Ende der Geschichte

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Der Begriff Ende der Geschichte (engl.: End of History) wurde vom Politikwissenschaftler Francis Fukuyama durch einen Artikel und ein Buch mit diesem Titel (The End of History and the Last Man, 1992) popularisiert und führte zu Kontroversen bis in die Leitartikel diverser Zeitungen. Fukuyama wiederholt insbesondere Gedanken, die Alexandre Kojève in den 1930er und 40er Jahren formuliert hat. Dieser legte eine sehr eigenwillige, in Frankreich aber epochale Hegeldeutung vor. Hegels Geschichtsphilosophie führt tatsächlich zu einem Ende im Sinne einer letzten Synthese, wenn es keine weltpolitischen Widersprüche mehr gibt (siehe Artikel Dialektik).

Fukuyama vertrat die These, dass sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR und der von ihr abhängigen sozialistischen Staaten bald die Prinzipien des Liberalismus in Form von Demokratie und Marktwirtschaft endgültig und überall durchsetzen würden. Später räumte er ein, dass in islamischen Ländern wie z. B. Saudi-Arabien eine andere Dynamik herrsche (siehe auch Islamismus).

Die These Fukuyamas baut unter anderem auf Überlegungen von Marx, Hegel, Thomas Hobbes und John Locke auf.

Das Pikante an Fukuyamas Buch ist, dass er mit den Methoden des Marxismus dessen Untergang begründet. Mit dieser Vermischung zweier gegensätzlicher Weltanschauungen stieß er allerdings in beiden Lagern auf vehemente Kritik.

Kritik[Bearbeiten]

Fukuyamas Thesen gehen von einer Zwangsläufigkeit im historischen Ablauf aus. Daher wurde sein Buch von all jenen Personen abgelehnt, die – etwa im Geiste von Karl Popper – dem Menschen die Freiheit zugestehen, Geschichte nach eigenem Willen zu gestalten. Nach dieser Vorstellung sei es unmöglich, kommende geschichtliche Entwicklungen vorherzusagen – daher sei auch das Ausrufen des „Endes der Geschichte“ verfehlt. Fukuyama vertritt aber ein anderes Konzept von Geschichte, eben das Vorhandensein von globalen Widersprüchen. Er behauptet nicht, dass nach dem Zusammenbruch dieser Widersprüche nichts mehr passiert. Damit muss aber die Frage gestellt werden, ob überhaupt von einem Ende im Sinne einer Verhaftung im zuletzt Geschehenen gesprochen werden kann.

Fukuyama hat zwischenzeitlich zugegeben, dass er das von ihm beobachtete Erstarken des Islamismus gegen den Gewinner des Kalten Krieges, das liberale christliche Bürgertum, nicht vorhersah. So müssten seine weiterhin optimistischen Prognosen nach hinten verschoben werden. Das Ende der Geschichte bestehe nun in der dynamischen Integration und Assimilation von nicht-westlichen Kulturen in die westliche Kultur, unter Preisgabe deren Grundsätze zugunsten von Freiheit und Menschenrechten.

Es gibt (Stand Ende 2013) Indizien, dass die Demokratie als Regierungsform weltweit an Rückhalt verloren hat und dass der Einfluss von Militärs zugenommen hat.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Francis Fukuyama. The end of history?. In: The National Interest. Summer 1989.
  • Francis Fukuyama. The end of history. By Way of an Introduction. In: Ders. The end of history. 1992.
  • Rudolf Burger: „Man lache nicht über Fukuyama“, in: Leviathan 1990 (Eine Diskussion aus marxistischer Sicht, die die provozierende Komplexität des Problems erkennt.)
  • Hans von Fabeck: Jenseits der Geschichte: Zur Dialektik des Posthistoire. Paderborn 2007, ISBN 978-3-7705-4444-8.
  • Christian Rother: Vom Fortgang der Geschichte nach ihrem Ende. Zu Francis Fukuyamas "Das Ende der Geschichte". in: Kontroversen in der Philosophie, Heft 4, Februar 1993, 73-78. ISSN 1019-7796.
  • Lutz Niethammer: Posthistoire. Ist die Geschichte zu Ende?. Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-499-55504-2.
  • Gabriel Vargas Lozano: Ende der Geschichte, in: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, Bd. 3, Argument-Verlag, Hamburg, 1997, Sp. 330-346.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. zeit.de: Gastbeitrag von Joshua Kurlantzik