Engers

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Dieser Artikel beschreibt den Ort; für den Schauspieler siehe Adolphe Engers.

50.4238888888897.544166666666770Koordinaten: 50° 25′ 26″ N, 7° 32′ 39″ O

Engers
Stadt Neuwied
Wappen der ehemaligen Stadt Engers
Höhe: 70 m ü. NHN
Einwohner: 5382 (30. Jun. 2010)
Eingemeindung: 7. November 1970
Postleitzahl: 56566
Vorwahl: 02622
Engers (Rheinland-Pfalz)
Engers

Lage von Engers in Rheinland-Pfalz

Rheinansicht Engers
Luftaufnahme, Rheinansicht von Engers

Engers war bis 1970 eine eigenständige Stadt und ist heute ein Stadtteil von Neuwied. Engers gilt als die älteste römische Siedlung am rechten Rheinufer.

Geographie[Bearbeiten]

Engers liegt am rechten Ufer des Mittelrheins, am Fuß des Westerwalds, zwischen Neuwied und Bendorf, ca. 12 km nördlich von Koblenz im Neuwieder Becken.

Der südöstlichste Punkt befindet sich etwa auf Höhe der Saynmündung, reicht stromabwärts bis ins Engerser Feld bei Block und Neuwied und nördlich bis an die Bundesstraße 42.

Im unmittelbaren Bereich des Rheins besteht Hochwassergefahr.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ortsname[Bearbeiten]

Engersgau: Im Namen des Engersgaus tritt Engers zum ersten Mal in der geschriebenen Geschichte hervor. Der Gau ist nach seinem Hauptort benannt und verschwindet um 1100 endgültig aus den Akten.

Engers: Der althochdeutsche Name Angar, der soviel wie „freie Ebene“ bedeutet, scheint die ursprünglichste Wortform für Engers zu sein. Die Vokalalternanzen sind auf die Einwirkungen des Primärumlauts sowie auf die Folgen der Endsilbenabschwächung zurückzuführen: ahd. angar → ahd. anger → mhd. enger. Der Begriff Anger bezeichnet noch im Mittelhochdeutschen eine Dorfwiese in Gemeindebesitz und lässt auf die bäuerliche Grundlage der Ansiedlung Engers schließen; vgl. den zweiten Teil der Carmina Burana: „Uf dem Anger“ von Carl Orff.

Engersbach: Die Benennung des Ortes ist wohl auf den Engersbach, der sich durch die althochdeutschen Wörter „Angar“ (Engers) und „Isa“ (Bach) zusammensetzen lässt, zurückzuführen.

Cunen-Engers: Der Trierer Kurfürst Kuno von Falkenstein wandelte im 14. Jahrhundert das Bild und die Bedeutung von Engers durch seine Maßnahmen für den Ort, Schlossbau, Zoll und Stadtmauer, so dass Engers zeitweise diesen Beinamen bekommt.

Kaltenengers: Dieser Ort gehört nicht zu Engers, liegt jedoch auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Er wird 1302 als Klein-Engers und 1438 als Callen-Engers in Urkunden und Akten erwähnt.

Eisenzeit[Bearbeiten]

Die 600-Jahr-Feier beging Engers im Jahr 1957, doch die Gegend ist schon viel länger bewohnt. Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus der Jungsteinzeit, das älteste Gräberfeld aus 40 Gräbern sowie einige bronzezeitliche Gegenstände sind in die Zeit 800-600 v. Chr. einzuordnen.

Antike[Bearbeiten]

Unter Julius Caesar fand hier 55 vor Christus wahrscheinlich der historisch bedeutsame Brückenschlag von Urmitz aus über den Rhein statt, um die germanischen Sugambrer zu bestrafen. Der exakte Ort, an dem die Brücke gebaut wurde, ist umstritten, doch wurden 1885 mit einem Dampfbagger Reste von Eichenpfählen aus dem Rhein ausgegraben, die später mit Hilfe moderner Methoden auf die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. bestimmt werden konnten.

Zur Zeit der römischen Besatzung schon befand sich bei Engers ein Hafen, dessen Überreste heute noch zu sehen sind. Um 1800 konnte man bei Niedrigwasser Pfahlreste davon entdecken.

Im vierten Jahrhundert entstand ein römisches Kastell in Engers. Noch heute sind in den Rheinanlagen die Überreste des so genannten Burgus Neuwied-Engers zu finden. Diese wurden 1951 durch Josef Röder vom Rheinisches Landesmuseum Trier freigelegt und erforscht.

Nur wenige Kilometer entfernt verlief der Limes, wo man im Wald bei Sayn noch heute einen rekonstruierten römischen Wachturm besichtigen kann.

Mittelalter[Bearbeiten]

Ehemaliger Wachturm „Duckesje“

In fränkischer Zeit war Engers namensgebender Hauptort des karolingischen Verwaltungsbezirks Engersgau, der die korrekte Urkundenwiedergabe durch den Lorscher Codex unterstellt, am 24. Juni 773 erstmals erwähnt wird.[1]

Dieser Gau grenzte im Norden an die ripuarischen Landschaften Ahrgau und Auelgau an der Sieg. Von südlich der heutigen Stadt Bad Honnef aus folgte die Grenze der Wasserscheide zwischen Sieg und Wied bis zur Wiedquelle, sprang zur Gelbachquelle über und folgte diesem Bach bis zur Mündung der Lahn in Langenau. Lahn und Rhein umschlossen den Gau nach Süden und Westen.

Am 7. Februar 1357 wurden dem Marktflecken die Stadtrechte durch Kaiser Karl IV. verliehen.

1371 beginnt Erzbischof Kuno von Falkenstein seinen Burgbau und die Errichtung einer Stadtbefestigung, im Halbkreis von der heute noch stehenden Zollstation, dem sogenannten „Grauen Turm“ (Baubeginn ungefähr 1378), bis zum „Duckesje“ am anderen Ende.

1412 wird der Rheinzoll, unter Werner von Falkenstein, von Burg Stolzenfels bei Koblenz nach Engers verlegt. Aufgrund der ungünstigen Wasserverhältnisse fällt er später wieder zurück an Koblenz.

Neuzeit[Bearbeiten]

Engers in einem Kupferstich von Merian um 1650

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Engers zusammen mit Sayn (1632 oder 1633) von schwedischen Truppen besetzt, die jedoch nach drei Jahren den Kaiserlichen Truppen weichen mussten. Diese beschossen dabei die Burg Kunostein so heftig, dass sie danach baufällig war.

Die Pest ließ 1662 nur fünf Familien in Engers überleben. Aus dem benachbarten Reil, welches unbefestigt war und oft geplündert wurde, zogen Menschen in die leer gewordenen Häuser ein, so dass 1684 schon wieder 59 Familien in Engers gezählt wurden.

Mit dem Einzug der französischen Revolutionstruppen 1794, flüchtete Clemens Wenzeslaus von Sachsen aus Koblenz, und Engers wurde besetzt.

1815 wurde Engers durch Tausch preußisch und blieb dies bis 1945. Seit 1863 befand sich im Schloss Engers eine preußische Kriegsschule, die bis zum Ersten Weltkrieg bestand.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Engers zunächst bis 1922 unter US-amerikanische, danach bis 1926 unter französische Besatzung. Am 17. März 1933 wurde der seit dem Ersten Weltkrieg regierende Bürgermeister Darius durch das NS-Regime für abgesetzt erklärt. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 gab es auch in Engers Übergriffe auf jüdische Familien. Im Zweiten Weltkrieg flogen die Alliierten zahlreiche Luftangriffe auf Engers. Nach der Einnahme der Ludendorff-Brücke bei Remagen am 7. März 1945 wurde die Eisenbahnbrücke zwischen Engers und Urmitz am 9. März um 7:30 Uhr gesprengt, obwohl sich noch hunderte Menschen - meist deutsche Soldaten auf dem Rückzug - auf der Brücke befanden.

Halbkettenfahrzeuge der 9. US-Panzerdivision rücken durch Engers vor (27. März 1945)

Mit Sprengung dieser Brücke durch deutsche Pioniere waren sämtliche Verbindungen zum linken Rheinufer unterbrochen. Alliierte Truppen kamen am Palmsonntag, dem 25. März 1945, bis nach Engers, womit die direkten Kampfhandlungen in diesem Frontabschnitt beendet waren.

Im Jahr 1995 nahm die rheinland-pfälzische Landesstiftung Villa Musica im Schloss Engers ihren Akademiebetrieb auf. 2003 erhielt die Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz ihre neue Heimat im Engerser Meisterhaus nahe dem Heinrich-Haus.

Ehemalige Stadt Engers[Bearbeiten]

Engers gehörte bis 1803 zum Amt Bergpflege im Kurfürstentum Trier. 1803 wurden die rechtsrheinischen vorherigen kurtrierischen Gebiete dem Fürstentum Nassau-Weilburg zugesprochen, das 1806 im Herzogtum Nassau aufging. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress geschlossenen Verträge kam Engers 1815 zum Königreich Preußen. Engers wurde Sitz der Bürgermeisterei Engers im Landkreis Koblenz und im Regierungsbezirk Koblenz. 1822 wurde Engers dem Kreis Neuwied zugeordnet.

Am 2. Juni 1957 gab die Landesregierung der Gemeinde die durch die rheinische Städteordnung von 1856 formell verloren gegangenen Stadtrechte wieder zurück.

Im Zuge der Mitte der 1960er Jahre begonnenen rheinland-pfälzischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurde durch das „Achte Landesgesetz über die Verwaltungsvereinfachung im Lande Rheinland-Pfalz“ vom 28. Juli 1970, das am 7. November 1970 in Kraft trat, die Stadt Engers der neuen Stadt Neuwied zugeordnet.[2] Mit Beschluss des Stadtrats Neuwied vom 22. Januar 1971 wurde Engers ein Stadtteil. Ein Ortsbeirat und ein Ortsvorsteher vertreten es seit 2001[3] [4].

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung des ehemaligen Stadtwappens: „In Silber ein (wachsender) linksgewendeter goldnimbierter und goldhaariger silberner römischer Soldat in goldener Tunika und blauem Waffenrock, ebensolchem Kreuzbrustgurt und Helm mit rotem Helmbusch, in einen langen, weiten, roten Umhang gehüllt, mit der Linken dessen Saum hebend, mit der Rechten mit silbernem, fast verdecktem Schwert den Umhang teilend, links ein kleiner, kniender, den Mantel greifend, unbekleideter, goldhaariger, silberner Mann, in der Schildfußmitte belegt mit einem silbernen Schildchen, darin ein durchgehendes rotes Balkenkreuz.“

Das ehemalige Wappen stellt St. Martin, den Schutzpatron der Kirche zu Engers, bei einer mildtätigen Handlung als gallorömischen Offizier dar, im Schildfuß das kurtrierische Wappen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schloss Engers
Schloss Engers

Johann Philipp von Walderdorff, Erzbischof und Kurfürst von Trier sowie Fürstbischof von Worms, erbaute das direkt am Rheinufer gelegene Schloss Engers zwischen 1759 und 1764 als Jagd-, Lust- und Sommerschloss nach Plänen von Johannes Seiz.

Altes Rathaus und Schlossschenke

Das Alte Rathaus von 1642 und die Schlossschenke von 1621 stehen in der Ortsmitte gegenüber dem Schlosshof.

Alte Stadtbefestigung

Von der 1371 begonnenen Stadtbefestigung sind noch Teile erhalten. Der „Graue Turm“ steht an der Rheinuferpromenade, das „Duckesje“ und ein weiterer Wehrturm stehen bei der Katholischen Kirche. Auch von der Stadtmauer sind Teile erhalten.

Katholische Pfarrkirche St. Martin

Die Pfarrkirche St. Martin wurde 1896 in neospätromanischen Formen an der Stelle einer Vorgängerkirche gebaut. Eindrucksvolle Architekturgliederungen rheinischer Prägung aus Backstein und Tuff. Sie steht seit 2003 unter Denkmalschutz.

Evangelische Pfarrkirche

Die Evangelische Pfarrkirche wurde 1900 in neospätgotischen Formen gebaut. Die Kirche wird überragt von einem Turm mit spitzem Pyramidendach. Sie steht seit 2003 unter Denkmalschutz.

Bahnhof Engers

Der Bahnhof Engers mit dem ehemaligen Empfangsgebäude wurde im Jahr 1869 erbaut und diente noch bis Ende des 20. Jahrhunderts als Knotenpunkt im Personen- und Gütereisenbahnverkehr.

Wasserturm

Der Wasserturm wurde 1900 gebaut und versorgte mit dem darin gespeichertem Wasser ganz Engers.

Der Graue Turm

Der Graue Turm aus dem 14. Jahrhundert diente früher auch als Zollturm am Rhein. Heute ist es ein Büro. Außerdem wird er als Aussichtspunkt genutzt.

Vereinsleben[Bearbeiten]

Engers bietet eine große und bunte Vielfalt an Vereinen, von Sport über Chöre, sozialen Vereinen und verschiedenen Kleinvereinen bis hin zu Traditionsvereinen.

Die meisten Vereine sind im Dachverband Bürgerverein Engers vertreten.

Die Kirmesjahrgänge, die abwechselnd in grün-weiß und rot-weiß auftreten, stehen in Konkurrenz zueinander.

Der FV Engers 07 spielt derzeit in der Rheinland-Liga.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Touristisch interessante Termine sind die Karnevalszeit von Schwerdonnerstag bis Aschermittwoch, der Engerser Tribut an die Heddesdorfer Pfingstreiter am Pfingstdienstag, die Engerser Kirmes (10 Tage nach Fronleichnam), der alle zwei Jahre stattfindende Engerser Convent sowie der Nußknackermarkt am ersten Adventswochenende.

Des Weiteren gibt es zahlreiche Openair-Konzerte und Musikveranstaltungen, die die zahlreichen Chöre sowie die Villa Musica anbieten.

Als überraschender Erfolg hat sich die Nachtwächterführung durch Engers erwiesen, die durch die große Nachfrage mindestens zweimal im Monat stattfindet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arbeitskreis 650 Jahre Stadtrechte Engers (Hrsg.): Engers. Der Ort. Seine Geschichte. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2007, ISBN 978-3-86595-186-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Engers – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Übersetzung des Lorscher Codex
  2. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seite 189 (PDF; 2,6 MB)
  3. Geschichte eines Ortsvorstehers auf Neuwied-Feldkirchen.net
  4. 10 Jahre Ortsbeirat in Altwied (2001-2011)