Engelberg (Leonberg)

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Engelberg und neuer Tunnel der A 81, von Norden gesehen (Juni 2006)
Der Engelberg diente den Franken zur Grenzsicherung. Die Grenze der Speyrer Diözese entsprach hier der fränkischen Demarkationslinie von 496
Engelberg um 1852 von Südwesten
Namenswand der KZ-Gedenkstätte am Südportal der alten Weströhre

Der Engelberg (481,0 m ü. NHN)[1] in Baden-Württemberg liegt im Osten der Leonberger Altstadt, etwa elf Kilometer westlich von Stuttgart. Auf dem einst „Endelberg“ genannten Bergsporn der „Glemswald-Randhöhen“ steht ein Aussichtsturm. Darunter führt der Engelbergbasistunnel der A 81 hindurch. Aus Richtung Heilbronn kommend trifft die A 81 nach dem Engelbergtunnel auf das Autobahndreieck Leonberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Fränkischer Grenzposten[Bearbeiten]

Im frühen Mittelalter hatte der Engelberg strategische Bedeutung als Grenzposten: Nachdem die Alamannen die Schlacht von Zülpich (496) gegen Rheinfranken unter Sigibert von Köln und Salfranken unter Chlodwig I. verloren hatten, erweiterte der darauf zum Christentum konvertierte Chlodwig seinen Machtbereich Richtung Südosten und drängte die Alamannen hinter einen neugeschaffenen „fränkisch-alemannischen Limes“ zurück. Dieser durchzog Baden-Württemberg von der Oos-Mündung her über den Schwarzwald bis an den Oberlauf der Glems, um nun dem Flussverlauf zu folgen und bei Grüningen wieder nach Osten in Richtung Welzheimer Wald zu verschwenken. Eine Ausnahme machten die Franken dabei beim rechts der Glems gelegenen Engelberg, den sie wie den Hohenasperg, den Lemberg, den Hagberg und andere Erhebungen offenbar aus strategischen Gründen auf ihrer Seite der Grenze haben wollten.

Dementsprechend wurde dann auch das um alemannisches Gebiet erweiterte Bistum Speyer abgegrenzt, weshalb das ab 1248 unterhalb des Engelbergs erbaute Leonberg bis zur Reformation zum Landkapitel Grüningen der Speyrer Diözese gehörte.[2]

Mittelalterliche Burg[Bearbeiten]

Die „Burghalde“ am Westrand des Engelbergs verweist auf eine mittelalterliche Burg, die bereits 1350 als „Burgstall“ bezeichnet wurde, also hundert Jahre nach der Stadtgründung schon abgegangen war;[3] ersetzt durch eine neue Burg an der Südwestecke der Leonberger Altstadt, die später zum Schloss umgebaut wurde.

Feldlager des Armen Konrads[Bearbeiten]

Im Zuge der Rebellion des Armen Konrads diente der Engelberg als Versammlungsort und Feldlager der Aufständischen aus Leonberg und den umliegenden Kommunen. Als alle Untertanen im Land den Tübinger Vertrag in einer Huldigung annehmen sollten, weigerten sich die auf dem Engelberg versammelten „Aufrührer“, weil sie ihre Beschwerden und Forderungen missachtet sahen. Durch starken Zuzug von überall her erreichte das Feldlager darauf eine kritische Masse, die Herzog Ulrich zu Verhandlungen zwang. So fand der Aufstand hier im Gegensatz zum Remstal schließlich ein unblutiges Ende.[4]

KZ-Gedenkstätte[Bearbeiten]

Am Südportal der stillgelegten Weströhre (Durchfahrt) des alten Engelbergtunnels, in dem während des Zweiten Weltkrieges Flugzeugteile von KZ-Häftlingen eines Außenlagers des elsässischen KZ Natzweiler-Struthof produziert wurden, befindet sich die KZ-Gedenkstätte Leonberg. Hier steht die am 8. Mai 2005 eingeweihte, vom Tübinger Künstler Johannes Kares entworfene Namenswand.[5]

Der ehemalige Wasserturm auf dem Engelberg dient heute als Aussichtsturm

Engelbergturm[Bearbeiten]

Vom Norden, Westen oder Süden kommend sieht man bereits von weitem den 1928 erbauten Wasserturm auf dem Engelberg, den Engelbergturm, ein Wahrzeichen der Stadt. Der Betrieb als Wasserturm wurde 1953 eingestellt. Seitdem dient er als Aussichtspunkt. Der 34,7 m hohe Turm hat 123 Stufen und eine Aussichtsplattform im fünften Stock.

Vom Engelbergturm hat man eine ausgezeichnete Sicht auf das Strohgäu und dessen Übergänge zum Heckengäu. Von Mai bis Oktober ist er bei gutem Wetter an Sonn- und Feiertagen zwischen 9 Uhr und 17 Uhr geöffnet. Von einem anderen Aussichtspunkt auf der Südseite der Bergkuppe überblickt man die Leonberger Altstadt, Eltingen und das bis zum Autobahndreieck Leonberg reichende Industriegebiet.

Engelbergtunnel[Bearbeiten]

Hauptartikel: Engelbergtunnel

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens U. Schmidt, Günther Bosch, Albert Baur: Wassertürme in Baden-Württemberg. 1. Auflage, 2009, ISBN 978-3-86929-002-7
  • Andreas Schmauder: Württemberg im Aufstand – der Arme Konrad 1514. Ein Beitrag zum bäuerlichen und städtischen Widerstand im Alten Reich und zum Territorialisierungsprozeß im Herzogtum Württemberg an der Wende zur Frühen Neuzeit. DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 1998, ISBN 3-87181-421-0, (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 21)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geodatenviewer des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg (Hinweise)
  2. Vgl. Karte der fränkisch-alemannischen Mark und Karte des Archidiakonats Trinitatis
  3. Quelle: Ortslexikon BW (ONDB)
  4. Andreas Schmauder: Württemberg im Aufstand – der Arme Konrad 1514. Ein Beitrag zum bäuerlichen und städtischen Widerstand im Alten Reich und zum Territorialisierungsprozeß im Herzogtum Württemberg an der Wende zur Frühen Neuzeit. DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 1998, ISBN 3-87181-421-0, (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 21).
  5. KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg e. V.

48.8019444444449.0252777777778460Koordinaten: 48° 48′ N, 9° 2′ O