Emil August von Dungern

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Emil August von Dungern
Grabstätte der Familie von Dungern auf dem Alten Friedhof Wiesbaden

Emil August Victor Freiherr von Dungern (* 29. Oktober 1802 in Weilburg; † 3. August 1862 in Frankfurt am Main) war nassauischer Politiker und Staatsminister.

Leben[Bearbeiten]

Er war der Sohn des aus dem pfälzischen Bad Bergzabern stammenden, Geheimen Regierungsrates, Oberstallmeisters und Landtagsabgeordneten Friedrich Heinrich von Dungern (1765–1858) sowie dessen Frau Wilhelmine Louise geb. Lesch von Mühlheim. Nach Abschluss des Gymnasiums in Weilburg studierte von Dungern Rechtswissenschaften in Heidelberg und Göttingen. In Heidelberg war er Mitglied des Corps Rhenania.

Dungern trat 1824 in den nassauischen Staatsdienst ein und ließ sich in Wiesbaden nieder. Enge familiäre Beziehungen zu führenden Beamten und Offizieren begünstigten seine Karriere. 1829 heiratete er in erster Ehe Charlotte Friederike Freiin Marschall von Bieberstein (1810–1832), Tochter des nassauischen Staatsministers Ernst Marschall von Bieberstein. Aus dieser Ehe ging die Tochter Henriette Luise Dorothea Auguste von Dungern (1832–1856), die Ehefrau des hessischen Diplomaten Wilhelm von Leonhardi hervor. Verschwägert war Emil von Dungern mit August von Kruse, Friedrich Heinrich von Preen und Joseph von Syberg zu Sümmern.

1832 wurde Dungern Ministerialrat. Herzog Adolf ehrte ihn 1833 mit dem Titel eines Herzoglich Nassauischen Kammerherrn. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1834 deren Schwester Dorette Freiin Marschall von Bieberstein (1808–1888). Aus der Ehe ging der Sohn Max (1838–1894) hervor.

Im Jahr 1840 wurde für Dungern die Stelle des Direktor der Ministerialkanzlei neu geschaffen. In diesem Amt war er Stellvertreter des Staatsministers von Walderdorff.

Im Jahr 1842 erfolgte die Beförderung zum Geheimen Rat. Ab dem 3. Dezember 1843 war er der letzte Staatsminister des Vormärz im Herzogtum Nassau. Im Gegensatz zur Politik seiner Vorgänger von Walderdorff und von Bock-Hermsdorff stand von Dungern den Gedanken des Liberalismus offener gegenüber. In seine Amtszeit fällt die Erhebung der Schulen zu Hadamar und Wiesbaden zu vollwertigen Gymnasien. In der Bildungspolitik kam es zu Konflikten zwischen dem Herzogtum Nassau und dem 1842 in das Amt eingeführten katholischen Limburger Bischof Peter Joseph Blum. Infolgedessen kam es 1844 zur Wiedereinführung des konfessionellen Religionsunterrichts. Die Gründung eines katholischen Lehrerseminars wurde jedoch von der Regierung verhindert. In der Militärpolitik kam es in seiner Amtszeit zu Veränderungen. So wurde die Ausbildungszeit der Soldaten verlängert und die berufs- und standesbedingten Befreiungen vom Militärdienst abgeschafft. Weitere Reformen wie die Übertragung der Landespolizei von dem Reservebataillon auf ein spezielles Landjägerkorps wurden vorbereitet, kamen aber aufgrund der Märzrevolution nicht mehr zur Umsetzung. Dieses traf auch auf die geplante Trennung der Verwaltung und Justiz sowie die Einführung mündlicher Verfahren zu. Die geplanten Reformen im Bereich des bürgerlichen Rechts konnte Dungern nicht gegen die Herrenbank durchsetzten. Sie wurden erst nach der Märzrevolution vom neuen Landtag verabschiedet. Gemeinsam mit der Herrenbank widersetzte sich die Regierung um Dungern der von der Deputiertenkammer geforderten Direktwahl der Schultheissen.

Das „Palais von Dungern“ in Weilburg, von Dungerns Wohnsitz 1848–1852

Bereits ab 1846 spitzte sich die Konfrontation der politischen Lager der konservativen und liberalen zunehmend zu. Schlechte Ernten in den 1840er Jahren führten zu zunehmender Kritik an der Regierung. Seine Amtszeit als Regierungschef endete infolge der Märzrevolution. Zunächst konnte Dungern sich noch im Amt halten, musste jedoch die Neun Forderungen der Nassauer genehmigen und ihre Umsetzung einleiten. Im April 1848 wurde er nach seinem mehrfachen Ersuchen entlassen und die Märzregierung von August Hergenhahn kam für wenige Monate ins Amt. Dungern verlegte seinen Wohnsitz nach Weilburg in das Haus seines Vaters.

Nach der Niederschlagung der Revolution wurde von Dungern ab 1850 als Diplomat und ab 1852 als Bundestagsgesandter für Nassau und Braunschweig tätig. Im Bundestag galt Dungern als konservativer, Österreich-freundlicher Politiker.

Nach seinem Tod 1862 wurde er auf dem Alten Friedhof in Wiesbaden beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten]

Emil August von Dungern wurde mit zahlreichen Orden verschiedener Staaten ausgezeichnet[1]. So war er unter anderem Träger des Großkreuz des Herzoglichen Militär- und Zivildienst-Orden Adolphs von Nassau, Ritter des Kaiserlich Russischen St. Annen-Orden 1. Klasse, Orden vom Niederländischen Löwen, Königlich Portugiesischer Orden des heiligen Jakob vom Schwert, Großherzoglich Hessischer Verdienstordens Philipps des Großmütigen und Herzoglich Braunschweigischer Orden Heinrichs des Löwen

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herzogtum Nassau (Hrsg): Verordnungsblatt des Herzogthums Nassau. Wiesbaden 1862; S. 60