Emerenz Meier

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Emerenz Meier vor 1925

Emerenz Meier (* 3. Oktober 1874 in Schiefweg, heute Ortsteil von Waldkirchen/Niederbayern; † 28. Februar 1928 in Chicago) war eine deutsche Schriftstellerin. Neben Lena Christ gilt sie als die bedeutendste bayerische Volksdichterin.

Leben[Bearbeiten]

im Bayerischen Wald[Bearbeiten]

Geburtshaus im Waldkirchener Ortsteil Schiefweg

Die 1874 in Schiefweg bei Waldkirchen geborene Emerenz Meier begann schon als Kind über ihre Heimat Niederbayern zu schreiben. Emerenz Meier war die Tochter der Emerenz Meier, geborene Raab, und des Landwirts, Viehhändlers und Gastwirts Josef Meier. Sie war eine sehr gute Schülerin und verfasste schon sehr früh kleine Geschichten und Gedichte. Sie lebte und arbeitete auf dem elterlichen Bauernhof und half auch als Bedienung in der Wirtsstube.

Im Jahr 1893 wurde in der Passauer Donau-Zeitung ihre erste Erzählung Der Juhschroa veröffentlicht, die sie heimlich eingesandt hatte. Im Herbst 1896 erschien im ostpreußischen Königsberg ihr erstes und einziges Buch Aus dem bayrischen Wald. Der Schriftsteller Hans Carossa las es und besuchte im Herbst 1898 zu Fuß Emerenz Meier in Waldkirchen. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage wanderten Teile der Familie nach Nordamerika aus.

Die Dichterin war unterdessen eine regionale Berühmtheit geworden. Ihr Bild in Tracht wurde vom Erfinder der Ansichtskarte, Alphons Adolph aus Passau, 1898 zusammen mit dem Foto ihres Geburtshauses als „Gruß aus Waldkirchen“ vertrieben.

in Chicago[Bearbeiten]

Im März 1906 folgte Emerenz Meier mit ihrer Mutter nach einem Intermezzo als Wirtin in Passau und Schriftstellerin in München dem ausgewanderten Vater und ihren Schwestern nach. Sie siedelte nach Chicago in das dortige deutsche Viertel über. Der erhoffte persönliche wirtschaftliche Aufschwung stellte sich jedoch nicht ein. Im Jahr 1907 heiratete Emerenz Meier ihren ersten Mann Josef Schmöller, der ein Landsmann aus dem Bayerischen Wald und ebenfalls Auswanderer war. Im Jahr 1908 wurde ein Sohn geboren. Ihr Mann starb 1910 an Schwindsucht. Anfangs hielt Emerenz Meier noch Vorträge in deutschen Vereinen und verfasste Kurzgeschichten und Gedichte für deutschsprachige Zeitschriften. Später hielt sie der Kampf um die Existenz in der Fremde gefangen. In zweiter Ehe heiratete sie den Schweden John Lindgren.

Der Erste Weltkrieg verschärfte ihre Kritik an den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in Europa und Amerika. Mit dem Kriegsausbruch riss der Kontakt in die frühere Heimat vorübergehend ab und wurde dann 1919 wieder aufgenommen. In Briefen an ihre Waldkirchner Freundin Auguste Unertl zeigten sich ihre Sympathien für den Kommunismus und ihre Abneigung gegen Kapitalismus und Kirche. Mit Geld und Sachspenden versuchte sie, die Not im Bayerischen Wald zu lindern, obwohl sie selbst nur wenig hatte. In der Zeit der Prohibition in den USA braute sie in Chicago Bier für ihre Landsleute und den eigenen Bedarf.

Emerenz Meier starb am 28. Februar 1928 in Chicago im Alter von 53 Jahren an den Folgen einer Nierenentzündung.

Werk[Bearbeiten]

Büste Emerenz Meier in Passau (von Christine Wagner, 2008)

Texte der Emerenz Meier erschienen in Zeitschriften wie Simplicissimus und Die fliegenden Blätter. Sie zeichneten sich durch ihre leidenschaftlichen Betrachtungen der Umwelt des Bayerischen Waldes um die Jahrhundertwende aus. Die Dichtungen stießen beim Publikum auf Nachfrage.

Zuhause soll sie aber als narrische Verslmacherin (verrückte Versmacherin) verspottet worden sein.

Auch in Zeitungen und Kalendern wurden ihre knapp gehaltenen Geschichten und Gedichte gedruckt. Emerenz Meier galt als Naturtalent und verwendete Motive aus ihrer bäuerlich geprägten Heimat. Im Stadttheater Passau wurden zwei ihrer Erzählungen aufgeführt.

Museum[Bearbeiten]

Im Geburtshaus der Emerenz Meier wurde am 15. Mai 2010 das Museum "Born in Schiefweg" eingerichtet, das erste Auswanderermuseum in Bayern. Die Zeit der Auswanderungswelle um das Jahr 1900 aus dem Bayerischen Wald wird darin wieder lebendig.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Göttler: „… des freien Waldes freies Kind“. Ein Emerenz-Meier-Lesebuch. Morsak-Verlag, Grafenau 2008.
  • Emerenz Meier: Gesammelte Werke. Hrsgg. v. Hans Göttler. 2 Bde. Morsak, Grafenau 1991. ISBN 3-87553-369-0
  • Emerenz Meier: Aus dem Bayerischen Wald. Erzählungen. Gedichte. Mit einem Lebensbild der Dichterin von Max Peinkofer und einer Erinnerung Hans Carossas an seine Begegnung mit der Schriftstellerin. Hrsgg. von Hans Bleibrunner u. Alfred Fuchs. Mosaik-Verlag, Grafenau 1974.
  • Friedemann Fegert: Emerenz Meier in Chicago. In: Friedemann Fegert: Ihr ghönt es Eich gar nicht vorstelen wie es in Amerigha zu ged. Auswanderung aus den jungen Rodungsdörfern des Passauer Abteilandes nach Nordamerika seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Karlsruhe 2001. ISBN 3-8311-0234-1. S. 380-406.
  • Michaela Karl: Emerenz Meier: Die Bayerwald-Dichterin. In: Bayerische Amazonen – 12 Porträts. Pustet, Regensburg 2004. ISBN 3791718681. S. 32-49
  • Paul Praxl: Emerenz Meier – Herkunft und Umwelt; in: Der Bayerwald, 86. Jg., Zwiesel 1994, Nr. 4, S. 18-27.
  • Paul Praxl: Die unbekannte Emerenz Meier. Schriften des Stadtarchivs Waldkirchen Nr. 4. Waldkirchen 2008.
  • Paul Praxl: „Ich bin fürchterlich radikal gesinnt“ Die unbekannte Emerenz Meier. Passau 2012. ISBN 978-3-86328-116-8

Filme[Bearbeiten]

  • Schiefweg, deutscher Spielfilm von 1988; Buch und Regie: Jo Baier. Der Film erzählt Szenen aus der Kindheit der Emerenz Meier, die vom harten Leben auf dem Land im Bayerischen Wald geprägt wurde. Die Hauptrolle der Emerenz Meier spielt die aus Haus bei Bad Kötzting stammende Daniela Schötz.
  • Wildfeuer, deutscher Spielfilm von 1991; Buch und Regie: Jo Baier. Die Hauptrolle der Emerenz Meier spielt Anica Dobra.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Emerenz Meier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien