Ellrich

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ellrich (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ellrich
Ellrich
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ellrich hervorgehoben
51.58555555555610.668055555556255Koordinaten: 51° 35′ N, 10° 40′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Nordhausen
Höhe: 255 m ü. NHN
Fläche: 69,42 km²
Einwohner: 5516 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99755
Vorwahl: 036332
Kfz-Kennzeichen: NDH
Gemeindeschlüssel: 16 0 62 005
Adresse der
Stadtverwaltung:
Salzstraße 8
99755 Ellrich
Webpräsenz: www.stadtellrich.de
Bürgermeister: Matthias Ehrhold
Lage der Stadt Ellrich im Landkreis Nordhausen
Thüringen Bleicherode Buchholz Ellrich Etzelsrode Friedrichsthal Görsbach Großlohra Hainrode (Hainleite) Harztor Harzungen Heringen/Helme Herrmannsacker Hohenstein Kehmstedt Kleinbodungen Kleinfurra Kraja Lipprechterode Neustadt/Harz Niedergebra Nohra Nordhausen Sollstedt Urbach Werther Wipperdorf WolkramshausenKarte
Über dieses Bild

Ellrich im Landkreis Nordhausen ist die nördlichste Stadt Thüringens und hat nach der Einwohnerzahl den Status einer Kleinstadt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Zorge und die Große Uferstraße in Ellrich

Die Stadt Ellrich liegt an der Zorge am Südrand des Harzes, in unmittelbarer Nähe der Landesgrenze zu Niedersachsen. Ellrichs Stadtteil Sülzhayn befindet sich etwa drei Kilometer nordöstlich der Kernstadt in waldreicher Lage. Er verfügt über zahlreiche Sanatorien und Pensionen, die teilweise direkt im Wald liegen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen der acht Ortschaften am 31. Oktober 2013[2]:

Stadtteil Einwohnerzahl
Ellrich 3.341
Sülzhayn 982
Woffleben 484
Appenrode 417
Werna 209
Gudersleben 221
Rothesütte 115
Cleysingen  ?

Geschichte[Bearbeiten]

Ellrich um 1650

876 wurde Ellrich als „Alarici“ erstmals urkundlich erwähnt. Alariche, 1229 Elreke, 1229 Elrike wird mit dem altsächsischem Wort alira/elira, „Erle“ und dem Mittelniederdeutschen reke, „Reihe, Heckenzaun“, erklärt. Im Jahr 1286 erhielt Ellrich das Stadtrecht und im Jahr 1332 das Münzrecht. Ellrich mit Ortsteil Sülzhayn war 1641 von Hexenverfolgung betroffen. Eine Frau geriet in einen Hexenprozess und wurde zu Landesverweis verurteilt.[3] Ein Großbrand im Jahr 1627, bei dem große Teile der Stadt zerstört wurden, forderte zahlreiche Menschenleben. Dem Brand fielen u. a. auch die St.-Johannis-Kirche, das Rathaus und die Münzstätte zum Opfer. Die Münzstätte wurde nicht wieder aufgebaut. Seit 1869 führt eine Bahnverbindung nach Nordhausen und Northeim.[4][5][6]

Bei den Novemberpogromen 1938 wurde die bereits 1730 erbaute Synagoge der jüdischen Gemeinde in der Jüdenstraße niedergebrannt, die meisten der Gläubigen wurden deportiert und ermordet.[7] Während der Zeit des Nationalsozialismus gab es im Ort zwei Außenlager des KZ Dora-Mittelbau, nämlich Ellrich-Bürgergarten und Ellrich-Juliushütte. Letzteres war mit 8000 Insassen das größte Außenlager des KZ-Komplexes und unter den Häftlingen für seine harten Lebensbedingungen berüchtigt.

Deutschlandweit wurde der Ort bekannt, als sich zwischen Ellrich und Walkenried nach dem Zweiten Weltkrieg einer der bedeutendsten Eisenbahn-Grenzübergänge zwischen der britischen und der sowjetischen Besatzungszone an der Südharzstrecke befand. Dieser Übergang bestand bis zum Ende der DDR.

Ellrich (2012)

Ein 1975 veröffentlichtes Stadtportrait verweist mit Stolz auf die im Ort ansässige Modefirma VEB „ELDAMO“ - ein auf internationalen Messen prämierter Hersteller von Hochzeitskleidern und hochwertiger Damenmode. Im Ort wurde in einem zweiten Textilbetrieb, Filiale eines Eichsfelder Bekleidungswerkes, Konfektionsware und Berufsbekleidung in Großserie gefertigt. Die im Gebiet von Ellrich gelegenen Gipslagerstätten waren Grundlage einer Produktpalette von Schulkreide, Stuck- und Modelliergips sowie für medizinischen Bedarf hergestellte Gipsbandagen. Weiterhin war in Ellrich eine Gießerei ansässig, ein Werk für die Herstellung von Hackmessern (verwendet in Kaffee- oder Fleischmühlen) sowie eine als „Nordbau“ bekannte Spezialfirma für Bodenbeläge in Schul- und Turnhallen.[8]

Seit dem 30. März 1994 bildet Ellrich eine Einheitsgemeinde mit den Ortschaften Rothesütte, Sülzhayn, Appenrode, Werna, Woffleben, Cleysingen und Gudersleben.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 54,5 % (+1,0 %p)
 %
40
30
20
10
0
30,6 %
24,2 %
18,6 %
15,0 %
11,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-0,5 %p
-5,4 %p
+0,4 %p
+4,5 %p
+1,1 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d BürgerBewegung Ellrich

Stadtrat[Bearbeiten]

Die letzte Kommunalwahl hat folgende Sitzverteilung im Stadtrat zur Folge.[9]

Parteien und Wählergemeinschaften %
1999
Sitze
1999
%
2004
Sitze
2004
%
2009
Sitze
2009
%
2014
Sitze
2014
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 29,7 6 31,9 6 31,1 6 30,6 6
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 31,5 6 27,6 6 29,6 6 24,2 5
Die Linke Die Linke 18,4 4 24,1 5 18,2 4 18,6 4
BBE BürgerBewegung Ellrich 10,2 2 6,2 1 10,5 2 15,0 3
FDP Freie Demokratische Partei 8,5 2 10,2 2 10,6 2 11,7 2
Gesamt 20 20 20 20
Wahlbeteiligung in % 59,6 46,0 53,5 54,5
St. Johanniskirche
St. Marienkirche auf dem Frauenberg
Heimatmuseum im Unterhaus des ehemaligen Hospitals

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: „Rot-silber geschachter Schild“, der auf das Wappen der Grafen von Hohnstein zurückgeht.

Religionen[Bearbeiten]

In Ellrich befinden sich die evangelische St. Johannis-Kirche am Markt, die St. Marienkirche auf dem Frauenberg, die Hospitalkirche St. Spiritus in der Hospitalstraße und die katholische St. Bonifatius-Kirche. Die Neuapostolische Kirche an der Wallstraße wurde 2005 aufgegeben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Heimatmuseum Ellrich[Bearbeiten]

Das Ellricher Stadt- und Heimatmuseum befindet sich in den Räumen eines ehemaligen Hospitalgebäudes der Stadt Ellrich, Hospitalstraße 40. Die Dauerausstellung umfasst die Bereiche Ur- und Frühgeschichte der Umgebung, Natur (Tierwelt und Geologie) sowie Entwicklung typischer Handwerke der Stadt (Werkstatteinrichtungen von Webern, Schuster, Kunstschmied und Frisör). Außerdem besitzt das Ellricher Museum ein Musikzimmer mit Instrumentensammlung und die Ausstattung der ehemaligen Stadtapotheke. Die wechselnden Sonderausstellungen informieren über die Ereignisse der Stadtgeschichte.[10]

Denkmale[Bearbeiten]

  • An der Friedhofsmauer erinnert seit 1988 (ersetzt 1994) eine Gedenktafel an die jüdische Bevölkerung Ellrichs.
  • Ein Gedenkstein auf dem ehemaligen Appellplatz des Lagers Juliushütte erinnert an die in Ellrich verstorbenen KZ-Opfer.
  • Jeweils ein Denkmal befindet sich bei insgesamt zehn Gräbern sowjetischer Zwangsarbeiter im Ortsteil Gudersleben und auf dem Bergfriedhof des Ortsteiles Sülzhayn.
  • Auf dem Karl-Marx-Platz des Ortsteiles Woffleben erinnert eine Stele an die Opfer des Todesmarsches von 1945.[11]

verschwundene Denkmäler[Bearbeiten]

  • Auf dem Markt an der St. Johanniskirche stand das Kriegferdenkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Auf einem mehrstufigen Unterbau erhob sich auf einem Sockel ein Obelisk, der von einem Adler auf einer Kugel bekrönt wurde.

Glasmacher- und Köhlersiedlung Rothesütte[Bearbeiten]

Der ehemalige Forstort Rothesütte wurde 1679 gegründet, dort befindet sich seit 1944 als Technisches Denkmal eine Waldarbeiter-, Glashütten- und Köhlersiedlung. Zur Erläuterung dieser regionaltypischen Gewerke im Harz wurde durch die Stadt Ellrich das ehemalige Pfarrhaus und eine Schauanlage am Friedhof hergerichtet (Lage51.63166666666710.722777777778).[12]

Naturdenkmal Kelle-Höhle[Bearbeiten]

Das Gebiet um Ellrich ist reich an Karsterscheinungen, neben anderen auch Erdfälle und Höhlen. Nahe dem Ortsteil Appenrode befindet sich eine bereits 1589 beschriebene grottenartige Höhle, die Kelle (51° 34′ 29″ N, 10° 43′ 1″ O51.57472222222210.716991666667). Durch fortdauernde Verwitterung im 19. Jahrhundert ist sie teilweise eingestürzt. Die noch immer offen zugängliche Höhle besitzt am Eingang einen hallenartigen Raum von bis zu 25 Metern Höhe, 16 Metern Breite und 20 Metern Resttiefe. Vor dem Einsturz war diese Halle 95 Meter tief. Am Grund der Höhle befindet sich ein kleiner Höhlensee mit einer Maximaltiefe von fünf Metern. Die Höhle war schon vor zweihundert Jahren eine bekannte Sehenswürdigkeit und wurde u. a. von Gottfried August Bürger, Johann Wilhelm Gleim und Christoph August Tiedge aufgesucht.[13][14]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Ellrich

Der Bahnhof Ellrich liegt an der Bahnstrecke Northeim (Han)–Nordhausen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen mit Bezug zur Stadt[Bearbeiten]

  • Erich Scholz (1911–2000), Kommandant der zum KZ Sachsenhausen gehörenden IV. SS-Baubrigade in Ellrich

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ellrich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Einwohnerzahlen auf www.stadtellrich.de
  3. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 253.
  4. http://www.rambow.de/ellrich.html
  5. http://barsch-ellrich.de/geschichte.htm
  6. http://www.karstwanderweg.de/ellrich_.htm
  7. Peter Kuhlbrodt: Die Synagoge in Ellrich (1730–1938) In: Meyenburg-Museum (Herausgeber) Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt- und Kreis Nordhausen, Heft 9, Nordhausen 1984, S. 72-77
  8.  Rolf Wille: Schulkreide und Modellkleider vom Südharz. Kleinstädte unseres Bezirkes. Wir stellen vor: Ellrich. In: Das Volk. Erfurt 24. April 1975.
  9. http://www.stadtellrich.de/seite/196753/gemeinderatswahl-2014.html
  10.  Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): «Ellrich». In: Museen in Thüringen. Frankfurt/Erfurt 1995, S. 218.
  11. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0
  12.  Wolfgang Landgrebe: «Ellrich». In: Freizeitführer Thüringen. Bd. 1 (Region Mitte und Nord), Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 1999, ISBN 3-86134-550-1, S. 59.
  13.  Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): «Ellrich». In: Kulturelle Entdeckungen. Landkreis Eichsfeld, Kyffhäuserkreis, Landkreis Nordhausen, Unstrut-Hainich-Kreis. Band 1 (Thüringen), Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2249-3, S. 69, 191-192.
  14.  Peter Kuhlbrodt: Kelle – ältestes Naturdenkmal im Kreis Nordhausen. In: Meyenburg Museum (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen. Heft 15, Nordhausen 1990, S. 1–8.
  15. Arrey von Dommer: Bischoff, Georg Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 673.