Endocerida

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Endocerida
Künstlerische Darstellung des Lebens im Ordovizium.

Künstlerische Darstellung des Lebens im Ordovizium.

Zeitliches Auftreten
Ordovizium bis frühes Silur
470 bis 435 Mio. Jahre
Fundorte
  • Weltweit
Systematik
Urmünder (Protostomia)
Lophotrochozoa
Weichtiere (Mollusca)
Kopffüßer (Cephalopoda)
Nautiloidea
Endocerida
Wissenschaftlicher Name
Endocerida
Hyatt in Zittel, 1900

Die Endocerida sind eine Ordnung der Kopffüßer (Cephalopoda) aus der Verwandtschaft der Perlboote (Nautiloidea). Vertreter der Endocerida erschienen erstmals im Unteren Ordovizium (vor ca. 488 Mio. J.) und starben am Ende des Unteren Silurs (vor ca. 425 Mio. J.) wieder aus. Vorläuferformen, die als eigene Ordnung (= Ordnung Yanhecerida) zusammen mit den Endocerida zur Überordnung Endoceratoidea zusammengefasst werden, wurden aber bereits in Gesteinen des Oberen Kambriums (vor ca. 495 Mio. J.) gefunden.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Endocerida besitzen meist große, gestreckte, gekammerte Gehäuse mit einem randlich gelegenen Siphonalstrang. Kennzeichnendes Element der Endocerida sind spitztütenförmige, mit der Spitze nach hinten gerichtete sog. Intrasiphonalablagerungen, die den hinteren Teil des Siphonalstranges allmählich massiv verfüllen. Diese bestehen in erster Linie aus Aragonit und in geringerem Maße aus organischen Ablagerungen. Der Sinn dieser Verfüllung des hinteren Teils des Siphonalstranges ist, dass der Schwerpunkt des Gehäuses (einschließlich des Tieres in der Wohnkammer) sich in die Mitte des Auftriebskörpers verlagert. Ohne den Ballast im hinteren Teil des Gehäuses wäre der Schwerpunkt im vorderen Teil des Gehäuses (durch das Gewicht des Tieres) und der Phragmokon würde senkrecht in der Wassersäule stehen. Eine Bewegung waagrecht in der Wassersäule wäre kaum möglich. Der vom Gehäuse erzeugte Auftrieb reichte aus, um das Gewicht des Gehäuses und das Tier selber schwebend in der Wassersäule zu halten. Ein Auf- oder Abstieg in der Wassersäule durch Änderung des Auftriebs im Gehäuse war wohl wie beim heutigen Perlboot nicht möglich. Die Bewegung erfolgt vermutlich wie beim heutigen Perlboot ausschließlich mit Hilfe des Trichters und dem Rückstoßprinzip. Die größten Vertreter der Endocerida wie etwa Cameroceras erreichten eine Gesamtlänge von maximal 10 bis 11 Meter (davon maximal 9 Meter Gehäuse).

Lebensweise[Bearbeiten]

Die Vertreter der Endocerida lebten ausschließlich im Meer (wie auch die übrigen Kopffüßer). Sie ernährten sich wahrscheinlich von Fischen, Trilobiten und Gliederfüßern (z. B. Seeskorpionen). Sie gehörten in den ordovizischen Meeren zu den Topräubern.

Systematik[Bearbeiten]

Die Ordnung wird in der klassischen Einteilung der Kopffüßer in Nautiloidea, Ammonoidea und Coleoidea als Ordnung innerhalb der Unterklasse Nautiloidea eingestuft. In anderen Klassifikationen (Shevyrev) wird sie mit zwei anderen Ordnungen (Yanhecerida und ev. auch den Intejocerida) zur Überordnung (oder Unterklasse) Endoceratoidea innerhalb der Kopffüßer zusammengefasst. Auch in der kladistischen Altkopffüßer/Neukopffüßer-Einteilung der Kopffüßer kann die Ordnung mit den Yanhecerida und Intejocerida zu einer Überordnung Endoceratoidea zusammengefasst werden. Sie stehen basal an der Wurzel der Altkopffüßer. Es gibt zudem Vorschläge, die Ordnung Endocerida in zwei oder drei Unterordnungen zu unterteilen. Diese Vorschläge konnten sich bisher nicht durchsetzen.

Über 20 Familien werden derzeit in die Ordnung gestellt:

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrew H. King: Mollusca: Cephalopoda (Nautiloidea). In: Michael J. Benton (Hrsg.): The fossil record 2. Chapman & Hall, London u. a. 1993, ISBN 0-412-39380-8, S. 169–188.
  • Aleksandr A. Shevyrev: The cephalopod macrosystem: A historical review, the present state of knowledge, and unsolved problems: 2. Classification of nautiloid cephalopods. In: Paleontological Journal. Bd. 40, Nr. 1, 2006, ISSN 0031-0301, S. 46–54, doi:10.1134/S0031030106010059.
  • Curt Teichert: Endoceratoidea. In: Curt Teichert, Bernhard Kummel, Walter C. Sweet, H. B. Stenzel, William M. Furnish, Brian F. Glenister, Heinrich K. Erben, Raymond Cecil Moore, D. E. N. Zeller (Hrsg.): Treatise on Invertebrate Paleontology. Part K: Mollusca. 3: Cephalopoda – General Features Endoceratoidea – Actinoceratoidea – Nautiloidea – Bactritoidea. Geological Society of America u. a., New York NY u. a. 1964, K160–K189.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Endocerida – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien