Emanuel Moravec

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Emanuel Moravec (* 17. April 1893 in Prag; † 5. Mai 1945 ebenda) war ein tschechischer Militär, Buchautor und Kollaborateur. Unter dem Pseudonym Stanislav Yester veröffentlichte er Reportagen. Während der deutschen Besetzung zwischen 1939 und 1945 wurde Moravec von den Deutschen zum Minister für Schulwesen und Volksaufklärung in der von der deutschen Besatzungsmacht abhängigen Regierung des Protektorates Böhmen und Mähren bestimmt. Sein Name gilt heute in Tschechien als Symbol des Kollaborateurs.

Leben[Bearbeiten]

Nach seinem Studium an einer Fachschule für Industrie wurde Moravec 1914 zum Kriegsdienst einberufen. Er desertierte in Russland aus dem k.u.k. Heer und schloss sich dort der Tschechischen Legion an.

Nach der Ausrufung der Tschechoslowakei kehrte er zurück und nahm nach einem Studium an der Militärschule Prag führende Positionen in der tschechoslowakischen Armee ein. 1924 wurde er zum Chef der Nachrichtenabteilung des Hauptstabes ernannt. 1926 wirkte er als Hauptzeuge an der unehrenhaften Entlassung des Generals Radola Gajda mit, der 1925 die Národní Obec Fašistická (Nationale Faschistengemeinde) ins Leben gerufen hatte. Ab 1931 wirkte Moravec als Dozent für Kriegsgeschichte und Strategie an der Militärhochschule (1933 Oberst). In dieser Zeit publizierte Moravec zu militär- und sicherheitstechnischen Angelegenheiten der Tschechoslowakei und befürwortete darin eine Bündnispolitik mit Frankreich und der Sowjetunion. 1937 wurde Moravec mit dem Baťa-Preis geehrt.

Nach dem Münchner Abkommen und der Besetzung des Landes durch die Deutschen wechselte Moravec, der sich zuvor als glühender Patriot gezeigt und die militärische Verteidigung des Landes beschworen hatte, die Fronten.

Die von Moravec vertretenen radikalen Standpunkte und seine scharfen Angriffe auf die Intellektuellen, denen er die Schuld am Untergang des Landes gab, machten ihn für die Besatzer interessant. Karl Hermann Frank bewirkte bei Reinhard Heydrich einen Generalpardon für Moravec.

Am 19. Januar 1942 wurde Moravec durch Heydrich zum Minister für Schulwesen und Volksaufklärung der 3. Protektoratregierung von Jaroslav Krejčí berufen. In dieser Position gehörte er auch von 19. Januar bis 5. Mai 1945 der vierten und letzten Regierung unter Richard Bienert an. Während seiner Amtszeit verkündete Moravec die dauerhafte Schließung der tschechischen Hochschulen und begann im August 1942 mit der Umgestaltung des tschechischen Bildungswesens nach den Plänen Heydrichs. Dazu gehörten neben der Germanisierung u.a. die Reduzierung der Schulzeit, die Auflösung von Privatschulen und der Wegfall des Unterrichtsfaches Geschichte.

Daneben gründete Moravec den Öffentlichen Aufklärungsdienst (Veřejná osvětová služba), 1944 war er einer der Gründungsväter der Liga gegen den Bolschewismus. Für das äußerliche Erscheinungsbild der Minister des Protektorat kreierte Moravec eine schwarze Uniform, die der der SS ähnelte und in der er gelegentlich auftrat, während die anderen Regierungsmitglieder dies ablehnten.

Während des Prager Aufstands ergriff Moravec die Flucht und erschoss sich noch in Prag auf dem Wege zum Czernín-Palais.

Werke[Bearbeiten]

  • Das Ende der Benesch-Republik - Die tschechoslowakische Krise 1938, Prag 1940

Weblinks[Bearbeiten]