Emsland

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Dieser Artikel behandelt das Emsland als kulturelle und historische Region. Zum gleichnamigen Landkreis siehe Landkreis Emsland.
Ländliche Kulturlandschaft an der Ems bei Haren
Idyllisches Emsufer

Das Emsland ist die Landschaftsbezeichnung einer Region am Mittellauf der Ems im westlichen Niedersachsen und im nordwestlichen Nordrhein-Westfalen.[1] Seitdem der niedersächsische Landkreis Emsland gegründet wurde, werden Landschaftsbezeichnung und Landkreis oftmals im selben Atemzug genannt und verwechselt.

Im kulturellen und historischen Sinn zeichnet sich das Emsland durch ein Wechselspiel katholischer Prägung aus Münster und niederländischer Einflüsse aus, die nicht zuletzt in Hof- und Flurnamen ihren Niederschlag gefunden haben. Es entspricht etwa den heutigen niedersächsischen Kreisen Emsland und Grafschaft Bentheim, zusammen auch als hannoversches Emsland bezeichnet, sowie dem nordrhein-westfälischen Kreis Steinfurt, auch als westfälisches Emsland bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Hünengrab im Emsland

Die Region wurde nach der letzten Eiszeit, in der hier zunächst Jäger und Sammler lebten, etwa um 4000 v. Chr. von der Trichterbecherkultur in den Ackerbausektor Nord-Mitteleuropas einbezogen. Ab 3500 v. Chr. entstanden die hier besonders zahlreich erhalten gebliebenen Megalithanlagen. Aus der Bronze- und Eisenzeit sind ebenfalls zahlreiche Relikte überkommen.

Eine germanische Besiedlung des Emslandes ist seit dem 2. Jahrtausend vor der Zeitenwende anzunehmen. Zur Zeit des Kaisers Augustus erwähnen römische Quellen die nach der Ems (lat. Ambesis) benannten Ampsivari. Nach der Mitte des 1. Jahrhunderts wurden sie jedoch von den östlich benachbarten Chauken vertrieben und sind danach als eigenständiger Stammesverband nicht mehr nachzuweisen. Karl der Große unterwarf das Emsland als Teil des Stammesherzogtums Sachsen in den Sachsenkriegen.

Im Sinne der Gliederung des frühmittelalterlichen Stammesgebiets der Sachsen und der Aufteilung des welfischen Herzogtums Sachsen durch Friedrich I. Barbarossa ist auch der heute niedersächsische Norden des Emslandes kulturhistorisch ein Teil Westfalens. Der Niederrheinisch-Westfälische Reichskreises umfasste dann sogar Ostfriesland. Während jenes aber stets seine Eigenständigkeit wahrte, war das Gebiet des heutigen Landkreises Emsland vor der Zeit Napoleons politisch engstens mit den später preußisch gewordenen Teilen Westfalens verbunden; es gehörte bis 1803 im Wesentlichen zum Niederstift Münster, einem Teil des Fürstbistums Münster, dem auch südlich des heutigen Landkreises Emsland liegenden Gebiete zugehörten. Von 1803 bis 1810 wurde der größte Teil des heutigen Landkreises Emsland dem kurzlebigen Herzogtum Arenberg-Meppen zugeordnet, von 1810 bis 1815 dem Kaiserreich Frankreich, ab 1815 dem Königreich Hannover und schließlich ab 1866 Preußen.

Während der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 wurden die 15 sogenannten Emslandlager errichtet: Konzentrationslager, Straflager und Kriegsgefangenenlager. Zwölf von ihnen lagen im heutigen Landkreis Emsland, die übrigen drei in benachbarten Gemeinden der Grafschaft Bentheim.

Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten in den Jahren 1945 bis 1947 im Rahmen des Besatzungsdienstes der britischen Armee polnische Truppen die Region. Dies waren Soldaten der polnischen Exilregierung, die vor den Nationalsozialisten 1939 nach Großbritannien geflohen und die nach dem Krieg wegen ihrer antikommunistischen Haltung nicht in die nunmehr kommunistische Volksrepublik Polen zurückkehren konnten. Sie waren durch den Verlauf der Geschichte in eine politische Sackgasse geraten. Diese polnischen Besatzer traten gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung wenig rücksichtsvoll auf. Zahlreiche deutsche Familien wurden vertrieben, um für die 20.000 polnischen Soldaten und deren Familien Platz zu machen.[2]

Landschaft[Bearbeiten]

Ein Blick über das Bourtanger Moor

Bekannt ist das Emsland vor allem für seine tief gelegenen Moorgebiete, die rings um Papenburg ihre größte Ausdehnung haben. Ein Teil des westlichen Emslandes gehört zum Internationalen Naturpark Bourtanger Moor-Bargerveen.

In der Region erheben sich aber auch Geestrücken. Die beiden wichtigsten sind der Hümmling nördlich des Flusses Hase und die weniger bekannte aber etwas höhere Lingener Höhe weiter südlich. Der dritte wichtige Fluss in der Region neben Ems und Hase ist die Sater Ems, auch Sagter Ems, denn sie ist nach dem alten Verwaltungszentrum Sögel benannt, die in Ostfriesland Leda heißt und die bei Leer in die Ems mündet.

Landkreise und Kommunen im Emsland[Bearbeiten]

Sprache[Bearbeiten]

Im Emsland wird noch häufig Plattdeutsch gesprochen. Diese Sprache ist in den größeren Städten wie Lingen, Meppen und Papenburg jedoch zunehmend vom Aussterben bedroht. Lediglich auf dem Lande wird die Sprache noch „gelebt”. Das Emsland liegt im Übergangsgebiet zweier großer niederdeutscher Dialektgruppen. Die Dialekte im Süden werden in der Regel zum Westfälischen Platt gerechnet, da dort noch zwei unterschiedliche lange a-Laute ("altlang" und "tonlang") unterschieden werden, wie es für das Westfälische typisch ist. Im Norden werden die Dialekte dem Nordniedersächsischen zugeordnet

Wirtschaft[Bearbeiten]

Das Emsland galt früher als das „Armenhaus Deutschlands“, da es außer den Mooren zum Torfabbau kaum Industrien aufzuweisen hatte. 1951 wurde von der deutschen Bundesregierung zur regionalen Wirtschaftsförderung der so genannte Emslandplan beschlossen, durch den die Infrastruktur der Region ausgebaut und neue Unternehmen angesiedelt wurden. Bestehende Unternehmen erhielten Fördermittel. Bedeutende Unternehmen und Einrichtungen sind die Meyer-Werft, UPM Nordland Papier, Wavin GmbH, ANF (Advanced Nuclear Fuels) GmbH (Brennelement-Hersteller, Tochter von Areva), die Pkw-Teststrecke, das Kernkraftwerk Emsland, die Transrapid-Versuchsstrecke und ab 2012 Enercon in Haren/Emmeln.[3] Lange war auch der ehemalige Kruppsche Schießplatz, heute Wehrtechnische Dienststelle WTD 91, ein großer Arbeitgeber. Seit Dezember 2004 ist die Bundesautobahn 31 durchgehend fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben. Der Bau der A 31 wurde – bisher einmalig in Deutschland – mit privaten Spendengeldern unterstützt und ermöglicht einen schnellen Zugang zur Nordsee und zum Ruhrgebiet.

Tourismus[Bearbeiten]

Übernachtungsentwicklung Niedersachsen/Emsland seit 2005[4]

Das Emsland hat sich in den letzten Jahren, aus touristischer Sicht, von einem unbekannten Label zu einer führenden Region entwickelt.[5] Die „Marke Emsland“ rangierte 2009 auf Länderebene (Niedersachsen), vor dem Weserbergland und der Region Hannover sowie hinter Ostfriesland, im oberen Mittelfeld.

Die Entwicklung der Übernachtungszahlen lag in den Jahren 2005 bis 2010 deutlich über dem niedersächsischen Landesdurchschnitt: 2009 kamen 99.000 Übernachtungsgäste mehr ins Emsland als noch 2005. Die Zahl der Übernachtungen stieg im gleichen Zeitraum um 272.000. Insgesamt wurden im Jahr 2009 1.598.116 Übernachtungen bei 497.431 Ankünften verzeichnet.

2010 nahm die Zahl der Übernachtungen nochmals um 7,8 Prozent auf insgesamt 1.757.607 zu. Bei den Gästeankünften konnte ein Anstieg von 4,6 Prozent auf insgesamt 534.996 verzeichnet werden. Damit weist die Beherbergungsstatistik des Emslandes im sechsten Jahr in Folge starke Zuwächse aus.[6]

Ein Grund für den Anstieg der Übernachtungszahlen ist im Lückenschluss der A 31 im Jahr 2005 zu sehen, die das Ruhrgebiet mit der Nordseeküste verbindet.

Der touristische Schwerpunkt liegt im Fahrradtourismus. Die Investitionen in den Ausbau der tourismusrelevanten Infrastruktur wie z. B. dem Ausbau des Radwegenetzes, das mittlerweile rund 3.000 Kilometer umfasst, haben sich mit dem deutlichen Wachstum der Übernachtungszahlen bezahlt gemacht. Die Routenvielfalt, diverse Service-Angebote wie Gepäcktransfer, kostenlose GPS-Tracks und Routenplaner dienen der Entwicklung.

Weitere Eckdaten:

  • 1.100 km ausgeschildertes Reitwegenetz
  • Hünenweg: 200 km langer Fernwanderweg, führt auch durch das Emsland
  • Qualitätssiegel "Familienland Emsland" für zertifizierte Betriebe und Unterkünfte

Kunst[Bearbeiten]

Das Emsland war Heimat und Wirkungsstätte des 2010 verstorbenen Künstlers Beringer Altmann, der in seinen Bildern und Graphiken vor allem die Moorlandschaften jener Gegend zum Anlass für Reflexionen über Mensch und Natur nahm.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gut Altenkamp in Aschendorf

Bauwerke[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Gedenkstätte Esterwegen
  • Landwirtschaftsmuseum Rhede
  • Erdöl-Erdgas-Museum Twist
  • Emslandmuseum Lingen
  • Kunsthalle Lingen
  • Heimathof Emsbüren
  • Freilicht- und Heimatmuseum Haselünne
  • Stadtmuseum Meppen
  • Moormuseum Groß-Hesepe
  • Ausstellungszentrum für die Archäologie des Emslandes, Meppen
  • Museumseisenbahn Haselünne
  • Von-Velen-Anlage in Papenburg
  • Papier-Erlebnis-Welt Dörpen
  • Reedereimuseum im Kunsthaus Haren/Ems

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Zeitzeugen der Geschichte[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Emsland – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Emsland

Literatur[Bearbeiten]

  • Emsländischer Heimatbund: Moor im Emsland. 2. Auflage. Sögel 1984, ISBN 3-88077-101-X (formal falsche ISBN).
  • Emsländischer Heimatbund (Hrsg.): Naturschutz im Emsland. Sögel 1988, ISBN 3-88077-070-0.
  • Emsländischer Heimatbund e.V. (Hrsg.): Von Speerspitzen und Steingräbern. Ur- und Frühgeschichte im Emsland. Sögel, 1982, ISBN 3-88077-104-X (formal falsche ISBN).
  • Emsländische Landschaft und Bezirksregierung Weser-Ems (Hrsg.): Die Emslanderschließung. Eine Handreichung für den Unterricht in siebten bis zehnten Klassen. (Endredaktion: Dr. Helmut Lensing). Sögel 2000, ISBN 3-925034-31-5. (kommentierte Quellensammlung)
  • Werner Franke, Josef Grave, Heiner Schüpp, Gerd Steinwascher (Hrsg.): Der Landkreis Emsland. Geographie, Geschichte, Gegenwart. Eine Kreisbeschreibung. Hrsg. im Auftrag des Landkreises Emsland, Meppen 2002, ISBN 3-930365-13-8.
  • Christof Haverkamp: Das Emsland – Ein illustriertes Reisehandbuch. 5. Auflage. Bremen 2008, ISBN 3-86108-473-2.
  • Hugle, Richard: Neubildung deutschen Bauertums im Emsland: Die Erschließung von „Rhede-Brual“, eine landesplanerische Untersuchung. Oldenburg 1937.
  • Hugle, Richard (u.a.): Das hannoversche Emsland, ein Raumordnungsplan nach den Grundsätzen der Landesplanung. Hannover, 1950.
  • Karl-Eberhard Nauhaus: Das Emsland im Ablauf der Geschichte. Sögel 1984, ISBN 3-925034-00-5.
  • Landkreis Emsland (Hrsg.): Kulturführer des Landkreises Emsland : Baudenkmale. Meppen 1993, ISBN 3-930365-00-6.
  • Schultz, H. Dr.; Holland, R., Rehders, M.; Kleine, Dr.; Hugle, Dr. Richard; Manns, Dr. Benno L.; Hüppe, Dr. Hubert: Beiträge zur Landeskunde des hannoverschen Emslandes, insbesondere der Erschließungs- und Meliorationsmaßnahmen. Oldenburg 1939.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Landkreis Emsland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Emsland – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nicht zum Emsland, aber zum Wahlkreis Unterems gehören sowohl ein Teil des Emslandes als auch ein Teil Ostfrieslands, der Landkreis Leer und einige weitere Orte.
  2. Jan Rydel: Die polnische Besetzung im Emsland 1945–1948. Fibre, Osnabrück 2002, ISBN 3-929759-68-3.
  3. nwzonline.de:Enercon schafft bis zu 1000 Arbeitsplätze. Abgerufen am 9. August 2012.
  4. Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Statistik
  5. Quelle: „Destination Brand 2009“, Institut für Management u. Tourismus (IMT) der FH Westküste
  6. Quelle: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie (LSKN)