Elsa Asenijeff

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Elsa Asenijeff, Fotografie von Nicola Perscheid, 1897

Elsa Asenijeff, eigentlich Elsa Maria Packeny (* 3. Januar 1867 in Wien; † 5. April 1941 in Bräunsdorf bei Freiberg, Sachsen) war eine österreichische Schriftstellerin und Lebensgefährtin von Max Klinger.

Leben[Bearbeiten]

„Bildnis Elsa Asenijeff im Freien“, Gemälde von Max Klinger, um 1904

Elsa Maria Packeny entstammte dem österreichischem Großbürgertum und wurde in Wien geboren. Nach der Heirat mit dem bulgarischen Diplomaten Ivan Johann Nestoroff, 1890, lebte sie einige Jahre in dessen Heimat. Als ihr Sohn Asen starb, nahm sie dessen Namen als Pseudonym für ihre schriftstellerischen Arbeiten an. Sie ließ sich 1896 von Nestoroff scheiden und studierte einige Semester Philosophie und Nationalökonomie in Leipzig. 1898 begegnete sie dem Maler Max Klinger (1857-1920), wurde sein Modell und seine langjährige, allerdings inoffizielle Lebensgefährtin. Am 7. September 1900 wurde in Paris die gemeinsame Tochter, Desirée, geboren, die zu einer Pflegemutter gegeben wurde.[1]

1903 erwarb Klinger in Großjena einen Weinberg samt Winzerhäuschen, um sich mit Asenijeff aus dem hektischen Leipziger Großstadtleben zurückzuziehen. Eine in der Folge zwischen den beiden entstandene Entfremdung vertiefte sich weiter, als Klinger 1911 sein junges Modell Gertrud Bock (1893-1932) zur ständigen Begleiterin erkor. 1916 kam es zum endgültigen Bruch zwischen Asenijeff und Klinger.[1]

Über Asenijeffs letzten Lebensjahre ist wenig bekannt. Sie soll viele Jahre in psychiatrischen Anstalten verbracht haben, und es wird vermutet, dass sie dem NS-Euthanasie-Programm zum Opfer fiel.[1]

Asenijeff behandelt in ihren Büchern Themen, wie die Gewalt in den Geschlechterbeziehungen, die sexuelle Unterdrückung der Frauen oder die Unfähigkeit der Männer, Frauen auf geistiger Ebene als gleichberechtigte Partner zu begegnen, und kann als frühe Vorläuferin des Differenz-Feminismus betrachtet werden.[1]

Klinger hat Asenijeff in mehreren Porträts und in einer Skulptur aus farbigem Marmor verewigt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rita Jorek: Aufschrei (Elsa Asenijeff). In: Friderun Bodeit (Hrsg.): Ich muß mich ganz hingeben können. Frauen in Leipzig. Verlag für die Frau, Leipzig 1990, ISBN 3-7304-0256-0, S. 175–.
  • Peter Nürnberg: Traumgekrönt. Elsa Asenijeff als Schriftstellerin. In: Leipziger Blätter Heft 17/1990. (Seemann), Leipzig 1990, ISSN 0232-7244, S. 40–43. [2]
  • Annegret Friedrich: Max Klinger und Elsa Senijeff. Geschlechterdifferenz als Programm. Dem Andenken an Ursula Baumgartl gewidmet. In: Femme fatale. Entwürfe. Frauen – Kunst – Wissenschaft, Band 19. S. n., Mannheim 1995, S. 31–41, OBV.
  • Lisa Fischer (Hrsg.), Emil Brix (Hrsg.): Die Frauen der Wiener Moderne. Eine Veröffentlichung der Österreichischen Forschungsgemeinschaft. Verlag für Geschichte und Politik, Wien (u. a.) 1997, ISBN 3-486-56290-8.
  • Elsa Asenijeff. In: Christa Gürtler, Sigrid Schmid-Bortenschlager: Eigensinn und Widerstand. Schriftstellerinnen der Habsburgermonarchie. Ueberreuter, Wien 1998, ISBN 3-8000-3706-8, S. 201–212.
  • Brigitte Spreitzer: Im Glanze seines Ruhmes … Elsa Asenijeff (1867–1941), im Zwielicht. In: Frauke Severit (Hrsg.): Das alles war ich. Politikerinnen, Künstlerinnen, Exzentrikerinnen der Wiener Moderne. Böhlau, Wien (u. a.) 1998, ISBN 3-205-98922-8, S. 163–201.
  • Brigitte Spreitzer: ‚Kotzbrocken‘. Elsa Asenijeffs Behauptung weiblicher Denk-Eigenart wider das „große Wahngebäude“ der männlichen Wissenschaft. In: Brigitte Spreitzer: Texturen. Die österreichische Moderne der Frauen. Studien zur Moderne, Band 8, Passagen-Verlag, Wien 1999, ISBN 3-85165-365-3, S. 131–134. (Zugleich: Habilitationsschrift, Universität Graz, Graz 1998).
  • Brigitte Spreitzer: „Nicht immer dies eine Ich sein“ … Die „kleine Kette ewiger Zersetzungsprozesse“ in den Anläufen weiblicher Selbstkonstitution bei Elsa Asenijeff. In: Spreitzer: Texturen, S. 70–78.
  • Ortrud Gutjahr: Unter Innovationsdruck: Autorinnen der literarischen Moderne. In: Waltraud Wende (Hrsg.): Nora verläßt ihr Puppenheim. Autorinnen des zwanzigsten Jahrhunderts und ihr Beitrag zur ästhetischen Innovation. Dokumentation eines Symposiums, das am 2. und 3. Dezember 1999 auf Einladung der Herausgeberin in der Universität-Gesamthochschule Siegen stattfand. M-&-P-Schriftenreihe für Wissenschaft und Forschung, Literatur. Metzler, Stuttgart (u. a.) 2000, ISBN 3-476-45239-5, S. 35–.
  • Rita Jorek: Asenijeff, Elsa (1867–1941). In: Britta Jürgs (Hrsg.): Denn da ist nichts mehr, wie es die Natur gewollt. Portraits von Künstlerinnen und Schriftstellerinnen um 1900. AvivA, Berlin (u. a.) 2001, ISBN 3-932338-13-8, S. 53–72.
  • Julia Neissl: Tabu im Diskurs. Sexualität in der Literatur österreichischer Autorinnen. Studien-Verlag, Innsbruck (u. a.) 2001, ISBN 3-7065-1545-8. (Zugleich: Dissertation, Universität Salzburg, Salzburg 1999).
  • Christa Bittermann-Wille, Helga Hofmann-Weinberger: Erotik – theoretischer Diskurs und literarische Chiffren in der Frauenliteratur des Fin-de-siècle. In: Michaela Brodl (Red.): Der verbotene Blick. Erotisches aus zwei Jahrtausenden. Aus den Sammlungen der Österreichischen Nationalbibliothek. Ritter, Klagenfurt 2002, ISBN 3-85415-320-1, S. 146–180.
  • Agatha Schwartz: Austrian Fin-de-Siècle gender heteroglossia. The dialogism of misogyny, feminism, and viriphobia. (englisch). In: German studies review. Band 28.2005, Western Association for German Studies, Tempe (Arizona) 2005, ISSN 0149-7952, S. 347–366. [3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Elsa Asenijeff (1868-1941). Nonkonformistin und Künstler-Muse. Biographie. In: Frauen-Werke, Ariadne-Projekt, Österreichische Nationalbibliothek, 2006.
  2. Inhaltsverzeichnis. In: kulturstiftung-leipzig.de, abgerufen am 8. April 2011.
  3. Seite 347 online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Elsa Asenijeff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Elsa Asenijeff – Quellen und Volltexte