Émile Auguste Carolus-Duran

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John Singer Sargent: Portrait of Carolus Duran
Carolus Duran: Portrait de Philippe Burty (1874)

Charles Émile Auguste Durand (oder Durant) genannt Carolus-Duran (* 4. Juli 1837 in Lille; † 17. Februar 1917 in Paris) war ein französischer Maler. Sein Werk ist dem Realismus zuzuordnen.

Biographie[Bearbeiten]

Carolus-Duran besuchte in seiner Heimatstadt die Ecole municipale und fiel während dieser Zeit dem ortsansässigen Maler François Souchon auf. Dieser lud ihn zum Arbeiten in sein Atelier ein und verschaffte Carolus-Duran durch seine Fürsprache ein großzügiges Stipendium der Stadt Lille. Damit konnte Carolus-Duran sein zweijährigen Aufenthalt in Paris finanzieren, wo er meist an der Académie Suisse arbeitete. In Paris legte sich Duran auch seinen Künstlernamen Carolus-Duran zu, den er bis an sein Lebensende beibehielt.

Carolus-Duran begann nach dem Beispiel Souchons mit dem Kopieren von Bildern im Louvre, namentlich von Leonardo da Vinci, wodurch er die Grundlage zu seiner Malweise legte. Nebenbei schuf er schon sehr eigenständige Werke, von denen Visite au convalescent 1860 beim Concours de Wicar[1] ausgezeichnet wurde. Dieses Preisgeld ermöglichte es ihm, Ende 1861 eine ausgedehnte Studienreise nach Italien zu unternehmen.

Anfang 1861 hielt sich Carolus-Duran in Rom und Subiaco auf, wo er fast ausschließlich Szenen aus dem römischen Alltagsleben schuf. Am bekanntesten sind Das Abendgebet (Kloster San Francesco in Subiaco, 1863) und Der Ermordete (1865), eine düstere, naturalistische Studie. Das Jahr 1863 verbrachte er überwiegend in Venedig und besuchte 1864 für mehrere Wochen Pompeji. 1866 kehrte er nach Paris zurück.

Noch im selben Jahr erzielte er seinen künstlerischen Durchbruch mit seinem Werk L’Assassiné, das er beim Pariser Salon ausstellte und von seiner Heimatstadt erworben wurde. Ab dieser Zeit wirkte Carolus-Duran fast nur noch als Porträtmaler, wobei er im Gegensatz zu seinen Kollegen, wie Léon Bonnat oder Jean Jacques Henner, weniger die Eleganz der Dargestellten für seine Motive wählte, sondern die möglichst natürliche Charakteristik hervorhob. Anders als Gustave Courbet und Théodule Augustin Ribot gelang es Carolus-Duran die Extravaganzen der Mode in karikieren Art und mit leuchtenden Farbkombination darzustellten.

Allein die Einnahmen durch den Verkauf von L’Assassiné ermöglichten Carolus-Duran eine längere Studienreise (1867/68) nach Spanien. Auf dieser Reise lernte er das Werk von Diego Velázquez kennen, von dem er sofort fasziniert war. Er kopierte viele Werke von Velázquez und begann eigene Werke in diesem Stil zu malen. Zu den bekanntesten Bildern aus dieser Zeit gehört Dame au gant.

Nach seiner Rückkehr nach Paris heiratete er seine Kollegin Pauline Marie Croisette (1839–1912) und hatte mit ihr drei Kinder. Neben seinem Wohnhaus gründetete er ein großes Atelier. Neben seinen eigenem Schaffen arbeiteten dort auch viele seiner Schüler.

Allein durch seine Porträts wurde Carolus-Duran in den nächsten Jahren zu einem der meistbeschäftigten Malern von Paris. Herausragende Beispiele dieser Porträtmalerei sind vor allem Portrait der Mme***, auch als Die Dame mit dem Handschuh bezeichnet, aus dem Jahr 1869 und Die Dame mit dem Hund (1870, Museum in Lille). In diesen Jahren begann auch seine Freundschaft mit Édouard Manet und Zacharie Astruc.

Ab ungefähr 1875 widmete sich Carolus-Duran verstärkt wieder der Genre- und Historienmalerei, wobei er sich speziell Peter Paul Rubens und Paolo Veronese zum Vorbild nahm, ohne jedoch von seinem groben Naturalismus abzuweichen. In rascher Folge entstanden: Die Versuchung einer Heiligen, Die Betende (1875), Die Apotheose der Maria von Medici (1878, Deckengemälde für einen Saal des Palais du Luxembourg). 1879 ehrte der Pariser Salon das Lebenswerk von Carolus-Duran mit einer Ehrenmedaille.

1890 gründete Carolus-Duran zusammen mit seiner Ehefrau, Ernest Meissonier und anderen Kollegen die Societé nationale des beaux-arts. Zehn Jahre avancierte er zum ständigen Mitglied der Jury der Pariser Künstlervereine und seine eigene Akademie wählt ihn zu ihrem Ehrenpräsidenten. 1904 wurde er zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt und als solcher im darauffolgenden Jahr zum Direktor der Académie de France à Rome.

Im Alter von 79 Jahren starb der Maler Emile Auguste Carolus-Duran am 17. Februar 1917 in Paris und fand auf dem Cimetière Saint-Léonce von Frejus seine letzte Ruhestätte.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • 1872 Chevalier der Ehrenlegion
  • 1878 Officier der Ehrenlegion
  • 1889 Commandeur der Ehrenlegion
  • 1890 Grand Officier der Ehrenlegion

Schüler (Auswahl)[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Mademoiselle de Lancey, 1876.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arsène Alexandre: Carolus-Duran. Librairie G. Baranger, Paris 1903.
  • Bruno Gaudichon und Dominique Lobstein (Hrsg.): Des amitiés modernes. De Rodin à Matisse; Carolus-Duran et la Société Nationale des Beaux-Arts. Somogy, Paris 2003, ISBN 2-85056-639-X (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, 9. März bis 9. Juni 2003).
  • John House: Carolus-Duran. In: The Burlington Magazine, Bd. 145 (2003), S. 536–538, ISSN 0007-6287
  • Charles M. Mount: Carolus-Duran and the development of Sargent. In: Art Quarterly, Bd. 26 (1963), S. 385–418, ISSN 0004-3303
  • Annie Scottez de Wambrechies (Hrsg.): Carolus-Duran (1837–1917). Réunion des Musées Nationaux, Paris 2003, ISBN 2-7118-4553-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieser Wettbewerb wurde von der Société des sciences, de l'agriculture et des arts in Lille veranstaltet und wurde nach dem Maler Jean-Baptiste Wicar (1762–1834) benannt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Emile Auguste Carolus-Duran – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien