Elephant Man

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Spielfilm The Elephant Man siehe Der Elefantenmensch.
Elephant Man beim Ruhr Reggae Summer 2014

Elephant Man (* 11. September 1975 in Seaview Garden, Kingston, Jamaika; eigentlicher Name O'Neil Morgan Hughlin Bryant) ist ein Dancehall-Deejay.

Person, Musikstil[Bearbeiten]

Elephant Man trägt den Beinamen Energy God, der aus seiner dynamischen Bühnenpräsenz ableitet wird. Bei Livekonzerten führt er gelegentlich neue Tänze auf und vermittelt sie dem Publikum. Ihm zugeordnet werden die Erfindung beispielsweise des Log On und des Scooby Doo. Sein Markenzeichen sind seine grell gefärbten, meist blonden oder feuerroten Haare und ein ausgefallener Kleidungsstil. Der Musiker besitzt eine tiefe Stimme, die oft in eine charakteristische Fistelstimme umschlägt. Sein akustisches Markenzeichen ist ein leichtes Lispeln.

Bekannte, immer wieder bei Konzerten und Veröffentlichungen verwendete Zitate bzw. Ausrufe sind: Scoobay, Shot Out, Weedyweedyweedyweedy, Call me Nigga, Shizzle ma Nizzle oder einfach nur Shizzle

Biografie[Bearbeiten]

Elephant Man beim Ruhr Reggae Summer 2014
Elephant Man bei dem Reggae Sundance 2013

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Sein Künstlername leitet sich von seinen Jugendspitznamen Dumbo oder Dubbed Dumbo ab. Diesen bekam er im Alter von 13 Jahren, von seinem Mitschüler mit dem Spitznamen Crack Skull, der behauptete, Bryant habe größere Ohren als der gleichnamige Disneycharakter[1]. Den Namen legte er erst als Erwachsener ab. Im Alter von 15 war er in der Schule schon bekannt für seine Talente als Deejay und für seine auf dem Schulpult produzierten Rhythmen.[1] Oben genannter Crack Scull erkannte später dann auch das Talent von Bryant und machte mit ihm einige Aufnahmen in seinem Studio in Seaview, Jamaika. Er animierte ihn auch sich in anderen Studios vorzustellen und sein Talent weiter auszubauen, indem er sich als Straßenmusiker betätigte.

Scare Dem Crew[Bearbeiten]

Jedoch war es der zu dieser Zeit schon als Deejay erfolgreiche Bounty Killer, der ihn zu seiner Karriere verhalf. Bounty Killer, der bekannt dafür war und ist junge Musiktalente zu fördern, war auf der Suche nach vier jungen, männlichen individuellen Deejays für eine Dancehallformation. Außer Elephant Man waren noch Harry Toddler, Boom Dandimite und Nitty Kutchie dabei. Zusammen bildeten sie die Formation Seaview Familie. Nach der Veröffentlichung ihrer ersten Single mit dem Titel "Big Guns Scare Dem", die ein großer Erfolg auf Jamaika wurde, nannten sie sich in Scare Dem Crew um, die bald im gesamten karibischen Raum bekannt wurde. Bekannt war die Crew vor allem wegen ihres Staccato-artigen Deejaying, unterbrochen vom Gesang des Sängers Nitty Kutchie. Zusammen mit der Scare Dem Crew brachte Elephant Man zwei Alben und mehrere Singles heraus und traten später auch auf großen Festivals in Amerika und Europa auf.

Von 1999 bis heute[Bearbeiten]

Im Jahr 1999 trennten sich die Mitglieder im Streit und Bryant begann seine äußerst erfolgreiche Karriere als Solokünstler. Den Namen Elephant Man, den er sich während seiner Zeit bei der Scare Dem Crew zulegte, behielt er bis heute bei. Unter diesem Namen veröffentlichte er schon seit 1995 Songs auf verschiedenen Labels. Seine erste Single unter dem Namen Elephant Man ist der Song "Heng Them" zusammen mit dem Jamaikaner Robert Lee auf dem englischen Label Greensleeves Records. Die erste Solo-Single trägt den Namen "Cry Fi We" und erschien auf den amerikanischen Label Black Shadow Records im Jahr 1998. Seine erste Produktion als Solokünstler erschien auf dem jamaikanischen Label Fat Eyes Records und trägt den Namen "Come Out A Yah" von 1999. Seit dem veröffentlicht Elephant Man mehrere Singles auf verschiedenen Labels im Jahr. Sein erstes Album trägt den Namen "Comin' 4 You" mit 23 Titeln und ein Intro auf Greensleeves Records. In den enthaltenden Song "One More (Start A War)" singt und toastet er zusammen mit den jamaikanischen Dancehallkünstlern Wayne Marshall und Ward 21. 2001 erscheint der Bad Kalic Riddim auf dem Label Stone Love auf dem Elephant Man den Song Shizzle Ma Nizzle veröffentlicht. Der Titel des Songs ist seitdem ein bekanntes Zitat des Künstlers. Im gleichen Jahr erscheint das Album "Log On" dessen gleichnamiger Titel einige Jahre später Kontroversen auslöste. 2003 erscheint die Single "Shake Baby Shake" in der er mit der deutschen Band Seeed zusammenarbeitet. Die Aufnahmen zu den Song wurden in Kingston, Jamaika durchgeführt. Dazu wurde eine kurze Dokumentation gedreht die auf der im Jahr 2006 erschienenen DVD "Seeed Live" von Seeed enthalten ist. Die Single ist auf dem deutschen Label Germaican Records erschienen. Der Song ist außerdem auf dem 2004 erschienenen Album Seeed-Album "Music Monks" enthalten. 2004 wurde Elephant Man auch außerhalb Jamaikas und der Dancehall-Szene bekannt, als die Firma Puma sein Lied All Out für ihren Werbespot zur Olympiade in Athen benutzte. Ein Jahr darauf veröffentlicht er zusammen mit der barbadischen Pop-Sängerin Rihanna den Song "Pon De Replay" auf dem New Yorker Hip Hop-Label Def Jam Recordings. Im selben Jahr erscheint seine erste DVD die Liveaufnahmen seiner Geburtstagskonzerte aus den Jahren 2003 und 2004 zeigen, gemischt mit Interviews. 2007 veröffentlichte er auf dem Label von US-Rapper P.Diddy Bad Boy Entertainment zusammen mit Wyclef Jean den Song "Five-O". Im selben Jahr übernahm er Gesangsparts auf der Hit-Single "Whine Up" zusammen mit der New Yorker Contemporary R&B- und Dancehall-Sängerin Kat DeLuna, die auf Platz 29 in den Billboard Hot 100-Charts kam und auch in diverse andere Charts einstieg.

Zu seinen größten Erfolgen zählen u.a. die Songs "Replacement Killer" (2000), "Log On" und "Higher Level" von 2001, "Elephant message" und "Pon The River, Pon De Bank" von 2002, "Father Elephant" auf dem bekannten Kopa Riddim von 2005, und "Nuh Linga" (2009).

Kritik und Indizierung[Bearbeiten]

Im Jahr 2001 veröffentlichte er den auf dem Liquid Riddim basierenden Hit Log On, der einen gleichnamigen Modetanz begleitete. Dieses, und einige andere Songs, welche unter anderem Mordaufrufe gegen Schwule enthalten,[2] sorgten wegen ihrer homophoben Texte für Proteste, vor allem von LGBT-Organisationen.[3] Im Dancehall sind solche Texte, die als Battyman-Tunes bezeichnet werden, weit verbreitet.

2006 erklärte Elephant Man vor den Kameras des deutsch-französischem Kultursenders Arte, dass er nichts mehr sagen werde, was Homosexuelle beleidigt.[4]Zudem betonte er, dass derartiges Liedgut der Vergangenheit angehöre. Der Sender wertete diesen Schritt als authentische und deutliche Distanzierung. Das Internetmagazin queer.de konstatierte, dass sich Elephant Man im Gegensatz zu Kollegen (...) an die Abmachung halte, nicht mehr zur Gewalt aufzurufen.[5] 2007 unterschrieb er den Reggae Compassionate Act (RCA), ein Abkommen mit den Initiatoren der Kampagne „Stop Murder Music“. Demnach wird altes Liedgut homophoben Inhalts nicht mehr gespielt, neue entsprechende Inhalte werden nicht mehr produziert.

2009 wurde die Elephant Man CD "Log On" und "Monsters of Dancehall" von der Bundesprüfstelle wegen Jugendgefährdung indiziert.[6][7] Unter Hinweis auf seine Texte, wurde versucht ihn für die Einreise nach Europa zu sperren, alle Konzerte in Deutschland und für 2009 angekündigte Konzerte in Mainz und Düsseldorf, abgesagt.[8][9][10][11]

2013 sollte der Künstler mehrere Konzerte in Europa geben, darunter auch eines am Chiemsee Reggae Summer. Nach Angabe des Veranstalters des Chiemsee Reggae Summer, hat der Künstler, nachdem er bereits einige Shows in Europa gespielt hatte "mit einem vermutlich sechsstelligen Vorkassenbetrag von mehreren bestätigten Veranstaltungen Europa von Brüssel aus Richtung Jamaika fluchtartig verlassen". [12]

Diskografie[Bearbeiten]

Veröffentlichungen mit Scare Dem Crew sind hier nicht berücksichtigt. Elephant Man hat außerdem auch viele Riddims besungen, bzw. betoastet und viele Singles mit unbekannten Veröffentlichungsdaten herausgebracht, die hier ebenfalls nicht berücksichtigt wurden.

Alben[Bearbeiten]

Singles, Dubplates[Bearbeiten]

Singles mit anderen Künstlern[Bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten]

  • Third World Cop, 1999
  • Def Jam: Fight for NY (Videospiel, 2004)
  • Elephant Man = Direct from Jamaika, 2005
  • Elephant Man Live, 2007

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Elephant Man Biografie auf www.sing365.com
  2. Homophobic Reggae Artist Elephant Man abgerufen am 24. August 2008
  3. Queer:Brighton verbietet Hass-Musik
  4. http://www.youtube.com/watch?v=NNuYyUYthaY&feature=player_embedded#at=165
  5. http://www.queer.de/detail.php?article_id=5190
  6. dip21.bundestag.de (PDF-Datei; 277 kB): Drucksache 17/2348 Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage zur Situation schwuler und lesbischer Jugendlicher, Liste der seit 2005 bis 2009 indizierten Tonträger, Indizierte Alben von Elephant Man: S. 16, Nr. 54 und 62
  7. LSVD begrüßt Indizierung von Hass-Musik aus Jamaika
  8. Reichert: Warum nicht Schwulenhasser am Flughafen abfangen und zurückschicken? taz 29. August 2008
  9. Neue Initiative gegen Hassmusiker - Elephant Man soll in den Schengen Raum nicht mehr einreisen dürfen 27. August 2008
  10. LSVD: Für Oktober 2008 geplante Elephant Man Konzertreihe abgesagt
  11. LSVD: Die für September 2009 in Mainz und Düsseldorf geplanten Elephant Man Konzerte abgesagt
  12. rollingstone.de Chiemsee Reggae Summer: Elephant Man tritt nicht auf, haut mit Gage nach Jamaika ab

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Elephant Man – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien