Energieführungskette

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geschlossene Ausführung aus Kunststoff
geschlossene Ausführung aus Metall

Die Energieführungskette (auch Energiekette, E-Kette oder Schleppkette) ist ein Bauteil im Maschinenbau, das flexible Kabel, pneumatische oder hydraulische Leitungen führt und schützt. Solche Kabel sind an einem Maschinenteil angeschlossen, welches dauernd hin und her bewegt wird. Ohne eine solche Führung, die die Einhaltung des kleinsten zulässigen Biegeradius der Kabel garantiert, würden die Kabel unter der Dauerbelastung rasch zerstört.

Energieführungsketten mit eingebetteten Kabeln kann man auch als "Nabelschnur" einer Maschine ansehen. Sie versorgen das angeschlossene Maschinenteil mit Energie und Informationen.

Standardisierte Einzelelemente ermöglichen nach dem Baukastenprinzip den Aufbau einer solchen Kette. Darüber hinaus haben die hierauf spezialisierten Lieferanten ein wertvolles Fachwissen angesammelt. Daher ist es meist sinnvoll, auf eigene konstruktive Lösungen zu verzichten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Energieführungskette wurde 1953 von Dr. Gilbert Waninger, Entwicklungsleiter der Firma Waldrich Siegen GmbH erfunden. Daraufhin wurde ein Jahr später die Firma Kabelschlepp gegründet, die Energieführungsketten aus Stahl für große Fräsmaschinen herstellte. Ab 1969 werden Energieführungsketten auch aus Vollkunststoff gefertigt.

Aufbau[Bearbeiten]

Es gibt viele verschiedene Ausführungen. Die meisten Energieführungsketten haben einen rechteckigen Querschnitt, in dessen Inneren die Kabel liegen. Ein Anfangs- und ein Endstück sind durch viele gleiche Kettenglieder verbunden. Oft lässt sich jedes Kettenglied außen öffnen, damit Kabel auch mit angeschlossenem Stecker einfach hineingelegt werden können. Längs verlaufende Stege in der Kette trennen die Kabel voneinander. Am Anfang und Ende werden die Kabel mit einer Zugentlastung geklemmt. Diese schleppkettenfähigen Kabel sind speziell auf häufige Bewegung abgestimmt. Sie haben im Gegensatz zu normalen Kabeln einige besondere Eigenschaften: Bewegungsrobust, hochflexibel und Torsionsfrei (-arm), die zwischen 1 und 3 Millionen Zyklen zulassen. Würden normale Kabel eingesetzt, so wären maximal 50.000 Zyklen möglich. Meist werden Energieführungsketten aus Kunststoff (Polypropylen, Polyamid) gefertigt. Für schwere Hydraulikleitungen oder große Ketten gibt es auch Ausführungen aus Metall. Folgende Varianten sind möglich:

  • offen
  • geschlossen, schützt vor Schmutz, Metallspänen, Schweißperlen (siehe Bild)
  • geräuscharm / leise
  • reinraumtauglich, mit wenig Abrieb für Reinräume
  • gliederlos / gelenklos als Band, an dem die Kabel befestigt sind.
  • 3D, für Industrieroboter mit mehreren Freiheitsgraden

Einsatzbeispiele[Bearbeiten]

offene Kette in einer Vergussanlage

Energieführungsketten kommen überall dort zum Einsatz, wo bewegte Maschinenteile mit Energie, Daten, Flüssigkeiten oder Gasen versorgt werden müssen. Beispiele sind Werkzeugmaschinen, Bediengeräte für Hochregallager, Krane, Autowaschanlagen, Bühnentechnik.

Alternativen[Bearbeiten]

Elektroenergie kann auch mit einem Stromabnehmer, einem Schleifring, einer Federleitungstrommel (mit Schleifring) oder induktiv in bewegte Maschinenteile übertragen werden. Sowohl Elektroenergie als auch Daten können auch mit einem Schleppkabel übertragen werden. Daten können auch optisch oder zunehmend mit Funkwellen übertragen werden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Energieführungsketten – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien