Emilio Gentile

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Emilio Gentile

Emilio Gentile (Schreibweise vereinzelt auch Emile; * 1946) ist ein italienischer Historiker und Pionier der Faschismusforschung.

Leben[Bearbeiten]

Gentile ist Professor an der Universität La Sapienza in Rom.[1] Als Faschismusforscher prägte er den Begriff der Palingenese, der den Faschismus in seiner ideologischen Form als politische Religion beschreibt. Für seine empirisch-historischen Forschungen zur religioni della politica im 20. Jahrhundert erhielt er 2003 den Hans-Sigrist-Preis der Universität Bern.[2]

Faschismus als Politische Religion[Bearbeiten]

Gentile bestimmt den Faschismus in einer doppelten Anordnung als „Politische Religion“ und als Teilgruppe des Totalitarismus. Danach, so Sven Reichardt zum Verständnis von Gentile, „kreierten die Faschisten einen Glauben an die Nation, den Duce und die Partei, wobei diese Politische Religion zur Grundlage der faschistischen Kultur wurde. Es war ein aus seiner Sicht militärischer und revolutionärer Totalitarismus, der die Mythen und Werte einer palingenetischen Ideologie vertrat und die sakralisierten Formen einer politischen Religion annahm, um einen Neuen Menschen zu kreieren. Der italienische Faschismus habe diesen Totalitarismus als Erster in die Welt gesetzt, wobei Staat und Partei miteinander verschmolzen.“[3]

Gentiles Faschismusdefinition[Bearbeiten]

In den 1990er Jahren entwickelte Gentile eine zehn Punkte umfassende Definition des Faschismus, die dessen bestimmende Merkmale einer organisatorischen, einer kulturellen und einer institutionellen Dimension zuordnete:

„Die Definition, die ich vorschlage, beruht auf drei in Verbindung zueinander gesetzten Dimensionen: es handelt sich um die organisatorische, die die soziale Zusammensetzung, die Struktur, den Lebensstil und die Kampfmethoden der Partei betrifft, die kulturelle, in der es um das Menschenbild und die Ideen von Masse und Politik geht, sowie schließlich um die institutionelle Dimension, die den Komplex jener Strukturen und Beziehungen meint, aus denen sich das faschistische Regime ergibt.“

Emilio Gentile: Der Faschismus: Eine Definition zur Orientierung[4]

Gentiles Definition wird ausführlich dargestellt unter dem Begriff Faschismustheorien.

Werke[Bearbeiten]

  • Il culto del littorio. La sacralizzazione della politica nell' Italia fascista. Rom / Bari. 1993
    • Englische Übersetzung: The Sacralization of Politics in Fascist Italy, 1996, Harvard University Press, hup.harvard.edu
    • Deutsche Übersetzung: Die Sakralisierung der Politik. In: Hans Maier (Hrsg.): Wege in die Gewalt. Die modernen politischen Religionen. Frankfurt/Main 2000
  • Le religioni della politica. Fra democrazie e totalitarismi. Laterza, Rom 2001, Auszug aus dem Buch (dt.) (englische 2004).
    • Englische Übersetzung: Politics as Religion, University Presses of CA (3. Juli 2006)
  • La democrazia di Dio. La religione americana nell'era dell'impero e del terrore. 2. Aufl. 2006, Kurzbeschreibung (it.)
  • Il fascismo in tre capitoli. 2. Aufl. 2006
  • Fascismo. Storia e interpretazione. Rom/Bari. 2002 3. Aufl. 2007
  • La Grande Italia. Il mito della nazione nel XX secolo. 2006
  • Il mito dello Stato nuovo. Dal radicalismo nazionale al fascismo. 2002
  • Le origini dell'Italia contemporanea. L'età giolittiana. 2003
  • Renzo De Felice. Lo storico e il personaggio. 2003
  • Storia del partito fascista. 1919-1922. Movimento e milizia. 1989
  • Il fascino del persecutore. George Mosse[5] e i totalitarismi. Carocci. 2007
  • L’apocalisse della modernità: la guerra per l’uomo nuovo, Mondadori, 2010

Aufsätze[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. dsp.uniroma1.it La Sapienza, Dipartimento di Studi Politici
  2. Tagungsbericht: Die politischen Religionen als Kategorie der Neuesten Geschichte
  3. Sven Reichardt: Neue Wege der vergleichenden Faschismusforschung. Mittelweg 36 1/2007.
  4. Emilio Gentile: Der Faschismus: Eine Definition zur Orientierung. In: Mittelweg 36, 2007, H. 1
  5. Di questo autore ha curato la prefazione al libro Di fronte alla storia e i totalitarismi pubblicato da Carocci, Roma 2007.
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