausstrahlung wie Radaranlagen auftritt: Dabei nimmt eine Person, welche sich in unmittelbarer Nähe zur Antenne im Sendestrahl befindet, scheinbare Klicklaute wahr die synchron zum gepulsten Träger auftreten.[15] Der Frey-Effekt gilt als ein wissenschaftlich allgemein anerkanntes Phänomen, ausgelöst in der Hörschnecke im Innenohr, ohne pathologische Bedeutung.[16][17]

Nichtthermische Wirkungen[Bearbeiten]

Dabei muss man unterscheiden zwischen athermischen Wirkungen, die bei größeren Strahlungsintensitäten auftreten, obwohl eine relevante Erwärmung durch Kühlung verhindert wurde, und nichtthermischen Wirkungen, die bei geringen Strahlungsstärken auftreten, die an sich keine relevanten Temperaturerhöhungen verursachen.[18] Nichtthermische Wirkungen treten nicht im gesamten Hochfrequenzbereich auf, sondern nur bei spezifischen Resonanzfrequenzen, Strahlenstärken und zeitlichem Verlauf der Strahlung.[19]

In Hochfrequenzfeldern werden aufgrund von Kernspinresonanz eine Vielzahl von Atomkernen und -bindungen angeregt (siehe dazu Kernspinresonanzspektroskopie und Kernspinresonanztomografie), die bei der Resonanzfrequenz aufgenommene Energie wird aber nicht in Wärmeenergie umgewandelt, sondern in Form von elektromagnetischer Energie wieder abgestrahlt.[20]

Sonstige Wirkungen[Bearbeiten]

In einer Studie aus dem Jahr 2009 wurde bei der Auswertung von Satellitenfotos festgestellt, dass Rinder, Hirsche und Rehe bevorzugt in Nord-Süd-Richtung grasen, ihre Ausrichtung aber durch Hochspannungsleitungen verändert wird. Laut den Autoren beeinflussen die elektromagnetischen Felder von Hochspannungsleitungen den „inneren Kompass“ dieser Tiere.[21][22] Eine 2011 veröffentliche Arbeit mit größerer Datenbasis konnte hingegen keine Abhängigkeit der Ausrichtung der Tiere vom Erdmagnetfeld feststellen. Dementsprechend halten die Autoren es für unsinnig, von einer Störung des Magnetsinns von Rindern auszugehen und deuten die Ergebnisse der vorgehenden Arbeit als Fehler in der Datenauswertung.[23] Inwieweit derartige elektromagnetische Felder das Verhalten von Tieren, die über einen Magnetsinn verfügen (Zugvögeln, Bienen und Brieftauben) beeinflusst, wurde noch nicht untersucht. Die Orientierung von Lebewesen in einem Magnetfeld wurde ebenso bei Bakterien, Grünalgen[24] und Pflanzen[25] nachgewiesen, siehe dazu Magnetotaxis.

Rechtliche Grundlagen[Bearbeiten]

Seit der Verabschiedung der 26. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über elektromagnetische Felder – 26. BImSchV) vom 16. Dezember 1996 unterliegt dieses Fachgebiet in Deutschland einer gesetzlichen Regelung. Die Einhaltung der entsprechenden Grenzwerte ist vom Anlagenbetreiber bei der Umweltbehörde vor Inbetriebnahme nachzuweisen.

Auf europäischer Ebene gibt es die Empfehlung des Rates vom 12. Juli 1999 zur Begrenzung der Exposition der Bevölkerung gegenüber elektromagnetischen Feldern (0 Hz bis 300 GHz) (1999 / 519 /EG). Darin werden im Teil A die einschlägigen physikalischen Größen im Zusammenhang mit der EMF-Exposition definiert. In Teil B der Empfehlung werden die Unterscheidungen der folgend verwendeten Basisgrenzwerte und Bezugswerte erläutert. Der Anhang stellt die empfohlenen Basisgrenzwerte und Bezugswerte dar.

Grenzwerte[Bearbeiten]

In Deutschland soll der Schutz der Bevölkerung vor elektromagnetischen Feldern und Strahlung durch frequenzabhängige Grenzwerte mit der 26. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes geregelt werden. Diese Verordnung gilt für ortsfeste Anlagen. Für mobile Geräte gilt das FTEG i.V.m. mit der harmonisierten Norm DIN EN 50360 und dem Anhang II der Ratsempfehlung 1999/519/EG. Für EM-Felder am Arbeitsplatz gibt es zusätzlich die berufsgenossenschaftliche Unfallverhütungsvorschrift BGV B11. All diese Normen beruhen auf Empfehlungen der Internationalen Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP)[26], eines die Weltgesundheitsorganisation beratenden Sachverständigengremiums.

Die Verordnung über elektromagnetische Felder erfasst zwei Frequenzbereiche:

  1. Hochfrequenz: ortsfeste Sendefunkanlagen mit einer Sendeleistung von 10 Watt EIRP (äquivalente isotrope Strahlungsleistung) oder mehr, die elektromagnetische Felder im Frequenzbereich von 10 Megahertz bis 300.000 Megahertz erzeugen,
  2. Niederfrequenz: ortsfeste Anlagen zur Umspannung und Fortleitung von Elektrizität:
    a) Freileitungen und Erdkabel mit einer Frequenz von 50 Hertz und einer Spannung von 1000 Volt oder mehr,
    b) Bahnstromfern- und Bahnstromoberleitungen einschließlich der Umspann- und Schaltanlagen mit einer Frequenz von 16,7 oder 50 Hertz,
    c) Elektroumspannanlagen einschließlich der Schaltfelder mit einer Frequenz von 50 Hertz und einer Oberspannung von 1000 Volt oder mehr.

In der 26. BImSchV sind damit für den Niederfrequenzbereich nur für zwei technische genutzte Frequenzen (50-Hz-Energienetz und Bahnstromversorgung) Grenzwerte angegeben. Diese gelten für alle Bereiche, in denen sich Menschen dauerhaft aufhalten.

Für andere Frequenzen im Frequenzbereich bis 300 GHz hat die ICNIRP Empfehlungen herausgegeben (ICNIRP guidelines 1998), die für den allgemein öffentlichen Bereich in die EU-Richtlinie 1999/519/EG und für den Bereich von Arbeitsplätzen in die EU-Richtlinie 2004/40/EG übernommen wurden [27]. Für den privaten Bereich gelten damit keine Grenzwerte. Für den Geltungsbereich der EU-Vorordnung gelten bis 100 kHz lediglich Grenzwerte für Wärmewirkungen nach dem Ohmschen Gesetz. Erst ab 100 kHz sind SAR-Werte festgelegt.

Grenzwerte für Hochfrequenzanlagen[Bearbeiten]

Grenzwertverlauf als Funktion der Frequenz

Die Verordnung über elektromagnetische Felder gibt folgende Grenzwerte an:

Effektivwert der Feldstärke, quadratisch gemittelt über Sechs-Minuten-Intervalle (Frequenz f in MHz einsetzen)

Frequenz (f)
in Megahertz (MHz)
elektrische Feldstärke
in Volt pro Meter (V/m)
magnetische Feldstärke
in Ampere pro Meter (A/m)
10–400 27,5 0,073
400–2.000 1{,}375 \sqrt f 0{,}0037 \sqrt f
2.000–300.000 61 0,16

Repräsentative Werte von Quellen hochfrequenter Strahlung werden vom Bundesamt für Strahlenschutz wie folgt angegeben:

Quelle Elektrische Feldstärke
in Volt pro Meter (V/m)
Elektrische Feldstärke
in Volt pro Meter (V/m)
Rundfunksender Mittelwelle
1,4 MHz, 1,8 MW Leistung
450 V/m
im Abstand von 50 m
90 V/m
im Abstand von 300 m
Rundfunksender Kurzwelle
6–10 MHz, 750 kW Leistung
121,5 V/m
im Abstand von 50 m
27,5 V/m
im Abstand von 220 m

Grenzwerte für Niederfrequenzanlagen[Bearbeiten]

Effektivwerte der elektrischen Feldstärke und der magnetischen Flussdichte nach der 26. BImSchV:

Frequenz (f)
in Hertz (Hz)
elektrische Feldstärke
in Kilovolt pro Meter (kV/m)
magnetische Flussdichte
in Mikrotesla (µT)
50-Hz-Felder 5 100
16,7-Hz-Felder 10 300

Repräsentative Werte magnetischer Flussdichten von Haushaltsgeräten werden vom Bundesamt für Strahlenschutz wie folgt angegeben:

Die Werte gelten für einen Messabstand von 30 Zentimetern.

Gerät Flussdichte
Mikrotesla (µT)
Gerät Flussdichte
Mikrotesla (µT)
Haarföhn 0,01–7 Waschmaschine 0,15–
Rasierapparat 0,08–9 Bügeleisen 0,12–0,3
Bohrmaschine 2–3,5 Geschirrspüler 0,6–3
Staubsauger 2–20 Kühlschrank 0,01–0,25
Leuchtstofflampe 0,5–2 Computer < 0,01
Mikrowellengerät 4–8 Fernsehgerät 0,04–2
Radio (tragbar) 1 Küchenherd 0,15–0,5

Grenzwerte für Mittelfrequenzanlagen[Bearbeiten]

Bisher wird der Frequenzbereich zwischen 50 Hz und 10 MHz nicht von der aktuellen 26. BImSchV oder einer gültigen Europäischen Regelung erfasst. Niederfrequente und mittelfrequente elektromagnetische Felder oberhalb von 50 Hz sind allgegenwärtig (Atmosphärische Störungen).

Die Empfehlung der ICNIRP gilt für alle technisch nutzbaren Frequenzen. Die 26. BImSchV in der aktuellen Fassung von 1996 nennt den Bereich zwischen der Netzfrequenz von 50 Hz und der Untergrenze für Hochfrequenz bei 10 MHz nicht. Für den unteren Frequenzbereich unter 10 MHz sind die technischen Regeln der elektromagnetischen Verträglichkeit einzuhalten.

Herkunft der Grenzwerte[Bearbeiten]

Bevor Grenzwerte definiert und in Verordnungen erlassen werden, gibt es Empfehlungen, beispielsweise von der ICNIRP.[28]

Die aktuelle Empfehlung der ICNIRP gilt für elektromagnetische Felder von 0 Hz bis 300 GHz.[29]

In der Empfehlung wird generell auf das Ohmsche Gesetz in vektorieller Form verwiesen, das die Umsetzung elektromagnetischer Felder in Gewebe an deren skalarer Leitfähigkeit orientiert. Die technischen Grenzwerte für Feldstärken sind daher rechnerisch von Basisgrenzwerten abgeleitet. Diese Basisgrenzwerte beziehen sich auf die Erregung von elektrischen Strömen im Körper (Beeinflussung der Nerventätigkeit) und auf die maximal zulässige Erwärmung einzelner Körperregionen. Die Erregung elektrischer Ströme im Körper, ein nichtthermischer Effekt, tritt bei Frequenzen von 0 Hz bis 10 MHz auf. Bei höheren Frequenzen ist der menschliche Körper durch den hohen Wassergehalt ein schlechter Leiter. Die Wärmewirkung ist bedeutsam bei Frequenzen oberhalb von 100 kHz. Dissoziative (trennende) Strahlung, die Gewebe durch Zersetzung der Strukturen und Zerlegung von Molekülen unmittelbar zerstört, wird bei höheren Frequenzen wirksam.

Während Ströme und Temperaturerhöhung im lebenden Körper nicht direkt messbar sind, handelt es sich bei den abgeleiteten Grenzwerten um direkt messbare Feldgrößen. Bei Einhaltung der abgeleiteten Grenzwerte ist sichergestellt, dass auch die Basisgrenzwerte eingehalten werden. Abhängig von der Frequenz führt ein äußeres Feld einer bestimmten Stärke zu unterschiedlich starken Effekten im Körper. Deshalb sind auch die abgeleiteten Grenzwerte frequenzabhängig. Beispielsweise muss die Feldstärke von Mobilfunk-Sendeanlagen der Frequenz 935 MHz unter 42,0 V/m (bzw. 0,11 A/m oder 4,76 W/m²) bleiben. Für einen UKW-Rundfunksender (zwischen 87,5 und 108 MHz) gilt ein Grenzwert von 28 V/m.

Die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte wird von den zuständigen Immissionsschutzbehörden der Länder und von der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen überwacht. Die Einhaltung der technischen Grenzwerte muss durch die Hersteller und Betreiber der technischen Einrichtungen eigenverantwortlich sichergestellt werden. Für alle technischen Geräte, auch für Haushaltsgeräte wie z. B. Mikrowellenöfen und Mobiltelefone gelten dazu in Produktnormen festgelegte Grenzwerte bezüglich der abgestrahlten Feldstärken oder Leistungsdichten.

Schweizer Grenzwerte[Bearbeiten]

In der Schweiz existiert seit 2000 die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung[30] (vgl. dazu ionisierende Strahlung), welche die Immissionen vorsorglich begrenzt. Demnach gelten allgemein die von der WHO empfohlenen Grenzwerte. Für Orte mit empfindlicher Nutzung, wie zum Beispiel Schlaf-, Wohn-, Schul-, und Krankenzimmer, werden zusätzlich Vorsorgliche Emissionsbegrenzungen festgelegt. Sie betragen, vereinfacht gesagt, 10 % (Hochfrequenz) bzw. 1 % (Niederfrequenz, Magnetfeld) der allgemeinen Grenzwerte. Bei der Berechnung des Schweizer Vorsorgewertes wird die Gebäudedämpfung berücksichtigt, da es um den Schutz des Innenraums geht. Diese Anlagengrenzwerte beziehen sich jeweils auf eine Anlage, sie können in der Summe also überschritten werden. Als Anlage gelten alle Sendeantennen die in einem engen räumlichen Zusammenhang stehen.

Weitere Grenzwertempfehlungen[Bearbeiten]

Es gibt eine Reihe Empfehlungen für Grenzwerte, die sich nicht ausschließlich an den nachgewiesenen gesundheitlichen Wirkungen orientieren. Sie kommen von Vereinigungen und Strömungen, die der Mobilfunktechnik kritisch gegenüberstehen und Gefahren im Bereich der gültigen Grenzwerte vermuten. Sie geben deshalb eigene Vorsorgewerte heraus. Ein Beispiel ist die ECOLOG-Empfehlung 2003 für UMTS/E-Netz/D-Netz (900–2100 MHz) mit 2 V/m (10 mW/m² = 10.000 µW/m²).[31]

Grenzwerte-Vergleich für elektrische Wechselfelder 50 Hz
Norm / Verordnung Grenzwert
26. BImSchV (Elektrosmogverordnung) 5000 V/m
WHO, ICNIRP, IRPA, Strahlenschutzkommission 5000 V/m
DIN/VDE 0848 (für die Bevölkerung) 7000 V/m
DIN/VDE 0848 (für den Arbeitsplatz) 20.000 V/m
Computernorm TCO (30 cm Bildschirmabstand) 10 V/m
Computernorm MPR (50 cm Bildschirmabstand) 25 V/m

Literatur[Bearbeiten]

  •  Elisabeth Cardis et al.: Brain tumour risk in relation to mobile telephone use: results of the INTERPHONE international case–control study. In: International Journal of Epidemiology. 39, Nr. 3, 2010, S. 675–694, doi:10.1093/ije/dyq079.
  •  No Change in Brain Tumor Incidence During a Time When Cell Phone Usage Increased. In: Journal of the National Cancer Institute. 101, Nr. 24, 2009, S. NP, doi:10.1093/jnci/djp444.
  • IARC classifies Radiofrequency Electromagnetic Fields as possibly carcinogenic to humans. Press release N° 208, 31. Mai 2011 (Pressemeldung als PDF).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Maike Lindenmann, Hans-Peter Leimer, Carsten Rusteberg:Ausbreitung elektromagnetischer Wellen. abgerufen am 28. November 2011
  2. Die Internationale Gesellschaft für Elektrosmogforschung IGEF, abgerufen am 17. Dezember 2011
  3. Technische Quellen für Felder, emf-Portal, abgerufen am 17. Dezember 2011
  4. Bahnstromablagen bei gleichstrom.de
  5. Elektrosmog in, an und durch die Bahn, abgerufen am 17. Dezember 2011
  6. Oscar Frankl: Die physikalischen Heilmethoden in der Gynäkologie., online archiviert, abgerufen am 17. Dezember 2011
  7. Nagelschmidt: Diathermie. 2. Auflage. online archiviert, abgerufen am 17. Dezember 2011.
  8. Thermische Schäden bei Pathologie online, abgerufen am 5. Dezember 2012
  9. Strahlenschäden bei Pathologie online, abgerufen am 5. Dezember 2012
  10. A. J. Hoff, H. Rademaker, R. van Grondelle, L. N. M. Duysens: On the magnetic fields dependence of the yield of the triplet state in reaction centers of photosynthetic bacteria. In: Biochim. Biophys. Acta. 460 (1977), S. 547–551.
  11. Leitgeb: Strahlen, Wellen, Felder – Ursachen und Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. pdf-Auszug, abgerufen am 13. Dezember 2011
  12. Nicholas H. Steneck, Harold J. Cook, Arthur J. Vander, Gordon L. Kane: Die Ursprünge der US-amerikanischen Sicherheitsstandards für Mikrowellenstrahlung. deutsche Übersetzung von Katharina Gustavs. In: Science. Vol. 208, 13. Juni 1980.
  13. Norbert Leitgeb: Strahlen, Wellen, Felder – Ursachen und Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit, pdf-Auszug, abgerufen am 13. Dezember 2011
  14. Norbert Leitgeb: Strahlen, Wellen, Felder – Ursachen und Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. pdf-Auszug, S. 21, abgerufen am 13. Dezember 2011
  15.  James C. Lin, Zhangwei Wang: Hearing of microwave pulses by humans and animals: effects, mechanism, and thresholds. In: Health Physics. 92, Nr. 6, 2007 Seiten = 621–628, doi:10.1097/01.HP.0000250644.84530.e2.
  16.  J. A. Elder, C. K. Chou: Auditory response to pulsed radiofrequency energy. In: Bioelectromagnetics. 24, 2003 Nummer = S6, S. S162–S173, doi:10.1002/bem.10163.
  17.  Peter Röschmann: Human auditory system response to pulsed radiofrequency energy in RF coils for magnetic resonance at 2.4 to 170 MHz. In: Magnetic Resonance in Medicine. 21, 1991 Nummer = 2, S. 197–215, doi:10.1002/mrm.1910210205.
  18. Norbert Leitgeb: Strahlen, Wellen, Felder – Ursachen und Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. pdf-Auszug, S. 2, abgerufen am 13. Dezember 2011
  19. Strahlen, Wellen, Felder – Ursachen und Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. pdf-Auszug, S. 40, abgerufen am 13. Dezember 2011
  20. Das Magnetresonanzphänomen.
  21. Artikel Überlandleitungen stören Kuh-Kompass. bei: Spiegel.de, abgerufen am 17. Dezember 2011.
  22.  Hynek Burdaa, Sabine Begalla, Jaroslav Červenýb, Julia Neefa, Pavel Němec: Extremely low-frequency electromagnetic fields disrupt magnetic alignment of ruminants. In: Proc Natl Acad Sci USA. 106, Nr. 14, National Academy of Sciences, 2009, S. 5708–5713, doi:10.1073/pnas.0811194106.
  23. J. Hert, L. Jelinek, L. Pekarek, A. Pavlicek: No alignment of cattle along geomagnetic field lines found. In: Journal of Comparative Physiology A. 197, Nr. 6, 1. Juni 2011, S. 677–682. ISSN 1432-1351. doi:10.1007/s00359-011-0628-7.
  24. Universität Marburg, abgerufen am 17. Dezember 2011
  25. Galland, Mazur: Magnetoreception in plants. Faksimile In: J. Plant Res. (2005) 118, S. 371-389, abgerufen am 17. Dezember 2011
  26. ICNIRP e. V.
  27. EU-Richtlinie 2004/40/EG (PDF; 80 kB)
  28. Scientific Secretariat of the International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection, angesiedelt bei dem Deutschen Bundesamt für Strahlenschutz (German Radiation Protection Agency), Oberschleissheim, Oberbayern, Germany
  29. Exposure to high frequency electromagnetic fields, biological effects and health consequences (100 kHz-300 GHz) - Review of the Scientific Evidence and Health Consequences. Munich: International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection; 2009. ISBN 978-3-934994-10-2. (PDF; 3,1 MB)
  30. NISV
  31. ECOLOG-Empfehlung 2003, PDF-Datei; 3,65 MB

Siehe auch[Bearbeiten]