Elwira Sachipsadowna Nabiullina

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Elvira Sachipsadowna Nabiullina)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Elwira Nabiullina

Elwira Sachipsadowna Nabiullina (russisch Эльвира Сахипзадовна Набиуллина, tatarisch Эльвира Сәхипзадә кызы Нәбиуллина; * 29. Oktober 1963 in Ufa) ist eine russische Volkswirtin und Politikerin tatarischer Herkunft. Vom 24. September 2007 bis zum 12. Mai 2012 war sie russische Ministerin für wirtschaftliche Entwicklung. Seit Juni 2013 ist sie die Chefin der Zentralbank Russlands.

Biographie[Bearbeiten]

Elwira Nabiullina stammt aus einer tatarischen Familie, die in einfacheren Verhältnissen lebte. Ihr Vater Sachipsada Saitsadajewitsch Nabiullin war Berufskraftfahrer, ihre Mutter Arbeiterin. Sie schloss die Schule Nr. 31 in Ufa mit Auszeichnung ab.[1]

Anschließend studierte Nabiullina bis 1986 Wirtschaftswissenschaften an der Moskauer Lomonossow-Universität. Anschließend begann sie ein Promotionsstudium, das sie 1990 abschloss. Von 1991 bis 1992 arbeitete sie beim Wissenschaftlich-industriellen Verband der UdSSR, dem Vorläufer des russischen Unternehmerverbandes RSPP[2], wo sie die wissenschaftliche Leitung der Abteilung für Wirtschaftsreformen innehatte. Ab 1992 arbeitete sie beim RSPP als wissenschaftliche Leiterin der Abteilung für Wirtschaftspolitik. 1994 wechselte sie ins Wirtschaftsministerium, wo sie zunächst Vize, dann Leiterin der Abteilung für Reformen war. Nach Informationen der Tageszeitung Kommersant ging ihre Berufung ins Wirtschaftsministerium auf den liberalen Ökonomen und damaligen Wirtschaftsminister Jewgeni Jassin zurück[3], mit dem sie bereits im russischen Unternehmerverband zusammengearbeitet hatte. Jassin beschrieb sie als eine „hochqualifizierte, gebildete Person“, die auch hartnäckig sein könne.[4]

Von 1997 bis 1998 war sie stellvertretende Wirtschaftsministerin und unter anderem Mitglied des Kommission für Wirtschaftsreformen. Nach der Ernennung Jewgeni Primakows zum Ministerpräsidenten verließ sie das Wirtschaftsministerium und wechselte in die Führung der Promtorgbank. Ende 1999 wurde sie Vizepräsidentin des Zentrums für strategische Entwicklungen[5], dessen Leitung im Dezember 1999 der spätere Wirtschaftsminister German Gref übernahm. Im Jahr 2000, nach der Wahl Putins zum Präsidenten, wurde Gref Minister für wirtschaftliche Entwicklung, und mit ihm wechselte auch Nabiullina wieder ins Ministerium, wo sie dessen Stellvertreter wurde. 2003 verließ sie das Wirtschaftsministerium wieder und wurde Präsidentin des Zentrums für strategische Entwicklungen. Seit September 2005 arbeitete sie im Apparat von Staatspräsident Putin, wo sie einem Expertenrat vorstand, der sich mit der Umsetzung der sogenannten Nationalen Projekte sowie mit der demographischen Politik befasste.

Im September 2007, nach der Ernennung Wiktor Subkows zum neuen Ministerpräsidenten, übernahm sie die Leitung des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Handel und löste auf diesem Posten ihren ehemaligen Vorgesetzten, den langgedienten Minister German Gref ab. Seit Mai 2012 war sie eine von fünf persönlichen Beratern des Präsidenten der Russischen Föderation.

Im März 2013 nominierte Staatspräsident Putin Nabiullina für den Vorsitz der Zentralbank Russlands.[6] Im Juni desselben Jahres übernahm sie dieses Amt.[7] Nabiulina wird von Beobachtern als wirtschaftsliberal eingeschätzt.[8]

Im Dezember 2014 geriet Nabiullina wegen ihres Umgangs mit dem Kursverfall des Rubels in Kritik. Dessen Wechselkurs war durch eine Kombination verschiedener Einflüsse 2014 immer weiter verfallen. Neben der chronisch niedrigen Produktivität der Russischen Wirtschaft hatten die Sanktionen der Europäischen Union und der USA im Zuge des Ukrainekrieges das Anlegervertrauen stark erschüttert und eine Kapitalflucht ausgelöst. Der Einbruch des Ölpreises führte zu einem Wegfall eines bedeutenden Teils der Staatseinnahmen. Nachdem bereits 30 Milliarden Dollar aus den Kapitalreserven zur Stützung des Rubelkurses ausgegeben wurden,[9] gab Nabulina, mit Erlaubnis der Regierung,[10] im November 2014 die Bindung des Rubel an Euro und Dollar auf. Was zwar Reserven schonte, aber den Rubelkurs schneller verfallen liess. Gleichzeitig wurde der Leitzins erhöht, zunächst auf 10.5, dann Mitte Dezember 2014 auf 17%.[11][12]

Privat[Bearbeiten]

Nabiullina ist mit dem russischen Wirtschaftswissenschaftler Jaroslaw Kusminow verheiratet. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor, der zurzeit Soziologie studiert.[13] [14]

Siehe auch[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. http://www.flb.ru/info/41846.html
  2. Nesawissimaja Gaseta vom 9. Februar 2007
  3. siehe Tageszeitung Kommersant vom 9. Juni 2003
  4. siehe Interview in der Zeitung „Wsgljad“
  5. russisch: Центр стратегических разработок
  6. Elwira Nabiullina wird Chefin von Russlands Zentralbank. Stimme Russlands, 13. März 2013
  7. Wie unabhängig ist Putins neue Zentralbankchefin?, Die Welt vom 24. Juni 2013
  8. Russlands Rubel-Krise: Kein Grund zur Schadenfreude, Artikel bei SPON vom 17. Dezember 2014
  9. "Russia puts losses from sanctions, cheaper oil at up to $140b a year" Jordan Times vom 24. Novmeber 2014, gesichtet am 16. Dezember 2014
  10. K. Rapoza: "Will Ruble Crisis Lead To Currency Controls In Russia?" Forbes vom 16. Dezember 2014, gesichtet am 16. Dezember 2014
  11. Marcus Gatzke und Marlies Uken:"Wie zu Breschnews Zeiten" Zeit vom 16. Dezember 2014, gesichtet am 16. Dezember 2014
  12. Lidia Kelly, Elena Fabrichnaya and Alexander Winning: "Russia's 'difficult' rate hike approved by Putin" Reuters vom 16. Dezember 2014, gesichtet am 16. Dezember 2014
  13. http://lenta.ru/lib/14184576/
  14. http://www.rg.ru/2007/09/28/nabiullina.html

Quellen[Bearbeiten]

 Commons: Elvira Sakhipzadovna Nabiullina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien