Emilie Kiep-Altenloh

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Emilie Kiep-Altenloh geb. Altenloh (* 30. Juli 1888 in Voerde/Westfalen; † 22. Februar 1985 in Hamburg) war eine liberale Politikerin in Deutschland (DDP bzw. FDP).

Leben und Politik[Bearbeiten]

Emilie Kiep-Altenloh besuchte bis zum zehnten Lebensjahr die einklassige Volksschule auf dem Brink. 1905 bestand sie das Abitur in Remscheid und studierte anschließend Nationalökonomie und Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg, München, Kiel und Wien. Sie promovierte 1913 über die Soziologie des Kinos, die weltweit erste wissenschaftliche Arbeit über das Kino. Anschließend leitete sie ab 1914 das Kreisernährungsamt in Schwelm.

1925 heiratete sie den Direktor der Vulkan-Werft Johann Nikolaus Kiep (* 1. Oktober 1882, † 14. November 1967)[1]

1923 trat sie der DDP bei und vertrat diese Partei von 1924 bis 1930 als Stadtverordnete in Altona, anschließend im Deutschen Reichstag. 1924 war sie Mitbegründerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Nach der so genannten Machtergreifung der Nationalsozialisten unterlag sie einem politischen Betätigungsverbot, sie studierte daher ab 1934 in Hamburg Zoologie und Biologie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie Mitbegründerin der FDP in Hamburg und von 1949 bis 1961 Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft. Sie war die erste Frau, die in den Vorstand einer Fraktion gewählt wurde. Sie hatte in der zweiten Wahlperiode (1951) das Amt der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden allerdings nur für zwei Monate inne.[2] Von 1953 bis 1961 war sie Senatorin in verschiedenen Behörden (Sozialbehörde, Jugendbehörde, Gefängnisbehörde, Behörde für Ernährung und Landwirtschaft). Anschließend saß sie von 1961 bis 1965 im Deutschen Bundestag.

Sie war die Tante des CDU-Politikers Walther Leisler Kiep.

Ehrungen[Bearbeiten]

Emilie Kiep-Altenloh war für das Große Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen worden. Daraufhin kam es zu einer Kleinen Anfrage der SPD in der Hamburger Bürgerschaft im Mai 1963. Bürgermeister Paul Nevermann erklärte, dass der Senat weiterhin an seiner traditionellen Devise festhält: Keine Orden für Senatoren. Zu Vorschlägen von anderer Seite werde sich der Senat gegenüber der verleihenden Stelle dahin äußern, dass von der Verleihung abgesehen werden möge.[3] Die Freie und Hansestadt Hamburg ehrte Emilie Kiep-Altenloh 1963 mit der Bürgermeister-Stolten-Medaille. Die FDP Hamburg wählte sie 1972 zu ihrer Ehrenvorsitzenden. Nach ihr ist die 1979 gegründete Dr.-Emilie-Kiep-Altenloh-Stiftung benannt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Emilie Altenloh: Zur Soziologie des Kinos. Die Kinounternehmen und die sozialen Schichten ihrer Besucher. Schriften zur Soziologie und Kultur Band 3, Jena 1914, Neudruck 1977.
  • Emilie Altenloh und Ernst Kantorowicz: Leitfaden für Jugendämter und Jugendschöffen in der Jugendgerichtshilfe. Meldorf 1923.
  • Emilie Kiep-Altenloh: Die Ausbildung von Blindenführhunden. In: Grenzgebiete der Medizin. 1. Jahrgang, 1948, S. 57–59
  • Emilie Kiep-Altenloh: Das nicht besetzte Plenum. Gedanken und Vorschläge. In: Freie Demokratische Korrespondenz. 1964, Nr. 24, 13. März 1964.
  • Emilie Kiep-Altenloh: Aufzeichnungen und Erinnerungen. In: Abgeordnete des Deutschen Bundestages - Aufzeichnungen und Erinnerungen. Band 1, Boppard am Rhein, 1982, Seiten 315–344.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hugo Maier (Hrsg:) Who is who der Sozialen Arbeit, Freiburg im Breisgau : Lambertus 1998 ISBN 3-7841-1036-3
  • Helmut Stubbe-da Luz: Kiep-Altenloh, Emilie. In: Hamburgische Biografie, Band 5, Wallstein, Göttingen 2010, S. 212–214.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. WAZ Mediengruppe, Ennepetal 29.Juli 2008: Die große alte Dame des Liberalismus (im WAZ-Text falsche Namensschreibung, Foto zeigt es richtig), [1].
  2. Internetseite Hamburgische Bürgerschaft: Abgeordnete: Frauen im Parlament
  3. Hamburger Abendblatt Nr. 119 vom 24. Mai 1963, Seite 3: Auch künftig keine Orden für Senatoren (PDF)