Ems-Chemie

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EMS-CHEMIE HOLDING AG
Logo EMS
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0016440353
Gründung 1936 durch Werner Oswald
Sitz Domat/Ems, Schweiz
Leitung Magdalena Martullo
(CEO)
Ulf Berg
(VR-Präsident)
Mitarbeiter 2'670 (Dezember 2013)
Umsatz 1,885 Mrd. CHF (2013)
Branche Chemie
Produkte Polymere und SpezialchemikalienVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.ems-group.com
QS-Chemie-Logo.svg
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Die Ems-Chemie ist eine weltweit tätige Schweizer Unternehmensgruppe mit Sitz in Domat/Ems im Kanton Graubünden. Die einzelnen Gesellschaften der EMS-Gruppe sind in der «Ems-Chemie Holding» zusammengefasst. Diese ist die einzige zum Konsolidierungskreis gehörende kotierte Gesellschaft und ist an der SIX Swiss Exchange kotiert. Die Börsenkapitalisierung (31. Dezember 2011) waren 3‘721.1 Mio. CHF, es sind 23'389'028 Namenaktien[1] mit einem Nominalwert von CHF 0.01 ausgegeben. Davon hält die «Emesta Holding AG» 14'224'143 Namenaktien (Kapital- und Stimmrechtsanteil 60.82%) und Miriam Blocher 2'079'000 Namenaktien (Kapital- und Stimmrechtsquote 8.89%).

Die Ems-Gruppe ist in den Geschäftsbereichen Hochleistungspolymere und Spezialchemie tätig. Diese sind in die Unternehmensbereiche Ems-Grivory Europa, Ems-Grivory Asien, Ems-Grivory Amerika, Ems-Eftec, Ems-Griltec und Ems-Patvag gegliedert.

Der Hauptproduktionsstandort (2011) der Gruppe war die Schweiz mit 50,6% gefolgt von der EU mit 27.6% und Asien 14.3%. Die Produkte werden hauptsächlich in die EU 53.6% verkauft. Der asiatische Markt 24.4% gewinnt immer mehr an Bedeutung gefolgt vom amerikanischen 10,6%.

Geschäftsbereiche[Bearbeiten]

Bereich Hochleistungspolymere

Ems-Eftec bietet für die Fahrzeugindustrie Anlagen und Materialien in den Bereichen Kleben (der Karosserieteile), Dichten (Schweissnähte), Dämpfen (Vibrationen des Bleches) und Schützen (Plastisole für die Karosserie) an.

Ems-Grivory produziert Hochleistungspolymere, die als Granulate an die Kunden ausgeliefert werden. Diese Hochleistungspolymere werden in Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt und finden sich später z. B. im Auto als Metallersatz, in Handycovers, Displayfenstern, LEDs, Verpackungen, Babyflaschen, Brillen etc. wieder.

Spezialchemikalien

Ems-Griltech stellt Schmelzkleber (z. B. Bekleidung, Automobilelektronik, Verpackungen, Verbundwerkstoffe), Trenn- und Klebegarne für die Textilindustrie, Fasern für Pressfilze (z. B. Papiermaschinenfilze), Pulverlacke (z. B. Glas-, Alufassaden, Maschinen, Geräte, Heizkörper), die Hitze, UV und Kälte beständig sind, her.

Ems-Patvag entwickelt und produziert Anzünder (z. B. Airbags, Gurtstraffer) für Sicherheitssysteme im Automobilbereich.

Geschichte[Bearbeiten]

Fabrikanlagen
Emser Ebene um 1920. Links stehen heute die Werke der Ems-Chemie

1936 gründete Werner Oswald die «Holzverzuckerungs AG» («Hovag») mit Sitz in Zürich um mit dem „Schollerschen Verfahren“ aus Holz Äthylalkohol als Ersatztreibstoff für Motorfahrzeuge zu produzieren. Sechs Jahre später wurde in Domat/Ems aus einheimischen Holzabfällen Äthylalkohol produziert. Dieses wird im Volksmund „Emser Wasser“ genannt. Mit dieser Produktion wurde bis Ende des Zweiten Weltkriegs 30% des Treibstoffbedarfs in der Schweiz gedeckt. Damals war die «Hovag» mit ihren 200 Mitarbeitern der grösste Arbeitgeber des Kantons Graubünden. 1944-1947 investierte die «Hovag» in eigene Wasserkraftwerke, um sich ihren Energiebedarf zu sichern. 1947 wurde die «Inventa AG» für Forschung und Patentverwertung gegründet.

In den 1950er Jahren begann die «Hovag» mit der Produktion von Polyamidkunststoffen, Polyamidfasern, Caprolactam und der Düngemittelproduktion. Die aus den Fasern hergestellten Socken wurden schnell zum Markenzeichen der «Hovag». Mitte der 1950er-Jahre baute «Inventa» weltweit über 300 Anlagen (117 in China) für Caprolactam, Kunststoffe und Synthesefasern. Am 13. Mai 1956 beschloss das Schweizer Stimmvolk, die Subventionen für den Treibstoffersatz „Emser Wasser“ einzustellen.[2][3] Daraufhin stellte «Hovag» die Äthylalkoholproduktion ein und konzentrierte sich auf die Fasern und Kunststoffe. Darauf wurde die erste ausländische Verkaufsgesellschaft gegründet, die GRILON & Plastics Machinery Ltd. mit Sitz in Dover (UK).

1960 wurde die «Hovag» in «Emser Werke AG» umbenannt. 1962 erfolgte die Gründung der Chemie Holding Ems AG, die am 17. Dezember 1962 erstmals an der Vorbörse Zürich kotiert war. In den 1960ern erweiterten die «Emser Werke AG» ihre Produktpalette laufend und gründeten unabhängige Tochtergesellschaften. 1972 wurde Christoph Blocher, der 1969 als Werkstudent in die Rechtsabteilung eingetreten war, als Direktionsvorsitzender und Delegierter des Verwaltungsrates gewählt. 1978 wurden die verschiedenen Emser Gesellschaften unter dem Dach der Chemie Holding Ems AG vereint. Am 23. Februar 1979 starb der Gründer Werner Oswald mitten in einer Besprechung. Christoph Blocher leitete die Gesellschaft weiter, begann den Fokus auf die technischen Kunststoffe zu legen und änderte 1981 die Namen in «Ems Chemie Holding AG» und in «Ems Chemie AG».

1983 erhielt er von Gründerfamilie Oswald den Auftrag, umgehend einen Käufer für die Aktien der Ems Chemie Holding AG» zu finden. Blocher entschloss sich, selbst das Aktienpaket der Oswald-Familie zu übernehmen und hatte damit die Stimmenmehrheit an der Firma. In den folgenden Jahren expandierte die «Ems» weiter und übernahm mehrere andere Firmen. 1988 legte «Ems» den Fokus auf die drei Geschäftsbereiche polymere Werkstoffe, Feinchemikalien und Engineering.

Unter den neuen Produkten, die laufend entwickelt wurden, war 1991 ein hochsteifes Polyamid. Damit begann die Ära des Ersatzes von Metallen durch Kunststoffe. Ein Jahr darauf feierte die «Ems» den 50. Geburtstag der Produktionsaufnahme. 1997 ging der Geschäftsbereich «Ems Togo» ein Joint Venture mit H.B. Fuller Automotive USA ein. Diese traten neu unter dem Namen «Eftec» auf. Drei Jahre später gab es zwischen «Eftec» und der Tschechischen Firma D-Plast ein Joint Venture, um den zentral- und osteuropäischen Markt zu erschliessen.

2000 wurden die vier selbstständigen Unternehmensbereiche «Ems Grivory» (technische Thermoplaste), «Ems Griltec» (technische Fasern und Klebstoffe), «Ems Primid» (Duroplaste), «Ems Services» (zentrale Dienste Werkplatz Domat/Ems) gegliedert. Im Jahr darauf trat Blochers älteste Magdalena Martullo in das Unternehmen ein. Anfang 2003 entschied die Familie Blocher, die «Ems» solle weiterhin eine börsenkotierte Publikumsgesellschaft bleiben und führte die Einheitsnamensaktien ein.

Am 10. Dezember 2003 wurde Christoph Blocher in den Bundesrat gewählt. Da ein Bundesrat keine wirtschaftlichen Verbindungen haben darf, gab er alle Funktionen bei der «Ems»-Gruppe ab und verkaufte seine Mehrheitsbeteiligung an der «Ems Chemie-Holding AG» per 30. Dezember 2003 an seine vier Kinder. Seine Tochter Magdalena übernahm am 1. Januar 2004 als Vizepräsidentin und Delegierte des Verwaltungsrats die Gruppenleitung. Im selben Jahr wurde «Ems Grivory» in die selbstständigen Bereiche «Ems GrivoryEuropa», «Ems Grivory America», «Ems Grivory Asia» aufgegliedert.

2005 wurde die von Blochers Sohn Markus «Ems Dottikon» abgespalten und als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht. Die drei Schwestern überliessen ihre Aktienanteile ihrem Bruder und erhielten im Gegenzug seine Anteile an der «Emesta Holding AG». Damit hielten die drei Schwester die Aktienmehrheit der «Ems-Chemie Holding». Im Folgejahr wurde das Biomassekraftwerk (Holzschnitzelkraftwerk) «Tegra» in Betrieb genommen, wodurch der CO2 Ausstoss am Werkplatz Domat/Ems bis 2009 um 80% gesenkt wurde.

2007 reduzierte Miriam Blocher ihre Beteiligung an der «Ems-Chemie Holding», die Mehrheit war nun im Besitz von Magdalena Martullo-Blocher und Rahel Blocher. «Ems Togo» übernahm sämtliche Joint Venture Anteile von H.B. Fuller und änderte den Namen in «Ems Eftec». Im selben Jahr bekamen die Spezialpolymere von «Ems Grivory» die Trinkwasserzulassung, wodurch neue Anwendungen im Sanitärbereich realisiert werden konnten. In den Folgejahren brachte «Ems» eine Reihe neuer Produkte auf den Markt und eröffnete weltweit neue Standorte und Produktionsstätten.

2010 verkaufte Ems Eftec» den Bereich Aftermarket und konzentrierte sich fortan auf die Direktbelieferung. 2011 feierte EMS sein 75-jährige Firmenjubiläum, zu diesem Anlass erschien Karl Lüönds Firmenbiografie „Erfolg als Auftrag. «Ems-Chemie ».: Die Geschichte eines unmöglichen Unternehmens“. Auf dem Werkplatz Domat/EMS wird das höchste vollautomatische Hochregallager der Schweiz in Betrieb genommen und EMS wird von General Motors und Bosch zum Lieferant des Jahres gewählt. Foxconn zeichnet EMS als strategischer Lieferant des Jahres aus. 2012 und 2013 erhält EMS von General Motors erneut die Auszeichnung Lieferant des Jahres.

«Ems» weltweit[Bearbeiten]

Die «Ems-Chemie Holding» ist weltweit auf vier der fünf Kontinente in 22 Ländern vertreten. In 16 Ländern wird an 26 Produktionsstandorten produziert. Ihr Hauptstandort ist Domat/Ems. Weitere Standortländer sind Belgien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Guernsey, Italien, Indien, Japan, Korea, Mexiko, Rumänien, Russland, Singapur, Spanien, Taiwan, Thailand, Tschechische Republik, Ukraine und USA.

Verkehrserschliessung[Bearbeiten]

Rhätische Bahn: Eine Lok der Reihe Ge 4/4 III wirbt für die Ems-Chemie.

Zwischen Chur und Domat/Ems verläuft die Bahnstrecke Chur–Domat/Ems, ein Dreischienengleis der SBB und der Rhätischen Bahn. Somit können normalspurige Güterzüge das Areal der Ems-Chemie erreichen. Das Unternehmen besitzt mit Ems Werk eine eigene RhB-Haltestelle. Zudem sollen bis 2020 auch die SBB Personenverkehrsleistungen über das Dreischienengleis bis Ems Werk erbringen[4].

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bedeutende Aktionäre der Ems-Chemie Holding AG gem. Bundesgesetz über die Börsen und den Effektenhandel, SIX Swiss Exchange, 17. Februar 2010
  2. Bundesbeschluss über Massnahmen zur Stärkung der Wirtschaft des Kantons Graubünden durch Gewährung einer Hilfe an die Holzverzuckerungs-AG. Chronologie. In: admin.ch. Schweizerische Bundeskanzlei, abgerufen am 21. Dezember 2011.
  3. Volksabstimmung vom 13. Mai 1956. In: admin.ch. Schweizerische Bundeskanzlei, abgerufen am 21. Dezember 2011.
  4. MACU – Modellvorhaben Agglomeration Chur und Umgebung (PDF; 2,7 MB), August 2006

46.8282699.430852Koordinaten: 46° 49′ 42″ N, 9° 25′ 51″ O; CH1903: 751990 / 188276