Elmore Leonard

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Elmore Leonard (1989)

Elmore John Leonard junior (* 11. Oktober 1925 in New Orleans, Louisiana; † 20. August 2013 in Bloomfield Hills bei Detroit, Michigan[1][2]) war ein US-amerikanischer Schriftsteller, der zunächst durch seine Western und später vor allem auch durch seine Kriminalromane sowie durch die Verfilmungen seiner Bücher bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten]

Elmore Leonard begann schon im Alter von zehn Jahren mit dem Schreiben. Angeregt durch Erich Maria Remarques Roman Im Westen nichts Neues verfasste er ein darauf basierendes Theaterstück. In den folgenden Jahren schrieb er hin und wieder Erzählungen, von denen einige wenige in einer Schülerzeitung erschienen. Nachdem er 1943 die High School absolviert hatte, ging er zur Navy und war im Zweiten Weltkrieg im Südpazifik im Einsatz. 1946 begann er an der University of Detroit zu studieren und schloss 1950 mit einem M.A. in Englisch und Philosophie ab. Während seiner Studienzeit nahm er an mehreren Schreibwettbewerben teil.

Noch während seines Studiums begann er für eine Werbeagentur zu arbeiten. 1951 erschien in der Zeitschrift Argosy eine erste Westernerzählung unter dem Titel Trail of the Apache. 1953 erschien Leonards erster Roman, gleichfalls ein Western, unter dem Titel The Bounty Hunters. Bis 1961 veröffentlichte er zahlreiche Erzählungen und fünf Romane. Als 1961 sein Roman Hombre von den Western Writers of America ausgezeichnet wurde, kündigte er seinen Werbejob und wurde freier Schriftsteller.

Wie im Film erlebte auch in der Literatur der Western in den 1960er Jahren eine Krise. Leonard, der zuvor die Rechte an einigen seiner Texte nach Hollywood verkauft hatte, arbeitete deshalb in dieser Zeit als freier Autor für Werbefilme und -broschüren und schrieb auch Filmszenarien für Schulfilme der Encyclopædia Britannica. 1969 erschien sein erster Kriminalroman, The Big Bounce.

Im Laufe der 1970er Jahre gelang es ihm zunehmend, sich als Krimiautor zu etablieren. Seinen Durchbruch erlebte er jedoch erst 1985, als Glitz zum Bestseller wurde. Seit dieser Zeit wurde Leonard auch von der Literaturkritik stark beachtet. Sehr viele seiner Krimis wurden verfilmt.

Elmore Leonard, Vater von fünf Kindern, lebte mit seiner Frau zuletzt im Oakland County nahe Detroit. Anfang August 2013 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Er starb am 20. August 2013 im Alter von 87 Jahren.[3]

Zum Werk[Bearbeiten]

Elmore Leonards Krimis sind für das Genre recht untypisch. Privatdetektive spielen so gut wie nie eine Rolle (selten eine kleine Nebenrolle) und auch die Polizei, Kriminaltechniker oder andere Ermittler kommen – wenn überhaupt – nur am Rande vor. Auch geht es Leonard anders als bei den Whodunit-Krimis nie darum, einen rätselhaften Fall nach und nach aufzulösen. Und auch mit den Stilmitteln neuerer, blutrünstiger Krimis, Serienkillergeschichten usw. arbeitet er nie.

Was Leonards Krimis stattdessen auszeichnet, ist die genaue Schilderung unterschiedlicher Milieus, die durch präzise gezeichnete Individuen und ihre Lebensgeschichten dargestellt werden. Stets kommen dabei die unterschiedlichen Milieus, beispielsweise Mafiosi, weiße Industriearbeiter, Afroamerikaner, Prostituierte, Models, Filmproduzenten, Indianer, Banker, Spekulanten, Kleinkriminelle oder Soldaten, in Kontakt mit ihnen nicht vertrauten Bereichen der Gesellschaft – was häufig zu Gewalt, manchmal aber auch zu überraschenden Verbrüderungen führt. Die Dynamik und Spannung von Leonards Plots entwickelt sich stets aus solchen Konfrontationen.

Weiter zeichnet seine Krimis die präzise Darstellung nicht nur der Sachkultur (Autos, Wohnungseinrichtungen, Nahrung, Hobbys, Sport, Musik) der Milieus, sondern mehr noch der Soziolekte der unterschiedlichen Personen aus – ein wesentliches Element, das leider in der deutschen, meist recht ungenauen Übersetzung verloren geht; große Teile von Leonards Romanen bestehen aus direkter Rede, was sie so filmtauglich macht.

Dazu kommen die sehr genau eingesetzten Orte der Handlung, häufig sind das Detroit, Chicago, das südliche Florida und der Raum Los Angeles. Dabei wird jeweils die soziale Feinstruktur der Settings – wo kann sich wer wie bewegen? – zum wesentlichen Bestandteil der Handlung. In einigen Romanen werden exotischere Schauplätze eingesetzt, beispielsweise Israel oder die Bahamas, wobei dann auf ähnliche Art die Enge des Ortes und die damit begrenzten Bewegungsmöglichkeiten die Handlung mit großer Konsequenz vorantreiben.

Von einigen englischsprachigen Kritikern wird Leonard nicht zu unrecht mit Honoré de Balzac verglichen. Nicht nur versteht er sich wie dieser selbst nicht in erster Linie als Künstler, sondern als Brotautor und Handwerker, es gelingt ihm auch auf nicht unähnliche Art, in seinen Büchern eine präzise Gesellschaftschronik der USA zu schaffen. Eine weitere Ähnlichkeit zum zyklischen Werk Balzacs ist, dass nicht nur Örtlichkeiten, sondern auch manche Personen aus früheren Romanen immer wieder auftauchen.

Werke[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

  • 1953: The Bounty Hunters [Western]
  • 1954: The Law at Randado [Western]
  • 1956: Escape from Five Shadows [Western]
  • 1959: Last Stand at Saber River [Western]
  • 1961: Hombre [Western]
  • 1969: The Big Bounce
    • Ein schlechter Abgang, dt. von Peter Pfaffinger, München: Heyne 1991. ISBN 3-453-05275-7
    • auch als: The Big Bounce, gleiche Übersetzung überarbeitet von Markus Naegele, München: Heyne 2004. ISBN 3-453-87321-1
  • 1969: The Moonshine War
    • Schwarzer Schnaps und Blaue Bohnen, dt. von Gisela Stege, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1973. ISBN 3-499-42289-1
  • 1970: Valdez is Coming [Western]
    • Valdez, dt. von Alfred Dunkel, München: Heyne 1971
  • 1972: Forty Lashes Less One [Western]
    • Die Zwei aus dem Teufelsloch, dt. von Matthias Kallmuth, Rastatt: Pabel 1976
  • 1974: Mr. Majestyk
  • 1974: Fifty-Two Pickup
  • 1976: Swag
  • 1977: Unknown Man No. 89
    • Nr. 89 - unbekannt, dt. von Wolfgang Wiegand, München, Zürich: Droemer Knaur 1980. ISBN 3-426-04911-2
    • Neuübersetzung: Nr. 89 - unbekannt, dt. von Jochen Stremmel, München: Goldmann 1992. ISBN 3-442-05192-4
  • 1977: The Hunted
    • Rosen in Israel, dt. von Hubert Deymann, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1981. ISBN 3-499-42577-7
    • auch als Die Gejagten, gleiche Übersetzung, München: Heyne 1988. ISBN 3-453-00777-8
  • 1978: The Switch
    • Wer hat nun wen auf’s Kreuz gelegt?, dt. von Michael K. Georgi, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1981. ISBN 3-499-42558-0
  • 1979: Gunsights [Western]
  • 1980: City Primeval - High Noon in Detroit
    • High Noon in Detroit, dt. von Gisela Stege, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1983. ISBN 3-499-42623-4
    • auch als Entscheidung in Detroit, gleiche Übersetzung, München: Goldmann 1991. ISBN 3-442-05165-7
  • 1980: Gold Coast
  • 1981: Split Images
  • 1982: Cat Chaser
  • 1983: Stick
  • 1983: LaBrava
  • 1985: Glitz
  • 1987: Bandits
  • 1987: Touch
  • 1988: Freaky Deaky
  • 1989: Killshot
    • Beruf: Killer, dt. von Peter Pfaffinger, München: Heyne 1990. ISBN 3-453-04534-3
    • auch als Killshot, gleiche Übersetzung überarbeitet von Jochen Stremmel, München: Heyne 2007. ISBN 3-453-50032-6
  • 1990: Get Shorty
  • 1991: Maximum Bob
  • 1992: Rum Punch
  • 1993: Pronto
  • 1995: Riding the Rap
  • 1996 Naked Came the Manatee (Kettenroman mit Dave Barry, Les Standiford, Paul Levine, Edna Buchanan, James W. Hall, Carolina Hospital, Evelyn Mayerson, Tananarive Due, Brian Antoni, Vicki Hendricks, John Dufresne und Carl Hiaasen)
  • 1996: Out of Sight
  • 1998: Tonto Woman [Erzählungen]
  • 1998: Cuba Libre
  • 1999: Be Cool
  • 2000: Pagan Babies
  • 2002: Tishomingo Blues
  • 2002: When the Women Come Out to Dance [Erzählungen]
  • 2003: A Coyote's in the House! [Kinderbuch]
  • 2004: Mr. Paradise
  • 2004: The Complete Western Stories [Erzählungen]
  • 2005: The Hot Kid
  • 2006: Comfort to the Enemy [Fortsetzungsroman]
  • 2007: Up in Honey's Room
  • 2007: Elmore Leonard’s 10 Rules of Writing,[4]
  • 2009: Road Dogs
    • Road Dogs, dt. von Conny Lösch und Kirsten Riesselmann, Frankfurt am Main: Eichborn 2010. ISBN 978-3-8218-6119-7
  • 2010: Djibouti
  • 2012: Raylan

Drehbücher[Bearbeiten]

  • 1970: Whisky brutal (The Moonshine War)
  • 1972: Sinola (Joe Kidd)
  • 1974: Das Gesetz bin ich (Mr. Majestyk)
  • 1980: High Noon, Part II: The Return of Will Kane
  • 1984: Der Ambassador (The Ambassador)
  • 1985: Sie nannten ihn Stick (Stick)
  • 1986: 52 Pick-Up
  • 1987: Desperado
  • 1987: The Rosary Murders
  • 1988: Short Run (Cat Chaser)

Verfilmungen[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Medien[Bearbeiten]

  • Elmore Leonard's Criminal Record. Dokumentation der BBC, Home Vision Entertainment, s.l. 1991 (1 Videokassette, VHS)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Elmore Leonard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In Memoriam: Elmore Leonard – 1925-2013 bei bigshinyrobot.com, abgerufen am 20. August 2013
  2. Legendary Hollywood Writer Dead at 87 bei tmz.com, abgerufen am 20. August 2013
  3. „Bester Krimi-Autor aller Zeiten“: Elmore Leonard ist tot. Der Spiegel, 20. August 2013, abgerufen am 21. August 2013.
  4. New York Times, 16. Juli 2001
  5. Jahr der Preisverleihung; die IACW/NA verzeichnet das Jahr der Buchveröffentlichung
  6. Indien und Indianer in FAZ vom 16. November 2012, Seite 34