Endingen AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Endingenf zu vermeiden.
Endingen
Wappen von Endingen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4305i1f3f4
Postleitzahl: 5304
UN/LOCODE: CH EDG
Koordinaten: 664122 / 26569947.5388878.290278383Koordinaten: 47° 32′ 20″ N, 8° 17′ 25″ O; CH1903: 664122 / 265699
Höhe: 383 m ü. M.
Fläche: 11.91 km²
Einwohner: 2396 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 201 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 16,8 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.endingen.ch
Dorfzentrum von Endingen

Dorfzentrum von Endingen

Karte
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Über dieses Bild
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Endingen (schweizerdeutsch: ˈændigə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zurzach des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Surbtal, rund vier Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt. Im 18. und 19. Jahrhundert waren Endingen und das Nachbardorf Lengnau die einzigen Orte der Schweiz, wo sich Juden niederlassen durften. Bis 1945 hiess die Gemeinde Oberendingen.

Geographie[Bearbeiten]

Das Haufendorf befindet sich bei der Mündung des Littenbachs in die Surb. Das Surbtal, das zunächst in westlicher Richtung verläuft, wendet sich nördlich des Dorfes nach Norden. Das Tal verengt sich und wird durch das Ruckfeld im Westen und den Hörndlihau im Osten begrenzt. Das Ruckfeld ist eine flache Ebene, die an ihren Rändern durch steil abfallende, bis zu 40 Meter hohe Flanken begrenzt wird. Der Hörndlihau ist ein Teil des Tafeljuras, die anfangs steile Flanke geht allmählich in eine flache Hochebene über. Das Gebiet südlich des Dorfes zählt geologisch zur Übergangszone zum Mittelland. Die Hänge des lang gezogenen Siggenbergs, der natürlichen Grenze zum Limmattal, sind bedeutend flacher und gleichmässiger. Etwa ein Kilometer südöstlich des Dorfzentrums liegt der kleine Weiler Loohof (430 m ü. M.).[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 846 Hektaren, davon sind 384 Hektaren bewaldet und 77 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 593 Metern auf dem Siggenberg, der tiefste auf 380 Metern an der Surb.

Nachbargemeinden sind Tegerfelden im Norden, Baldingen im Nordosten, Lengnau im Osten, Obersiggenthal im Süden und Würenlingen im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Einzelne Funde aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit zeugen von einer frühen Besiedlung. Die Alamannen siedelten sich ungefähr im 6. Jahrhundert an. Die erste urkundliche Erwähnung von Entingas erfolgte im Jahr 798, als der Thurgauer Graf Odalricus dem Kloster St. Gallen einige Grundstücke schenkte. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Antingun und bedeutet «bei den Leuten des Anto».[3] Im Hochmittelalter lag das Dorf im Einflussbereich der Freiherren von Regensberg und des Bistums Konstanz. Ministerialen waren die Freiherren von Tegerfelden und seit mindestens 1239 die Ritter von Endingen. Seit spätestens 1305 lag die hohe Gerichtsbarkeit bei den Habsburgern, während das Kloster St. Blasien die niedere Gerichtsbarkeit ausübte.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau, Endingen gehörte nun zum Siggenamt der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Ab 1678 siedelten sich erstmals Juden in Endingen an, die ihren Lebensunterhalt vor allem an der international bedeutenden Messe in Zurzach und am Markt in Baden verdienten. Die Juden unterstanden direkt dem Landvogt in Baden, sie durften weder Landwirtschaft betreiben noch ein Handwerk ausüben. Ab 1696 mussten sie sich alle 16 Jahre einen teuren Schutz- und Schirmbrief erkaufen. Ab 1776 wurde das Wohnrecht sämtlicher Juden der Schweiz auf Endingen und Lengnau beschränkt. Da sie sich während der Nacht nur in den beiden Dörfern aufhalten durften, war ihr Aktionsradius stark eingeschränkt.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus, Endingen gehörte nun zum kurzlebigen Kanton Baden. Der neue Staat war bald in weiten Kreisen der Bevölkerung verhasst. Dieser Hass entlud sich am 21. September 1802 im so genannten «Zwetschgenkrieg» gegen die Juden, die als Anhänger der neuen liberaleren Ordnung galten. Eine Horde von über 800 Bewohnern aus den Nachbardörfern fiel über Endingen und Lengnau her und bereicherte sich am Hab und Gut der wehrlosen Juden, die christlichen Einwohner hingegen blieben weitgehend unbehelligt.

Seit 1803 gehört Endingen zum Kanton Aargau; damals machten die Juden rund 45 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Im Jahr 1850 zählte die Gemeinde 1941 Einwohner, etwas mehr als die Hälfte davon waren Juden. Die jüdische Korporation verwaltete sich selbst und führte eine eigene Schule. Erst 1874 erhielten die Juden die vollständige Gleichberechtigung bei den bürgerlichen Rechten und Pflichten. In der Folge zogen fast alle in die grossen Städte (vor allem nach Zürich), wo sie bessere Verdienstmöglichkeiten vorfanden. Dadurch sank die Bevölkerungszahl des Dorfes um fast die Hälfte. Heute gibt es in Endingen nicht einmal mehr ein Dutzend jüdische Einwohner.

Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Turgi–Koblenz–Waldshut (1859) und der Bahnstrecke DielsdorfNiederweningen (1891) reichten die Gemeinden des Surbtals eine Konzession für den Bau einer Verbindungsbahn zwischen Niederweningen und Döttingen ein. Doch der Erste Weltkrieg verhinderte den Bau und das Projekt wurde 1937 endgültig abgeschrieben. Seit den 1960er Jahren hat sich in Endingen Kleinindustrie angesiedelt. Die Bevölkerungszahl, die bis zu Beginn der 1970er Jahre stagniert hatte, ist seither wieder ansteigend und hat fast wieder den Stand des Jahres 1850 erreicht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Getrennte Hauseingänge für Christen und Juden

Aus historischen Gründen besitzt Endingen weder eine katholische noch eine reformierte Kirche. Seit 1661 besuchen die Katholiken den Gottesdienst in Unterendingen, die Reformierten in Tegerfelden. Das einzige Gotteshaus ist die Synagoge Endingen. An der Gemeindegrenze zu Lengnau befindet sich der Jüdische Friedhof Endingen.

Zahlreiche Häuser im Dorfzentrum weisen eine architektonische Besonderheit auf. Obwohl die Juden häufig mit Christen unter einem Dach lebten, war es ihnen nicht gestattet, denselben Hauseingang zu benutzen. Deshalb erhielten diese Häuser zwei Eingänge, die unmittelbar nebeneinander liegen. Die verschiedenen jüdischen Bauwerke des Dorfes sind durch den Jüdischen Kulturweg Endingen-Lengnau miteinander verbunden.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Gespalten von Weiss mit halber roter Lilie und von Gelb.» Ab 1926 führte die Gemeinde das Wappen der Herren von Endingen, dessen älteste bekannte Darstellung aus einem Wappenbuch von 1621 stammt. 1934 wurden jedoch in Unterendingen die Überreste der Burg dieses Ministerialengeschlechts entdeckt. Unterendingen beanspruchte das Wappen für sich und wandte sich 1953 mit einer Beschwerde an den Regierungsrat, der jedoch zugunsten von Endingen entschied.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1799 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 1120 1941 1121 1036 1082 1041 1161 1503 1539 1766 2009

Am 31. Dezember 2013 lebten 2396 Menschen in Endingen, der Ausländeranteil betrug 16,8 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 51,6 % römisch-katholisch und 31,3 % reformiert, 4,3 % muslimisch, 0,9 % christlich-orthodox und 0,5 % jüdisch; 0,9 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 92,9 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,4 % Albanisch, 1,2 % Französisch, 1,0 % Italienisch, je 0,8 % Englisch und Serbokroatisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bad Zurzach zuständig. Endingen gehört zum Friedensrichterkreis Bad Zurzach.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Endingen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 530 Arbeitsplätze, davon 14 % in der Landwirtschaft, 35 % in der Industrie und 51 % im Dienstleistungssektor.[9] Etwa zwei Drittel der Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den umliegenden Gemeinden und vor allem in der Region Baden.

Verkehr[Bearbeiten]

Endingen liegt an der Hauptstrasse 17, die von Döttingen durch das Surbtal und das Wehntal nach Dielsdorf führt. Drei Postautolinien erschliessen das Dorf: Von Tegerfelden nach Baden, von Brugg nach Bad Zurzach sowie von Döttingen nach Niederweningen. Beim Bahnhof Niederweningen besteht Anschluss an die Linie S5 der S-Bahn Zürich.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über Kindergärten und Schulhäuser, in denen die Primarschule und die Bezirksschule unterrichtet werden. Die Realschule und die Sekundarschule können in Lengnau besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Edith Hunziker, Ralph Weingarten: Die Synagogen von Lengnau und Endingen und der jüdische Friedhof. In: Schweizerische Kunstführer. Band 771/772, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2005, ISBN 3-85782-771-8.
  •  Anna Rapp: Jüdisches Kulturgut in und aus Endingen und Lengnau. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2008, ISBN 978-3-89735-493-7.
  •  Peter Stein: Lebendiges und untergegangenes jüdisches Brauchtum, Brauch gestern und heute, Brauch hier und dort, mit besonderer Berücksichtigung der schweizerischen Judendörfer Endingen und Lengnau. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2008, ISBN 978-3-89735-551-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Endingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 142–143.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050 und 1070, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 150.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.