Elektrosmog

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Elektrosmog oder E-Smog (aus Elektro- und Smog) ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für die Gesamtheit an Immissionen von elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern, von denen teilweise angenommen wird, dass sie unerwünschte biologische Wirkungen haben können.[1] Lebewesen, die solche Wirkungen verspüren, gelten als elektrosensibel. Allgemein anerkannte Beweise für nennenswerte Auswirkungen auf den Menschen wurden bisher nicht erbracht.

Der nicht exakt definierte Begriff Elektrosmog schließt üblicherweise niederfrequente thermische Wärmestrahlung ebenso wie höherfrequente ionisierende Strahlung, also etwa Röntgenstrahlen aber auch Licht aus, obwohl es sich dabei ebenfalls um elektromagnetische Wellen (Wellenmodell) oder Teilchen (Teilchenmodell) handelt.

Allerdings werden auch Ionen der Moleküle der Luft, die durch Entladungsvorgängen bei Hochspannungsleitungen und -anwendungen sowie Blitzen oder bei stillen elektrischen Entladungen entstehen, als elektrisch geladene Teilchen zum Elektrosmog gezählt, speziell auch im Hinblick auf Wechselwirkungen mit elektromagnetischen Feldern.

Das diesem Begriff zugrunde liegende Wort Smog beschreibt eine Kombination von englisch smoke (Rauch) mit fog (Nebel) in der Luft, die besonders bei Inversionswetterlagen zu einer gesundheitsschädlichen überhöhten Konzentration an Luftschadstoffen in der Luft führen kann. In Anlehnung daran benennt der Begriff Elektrosmog eine überhöhte „Konzentration" der oben angeführten Strahlen, Wellen oder Felder mit möglicherweise (gesundheits)schädlichen Auswirkungen auf die belebte Natur, Menschen, Tiere, Pflanzen, sonstige Lebewesen und einzelne Zellen.

Der Begriff Elektrosmog wird im Sinne des Begriffes oft abwertend gebraucht. Im Gegensatz dazu ist der Begriff elektromagnetische Strahlung neutral, umfasst aber nur die Emissionen, nicht den Eintrag und die Auswirkungen. Sprachlich lässt sich der Ausdruck Elektrosmog als Dysphemismus einstufen, da er – im Gegensatz zum Begriff der elektromagnetischen Umweltverträglichkeit – negativ bewertet wird. Die zulässige Emission bzw. Dosis von elektromagnetischer Strahlung ist durch Grenzwerte in Regeln, Normen und Gesetzen zur elektromagnetischen Umweltverträglichkeit geregelt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Durch fortschreitende Elektrifizierung und die Nutzung von Funkwellen ist der Mensch zunehmend künstlich erzeugten elektromagnetischen Feldern ausgesetzt. Besonders die Aufstellung von verteilten Mobilfunkstationen hat zu einer kontroversen Diskussion über deren Auswirkungen auf den Menschen und zu einer Vielzahl von Studien geführt. Ähnliche Diskussionen gab es für Anwohner von Hochspannungsleitungen und Hochspannungskabeln, wie auch von Rundfunkstationen schon im späten 19. Jahrhundert (elektrische Straßenbahn und elektrifizierte Eisenbahnstrecken) frühen 20. Jahrhundert (Mittelwellensender) und ausgehenden 20. Jahrhundert (Bürgerinitiativen gegen 110-kV-Hochspannungsfreileitungen oder für Hochspannungs-Erdkabel[2]).

[Bearbeiten] Ursachen der Felder

Elektrische und magnetische Felder entstehen aufgrund einer Potentialdifferenz (Elektrische Spannung und Magnetische Spannung) oder einer Ladungsdifferenz (Elektrische Ladung) zwischen zwei Orten. Man unterscheidet

Magnetische Wechselfelder und elektromagnetische Felder werden durch Stromfluss in elektrischen Leitern verursacht (Elektrodynamik). In elektrotechnischen Anlagen und Geräten und in deren Nähe und den Zuleitungen verursachen Ströme niederfrequente magnetische sowie hochfrequente elektromagnetische Felder, z. B.:

[Bearbeiten] Wirkungen der Felder

Ausgehend von der Definition der elektrischen Feldstärke (sie beschreibt die Fähigkeit des elektrischen Feldes, Kraft auf Ladungen auszuüben) werden überall, wo ein elektrisches Feld nachweisbar ist, Kräfte auf Ladungen ausgeübt. Wesentlich dabei ist, ob es auch zu Wirkungen auf lebendes Gewebe kommt.

Elektromagnetische Felder werden seit dem Jahr 1764 [8] in der Medizin verwendet, hauptsächlich zur Erwärmung und Durchblutungssteigerung, damit verbunden zur Verbesserung der Wund- und Knochenheilung,[9] aber auch mittlerweile als Skalpellersatz in der HF-Chirurgie zur Durchtrennung von Gewebe oder bei der Verödung von Arrhythmiezentren im Herzen (Hochfrequenzablation). Intensiv erforscht und in der Medizin therapeutisch genutzt ist vor allem die im Folgenden erläuterte thermische Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Wechselfelder.

[Bearbeiten] Thermische Wirkung

Die thermische Wirkung führt bei starker Exposition zu einer Eiweißzersetzung, wenn die lokale Temperatur einen Grenzwert von etwa 40 °C überschreitet. Auf Temperaturänderungen sind manche Zelltypen und Gewebe dabei stärker empfindlich.[10]

Der Wärmeeintrag in Gewebe erfolgt über die dielektrische Erwärmung. Elektromagnetische Wellen übertragen zu wenig Energie, um chemisch stabile Molekülbindungen aufzubrechen, können jedoch Wasserstoffbrückenbindungen in Wasser und in Biomolekülen stören und dadurch die Denaturierung und Inaktivierung von Biomolekülen auslösen. Ebenso können über Polarisationseffekte die Ladungen vorhandener Radikale (Moleküle mit reaktionsfreudigen Elektronen) umgeordnet werden, wodurch sich neue Reaktionsprodukte ergeben können.[11]

Der Wärmeeintrag in biologisches Gewebe hängt von zahlreichen Faktoren ab:

  • von der Leistungsdichte des elektromagnetischen Feldes am Ort der exponierten Person, beeinflusst durch
    • die Leistung (und Richtcharakteristik) der Strahlungsquelle,
    • Absorption, Reflexion, Beugung und Streuung der Strahlen zwischen Strahlungsquelle und Strahlungsempfänger,
    • Abstand des Strahlungsempfängers
    • und von der Einwirkdauer
  • sowie im Körper [12]
    • von den Resonanzfrequenzen der ansprechbaren Moleküle (Schwingungsanregung von Molekülen mit Dipolmomenten, Anregung zur Rotation),
    • von der Frequenz bzw. dem Resonanzbereich dafür bzw. den Körperabmessungen,
    • von den elektrischen Materialeigenschaften, der elektrischen Leitfähigkeit und elektrischen Durchschlagsfestigkeit der Gewebe
    • vom Wassergehalt der Gewebe,
    • von den Körperabmessungen im Bezug zu den Wellenlängen, für die der Körper als Aufnahmeantenne dient in Verbindung mit der
    • Ausrichtung des Körpers im Feld,
    • auftretende Absorptionsspitzen, hervorgerufen durch im Körper oder außerhalb des Körpers stattgefundenen Reflexionen, Beugungen oder Streuungen,
    • induzierten Wirbelströmen

Aufgrund der zahlreichen Faktoren ist eine Grenzwertfestsetzung nicht einfach.[13] Die Wärmewirkung wird zudem beeinflusst[14]

  • von der Empfindlichkeit der Gewebe bzw. Zellen für Wärme
  • durch die Abkühlung aufgrund der Durchblutung
  • von der Körpermasse,

Beim Elektrosmog sind alltäglich vorkommende Leistungen pro Volumen jedoch derart gering, dass nur Erwärmungen um wenige Zehntel Kelvin auftreten, die keine thermische Schädigung erwarten lassen. Anlagen, bei denen diese Grenze überschritten wird, sind abgeschirmt (etwa Mikrowellengeräte) oder vor Zutritt geschützt (Sendeanlagen). Durch Leckstrahlung an schlecht abgeschirmten Geräten mit hoher Leistung (etwa industrielle Kunststoff-Schweißgeräte) können Grenzwerte überschritten werden.[15]

Die thermische Belastung durch Mobilfunk nimmt in Gegenden mit gut ausgebauten GSM oder UMTS-Funknetzen tendenziell ab, weil die am Körper getragenen Mobiltelefone dort eine geringere Sendeleistung benötigen und diese mit der Basisstation (dem Funkmasten) über das Sendeprotokoll auch aushandeln. Die Feldstärken, die von den Funkmasten ausgehen, sind wegen der verglichen mit dem Mobiltelefon großen Entfernung der Sendemasten am Körper der exponierten Person verschwindend gering. Man kann davon ausgehen, dass die Grenzwerte (vgl. Elektromagnetische Umweltverträglichkeit) von Mobiltelefonen eingehalten und unterschritten werden, selbst in schwach ausgebauten Funknetzen, in denen eine hohe Sendeleistung der Telefone eingestellt wird.

[Bearbeiten] Nichtthermische Wirkungen

Dabei muss man unterscheiden zwischen athermischen Wirkungen, die bei größeren Strahlungsintensitäten auftreten, obwohl eine relevante Erwärmung durch Kühlung verhindert wurde, und nichtthermischen Wirkungen, die bei geringen Strahlungsstärken auftreten, die an sich keine relevanten Temperaturerhöhungen verursachen.[16] Nichtthermische Wirkungen treten nicht im gesamten Hochfrequenzbereich auf, sondern nur bei spezifischen Resonanzfrequenzen, Strahlenstärken und zeitlichem Verlauf der Strahlung. [17]

Zahlreiche biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder sind nachgewiesen oder werden diskutiert, u. a. eine Auswirkung auf die Erzeugung des Hormons Melatonin (Melatoninhypothese), funktionale Beeinflussungen des Nervensystems durch Demodulation von Signalen an elektrisch nichtlinearen Grenzflächen und die thermische Wirkung.

Magnetische Wechselfelder können aber auch Wirbelströme in leitfähigen Stoffen wie auch biologischem Gewebe induzieren, die wiederum entsprechend dem spezifischen elektrischen Widerstands wie bei einem Heizwiderstand zum Großteil in Wärme umgewandelt werden.

Elektrische Felder dringen im Gleichgewichtsfall nicht in einen leitfähigen Körper ein, sondern enden zufolge der Influenz an deren Oberfläche, beispielsweise an der Oberfläche des menschlichen Körpers, von Pflanzen oder Gebäuden, anders als magnetische Felder, die auch die Körper durchdringen.[3]

In Hochfrequenzfeldern werden aufgrund von Kernspinresonanz eine Vielzahl von Atomkernen und -bindungen angeregt (siehe dazu Kernspinresonanzspektroskopie und Kernspinresonanztomografie), die bei der Resonanzfrequenz aufgenommene Energie wird aber nicht in Wärmeenergie umgewandelt, sondern in Form von elektromagnetischer Energie wieder abgestrahlt.[18]

Weitere Wirkungen von Feldern wären der Stark-Effekt, der Zeeman-Effekt, der Kerr-Effekt und der photoelektromagnetische Effekt, die aber in der Elektrosmog-Diskussion bisher keine Rolle gespielt haben. Lediglich der Frey-Effekt (elektrosensible Personen hören Geräusche bei gepulsten Hochfrequenzfeldern) wird dem Elektrosmog zugerechnet.

[Bearbeiten] Grenzwerte

Hauptartikel: Elektromagnetische Umweltverträglichkeit: Grenzwerte

Grundsätzlich kann man Grenzwerte folgendermaßen einteilen:

  • Grenzwerte für ortsfeste Anlagen, wie etwa Sendeanlagen
  • Grenzwerte für mobile Anlagen, wie etwa Mobilfunktelefone
  • Grenzwerte für bestimmte Zustände, wie etwa „am Arbeitsplatz“.

[Bearbeiten] Grenzwerte für ortsfeste Anlagen

Um Schäden durch eine thermische Wirkung zu vermeiden, gibt es für ortsfeste Anlagen gesetzliche Grenzwerte, die unter anderem in der Verordnung über elektromagnetische Felder, kurz 26. BImSchV, niedergelegt sind. Diese gilt für Hochfrequenzsendeanlagen im Frequenzbereich 10 MHz bis 300 GHz, Niederfrequenzanlagen wie Freileitungen und Erdkabel, Elektroumspannanlagen und sämtliche Bahnstromleitungen und Umspann- und Schaltanlagen.[19]

In Österreich gibt es dafür eine rechtlich nicht verbindliche „ÖNORM E 8850 Elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder im Frequenzbereich von 0 Hz bis 300 GHz - Beschränkung der Exposition von Personen“ (vom 1.8.2005) zum Schutz von Personen vor unzulässiger Exposition in elektromagnetischen Feldern im Frequenzbereich von 0 Hz bis 300 GHz, veraltete Vorgängernormen hatten die Nummern S 1119 (1993 und 1994) und S 1120 (1992 und 1998).[20]

[Bearbeiten] Grenzwerte für mobile Anlagen

Für andere Geräte wird der SAR-Wert angesetzt, für den ein Grenzwert von 2 W/kg empfohlen wird, der jedoch nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Dieser Grenzwert wird von typischen Geräten wie Mobiltelefonen und WLAN-Sendern nicht erreicht. Bei Mobiltelefonen ist er abhängig von der aktuellen Sendeleistung und liegt bei allen aktuell verfügbaren Geräten unter dem Grenzwert.

[Bearbeiten] Grenzwerte am Arbeitsplatz

Grenzwerte zum Schutz der Bevölkerung am Arbeitsplatz sind in Deutschland in der Berufsgenossenschaftlichen Vorschrift BGV B11 „Elektromagnetische Felder“ niedergelegt. Sie bezieht sich auf elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder im Frequenzbereich 0 Hz bis 300 GHz. Sie unterscheidet Grenzwerte nach beruflicher Exposition und der Exposition der allgemeinen Bevölkerung. Sie legt fest, innerhalb welcher Frequenzbänder die verschiedenen Grenzwerte gelten.[21] Die BGV B11 lehnt sich an die ICNIRP Empfehlungen an.

[Bearbeiten] wissenschaftlicher Streit

Bisher liegen keine breit anerkannten wissenschaftlichen Beweise für die Schädlichkeit von Elektrosmog gegenüber Menschen vor. Nachgewiesen ist bisher generell die thermische Wirkung von Hochfrequenz auf wasserhaltiges Gewebe. Alle möglichen Wirkungen auf Zellverbände und gegebenenfalls mögliche Resonanz in einzelnen Zellen harren noch der stichhaltigen Beweisführung. Alle angeblichen Wirkungen im Gehirn oder entlang der Nervenbahnen sind ebenfalls bisher ohne stichhaltige Beweisführung.

Im Bereich Elektrosmog laufen diverse Untersuchungen. Das EMF-Portal[22] nannte im Februar 2010 13.391 Publikationen.

In einer Stellungnahme des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz zu verschiedenen öffentlich diskutierten Studien, welche auf möglich Schäden durch elektromagnetische Strahlung hinweisen, werden ausnahmslos alle Studien wegen verschiedener methodischer Fehler oder mangelnder Wiederholbarkeit der angeblichen Ergebnisse bemängelt.[23]

Die Diskussion um Elektrosmog wird häufig emotional, subjektiv und unwissenschaftlich geführt. In diesem Zusammenhang nicht ungewöhnlich sind diverse Warnungen in den Medien vor negativen Auswirkungen, obgleich keine allgemein anerkannten Belege existieren. Zu den Studien werden gegenseitig Manipulierungsvorwürfe erhoben in Bezug auf die Art der Datenerhebung und die Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen. Eine offene Diskussion wird oft mit ideologischer Härte unterbunden, um den Aufwand für eine ausgewogene Bewertung zu sparen oder weil unbequeme Ergebnisse befürchtet werden. Man wirft sich gegenseitig vor, Studien im eigenen Sinne zu manipulieren oder absichtlich falsche Schlüsse zu ziehen und konstruiert Verschwörungstheorien.

Oft wird zudem ein genereller Nachweis für die Unschädlichkeit, auch für noch unbekannte, vermutete Wirkmodelle gefordert, der aus erkenntnistheoretischen Gründen nicht erfüllbar sein kann. Prinzipiell kann nur eine bestimmte Schädlichkeit nachgewiesen werden. Die wissenschaftliche Vorgehensweise der ICNIRP sowie seine starke Nähe zur Industrie wurde im Jahr 1999 vom neuseeländischen Wissenschaftler Neil Cherry in einer Studie untersucht. Darin kommt er zu dem Ergebnis, dass die Herangehensweise der ICNIRP, die nur auf der thermischen Sicht basiert, bezüglich wissenschaftlicher Nachweise und Methodologie der Grenzwertsetzung zum Schutz der Gesundheit der Allgemeinbevölkerung falsch ist.[24]

Mobilfunkktelefonie und ihre Anwendungen werden oft als „Milliardenmarkt“ bezeichnet,[25] wobei Gegner des Elektrosmogs aber auch Mobilfunkbefürworter häufig Meldungen lancieren, dass Gutachten und Forschungsergebnisse deswegen „gekauft“ und „gefälscht“ seien.[26][27]

[Bearbeiten] vermutete Schädlichkeit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Handystrahlung als „möglicherweise krebserregend ein.[28][29] Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO verweist dabei auf eine Studie aus dem Jahr 2004, die bei intensiver Nutzung von Mobiltelefonen ein um 40% erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Glioms ermittelte.[30][31]

Anhänger der These "Elektrosmog ist schädlich" vermuten, dass die im Alltag derzeit übliche elektromagnetische Strahlung sich schädlich auf den menschlichen Organismus auswirke, auch wenn die Pegel gering sind und thermische Wirkungen angesichts der Pegel vernachlässigbar sind. Hierfür sprächen nach deren Ansicht von unabhängigen Wissenschaftlern erstellte Studien, die mit einer bestimmten statistischen Signifikanz eine schädigende Wirkung festgestellt hätten[32] und eine große Anzahl subjektiver Äußerungen über Befindlichkeitsstörungen.

Es wird argumentiert, dass bei vielen Technologien und Substanzen auch erst zu einem späteren Zeitpunkt ihre Schädlichkeit festgestellt wurde und daher sei auch bei elektromagnetischen Feldern Vorsicht geboten. Als Beispiele werden Röntgenstrahlen, Radioaktivität, Asbest oder Contergan genannt. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) könnte nichtionisierende Strahlung gesundheitliche Folgen haben: Um möglichen gesundheitlichen Risiken vorzubeugen, empfiehlt das BfS, die persönliche Strahlenbelastung durch eigene Initiative zu minimieren.[33][34] Belege für die gesundheitlichen Wirkungen beruhen bisher vor allem auf anekdotischen Berichten.[35][36]

[Bearbeiten] verneinte Schädlichkeit

Befürworter der These "Elektrosmog ist unschädlich" argumentieren, dass es nicht ausreiche, statistisch signifikante Studien anzugeben, die eine Schädigung belegen sollen. Denn auch dann, wenn der Effekt nicht existiert und alle Studien fehlerfrei sind, ist statistisch zu erwarten, dass 5 % der Studien signifikant und 1 % der Studien hochsignifikant sind. Dazu kämen häufig Fehler im Versuchsaufbau oder bei der Datenerhebung, die einen signifikanten Effekt vortäuschten. Aussagekräftig sind nur unabhängig reproduzierbare signifikante Studien. Studien, die eine schädigende Wirkung feststellten, hätten jedoch bisher nicht reproduziert werden können oder es seien methodische oder systematische Fehler gemacht worden. Studien, die schädigende Wirkung durch Elektrosmog feststellten, seien ohne Berücksichtigung der realen Bedingungen nur im Labor oder ohne die Berücksichtigung weiterer lokaler Zusammenhänge vor Ort (beispielsweise zusätzliche Belastungen) erfolgt. Studien zeigten keinen Zusammenhang bei angeblich elektrosensiblen Personen zwischen Strahlungsexposition und Auftreten von Beschwerden (Nocebo-Effekt), zudem traten mehrfach Beschwerden auch bei neuen aber noch nicht angeschlossenen Sendemasten auf.[37][38][39] Subjektive Eindrücke sagen nichts über die Existenz einer Schädigung aus, da sie suggestiven Einflüssen unterliegen und deshalb nicht verwertbar sind.

[Bearbeiten] Wirkungsstudien

In den 1990er Jahren gab es verschiedene Untersuchungen von elektromagnetischen Feldern auf die Blut-Hirn-Schranke bei Ratten mit unterschiedlichen Ergebnissen. So wurden von einer Arbeitsgruppe um die Wissenschaftler Salford und Persson verschiedene Studien veröffentlicht,[40] die bereits bei einer SAR von 0,002 W/kg (1/1000 des heutigen Grenzwertes) gehäuft abnormale Nervenzellen festgestellt haben. Dieser Effekt wurde bis zu einer SAR von 0,2 W/kg stärker, weitere Erhöhungen waren dagegen wirkungslos. Von dem BfS wird die Studie vor allem für die subjektive Kategorisierung der Ergebnisse in keine, wenig und viele abnormale Zellen kritisiert. Ebenso wird die indirekte Messmethode der SAR kritisiert. Salford selber konnte die Ergebnisse dieser Studie bisher nicht reproduzieren.[41] Eine ähnliche Studie von 1997[42] zeigte hingegen bei 0,3 und 1,5 W/kg keinen signifikanten Anstieg, sondern erst bei 7,5 W/kg, also weit über dem Grenzwert. Auch eine japanische Untersuchung[43] kommt auf keinerlei signifikanten Anstieg bei 2 W/kg. Eine australische Studie[44] konnte keinen Zusammenhang zwischen der SAR und den Folgen feststellen.

In der sogenannten Naila-Studie[32] wurde untersucht, ob ein zahlenmäßiger Zusammenhang zwischen der Nähe zu einem Mobilfunksender und der Zahl der Krebserkrankungen in einer Region festzustellen ist. Hierbei war eine deutliche Zunahme bei der Gruppe in einem Umkreis von weniger als 400 m gegenüber der Vergleichsgruppe außerhalb dieses Bereiches festzustellen. Vom BfS wird diese Studie vor allem dafür kritisiert, dass sie Felder und Erkrankungen als Ursache und Wirkung definiert, ohne zu prüfen, ob überhaupt ein Zusammenhang besteht (cum hoc ergo propter hoc).[45] Dazu werden weitere Schwächen benannt wie etwa, dass die Gesamtzahl der Krebserkrankungen deutlich geringer ist, als zu erwarten wäre und dass die Einordnung in nah und fern zu ungenau sei.

Die REFLEX-Studie hatte zunächst scheinbar gezeigt, dass bei extrem starken Feldern ein reproduzierbarer Zusammenhang zwischen alltäglicher elektromagnetischer Strahlung und Zellschädigungen bestehen kann.[46] Diese Laborergebnisse ließen, selbst wenn sie wahr gewesen wären, keinen Schluss auf Krankheiten zu, die durch derartige Strahlung hervorgerufen werden.[47] Die Reflex-Studie ist inzwischen laut Medienberichten hinsichtlich angeblich festgestellter Strangbrüche im Erbgut ungültig, da Laborergebnisse offenbar bewusst gefälscht worden sind.[48]

Eine kontrollierte Doppelblind-Studie über Wirkungen von GSM-Mobilfunksignalen auf Menschen wurde 2007 veröffentlicht. Wissenschaftler der Wayne State University & Uppsala University, USA und des schwedischen Karolinska Institutet fanden nach dreistündiger Mobiltelefon-typischer Bestrahlung des Kopfes unter anderem mit Elektroenzephalografie ein gestörtes Schlafverhalten bei einer signifikant hohen Anzahl der Probanden. Die Kontrollgruppe wurde einer scheinbaren Bestrahlung (ohne GSM-Mobilfunksignale) ausgesetzt. Die Gruppenzuordnung (echte/scheinbare Bestrahlung) wurde von den Probanden nur mit Zufallswahrscheinlichkeit erraten. Verwendet wurde ein GSM-Signal von 884 MHz mit gemitteltem SAR = 1.4 W/kg. Ausgewertet wurden von den Probanden berichtete Beobachtungen und neurophysiologische Messdaten.[49]

[Bearbeiten] Maßnahmen gegen Elektrosmog

Vielfach werden so genannte Elektrosmog- oder Handystrahlenfilter angeboten, die vor Strahlung schützen sollen. Die Wirkung ist meist zweifelhaft, da diese Filterung keine geschlossene Abschirmung erzeugt. Besonders bei Mobiltelefonen wird vom Anbringen solcher Aufkleber oder Folien dringend abgeraten, da diese die Nutzaussendung des Geräts beeinträchtigen können, wodurch der Regelkreis zwischen Mobilteil und Basisstation gestört wird. Bei Benutzung sendet das Mobilgerät meist mit höherer Leistung, als in der jeweiligen Situation erforderlich wäre. Dadurch wäre eine eventuelle Schädlichkeit eher erhöht als verringert.

Oft messen sogenannte Baubiologen niederfrequente elektrische und magnetische Wechselfelder, hochfrequente elektromagnetische Wellen sowie elektrische und magnetische Gleichfelder. Zur Bewertung werden sowohl staatlich anerkannte Grenzwerte als auch von Baubiologen anders begründete Richtwerte herangezogen. Gemessen wird die räumliche Verteilung der vorgefundenen Felder und deren Stärke (zeitpunkt- und zeitraumbezogen) und Frequenz. Zudem werden verborgene Strahlungsquellen gesucht. Baubiologe ist kein staatlich anerkannter Beruf.

Zur Verringerung der niederfrequenten elektrischen Wechselfelder in Wohnungen werden Netzfreischalter empfohlen. Ein solcher Schalter trennt die Leitung in der Haus-Verteilanlage vom Stromnetz ab, solange ihr kein Strom entnommen wird.

[Bearbeiten] Literatur

  • Andras Varga: Grundlage des Elektrosmogs in Bildern. Messung, Berechnung, biologische Auswertung. Umwelt und Medizin, Heidelberg 2002, ISBN 3-00-009180-7.

[Bearbeiten] Weblinks

Bezeichnend für die Qualität der Diskussion sind folgende beiden Links. Sie stehen im direkten Bezug zueinander:

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Deutsches Umweltbundesamt für Mensch und Umwelt, Bundesamt für Strahlenschutz, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Bundesinstitut für Risikobewertung, Robert Koch Institut (Hrsg.): Gesünder Wohnen – aber wie, Praktische Tipps für den Alltag. S. 39, pdf-Datei, abgerufen am 26. November 2011
  2. Hochspannungs-erdkabel sind die Zukunft. abgerufen am 17. Dezember 2011
  3. a b c d e Maike Lindenmann, Hans-Peter Leimer, Carsten Rusteberg:Ausbreitung elektromagnetischer Wellen. abgerufen am 28. November 2011
  4. Die Internationale Gesellschaft für Elektrosmogforschung IGEF, abgerufen am 17. Dezember 2011
  5. Technische Quellen für Felder, emf-Portal, abgerufen am 17. Dezember 2011
  6. Elektrosmog in, an und durch die Bahn, abgerufen am 17. Dezember 2011
  7. Fred-Jürgen Breit: Personenschutz am Beispiel der Magnetresonanztomografie. In: Gepulste Felder – eine besondere Gefahr für die Gesundheit? pdf-Datei, BG Elektro Textil Feinmechanik, online abrufbar, abgerufen am 17. Dezember 2011
  8. Oscar Frankl: Die physikalischen Heilmethoden in der Gynäkologie., online archiviert, abgerufen am 17. Dezember 2011
  9. Nagelschmidt: Diathermie. 2. Auflage. online archiviert, abgerufen am 17. Dezember 2011.
  10. Thermische Schäden bei Pathologie online, abgerufen am 17. Dezember 2011
  11. A. J. Hoff, H. Rademaker, R. van Grondelle, L. N. M. Duysens: On the magnetic fields dependence of the yield of the triplet state in reaction centers of photosynthetic bacteria. In: Biochim. Biophys. Acta. 460 (1977), S. 547–551.
  12. Leitgeb: Strahlen, Wellen, Felder – Ursachen und Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. pdf-Auszug, abgerufen am 13. Dezember 2011
  13. Nicholas H. Steneck, Harold J. Cook, Arthur J. Vander, Gordon L. Kane: Die Ursprünge der US-amerikanischen Sicherheitsstandards für Mikrowellenstrahlung. deutsche Übersetzung von Katharina Gustavs. In: Science. Vol. 208, 13. Juni 1980.
  14. Norbert Leitgeb: Strahlen, Wellen, Felder – Ursachen und Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit, pdf-Auszug, abgerufen am 13. Dezember 2011
  15. Norbert Leitgeb: Strahlen, Wellen, Felder – Ursachen und Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. pdf-Auszug, S. 21, abgerufen am 13. Dezember 2011
  16. Norbert Leitgeb: Strahlen, Wellen, Felder – Ursachen und Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. pdf-Auszug, S. 2, abgerufen am 13. Dezember 2011
  17. Strahlen, Wellen, Felder – Ursachen und Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. pdf-Auszug, S. 40, abgerufen am 13. Dezember 2011
  18. Das Magnetresonanzphänomen.
  19. 26.BImSchV, abgerufen am 21. Dezember 2011
  20. Baudatenbank, abgerufen am 21. Dezember 2011
  21. BGV B11 Elektromagnetische Felder
  22. EMF-Portal – wissenschaftliche Literaturdatenbank des FEMU Aachen zu den biologischen Wirkungen elektromagnetischer Felder (EMVU/EMF)
  23. Zusammenstellung der Studien, die öffentliches Interesse erweckt haben, und deren Bewertung durch das BfS. Bundesamt für Strahlenschutz, undatiert
  24. N. Cherry: Kritik der Einschätzungen der Auswirkungen auf die Gesundheit in den ICNIRP-Richtlinien für Hochfrequenz- und Mikrowellenstrahlung (100 kHz–300 GHz. Vom 31. Januar 2000
  25. Milliardenmarkt Werbung auf Handys
  26. Studien über Gefahren der Handystrahlung gefälscht?
  27. Peter Hansinger: Von subtiler Fälschung zur Wirtschaftskriminalität.
  28. Weltgesundheitsorganisation - Krebsrisiko bei intensiver Handy-Nutzung. auf: sueddeutsche.de, 31. Mai 2011.
  29. Auswertung - WHO sieht möglichen Zusammenhang zwischen Handys und Krebs. auf: spiegel.de, 1. Juni 2011.
  30. IARC press release 208. 31. Mai 2011.
  31. IARC press release 200. zur Interphone Studie vom 17. Mai 2010.
  32. a b Naila-Studie (Artikel nicht Peer-Reviewed, jedoch ist die Stellungnahme des BfS verfügbar)
  33. Bundesamt für Strahlenschutz - Elektromagnetische Felder
  34. Bundesamt für Strahlenschutz: DECT – Strahlenquelle in der Wohnung
  35. Schweizerische Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener: Die eingebildeten Kühe und ängstlichen Schweine von Beromünster. 19. Februar 2009.
  36. Überlandleitungen stören Kuh-Kompass. auf: Spiegel-Online. 17. März 2009.
  37. Newsletter der Forschungsgemeinschaft Funk e. V. (Sept. 2006), S. 28.
  38. Gerlinde Kaul (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Berlin Nov.2006) online: http://www.baua.de/nn_49914/de/Themen-von-A-Z/Elektromagnetische-Felder/pdf/Vortrag-05.pdf
  39. Elaine Fox: Does Short-Term Exposure to Mobile Phone Base Station Signals Increase Symptoms in Individuals Who Report Sensitivity to Electromagnetic Fields? A Double-Blind Randomized Provocation Study. In: Environmental Health Perspectives. vol 115, number 11, November 2007.
  40. Salford-Studie (englisch, Stellungnahme des BfS)
  41. http://bioelectromagnetics.org/doc/bems2007-abstracts.pdf
  42. K. Fritze, C. Sommer, B. Schmitz, G. Mies,K.-A. Hossmann, M. Kiessling, C. Wiessner: Effect of global system for mobile communication (GSM) microwave exposure on blood-brain barrier permeability in rat. In: Acta Neuropathol. 94 (1997), S. 465–470.
  43. G. Tsurita, H. Nagawa, S. Ueno, S. Watanabe, M. Taki: Biological and morphological effects on the brain after exposure of rats to a 1439 MHz TDMA field. In: Bioelectromagnetics. 21 (2000), S. 364–371.
  44. J. W. Finnie, P. C. Blumberg, J. Manavis, D. Utteridge, V. Gebski, R. A. Davies, B. Vernon-Roberts, T. R. Kuchel: Effect of long-term mobile communication microwave exposure on vascular permeability in mouse brain. In: Pathology. 34 (2002), S. 344–347.
  45. BfS-Stellungnahme zu Naila, vorletzter Absatz
  46. REFLEX Projekt In-vitro-Experimente von EM-Bestrahlung an Einzelzellen (englisch)
  47. Stellungnahme des BfS zur REFLEX-Studie
  48. Beim Tricksen ertappt. In: Der Spiegel. Heft 22/2008 und Spiegel Online.
  49. Bengt Arnetz et al.: The Effects of 884 MHz GSM Wireless Communication Signals on Self-reported Symptoms and Sleep. An Experimental Provocation Study PIERS ONLINE, VOL. 3, NO. 7, 2007, pp.1148-1150
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