Engelberg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Engelberg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Engelberg
Wappen von Engelberg
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Obwalden (OW)
Bezirk: (Der Kanton Obwalden kennt keine Bezirke.)
BFS-Nr.: 1402i1f3f4
Postleitzahl: 6390
UN/LOCODE: CH ENG
Koordinaten: 673573 / 18597146.820838.4027851015Koordinaten: 46° 49′ 15″ N, 8° 24′ 10″ O; CH1903: 673573 / 185971
Höhe: 1'015 m ü. M.
Fläche: 40.75 km²
Einwohner: 3989 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 98 Einw. pro km²
Website: www.gde-engelberg.ch
Kloster und Teil des alten Ortskerns von Engelberg

Kloster und Teil des alten Ortskerns von Engelberg

Karte
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Engelberg ist eine politische Gemeinde des Kantons Obwalden in der Zentralschweiz.

Der Ort geht auf die 1120 gegründete Benediktinerabtei Kloster Engelberg zurück und ist eine Exklave des Kantons Obwalden, umgeben von den Kantonen Bern, Nidwalden und Uri. Engelberg ist ein Ort des Sommer- und Wintertourismus.

Geographie[Bearbeiten]

Blick von Südwesten auf Engelberg

Engelberg liegt 25 km südlich des Vierwaldstättersees und 20 km südlich des Dorfes Stans, in einem flachen, weiten Hochtal auf rund 1000 m Höhe. Der Ort ist eingeschlossen zwischen dem Gebirgsmassiv des 3238 m hohen Titlis im Süden und einer Bergkette im Norden, die von den bis zu rund 2'800 m hohen Bergen Engelberger Rotstock, Ruchstock, Rigidalstock und den Walenstöcken gebildet wird. Im Osten beherrscht der unmittelbar über dem Ort thronende Hahnen mit 2600 m Höhe das Ortsbild.

Der flache Talboden von Engelberg entstand am Ende der letzten Eiszeit, als ein gewaltiger, vom Titlis her kommender Felssturz den Talausgang Richtung Nordwesten versperrte. Der daraufhin entstehende natürliche Stausee wurde binnen weniger tausend Jahre durch Geröll und Sand aufgefüllt, der von der Engelberger Aa und ihren Zuflüssen von den benachbarten Bergen herangeführt wurde. Heute erinnert nur noch der kleine, für die Elektrizitätserzeugung künstlich regulierte Eugenisee im unteren Ortsteil an den einstigen Gebirgssee. Unterhalb davon stürzt der Bach ins Aa-Tobel, wo die steile Geländestufe bis heute heftiger Erosion und vereinzelten Erdrutschen unterliegt.

Grafenort im unteren Engelbergertal

Zur Gemeinde Engelberg gehört auch der unterhalb der Aaschlucht, im unteren Engelberger Tal in der Nähe von Wolfenschiessen gelegene Flecken Grafenort (Seehöhe 570 m).

Das nördlich des Haupttals abzweigende Horbistal mit dem Bärenbach endet jäh unterhalb einer steil abfallenden Felswand. Diese Stelle trägt den bildhaften Namen End der Welt.

Flussaufwärts setzt sich der Talverlauf der Engelberger Aa Richtung Osten und später nach Nordosten noch rund 15 km bis zum 2291 m hohen Surenenpass fort.

Vom gesamten Gemeindegebiet sind nur 3,1 % Siedlungsfläche. Grosse Teile des Gemeindeareals sind mit Gehölz und Wald bedeckt (24,5 %) oder werden landwirtschaftlich genutzt - oft als Alpen (28,5 %). Weit mehr sind unproduktive Flächen, meist Gebirge (43,9 %).

Geschichte[Bearbeiten]

Blick auf Engelberg (Gemälde von Hubert Sattler)
Engelberg um 1895

Wegen seiner abgeschiedenen Lage wurden die Geschicke des Tals über Jahrhunderte von der Landwirtschaft und der um 1120 von Freiherr Konrad von Sellenbüren gegründeten Benediktinerabtei Kloster Engelberg geprägt. Das mittelalterliche Kloster wurde mehrfach von Bränden zerstört, zuletzt am 29. August 1729 durch Feuerwerk von Studenten, doch ohne Unterbrechung bis heute weitergeführt. Ausserdem suchten die Pest und politische Streitigkeiten im Hoch- und Spätmittelalter mehrfach das Tal heim.

Der Name Engelberg geht auf eine Legende zurück, wonach Engelsstimmen von der Höhe des Berges Hahnen die Gründung der Abtei veranlassten. Der Engel erscheint denn auch im Wappen des Ortes. Die Klostergemeinschaft (bis 1615 als Doppelkloster Mönche wie Nonnen umfassend) wurde zur Keimzelle eines geistlichen Miniaturstaates, welche sich im 13./14. Jahrhundert unter die Schirmherrschaft der Eidgenossen stellte. Sie gründete eine Kloster-, Schreiber- und Malerschule, aus der sich die heutige Stiftsschule Engelberg entwickelte und dem Tal über die Grenzen der Schweiz hinaus Bekanntheit brachte. Mit zunehmenden weltlichen Freiheitswünschen begann das Kloster ab dem 15. Jahrhundert sukzessive gewisse Privilegien abzutreten.

1797 – 1798 kam es, infolge einer Invasion französischer Truppen, zum Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft. Am 1. März 1798 verzichtete das Kloster auf die Herrschaftsrechte über das Engelberger Tal: Es nahm, wie Obwalden, die neue helvetische Verfassung an, die Rechtsgleichheit und Gewaltenteilung vorsah. Nidwalden hingegen leistete Widerstand gegen die neue Staatsform. Es folgte ein Sommer voller Spannungen und Drohungen seitens des Kantons Nidwalden. Der Kanton forderte von der Gemeinde Engelberg vergeblich, sich dem Widerstand anzuschließen. Dieser wurde im September 1798 durch französische Truppen blutig niedergeschlagen.[2] Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde 1813 die neue, von Frankreich geschaffene Verfassung aufgehoben. Einige Kantone, darunter Nidwalden, forderten die Rückkehr zu einer ständisch geprägten Verfassung. 1815 jedoch wurde ein neuer Bundesvertrag beschlossen, dem sich alle Kantone anschlossen – bis auf Nidwalden, das sich, wohl auch unter dem Einfluss des Traumas von 1798, zunehmend radikalisierte. Die Talgemeinde Engelberg beschloss daraufhin die Trennung von Nidwalden und schloss sich im Juli 1815 in einer vorläufigen Vereinbarung dem Kanton Obwalden an. Im August 1815 setzte der Einmarsch von Bundestruppen dem Nidwaldner Widerstand ein unblutiges Ende. Im November 1815 wurde mit dem verbindlichen Einverleibungs-Vertrag Engelberg endgültig zu einer Obwaldner Exklave.[3]

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte der Tourismus ein, der im 20. Jahrhundert zum bestimmenden Wirtschaftsfaktor wurde. Es entstanden mehrere Hotelanlagen sowie ein Kursaal und ein Kurpark. 1898 wurde Engelberg von Stansstad aus mit der Stansstad-Engelberg-Bahn, der ersten elektrischen Zahnradbahn, erschlossen. Diese Öffnung nach aussen drängte auch den sozialen Einfluss des Klosters zurück.

In den 1920er Jahren führte eine landwirtschaftliche Krise zur Auswanderung einiger Familien nach Oberösterreich. 1938 fand in Engelberg die Alpine Skiweltmeisterschaft statt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl in der Gemeinde wuchs zwischen 1709 und 1850 stark an (1709–1850: +156,2 %). Grund hierfür war ein starker Geburtenüberschuss. Zwischen 1850 und 1860 kam es zu einer ersten Abwanderungswelle (1850–1860: −4,1 %). 1870 war die Bevölkerungszahl wieder auf der Höhe von 1850. Der aufkommende Tourismus sorgte für einen Bevölkerungsanstieg in den 1870er-Jahren. Danach folgten zwei Jahrzehnte des Stillstands. Vor dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem grossen Anstieg der Einwohnerschaft (1900–1910: +22,6 %). Der Bau der Stansstad- Engelbergbahn (Eröffnung der Linie 1898) und der einsetzende Wintertourismus (ab 1903) führten dazu. Die Krise des Fremdenverkehrs führte dann zu einem zweiten Bevölkerungsrückgang (1910–1920: −4,5 %). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1980 folgte eine starke Wachstumsphase (1941–1980: +23,0 %). Nach einer Stagnationsphase in den 1980er-Jahren hat ein starker Bevölkerungsanstieg eingesetzt (1990–2010: +31,9 %).

Grund für den Anstieg waren die Verbesserung des Angebots des Öffentlichen Verkehrs (ab 1964 direkte Zugverbindung von Luzern nach Engelberg) und der Bau der A2 .

Bevölkerungsentwicklung
1709 1799 1850 1860 1870 1880 1888 1900 1910 1920 1930 1941 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
678 1468 1737 1665 1732 1931 1978 1973 2418 2310 2491 2409 2544 2646 2841 2963 2958 3544 3903

Sprachen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung spricht eine hochalemannische Mundart. Die regionale Mundart (eigener Prägung aufgrund der Lage) wird noch häufig gesprochen. Fast die gesamte Einwohnerschaft spricht als tägliche Umgangssprache deutsch. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 88,2 % Deutsch, 2,48 % Serbokroatisch und 2,17 % Englisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche. Bis vor wenigen Jahrzehnten war fast beinahe die gesamte Einwohnerschaft katholisch. Die Entkirchlichung und die starke Zuwanderung aus anderen Gemeinden und dem Ausland hat in Engelberg zu einem raschen Anstieg anderer Bekenntnisgruppen geführt. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen trotz Durchmischung immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen. 2'533 Personen waren katholisch (71,47 %). Daneben gab es 12,25 % protestantische und 4,03 % orthodoxe Christen, 1,61 % Muslime und 3,70 % Konfessionslose. 222 Personen (6,26 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten]

Von den Bewohnern waren Ende 2009 2'990 (77,74 %) Schweizer Staatsangehörige. Die Zugewanderten stammen mehrheitlich aus Mitteleuropa (Deutschland), Südeuropa (Italien und Portugal), dem ehemaligen Jugoslawien (Serbien, Montenegro, Kosovo, Kroatien und Bosnien-Herzegowina), Sri Lanka und Ostasien (Japan und China). Bei der Volkszählung 2000 waren 2'886 Personen (81,43 %) Schweizer Bürger; davon besassen 138 Personen eine doppelte Staatsbürgerschaft.

Altersstruktur[Bearbeiten]

Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an Leuten im Mittleren Alter. Während der Anteil der Personen unter zwanzig Jahren 26,24 % der Ortsbevölkerung ausmacht, sind 20,60 % Senioren (60 Jahre und älter). Die grösste Altersgruppe stellen die Personen zwischen 30 und 44 Jahren.

Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 ergab sich folgende Altersstruktur:

Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre 80 Jahre und mehr
Anzahl 273 414 243 455 833 596 584 146
Anteil 7,70 % 11,68 % 6,86 % 12,84 % 23,50 % 16,82 % 16,48 % 4,12 %

Wirtschaft[Bearbeiten]

Engelberg bei Nacht

Im Talboden selbst und auf den umliegenden Höhen sind grosse Tal- und Alpweiden verfügbar. Die alpine Milchviehwirtschaft, über Jahrhunderte der bestimmende Wirtschaftsfaktor, wird auch heute noch betrieben, zum Teil mit Hilfe von staatlichen Zuschüssen. Im Sommer bestimmt immer das Geläute der Kuhglocken die Geräuschkulisse in den Bergen, und sowohl in den Molkereien im Ort als auch direkt in den Käsereien auf den Alpen kann man den einheimischen Käse, beispielsweise den Sbrinz oder einen Ziegenkäse, probieren und direkt vom Erzeuger kaufen.

Mit über 11'000 Fremdenbetten und 790’614 Übernachtungen im Jahr 2010[4] ist der Tourismus der bestimmende Wirtschaftsfaktor im Tal. Engelberg belegt im BAK TOPindex 2009 der BAKBASEL den 6. Rang der Destinationen im Alpenraum.[5]

In Engelberg gab es (2008) 1'990 Beschäftigte in 326 Betrieben. 8,5 % der Beschäftigten in Engelberg arbeiteten im Bereich Landwirtschaft/Forstwirtschaft/Fischerei, 11,8 % in Industrie und Gewerbe und 79,7 % in Dienstleistungsunternehmen. Die Arbeitslosenquote betrug 2007 1,22 %.

Im Jahr 2000 gab es 1'914 Erwerbstätige in Engelberg. Davon waren 1'561 (81,56 %) Einheimische und 353 Zupendelnde. Die Zupendelnden kamen vorwiegend aus der Region; nämlich aus Wolfenschiessen (22,7 %), Dallenwil, Oberdorf und Stans (je 8,5 %), der Stadt Luzern (6,5 %) und Buochs (5,7 %). Im gleichen Jahr waren 1'864 Menschen aus Engelberg erwerbstätig. Somit arbeiteten 302 Personen in anderen Gemeinden. In den Nidwaldner Hauptort Stans pendelten 70 Personen (= 23,2 % aller Wegpendelnden), in die Stadt Luzern 48 Personen (15,9 %), nach Stansstad 15 Personen (5,0 %), nach Sarnen 14 Personen (4,6 %), nach Emmen, Hergiswil und Wolfenschiessen je 12 Personen (je 4,0 %).

Verkehr[Bearbeiten]

In der Aaschlucht

Der einzige natürliche Zugang führt von Norden, vom unteren Engelberger Tal her, über 5 km Weglänge und 500 Höhenmeter durch die steile, wilde, enge Aaschlucht. Die natürlichen Höhenpfade über den Jochpass Richtung Engstlensee und Berner Oberland, über den Storeggpass Richtung Melchtal und Sarnen und über den Surenenpass Richtung Uri und Reusstal sind noch weitaus länger, ebenfalls steil und beschwerlich und nur im Hoch- und Spätsommer passierbar.

Seit 1898 ist der Ort über die Zahnradstrecke der Stansstad–Engelberg-Bahn, ab 1964 Luzern-Stans-Engelberg-Bahn und heute Zentralbahn an das Bahnnetz angeschlossen. Erst 1931 wurde die Strasse von Norden her so ausgebaut, dass Engelberg auch im Winter mit Auto, Bus oder LKW erreichbar ist. Heutzutage dauert die Autofahrt von der Gotthard-Autobahn N2 und der Ausfahrt Stans-Süd nach Engelberg nur noch eine knappe halbe Stunde. Mit der Inbetriebnahme des neuen Bahntunnels nach Engelberg (am 12. Dezember 2010) verkürzt sich auch die Fahrzeit mit dem öffentlichen Verkehr auf 47 Minuten ab Luzern.

Die Trassen von Strasse und Bahnlinie sind aber stets von Muren und Hochwasser der Engelberger Aa bedroht. So wurden beim Hochwasser vom 23. August 2005 beide Trassen für etwa zwei Wochen unterbrochen und Engelberg von der Aussenwelt abgeschnitten. Während dieser Zeit stellten private Helikopterunternehmen und die Schweizer Armee den Transport von Personen und die Versorgung über eine Luftbrücke sicher. Erst knapp 17 Wochen nach dem Hochwasser war Engelberg wieder über die provisorisch instand gestellten Verkehrswege erreichbar. Zwischenzeitlich wurde der Verkehr über eine Notstrasse geführt.

Tourismus und Sport[Bearbeiten]

Seilbahnen[Bearbeiten]

Härzlisee, Brunni

Insbesondere die Titlisregion ist durch Seilbahnen und Skilifte intensiv erschlossen. Auf der gegenüberliegenden Talseite lockt die Luftseilbahn Engelberg Brunni, welche bis zur Station Ristis fährt. Ab Ristis folgt ein Sessellift nach Brunni, welcher die Gäste auf die sonnigen Südhänge transportiert. Im oberen Talbereich bietet die kleine Fürenalpbahn mit mehreren Hundert Metern freier Höhe vor einer senkrechten Felswand ein Höhenerlebnis und eine Fahrt zu einer Hochterrasse mit einem Ausblick über das darunter liegende Trogtal und die gegenüberliegende Bergkulisse mit den Dreitausendern Titlis, Gross Spannort, Chli Spannort und Schlossberg. Selten sind an der etwa 600 Meter hohen Felswand Base-Jumper anzutreffen.

Sowohl Fürenalp als auch Brunni sind Abflugpunkte für Gleitschirmflieger.

Wintersport[Bearbeiten]

Engelberg ist eines der Zentren des Skitourismus und vor allem an Wochenenden oder Feiertagen im Winter stark besucht. Das Gebiet mit der abwechslungsreichen Hochregion ist auch für Tiefschnee- und Tourenfahrer interessant. Jedoch kommen fast jedes Jahr Skiläufer oder Snowboarder zu Tode,[6] [7] weil Wetterlage oder Lawinenwarnungen missachtet, oder die eigenen Fähigkeiten überschätzt werden.

Für Langläufer sind auf dem Talgrund bis zur Herrenrütialp, auf der Geschnialp und rund um den Trübsee zwischen 5 und 15 km Spuren präpariert, sowohl für den klassischen als auch für den Skating-Stil.

Auf der Gross-Titlis-Schanze finden jährlich Wettbewerbe des Skisprung-Weltcups statt.

Gleitschirmflugzentrum[Bearbeiten]

Engelberg ist wegen seiner steilen Hänge und der verkehrsmässigen Erschliessung zu einem Gleitschirmflugrevier geworden. Seit Jahren besteht eine eigene Flugschule. Am beliebtesten sind Flüge von der Brunniseite und von der Fürenalp. Start- und Landeplätze sind markiert und mit Windsäcken ausgerüstet. Gelandet wird vor allem bei der neuen Brunnitalstation und auf der Herrenrütialp.

Bei guten Wetter und Wind-Bedingungen gelingen mehrstündige Höhen- und Thermikflüge. Geflogen wird im Sommer und im Winter, dann oft mit Skiern.

Wandern und Klettern[Bearbeiten]

Engelberg und die umgebenden Berge bieten reichlich Spazier-, Wander- und Klettermöglichkeiten.

Engelberg

Spazierwege (Beispiele):

  • Professorenweg durch den schattigen Talgrund vom Dorf bis zum Auenwald Eienwäldli.
  • Rundweg auf der Gerschnialp (mit der Seilbahn erreichbar)
  • Höhenwege auf dem Brunni (mit der Seilbahn erreichbar)

Die folgenden Wanderungen sind nur eine kleine Auswahl aus Dutzenden von Möglichkeiten. Sie erfordern alle festes Schuhwerk (Bergschuhe):

  • Durch die Aaschlucht hinunter nach Grafenort. Zurück entweder mit der Luzern-Stans-Engelberg-Bahn oder mit der winzigen, abenteuerlichen Seilbahn hoch zum Brunniswald und weiter über den Höhenpfad zum Brunni.
  • Über die Herrenrüti-Alp und das obere Engelberger Tal zum Wasserfall Stäuber und zur Fürenalp. Zurück mit der Seilbahn (3,5 Stunden, 900 m Höhenmeter Anstieg).
  • Vom Brunni über die Hochterassen unterhalb der Walenstöcke bis nach Oberrickenbach (3,5 Stunden, wenn man bis Brunni die Seilbahn benutzt). Zurück mit Postauto und Bahn.
  • Tageswanderung über den Surenenpass nach Attinghausen, zurück mit Bus und Bahn (9 Stunden, fast 20 km, mehr als 1'200 m Anstieg, Kondition erforderlich, nur im Hoch- und Spätsommer möglich). Phantastischer Blick vom Surenenpass über das Reusstal und den Urnersee.
  • Vier-Seen-Wanderung über Trübsee, Jochpass, Engstlensee, Tannensee, Melchsee zur Stöckalp im oberen Melchtal (neun Stunden, Kondition erforderlich, aber etliche Möglichkeiten, mit Seilbahnen oder Sesselliften den Fussmarsch zu verkürzen). Zurück mit Postauto und Bahn.
  • Wanderung zum Rugghubel.

In den Jahren vor 2004 wurden Klettersteige verschiedener Schwierigkeitsgrade an der Fürenalp-Wand, am Brunnistock, am Graustock und am Rigidalstock eingerichtet. Der Klettersteig am Brunnistock kann auch im Winter begangen werden.

Seilziehen[Bearbeiten]

Der Luzerner Hotelier Fugi Fuchs, seit 1967 Präsident der International Tug of War Federation, versuchte seit 1965, den Seilziehsport auch in der Schweiz zu etablieren. 1970 schließlich wurde, als erster Seilziehclub der Schweiz, der Engelberger Seilziehclub gegründet. 1974 richtete man die Europameisterschaft im Dorf aus und wurde Fünfter hinter England. 1975 folgte der erste namhafte Erfolg: Hinter England wurde ein gemischtes Team aus Engelberg und Wolfenschiessen Vizeweltmeister in der Klasse bis 720 kg.[8]

Damit etablierte sich der Engelberger Club in der nationalen und internationalen Spitzenklasse. Bis 2010 wurden 33 Schweizer Meistertitel, 9 Open-Weltmeisterschaftstitel und 10 Open-Europameisterschaftstitel errungen.[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Die Skirennfahrerin und sechsfache Weltmeisterin Erika Hess wurde in Engelberg geboren und wuchs auf dem Hof Aeschi in Altzellen (Nidwalden) nahe dem Ortsteil Grafenort auf. Ein Teil der Skiabfahrt vom Stand nach Rindertitlis ist nach ihr benannt: die Piste Erika.

In Engelberg lebt die Skirennfahrerin und Olympiasiegerin Dominique Gisin.

Der Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld (Schweizer Fußballnationalmannschaft, FC Bayern München, Borussia Dortmund) hat ein Domizil am Brunnihang.

Fritz Feierabend (1908–1978) aus Engelberg gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Bobpiloten.

Der Engelberger Fotograf und Grafikdesigner Herbert Matter (1907–1984) gilt als Begründer des modernen Fotoplakats in der Schweiz.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Grafenort: Herrenhaus und Kapelle

Im Dorf Engelberg ist das Kloster Engelberg mit der Klosterkirche und der Schaukäserei die wichtigste Sehenswürdigkeit. Das Talmuseum Engelberg zeigt eine historische Sammlung aus der Region zur Herrschaft der Abtei Engelberg.

In der Ortschaft Grafenort steht eine barocke Gebäudegruppe bestehend aus dem Herrenhaus (1690), der Kapelle zum Heiligen Kreuz (1689) und dem Wirtshaus (1778). Im Weiler Altzellen befindet sich die Kapelle St. Joder aus dem Jahre 1482, die 1601 vergrössert und 1789 renoviert wurde. Die Kapelle Bettelrüti am Hang des Wellenbergs wurde 1689 erbaut. Der barocke Hochaltar stammt ursprünglich aus der Stiftskirche Beromünster.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf De Kegel, Eduard Müller, Daniel Schneller: Das Herrenhaus Grafenort. Bern 1996. ISBN 3-85782-601-0 (= Schweizerische Kunstführer GSK, Band 601-603).
  • Albert Fleiner: Engelberg. Streifzüge durch Gebirg und Tal. Unter Mitwirkung von X. Imfeld, Dr. Christ, Dr. Cattani, Dir. Billwiller mit vielen Illustrationen, Karten und Plänen. Hofer & Burger, Zürich o.J. (1889).
  • Fritz Hess: Alt Engelberg. Nach alten Stichen, Zeichnungen, Dokumenten und Photographien. Verlag Josef von Matt, Stans, o. J. (1971).
  • Alex Höchli: Engelberg - deutsch, französisch, englisch. Engelberg 1986.
  • Obwaldner Heimatbuch. Hrsg. im Auftrag des Kantonsrates vom Erziehungsrate des Standes Obwalden. Hess, Basel/Engelberg 1953.
  • Felicitas von Reznicek: Das Buch von Engelberg. Haupt, Bern 1964. 147 S. (= Schweizer Heimatbücher Nr. 118/119).
  • Ernst Günther Grimme, Peter Ludwig (Hrsg.): Das Heilige Kreuz von Engelberg, Sonderdruck aus H. 35, 1968 der Aachener Kunstblätter, 1968.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Engelberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Katharina Odermatt: Revolution und Realitätssinn, Engelberg-Magazin, Sommer 2012, S. 29
  3. Katharina Odermatt: (Un-)freiwilliger Kantonswechsel, Engelberg-Magazin, Herbst 2012, S. 29
  4. Jahresbericht 2010/2011 (PDF; 2,67 MB) Engelberg-Titlis Tourismus, abgerufen am 4. September 2012
  5. Zermatt, Luzern und Engelberg unter den Top 10 des Alpenraums. In: Staatssekretariat für Wirtschaft. Abgerufen am 21. Januar 2010.
  6. Engelberg - Variantenskifahrer am Titlis tödlich verunfallt Bericht auf polizei-schweiz.ch vom 19. Februar 2007
  7. Skifahrer stürzt in Gletscherspalte – tot Artikel auf 20-Minuten-Online vom 29. März 2009
  8. Miriam Infanger-Christen: Engelberger Weltmeister. Engelberg-Magazin, Sommer 2012, Seite 13.
  9. Seilziehclub Engelberg: Erfolge, abgerufen am 27. August 2012