Empathogen

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Ein Empathogen ist ein Wirkstoff, der dazu führt, dass die unter seinem Einfluss stehende Person das Gefühl hat, mit anderen Menschen zusammen eine Einheit zu bilden, sie zu verstehen, mit ihnen gemeinsam zu fühlen. Der Begriff setzt sich aus empátho (griechisch ἐμπάθω, „mitfühlen“; vergleiche Empathie) und der Endung -gen (von griechisch γένεσις, génesis, „Entstehung“) zusammen.

MDMA (häufig enthalten in Ecstasy) dürfte das bekannteste Beispiel einer Substanz mit dieser Wirkung sein. Ein weiteres Beispiel ist die Designerdroge Methylon (auch bekannt als MDMC (3,4-Methylendioxy-N-methylcathinon) ). Es ist das β-Keton-Analogon ("bk- MDMA") des 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamins (MDMA).

Bis zum Verbot in den 1980er Jahren wurden empathogen wirkende Drogen gerne in der Psychotherapie eingesetzt (Psycholytische Psychotherapie), da sich der Patient unter ihrem Einfluss seinem Therapeuten öffnet und dieser leichteren Zugang zum Patienten und dieser leichter zu sich selbst findet.

Stoffe, bei denen eine empathogene Wirkung nachgewiesen werden konnte:

Eingeschränkte soziale Wahrnehmung[Bearbeiten]

Eine neuere Studie, in der das soziale Verhalten unter Einfluss von MDMA gemessen wurde, zeigte eine verminderte Wahrnehmung von bedrohlichen Gesichtsausdrücken. Die Autoren der Studie schlossen daraus, dass durch die Droge soziale Annäherung - hier durch Ausblenden von Risiken - gefördert wurde und nicht soziale Einfühlung (Empathie).[1] Die Ergebnisse wurden bestätigt durch eine andere Studie, bei der MDMA die Wahrnehmung simulierter sozialer Zurückweisung verminderte.[2] Zwei weitere Studien zeigten, dass MDMA die Wahrnehmung negativer Gefühle anhand von ängstlichen, ärgerlichen, feindseligen und traurigen Gesichtern behinderte.[3][4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G. Bedi, D. Hyman, H. de Wit: Is ecstasy an "empathogen"? Effects of ±3,4-methylenedioxymethamphetamine on prosocial feelings and identification of emotional states in others. In: Biological psychiatry. Band 68, Nummer 12, Dezember 2010, ISSN 1873-2402, S. 1134–1140, doi:10.1016/j.biopsych.2010.08.003, PMID 20947066, PMC 2997873 (freier Volltext).
  2. C. G. Frye, M. C. Wardle, G. J. Norman, H. de Wit: MDMA decreases the effects of simulated social rejection. In: Pharmacology, biochemistry, and behavior. Band 117, Februar 2014, ISSN 1873-5177, S. 1–6, doi:10.1016/j.pbb.2013.11.030, PMID 24316346, PMC 3910346 (freier Volltext).
  3. C. M. Hysek, Y. Schmid, L. D. Simmler, G. Domes, M. Heinrichs, C. Eisenegger, K. H. Preller, B. B. Quednow, M. E. Liechti: MDMA enhances emotional empathy and prosocial behavior. In: Social cognitive and affective neuroscience. Band 9, Nummer 11, November 2014, ISSN 1749-5024, S. 1645–1652, doi:10.1093/scan/nst161, PMID 24097374, PMC 4221206 (freier Volltext).
  4. C. M. Hysek, G. Domes, M. E. Liechti: MDMA enhances "mind reading" of positive emotions and impairs "mind reading" of negative emotions. In: Psychopharmacology. Band 222, Nummer 2, Juli 2012, ISSN 1432-2072, S. 293–302, doi:10.1007/s00213-012-2645-9, PMID 22277989.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Entaktogene (psychoaktive Substanzen, welche die Wahrnehmung eigener Emotionen verstärken)
  • Entheogene (psychoaktive Drogen in kultischer, spiritueller und religiöser Verwendung)
  • Psycholytische Psychotherapie (Einsatz psychotroper Substanzen zur Therapieunterstützung)
  • Psychonautik (Erforschen der eigenen Psyche und des Unbewussten)
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