Elektromesstechnik Wilhelm Franz

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Elektro-Mess-Technik Wilhelm Franz (EMT)
EMT-Logo.jpg
Rechtsform GmbH
Gründung 1940
Sitz Mahlberg
Branche Unterhaltungselektronik
Website emt-studiotechnik.de

Elektro-Mess-Technik (EMT) ist ein Hersteller von Schallplattenspielern und professionellem Audio-Equipment in Mahlberg bei Lahr/Schwarzwald. Die Firma wurde 1940 von Wilhelm Franz als Elektro MessTechnik Wilhelm Franz KG gegründet und firmiert heute unter EMT Studiotechnik GmbH.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg stellte die Firma Kontroll- und Messinstrumente für die Nachrichten- und Rundfunktechnik her. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte die Firma ihre Produktion nach Lahr/Schwarzwald. Nach dem Tod von Wilhelm Franz, 1971, wurde das Familienunternehmen von seiner Frau Hildegart Franz und einem Geschäftsführer weitergeführt. 1989 wurde die EMT an den Belgischen Konzern Barco verkauft. 2003 verkaufte Barco die EMT, inklusive der Markenrechte, an Walter Derrer.

Historische Produkte[Bearbeiten]

EMT 927[Bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges entwarf Franz in Kooperation mit dem Rundfunktechnischen Institut (RTI), geleitet von Dr.-Ing. Walter Kuhl, den EMT 927 Studio-Plattenspieler, der 1950/1951 eingeführt wurde. Der Plattenteller mit einem Durchmesser von 44 cm war nötig, um die damals üblichen 16"-Azetat-Schallplatten abspielen zu können. Er wurde von einem stark überdimensionierten Motor mittels Reibradtechnik in den Drehzahlen 78, 45 und 33 1/3 Umdrehungen pro Minute angetrieben. Die dänische Firma Ortofon lieferte anfangs den Tonarm ('RF-297') und den ersten magnetischen Tonabnehmer zu. EMT baute später für den 927 (in der Stereoversion) den 12"-Arm 997 (wegen des J-förmig gebogenen Tonarmrohrs auch "Banane" genannt). Zudem war im äußersten Rand des Plattentellers eine Stroboskopanzeige eingebaut, um die Geschwindigkeit korrekt angleichen zu können; sein Schnellstart ermöglichte eine Hochlaufzeit von knapp 0,5 Sekunden bei 33 1/3 Umdrehungen pro Minute.

Die Versionen des EMT 927:

  1. EMT 927A: Optischer Anzeiger der genauen Position des Tonabnehmers in der Rille
  2. EMT 927D: Ein Gerät spezieller Güte zur Verwendung in der Plattenproduktion
  3. EMT 927F: Zweiter Tonarm
  4. EMT 927st: Stereo-Version

EMT 928[Bearbeiten]

Der EMT 928 war ein kleiner Studioplattenspieler mit Riemenantrieb für den Einsatz in Rundfunk-Musikredaktionen. Er basierte auf einem stark modifizierten Thorens TD 125 und war ausgerüstet mit dem Tonarm EMT 929.

EMT 930[Bearbeiten]

Durch die 12"-Zoll-Schallplatte war der 44 cm-Plattenteller des 927 nicht mehr unbedingte Voraussetzung für den professionellen Gebrauch. Daher entschloss sich EMT, neben dem EMT 927 den EMT 930 Studio-Plattenspieler zu entwickeln, der 1956 auf den Markt gebracht wurde. Mit seiner eher kompakten Größe war der EMT 930 ökonomischer gebaut als sein Vorgänger. Das Gerät wurde in hohen Stückzahlen gebaut und international verkauft.

EMT 950[Bearbeiten]

Nach aufwändigen Forschungsarbeiten in Richtung Direktantrieb ab Anfang der 1970er Jahre wurde bis 1976 der EMT 950 zur Marktreife entwickelt. Die Besonderheit der Konstruktion des EMT 950 ist die direkte Ankopplung eines 200 Gramm leichten Plattentellers an einen starken Antriebsmotor. Diese Kombination erlaubt Start und Stopp des Plattentellers, ohne dass eine zusätzliche Bremse dazu notwendig ist. Die dennoch verbaute und von einem Ringmagnet angesteuerte Bremse dient lediglich dazu, bei Erreichen der Drehzahl 0 den Plattenteller in seiner Position zu fixieren. Ein manuelles Drehen des Plattentellers ("cue") ist dennoch möglich. Eine aufwändige optoelektronische Drehzahlregelung sorgt bei diesem Modell für geringe Gleichlaufschwankungen. Die Messwerte lagen unterhalb der Werte der DIN-Testschallplatte. Die Solldrehzahl von 33 1/3 1/Min wird innerhalb von 150 Millisekunden erreicht.

EMT 948[Bearbeiten]

Um auch den Anforderungen nach einem kleineren Modell gerecht werden zu können, wurde 1979 ein neues Modell eingeführt, das auf den Prinzipien des EMT 950 aufbaute: der EMT 948 Rundfunk-Schallplattenspieler. Er war ebenfalls direktangetrieben, besaß die gleiche Technik, allerdings in kleinerer, kompakterer Bauweise. Für den Anwender war eine Ablage für die Schallplattenhülle am aufgeklappten Deckel angebracht, während die Platten gespielt wurden. Die gesamte Elektronik war auf Steckkarten verteilt, so dass notwendige Änderungen oder Reparaturen schnell und unkompliziert durchgeführt werden konnten. Der 948 hatte die gleichen Tasten wie der 950, die gleichen Geschwindigkeiten und die Möglichkeit des Rückwärtsfahrens, um den genauen Anfang eines Titels exakt zu ermitteln bzw. anzufahren.

EMT 938[Bearbeiten]

EMT 938.

Im März 1982 wurde ein noch einfacherer Plattenspieler entwickelt: Der EMT 938 Rundfunk-Schallplattenspieler. Er beinhaltete ebenfalls ein direkt angetriebenes Laufwerk und vereinfachte Elektronik. Er war kompakter und günstiger als die vorher hergestellten Modelle. Vom EMT 938 wurde von Thorens, als eine beinahe baugleiche Version, der 'TD 524' – ein DJ-Plattenspieler – angeboten und konnte entweder mit einem Thorens-Tonarm oder dem bewährten EMT-Tonarm '929' versehen werden. Der EMT 938 wurde vorwiegend bei kleineren oder privaten Rundfunkanstalten eingesetzt und war der letzte in einer Reihe von professionellen Plattenspielern.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefano Pasini: Deutsche Perfektion. Costa Editore, Bologna 2001. (Das Buch über die Geschichte der Firma EMT, deutsch, englisch, italienisch).