Emanuel Ungaro

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Emanuel Ungaro (2009)

Emanuel Ungaro (* 1933 in Aix-en-Provence) ist ein international bekannter französischer Modedesigner. Das von ihm gegründete und nach ihm benannte Unternehmen für Damen- und Herrenmode sowie Accessoires existiert bis heute, wird aber seit 2004 ohne Ungaro geführt.

Werdegang[Bearbeiten]

Emanuel Ungaro begann seine Laufbahn als Sohn italienischer Eltern in den frühen 1950er Jahren als einfacher Schneider in Aix-en-Provence. Er schuf Kleider für seine Schwestern, welche Gelegenheit hatten, diese bei Festlichkeiten der gehobenen Gesellschaftsschichten in Italien zu tragen und Ungaros Fertigkeiten auf diese Weise bekannt zu machen. Ungaro arbeitete in Folge als Stilist, zog nach Paris und wechselte 1955 als Designer zu Cristobal Balenciaga. 1958 wurde er zum Chefdesigner bei Balenciaga befördert, verließ das Unternehmen aber 1964, um im folgenden Jahr zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin, der Textildesignerin Sonia Knapp, sein eigenes, nach ihm benanntes Haute Couture Modelabel in Paris zu gründen. Knapp blieb bis Ende der 1980er Jahre Ungaros Geschäftspartnerin. Anfang der 1960er arbeitete Ungaro zudem für Courrèges und schuf dort futuristische Modelle.

Bekannt wurde Ungaro für seine außergewöhnliche Arbeitsweise: er entwarf ganze Kollektionen ohne vorherige Skizzen direkt am Modell, wobei er - bei klassischer Musik - die Stoffe direkt auf das Mannequin drapierte, modellierte, zupfte, steckte, glättete und faltete, "bis auch die raffinierteste Robe auf den Leib geschneidert war".[1] Ungaros erste Haute Couture Kollektion umfasste lediglich 17 Modelle, erregte aber die Aufmerksamkeit der Fachpresse und die von zahlungskräftigen Kundinnen wie Jackie Kennedy oder Marie Helène de Rothschild. Seine Damenmode war stets elegant, sehr feminin, verführerisch und sexy. Bereits 1967 zog das Haus Ungaro in die edle Modestraße Avenue Montaigne n° 2 im 8. Arrondissement um, wo sich das Haupthaus und der Flagshipstore des Unternehmens bis 2012 befanden. Ein Jahr darauf präsentierte Ungaro seine erste Prêt-à-porter-Kollektion unter dem Namen Ungaro Parallèle im Erdgeschoss der Boutique. 1973 lancierte Ungaro seine Herrenkollektion, Ungaro Uomo. Markenzeichen bei der Damenmode Ungaros waren großformatige, farbenfrohe, oft florale Printmuster auf luftigen, wallenden Stoffen.

Ungaro war Mitte der 1980er Jahre mit der französischen Schauspielerin Anouk Aimee liiert und ist seit 1988 mit der Florentinerin Laura Bernabei Fanfani verheiratet, mit welcher er eine Tochter hat, die - nach seinem Vater Cosimo Ungaro - Cosima (*1990) heißt.[2][3]

Das Unternehmen Ungaro[Bearbeiten]

In den 1970ern expandierte Ungaro nach Japan und in die USA. In den 1980ern wurden zahlreiche Parfums unter dem Namen Ungaro lanciert. Das Haus Ungaro vergab im Laufe der Zeit zahlreiche Lizenzen bspw. für untergeordnete Modelinien oder Parfums, Mitte der 1990er waren es an die siebzig. Da das Haus Ungaro einen finanzkräftigen Partner brauchte, wurde es 1996 von der italienischen Ferragamo-Gruppe für ca. $ 50 Mio. zu 75 % übernommen, Ungaro blieb mit 25 % Minderheitsaktionär und weiterhin Firmen-Präsident sowie der für alle Kollektionen verantwortliche Art Director. Ab 1997 übertrug Ungaro das Design der Prêt-à-porter Kollektionen jedoch seinem Assistenten Giambattista Valli, um sich selbst um die Haute Couture zu kümmern. Ende der 1990er, die Glanzzeit des Hauses Ungaro, kam eine Accessoires-Kollektion einschließlich Handtaschen und Schuhen hinzu. Die äußerst kostenintensive Haute Couture Linie wurde 2004 eingestellt und Emanuel Ungaro selbst verließ nach einer sechs-monatigen Phase in der er nichts mehr designte das von ihm gegründete Unternehmen.

Ungaro ohne Ungaro[Bearbeiten]

Im Herbst 2005 setzte Ferragamo den Franzosen Vincent Darré als Chef-Stilisten ein und verkaufte das Haus Ungaro schließlich an den pakistani-amerikanischen Investor Asim Abdullah und dessen Holding Aimz. Im Herbst 2006 übertrug die Ungaro-Gruppe die künstlerische Leitung des Unternehmens dem Modedesigner Peter Dundas, welcher zuvor Chef-Designer bei Roberto Cavalli war und Erfahrungen bei Christian Lacroix und Jean-Paul Gaultier gesammelt hatte. Im Juli 2007 wurde bekannt, dass der Norweger das Unternehmen verlässt. Die Nachfolge von Dundas trat der kolumbianische Jungdesigner Esteban Cortazar an. 2007 wurde Franck Boclet, ein ehemaliger Designer für Francesco Smalto, als Nachfolger von Jose Levy (seit 2005 bei Ungaro) zum Herrenmoden-Designer bei Ungaro ernannt. Ende 2009 wurde die wenig bekannte Estrella Archs, eine ehemalige Designerin für Nina Ricci, Cacharel und Emilio Pucci, als Damenmodendesignerin bei Ungaro und die US-amerikanische Sängerin Lindsay Lohan als deren Stilberaterin eingesetzt. Cortazar hatte sich geweigert, mit Lohan oder anderen Promi-Stilberatern, wie Paris Hilton oder Lizzie Jagger, zusammenzuarbeiten.[4] Die Präsentation von Archs und Lohan erntete im Oktober 2009 von der Presse scharfe Kritik und Spott, wurde als "Katastrophenschau" bezeichnet und missfiel auch dem Firmengründer Emanuel Ungaro selbst, welcher sie ein "Desaster" nannte.[5] Im März 2010 wurde Lohan von ihre Pflichten bei Ungaro entbunden. Die folgende Kollektion präsentierte Archs wieder alleine. Im April 2010 verließ Franck Boclet das Unternehmen; die Herrenmode-Sparte von Ungaro wurde auf Eis gelegt.[6] Ende Mai 2010 gab das Haus Ungaro bekannt, dass der Brite Giles Deacon, ehemals Designer bei Bottega Veneta und Gucci, die Nachfolge von Estrella Archs als Chef-Designer der Damenmode antreten werde.[7] Deacon verließ das Haus Ungaro allerdings Mitte September 2011.[8] Als seine Nachfolgerin wurde im Oktober 2011 eine Mitarbeiterin des Design-Teams, Jeanne Labib-Lamour, bestimmt.[9] Bei den Pariser Modenschauen für Herbst/Winter 2012 im März 2012 war die Marke Ungaro nicht vertreten, und der italienische Produktionsparter für die Ungaro-Damenmode gab bekannt, das Vertragsverhältnis mit dem Haus Ungaro, das 2010 unter Giles Deacon geschlossen worden war, beendet zu haben.[10][11]

Emanuel Ungaro selbst hat seit seinem Weggang keinerlei Verbindung mehr zu seinem ehemaligen Unternehmen. Er hatte sich nach seinem Ausscheiden mit seiner Familie ins Privatleben in Aix-en-Provence zurückgezogen.

Neustart als Lizenzmarke[Bearbeiten]

Anfang 2012 wurde das Aushängeschild der Marke Ungaro seit 1967, der elegante Ungaro-Flagshipstore auf der Edelmeile Avenue Montaigne in Paris, verkauft, und an die Giorgio Armani SpA übergeben.[12] Ende 2012 verkündete die italienische AEFFE-Gruppe (Alberta Ferretti, Moschino, Pollini), dass ein siebenjähriger Exklusiv-Lizenzvertrag über Damenmode sowie Accessoires (Produktion und weltweiter Vertrieb) mit dem Haus Ungaro geschlossen worden sei.[13] Die erste Kollektion unter dem von AEFFE benannten Ungaro-Designer Fausto Puglisi aus Sizilien werde im Frühjahr 2013 bei den Pariser Modewochen präsentiert.[14] Die Lizenz für die Damen-Zweitlinie Ungaro Fuchsia liegt seit 2004 bei der italienischen Mariella Burani Fashion Group, die unter anderem von 2002 bis 2012 Mehrheitsaktionär von René Lezard war und seit 2010 unter Schutz vor Gläubigern im Insolvenzverfahren tätig ist. Für die 2010 stillgelegte Ungaro-Herrenmode, Ungaro Homme, bestehen seither wieder Lizenzverträge mit der französischen Izaris Groupe sowie asiatischen Modeherstellern (Südkorea, Thailand).[15] Die Parfümlizenz ist an Ferragamo Parfums vergeben. Das Haus Ungaro besteht demnach, ähnlich wie inzwischen die einstige Haute Couture Modemarke Christian Lacroix, lediglich aus dem Lizenzgeschäft.

Kollektionen[Bearbeiten]

Damenkollektionen

  • Ungaro Couture - Haute Couture Kollektion, 1965 lanciert, 2004 eingestellt
  • Emanuel Ungaro (vormals: Ungaro Parallèle) - Luxus-Prêt-à-Porter-Linie, 1968 lanciert, 2011 eingestellt, 2013 als Lizenzkollektion fortgeführt
  • Emanuel (by) Emanuel Ungaro - jugendliche Zweitlinie für den US-Markt (als Nachfolge der Ungaro Ter Kollektion der 1980er), 1991 lanciert, eingestellt
  • Ungaro Fuchsia - modische Lizenz-Zweitlinie für Damen ab 2002.
  • Ungaro Fever (vormals: Ungaro Weekend) - Sports- und Jeanswear-Linie, 1998 lanciert, eingestellt
  • U by Ungaro - Lizenz-Zweitlinie für den asiatischen Markt ab 1997.
  • Ungaro Sun - Bademoden, 2004 lanciert, eingestellt

Herrenkollektionen (Mitte 2010 komplett eingestellt, danach zum Teil als Lizenzkollektion fortgeführt)

  • Emanuel Ungaro (ursprünglich Ungaro Uomo, später Ungaro pour homme) - Luxus-Konfektionskleidung, 1973 lanciert (eingestellt)
  • Ungaro Homme - Herrenkollektion (zunächst eingestellt, ab 2010 in Lizenz fortgeführt)
  • Emanuel (by) Emanuel Ungaro - jugendliche Zweitlinie für den US-Markt, 1991 lanciert (eingestellt)
  • U by Ungaro - Zweitlinie für den asiatischen Markt ab 1997.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FAZ: U wie Ungaro (11. Oktober 2005)
  2. FAZ: U wie Ungaro (11. Oktober 2005)
  3. Focus: Der Außerirdische (24. Februar 1997)
  4. WWD: Ungaro's Rocky Road: A Timeline (26. Mai 2010)
  5. Textilwirtschaft: Ungaro-Chef verteidigt Kooperation mit Lindsay Lohan (25. November 2009)
  6. Textilwirtschaft: Ungaro und HAKA-Designer Franck Boclet trennen sich (29. April 2010)
  7. Geomix: Giles Deacon ist der neue Kreativchef von Ungaro (25. Mai 2010)
  8. Giles Deacon verlässt Ungaro, vogue.de, 15. September 2011.
  9. Ungaro: Labib-Lamour ist Deacons Nachfolgerin, textilwirtschaft.de, 13. Oktober 2011.
  10. Ungaro gibt offenbar DOB auf, textilwirtschaft.de, 3. Februar 2012.
  11. Castor macht DOB für Emanuel Ungaro, textilwirtschaft.de, 16. Juli 2010.
  12. Emanuel Ungaro Sells Paris Flagship to Armani, Fails To Win Back Giambattista Valli, fashionetc.com, 2. März 2012.
  13. Aeffe unterzeichnet Lizenzvertrag mit Emanuel Ungaro, fashionmag.com, 4. Oktober 2012.
  14. Italy's Aeffe adds Emanuel Ungaro to brand portfolio, reuters.com, 24. September 2012.
  15. Ungaro Homme reprend des couleurs, fashionmag.com, 6. September 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Emanuel Ungaro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien