Emmanuel III. Delly

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Emmanuel III. Kardinal Delly (2008)

Seine Seligkeit Emmanuel III. Kardinal Delly (* 27. September 1927 in Telkaif bei Mosul, Irak; † 8. April 2014 in San Diego, USA) war Patriarch von Babylon der chaldäisch-katholischen Kirche.

Leben[Bearbeiten]

Karim Geries Mourad Delly wurde nach Studien in Mosul und Rom am 21. Dezember 1952 zum Priester geweiht. Er ist Lizenziat der Philosophie und Doktor der Theologie und des kanonischen Rechts. 1960 kehrte er in den Irak zurück und wurde zum Generalsekretär des damaligen Patriarchen Paulus II. Cheikho ernannt. Zum Patriarchalvikar erhoben, empfing er im Dezember 1962 die Bischofsweihe und nahm am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Mit Erreichen der Altersgrenze von 75 Lebensjahren legte er am 19. Oktober 2002 sein Amt nieder. Die bei der Bestellung eines Nachfolgers für den verstorbenen Patriarchen Raphael I. Bidawid zunächst in Bagdad uneinige und erfolglose Synode der chaldäisch-katholischen Kirche konnte sich schließlich am 3. Dezember 2003 in Rom auf die Person des betagten Delly einigen.

Das Patriarchat von Babylon zählt heute etwa 600.000 Gläubige unter 23 Bischöfen. Von den ca. 200 Priestern wirken etwa die Hälfte im Irak, 20 betreuen die rund 160.000 katholischen Chaldäer in den USA. Etwa 18.000 leben heute in Frankreich. Wegen der unsicheren Lage im Irak verlassen viele chaldäisch-katholische Christen das Land. Tausende flüchten ins Nachbarland Syrien, um von dort aus in sichere Drittländer auszuwandern. Aktuell halten sich in der Hauptstadt Damaskus rund 25.000 chaldäisch-katholische Christen auf, dabei gibt es gewöhnlich nur 14.000 Personen in Syrien, die sich zu dieser Konfession bekennen. Man schätzt, dass seit dem Beginn des Krieges im März 2003 die Hälfte der irakischen Christen das Land verlassen haben. [1] Inzwischen hat sich die Sicherheitslage v.a. im kurdisch kontrolliertem Nordirak, teilweise aber auch in der irakischen Hauptstadt Bagdad wieder verbessert. Das chaldäische Priesterseminar St. Peter und das Babel College konnten ihren Betrieb wieder aufnehmen – letzteres allerdings nur im sicheren Ankawa bei Arbil.[2]

Am 24. November 2007 nahm ihn Benedikt XVI. als Kardinalbischof in das Kardinalskollegium auf. Die Altersgrenze für die Teilnahme an einem Konklave hatte Emmanuel III. zur Kardinalskreierung bereits überschritten. Am 19. Dezember 2012 nahm Benedikt XVI. das von Emmanuel III. Delly aus Altersgründen vorgebrachte Rücktrittsgesuch an.[3] Für die Nachfolge Dellys hatte Papst Benedikt XVI. eine Bischofssynode der chaldäischen Kirche unter Leitung des Präfekten der Kongregation für die orientalischen Kirchen Leonardo Kardinal Sandri einberufen. In der Zwischenzeit war der chaldäische Kurienerzbischof Jacques Ishaq als Administrator der chaldäischen Kirche ernannt worden.[3] Nachfolger als Patriarch wurde am 1. Februar 2013 Louis Raphaël I. Sako.

Emmanuel III. Delly, der mit Benedikt XVI. befreundet war, wurde in Detroit bestattet, wo seine engsten Angehörigen leben.[4]

Werke[Bearbeiten]

  • Emmanuel-Karim Delly, La théologie d'Élie bar Sénaya. Étude et traduction de ses Entretiens (Studia Urbaniana 1). Pont. Univ. Urbaniana, Roma 1957.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Emmanuel III. Delly – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Radio Vatikan: Irak: Ringen um Religionsfreiheit vom 1. Januar 2007
  2. Radio Vatikan: Irak: Seminar und Universität wieder eröffnet vom 15. Januar 2007
  3. a b Chaldäischer Patriarch zurückgetreten - Neuwahl im Januar in Rom, Kipa/apic vom 19. Dezember 2012
  4. Patriarch Kardinal Delly 86jährig in San Diego gestorben. Katholische Presseagentur Österreich, 9. April 2014
Vorgänger Amt Nachfolger
Raphael I. Bidawid Patriarch von Babylon
2003–2012
Louis Raphaël I. Sako