Emanuela Orlandi

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Emanuela Orlandi (* 14. Januar 1968 in Rom) ist die Tochter eines Hofdieners von Papst Johannes Paul II. und wurde durch ihr mysteriöses Verschwinden am 22. Juni 1983 in Rom bekannt. Die Ermittlungen wurden im Mai 2012 wieder aufgenommen, [1] bisher aber ohne Erfolg.[2]

Entführung[Bearbeiten]

Emanuela fuhr regelmäßig mit dem Bus zur Musikschule. Am 22. Juni 1983 erschien sie spät zum Unterricht. In einem Telefonat mit ihrer Schwester erklärte sie, ein Jobangebot von einem Vertreter von Avon Cosmetics bekommen zu haben. Nach dem Unterricht sprach Emanuela über das Jobangebot mit einer Freundin. An diesem Abend kehrte sie nicht nach Hause zurück. Emanuela wurde angeblich zuletzt in einem großen, dunklen BMW gesehen. Um 15 Uhr des folgenden Tages riefen ihre Eltern den Direktor der Musikschule an, um nach dem Verbleib ihrer Tochter zu fragen. Die Polizei hatte vorgeschlagen, vor einer Vermisstenanzeige nachzuforschen, ob vielleicht das Mädchen bei Freunden geblieben sei. Nachdem alle Nachforschungen vergeblich waren, wurde Emanuela noch am selben Tag als vermisst gemeldet. Suchmeldungen mit der Telefonnummer der Eltern erschienen an den zwei darauffolgenden Tagen in den Zeitungen Il Tempo, Paese della Sera und Il Messaggero.

Am Samstagabend, den 25. Juni meldete sich telefonisch ein 16-jähriger Junge namens „Pierluigi“, der behauptete, das vermisste Mädchen auf der Piazza Navona am Nachmittag getroffen zu haben. Der junge Mann erwähnte Emanuelas Flöte, ihr Haar und die Brille, die sie nicht gerne tragen würde, zusammen mit anderen Details, die seine Aussage glaubwürdig erscheinen ließen. Nach seinen Angaben hatte sich Emanuela die Haare schneiden lassen und nannte sich „Barbarella“. Sie habe erklärt, dass sie gerade von zu Hause weggelaufen sei und Avon-Produkte verkaufen wolle.

Drei Tage später, am 28. Juni, rief ein Mann namens „Mario“ bei der Familie Orlandi an und behauptete, eine Bar in der Nähe des Ponte Vittorio Emanuele II zu besitzen, die zwischen dem Vatikan und der Musikschule liegt. Der Mann sagte, dass ein Mädchen namens „Barbara“ eine neue Kundin sei und sich ihm anvertraut habe. Sie wolle zur Hochzeit ihrer Schwester nach Hause zurückkehren.

Am 30. Juni wurden in Rom 3.000 Plakate mit Emanuela Orlandis Fotografie verteilt, um die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Suche nach dem Mädchen aufzurufen.

Papst Johannes Paul II. appellierte am Sonntag, den 3. Juli an diejenigen, die verantwortlich für Emanuela Orlandis Verschwinden seien, und erklärte damit den Fall offiziell als Entführung. Zwei Tage später erhielt die Familie Orlandi den ersten einer Reihe von anonymen Anrufen. Emanuela war angeblich Gefangene einer terroristischen Vereinigung, welche die Freilassung von Mehmet Ali Ağca forderte, der am 13. Mai 1981 ein Attentat auf den Papst verübt hatte. In den folgenden Tagen kamen weitere Anrufe, darunter einer, bei dem eine Aufnahme von Emanuelas Stimme über das Telefon abgespielt wurde. Ein paar Stunden später wurde dem Vatikan ein Austausch von Ali Agca gegen Orlandi vorgeschlagen. Ein anonymer Gesprächspartner erwähnte die früheren Anrufer „Mario“ und „Pierluigi“ und bezeichnete sie als Mitglieder der Organisation.

Erklärungstheorien[Bearbeiten]

Anfangs wurde angenommen, eine Gruppe Krimineller habe Orlandi entführt, um Geld zurückzufordern, das die Gruppe dem Heiligen Stuhl angeblich geborgt hatte. Eine weitere Theorie besagte, die Entführer hätten nur Mehmet Ali Ağca freipressen wollen.

Im Mai 2012 stellte Gabriele Amorth, ein römisch-katholischer Priester und Exorzist, eine neue Möglichkeit in den Raum. Er beschuldigte eine Gruppe, zu der auch Angestellte der Polizei des Vatikanstaates und ausländische Diplomaten gehörten, das Mädchen entführt und für Partys sexuell ausgebeutet zu haben. Später, so Amorth, sei sie ermordet und ihre Leiche beseitigt worden.[3]

Ebenfalls im Mai 2012 wurde das Grab des Mafia-Bosses Enrico De Pedis in der Basilika Sant’Apollinare in Rom geöffnet, in dem sich angeblich der Leichnam des Mädchens befinden sollte. Tatsächlich wurden Knochen gefunden, die nicht dem Mafioso zugeordnet werden konnten. Allerdings wird vermutet, dass es sich um die Gebeine von früher in der Krypta Beigesetzten handelt. Ein DNA-Test sollte zur Klärung beitragen. Gegen den damals in der Basilika zuständigen Priester Pietro Vergari wurden Ermittlungen aufgenommen.[4] Von anderen Berichterstattern werden solche Zusammenhänge jedoch bestritten.[5] Die DNA-Tests ergaben, dass die Knochen nicht dem verschwundenen Mädchen zuzuordnen waren.[6]

Im Juni 2012 behauptete Ağca, Emanuela Orlandi sei am Leben und befinde sich in der Türkei. Sie sei entführt worden, um seine Freilassung zu erreichen.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin de Wolf, Die Orlandi-Verschwörung. Bremen 2010.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 15-Jährige soll nach Sexpartys im Vatikan getötet worden sein. In: Spiegel online. 24. Mai 2012, abgerufen am 26. Mai 2012.
  2. Fall Orlandi ungeklärt bis heute. In: Deutschlandfunk. 21. Juni 2013, abgerufen am 21. Juni 2013.
  3. Nick Squires: Emanuela Orlandi 'was kidnapped for sex parties for Vatican police'. In: The Telegraph. 22. Mai 2012, abgerufen am 25. Mai 2012 (englisch).
  4. "Fall Emanuela Orlandi": Ermittlungen gegen Priester. In: Der Standard. 19. Mai 2012, abgerufen am 26. Mai 2012.
  5. http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article106311135/Das-Grab-der-Gangster-und-der-Fall-Orlandi.html
  6. http://www.bild.de/politik/ausland/katholische-kirche/liegt-eine-maedchen-leiche-hinter-den-heiligen-mauern-28550200.bild.html
  7. Fabrizio Peronaci: Alì Agca: «Emanuela è viva, sta bene è stata rapita per farmi liberare». In: Corriere della Sera. 21. Juni 2012, abgerufen am 21. Juni 2012.