Emmauskloster (Prag)

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Emmauskloster

Das Emmauskloster (Emauzy), auch Emaus, ist eine Benediktiner-Abtei in der tschechischen Hauptstadt Prag.

Gründung, Name, Geschichte[Bearbeiten]

Kloster Em(m)aus wurde ähnlich dem Kloster St. Maria Schnee schon vor dem Anlegen der Prager Neustadt auf einem Sporn der oberen Terrasse an dem alten Weg zum Vyšehrad gegründet.

Zunächst diente die noch erhaltene, alte romanische Pfarrkirche der Flößergemeinde Podskalí St. Cosmas und Damian als Klosterkirche, die Pfarre wurde zur Nikolauskirche verlegt. Karl IV. stiftete auf dem Gelände des Vyšehrader Stiftskapitels mit Zustimmung Papst Clemens VI. (Bulle vom 9. Mai 1346) am 21. November 1347 ein Slavenkloster, mit dem Auftrag hier die die altslawische Liturgie zu pflegen. Im folgenden Jahr 1348 wurden Kirche und Kloster durch Erzbischof Ernst von Pardubitz an Benediktinermönche aus Kroatien übergeben. An der Vyšehrader Kirche hatten der Überlieferung zufolge sowohl der heilige Methodius als auch der heilige Prokop bereits slawische Gottesdienste zelebriert. Nach den Mönchen erhielt die Klosterkirche den Namen Marienkirche bei den Slawen (Klášter Panny Marie Na Slovanech).

Die Weihe der Klosterkirche der Jungfrau Maria und der slawischen Schutzheiligen erfolgte am 29. März 1372, einem Ostermontag, im Beisein des Kaiser Karls IV. und zahlreicher hoher Adliger und Geistlicher. Da an diesem Tag der Text aus dem Lukasevangelium verkündet wurde, der die Begegnung Christi mit den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus schildert (Lukas 24, 13–35), erhielt das Kloster den vor allem unter den Deutschen verbreiteten zweiten Namen Em(m)auskloster (Klášter v Emauzích).

Diese Klostergründung war ein wichtiger Punkt im politischen Programm Karls IV. Im 14. und 15. Jahrhundert entwickelte sich das Kloster zu einem herausragenden Bildungszentrum, in dem zahlreiche Übersetzungen und illuminierte Handschriften geschaffen wurden, darunter auch das Registrum Slavorum aus der Zeit um 1395. Dies ist der glagolitische Teil des Evangeliars von Reims, auf den die französischen Könige bis 1782 ihren Eid leisteten.

Als eines der wenigen Klöster in Prag wurde es nicht durch die Hussiten zerstört, sondern war von 1419 bis 1589 von Utraquisten besetzt und beherbergte ab 1446 das einzige Utraquistenkloster (Calixtiner) der Stadt. 1593 erhielten die Benediktiner Em(m)aus zurück. Nachdem die tschechischen Mönche nach St. Nikolaus in der Prager Altstadt versetzt worden waren, berief Ferdinand III. 1636 Benediktiner der spanischen Montserrater Klosterreform, → Nuestra Señora de Montserrat nach Em(m)aus. Nach deren Einzug, wurde das Emmauskloster umgebaut und um ein Geschoss aufgestockt. In der Folge blühte das Kloster geistlich und kulturell neu auf.

Eine zweite Blüte erlebte Em(m)aus ab 1880 unter Abt Benedikt Sauter durch die im Kulturkampf aus der Abtei Beuron vertriebenen Benediktiner, denen unter Mitwirkung von Kaiser Franz Joseph I. und Kardinal Friedrich zu Schwarzenberg das Kloster übergeben wurde (Seelsorge, Wissenschaft, Kunst und Gregorianik). Sie restaurierten Abtei und Kirche. Intellektuelle und Künstler waren häufig Gäste der Abtei, darunter der Komponist Antonín Dvořák. Sauters Nachfolger Alban Schachleiter kämpfte maßgeblich gegen die Los-von-Rom-Bewegung. Nach der Ausweisung der deutschen Mönche im Jahr 1919 trat Abt Alban 1920 vom Abtsamt zurück und wurde später - politisch naiv - Anhänger des Nationalsozialismus († 26. Juni 1937). Sein Nachfolger Abt Ernst Vykoukal starb am 9. September 1942 als Opfer des Nationalsozialismus im Konzentrationslager Dachau.

Die Abtei Emaus wurde 1941 durch die Nationalsozialisten aufgelöst und bei dem alliierten Luftangriff im Februar 1945 schwer beschädigt. Noch im gleichen Jahr wurde Emmaus als Mönchskloster neu errichtet und Mitglied der Slawischen Benediktinerkongregation, der es auch heute angehört. Am 27. April 1950 erfolgte die Beschlagnahmung und Unterdrückung der Abtei durch die Kommunisten. Die Benediktiner flüchteten nach Italien, zuerst nach Foligno, dann nach Nursia. 1990 wurde Em(m)aus dem Benediktinerorden zurückgegeben. Heute lebt wieder eine kleine Kommunität im Kloster. Seit 2010 leitet Pater Edmund Wagenhofer als Prior-Administrator das Kloster.

Kunst[Bearbeiten]

Die Klosterkirche mit drei gleich hohen Schiffen und jeweils eigenem Chorabschluss erinnert mit der fehlenden Trennung zwischen Chor und Langhaus und der auffallenden Schmucklosigkeit eher an Predigerkirchen und steht somit im starken Gegensatz zu den Bauten der Parlerschen Gotik. Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung ist die um 1360 entstandene Fresko-Wandmalerei im Kreuzgang.

Die Beuroner Benediktiner haben 1888–1885 die Kirche und das Kloster im Stil der Beuroner Kunstschule umgestaltet. An der Ausgestaltung der Klosteranlage wirkten die drei führenden Beuroner Mönchs-Künstler mit: Desiderius Lenz, Gabriel Wüger und Lukas Steiner. Diese Künstler waren auch an der Ausmalung der Nonnenabtei St. Gabriel (Prag) beteiligt

Während einer Restaurierung erhielt die Kirche 1967 durch Architekt František M. Černý die moderne zweispitzige Front als Kompromiss zwischen dem früheren hohen gotischen Giebel und beiden bei den Luftangriffen zerstörten barocken Westtürmen.

Zeitschriften aus dem Emauskloster[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Petzolt: Emaus. In: LThK. 3. Auflage. Band 3, Sonderausgabe, Herder, Freiburg 2006, Sp. 621.
  • Stephan Hilpisch: Emaus. In: LThK. 2. Auflage. Band 3, Herder, Freiburg 1959, Sp. 844f.
  • Helena Čižinska: Die Beuroner Kunstschule in der Abtei Sankt Gabriel in Prag. Ars Bohemica, Praha 1999, ISBN 80-902381-4-9, S. 74–80.

Links[Bearbeiten]

50.07222222222214.4175Koordinaten: 50° 4′ 20″ N, 14° 25′ 3″ O