Elektronische Wahl

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Elektronische Wahl ist die Bezeichnung für eine Wahl, bei der elektronische Hilfsmittel zur Stimmabgabe und zum Auszählen der Stimmen benutzt werden. Dazu gehören beispielsweise der Einsatz von Wahlcomputern im Wahllokal oder Wahlen über das Internet vom heimischen PC. International werden häufig die englischsprachigen Begriffe E-Voting oder Electronic Voting verwendet.

Formen der elektronischen Wahl[Bearbeiten]

Web-Polls[Bearbeiten]

Hierbei handelt es sich um einfache Abstimmungen auf Web-Seiten, die nicht die Korrektheit des Wahlergebnisses und die Einhaltung der Anonymität garantieren. Web-Polls können deshalb nicht für ernsthafte Wahlen in Betracht gezogen werden.

Elektronische Wahlmaschinen[Bearbeiten]

Es handelt sich hier um Geräte, die elektronisch den Wählerwillen in Wahllokalen erfassen. Sie sind nicht miteinander vernetzt. Die Stimmberechtigung der Wähler wird manuell überprüft. Die Teilergebnisse der einzelnen elektronischen Wahlmaschinen werden nach Ende des Wahlvorgangs ermittelt und per Hand addiert.

Internetwahlen[Bearbeiten]

Bei Internet- beziehungsweise Onlinewahlen kann der Wähler von jedem beliebigen PC, der über eine Internetverbindung verfügt, aus wählen. Dies kann entweder mit Hilfe beliebiger Webbrowser, mittels E-Mail-Clients oder mittels spezieller Voting-Client-Software geschehen.

Vernetzte Wahllokale[Bearbeiten]

Mehrere Wahllokale werden untereinander vernetzt, so dass für alle Wahllokale eine einzige Wählerliste vorliegt. Somit kann jeder Wähler in einem beliebigen Wahllokal wählen. Der Wahlvorgang selber erfolgt nicht elektronisch.

Elektronische Wahl mit Wahlkiosken[Bearbeiten]

Die Wahl findet an elektronischen Wahlmaschinen statt, welche untereinander vernetzt sind. Somit ist eine manuelle Addition der Ergebnisse der einzelnen Wahlmaschinen nicht notwendig.

E-Counting[Bearbeiten]

Papierbasierte Wahlzettel werden durch Texterkennungssysteme ausgewertet und die Ergebnisse kumuliert.

Elektronische Präsenzabstimmungen[Bearbeiten]

Diese werden zu verschiedenen Anlässen und für diverse Themen benutzt, um Interaktionsprozesse mit einem Publikum zu erzeugen. Die Personen im Publikum erhalten jeweils ein Handgerät, welches mit Zahlen oder Buchstaben beschriftete Knöpfe zur Abstimmung aufweist. Die Stimmen der Teilnehmer werden per Kabel oder Funk (sog. Mobited-System) an einen zentralen Rechner gesendet und dort aufbereitet. Einsatzgebiete sind z.B. Konferenzen, Schulungen, Lehrevaluation, Prüfungen, Abstimmungen oder Quiz.

SMS-Voting[Bearbeiten]

Bei Wahlen über SMS kann die Stimme mit einer Kurznachricht abgegeben werden. In Estland konnten zur Parlamentswahl 2011 die Stimmen auch per SMS abgegeben werden. Jeder Wahlberechtigte konnte mit einer personalisierten Simkarte abstimmen.

Vernetzte Wahllokale, elektronische Wahlmaschinen, E-Voting mit Wahlkiosken, sowie Internetwahlen sind für die Durchführung von staatlichen Wahlen interessant. Elektronische Präsenzabstimmungen und Internetwahlsysteme sind für die Durchführung von Wahlen in Vereinen, Aktiengesellschaften oder ähnlichen Organisationen interessant.

Formen des kryptografischen E-Voting[Bearbeiten]

  • Bingo Voting: Elektronische Stimmabgabe mit anschließendem Ausdruck eines Papierbelegs
  • Punchscan: Papiergebundene Stimmabgabe mit Papierbeleg für den Wähler sowie elektronisch unterstützter Auszählung der Stimmen

Kritik[Bearbeiten]

Verschiedene Fachleute weisen auf die Probleme von E-Voting hin oder raten von elektronischen Abstimmungen ab. So meinte die Amerikanische Sicherheitsexpertin Barbara Simons: "Internet-Wahlen werden in manchen Ländern von Lieferanten, Abstimmungsbehörden und Wohlmeinenden, welche die dabei bestehenden Risiken nicht richtig verstehen, forciert." Und der Berner Informatiker Niklaus Ragaz meinte: "Wenn man manche Kommentare zum Genfer Fall liest (z. B. man habe vermeiden wollen, dass Medien das E-Voting schlechtmachten), kann man dem nur zustimmen. Gefährden wir unsere demokratischen Institutionen nicht durch falsche Technikbegeisterung." [1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. NZZ vom 14. September 2013: Gastkommentar zum E-Voting - Gefährdung demokratischer Institutionen. Auf: www.nzz.ch, abgerufen am 14. September 2013.
 Commons: Voting machines – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien