Elyesa Bazna

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Elyesa Bazna

Elyesa Bazna, albanisch Iliaz Bazna, Deckname Cicero, (* 28. Juli 1904 in Priština; † 23. Dezember 1970 in München), war von 1943 bis 1944 als Agent für das Amt Ausland/Abwehr als Kammerdiener des britischen Botschafters Hughe Montgomery Knatchbull-Hugessen in Ankara in der damals noch neutralen Türkei tätig.

Leben[Bearbeiten]

Elyesa Bazna, seit 1942 als Kammerdiener in der britischen Botschaft beschäftigt, bot im Oktober 1943 dem deutschen Botschafter in der Türkei, Franz von Papen, 56 geheime britische Militärdokumente an und wollte dafür 20.000 Pfund haben. Als Motiv gab er Hass auf die Briten und Geldbeschaffung an. Da die Qualität der Dokumente sehr gut war, glaubte man im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) eher an eine Täuschungsoperation des britischen Geheimdienstes. Er erhielt den Decknamen Cicero. Elyesa Bazna machte den Deutschen im Laufe seiner Spionagetätigkeit bis zu seiner Aufdeckung hunderte Dokumente zugänglich. Darunter Informationen zur britischen Nahostpolitik und den Versuch, die Türkei ins alliierte Lager zu ziehen, zur Konferenz von Teheran und über eine zweite Front in Europa (Operation Overlord). Über die Landung in der Normandie waren ihm allerdings nur ungenaue Informationen zugänglich. Auf Grund des Misstrauens in die Quelle und der nicht professionellen Führung eines Agenten wurden die durch diese Operation gewonnenen Erkenntnisse nicht ausreichend verwertet. Bezahlt wurde Elyesa Bazna mit gefälschten britischen Pfund, die aus der Operation Bernhard stammten. Insgesamt soll er 300.000 Pfund erhalten haben, wovon ein Großteil gefälscht war. Im März 1944 floh er von seinem Posten als Kammerdiener, da er zu Recht seine bevorstehende Aufdeckung befürchtete. Der britische Geheimdienst MI6 war bereits durch einen Mitarbeiter in der deutschen Botschaft in Ankara von der undichten Stelle in der Botschaft informiert. Heute geht man jedoch davon aus, dass Bazna von Anfang an mit Wissen und unter Führung des MI6 als Doppelagent tätig war.[1]

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Bazna Deutschland zu verklagen, da die Geldscheine gefälscht waren, scheiterte aber.

Seine Lebensgeschichte hat er 1962 in dem Buch Ich war Cicero veröffentlicht.

Sein Leben wurde auch von Joseph L. Mankiewicz 1951 unter dem Titel Five Fingers (dt. Der Fall Cicero) verfilmt. Die Hauptrolle spielte James Mason.

Elyesa Bazna wurde unter seinem bürgerlichen Namen Bazna Elysea auf dem Friedhof am Perlacher Forst beigesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • L.C.Moyzisch: Der Fall Cicero. (Es geschah in Ankara ...). Die sensationellste Spionageaffäre des Zweiten Weltkrieges. Heidelberg (Palladium) o.J.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John Masterman: The Double Cross System in the War of 1939 to 1945. Yale 1972