EngineerING Card

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Die engineerING card ist ein freiwilliger Berufsausweis für Ingenieure. Auf diesem Berufsausweis werden Abschlüsse, einschlägige Berufserfahrung und Weiterbildung sowie die eventuelle Verbandszugehörigkeit des Karteninhabers dokumentiert. Diese Daten werden in einer Datenbank gespeichert. Die passwortgeschützte Datenbank ist nur für den Inhaber der engineerING card zugänglich. Dort kann er seinen persönlichen Registerauszug einsehen, herunterladen oder ausdrucken und einem potentiellen Arbeitgeber vorlegen. Dieser Registerauszug ist nach dem Muster des europäischen Lebenslaufs aufgebaut. Die engineerING card soll somit europaweit vergleichbare Standards schaffen und dadurch den länderübergreifenden Einsatz von Ingenieuren verbessern. [1] Außerdem soll sie den Fortschritt des Bologna-Prozesses über die Hochschulausbildung hinaus unterstützen und so zur Transparenz bei Bewerbungen im In- und Ausland beitragen und dadurch den Auswahlprozess sowohl für Bewerber als auch für Unternehmen erleichtern. [2]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 2005 hat sich die Europäische Union in der Richtlinie 2005/36/EG das Ziel gesetzt, die berufliche Mobilität innerhalb der Mitgliedstaaten stärker zu fördern. Der VDI ist der Ansicht, dass europaweit ein einheitliches Anerkennungsverfahren bezüglich der beruflichen Qualifikation der Ingenieure eingeführt werden soll. Der europäische Ingenieurdachverband FEANI gab die Zustimmung, in Deutschland einen europäischen Berufsausweis für Ingenieure zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund hat der VDI die engineerING card entwickelt [1] und auf der Hannovermesse 2010 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt[3]. Im Oktober 2010 hat die FEANI die engineerING card anerkannt, die neben Deutschland auch bereits in acht weiteren Staaten eingeführt wurde [2]. Derzeit fordert der VDI die engineerING card europaweit umzusetzen[4].

Trägerverbände[Bearbeiten]

Die engineerING card wird derzeit durch folgende Trägerverbände unterstützt[5]:

Beantragung der engineerING card[Bearbeiten]

Die engineerING card können alle Personen beantragen, die einen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang an einer staatlich anerkannten deutschen Hochschule erfolgreich abgeschlossen haben. Der Berufsausweis ist nicht an eine Mitgliedschaft in einem Trägerverband gebunden. [2]

Zur Beantragung der eningeerING card werden folgende Unterlagen in digitaler Form benötigt[5]:

Diese Unterlagen werden in der Folge durch eine Registerkommission geprüft. Die Kommission setzt sich zusammen aus Experten von Hochschul- und Wirtschaftsvertretern aus dem Bereich der Ingenieurwissenschaften. Die Registerkommission entscheidet über die Vergabe der engineerING card auf Grundlage national und international anerkannter Qualitätsstandards.[6]

Kosten[Bearbeiten]

Die Prüfkosten bezüglich der Erfüllung der Mindestvoraussetzungen betragen 95€ für Mitglieder bzw. 120 € für Nichtmitglieder der Trägerverbände und fallen unabhängig vom Ausgang des Prüfvorgangs an. Sofern der Lebenslauf vom Karteninhaber aktualisiert wird, entstehen hierdurch Kosten von 20€ für Nichtmitglieder der Trägerverbände. Für Mitglieder der Trägerverbände ist dieser Vorgang kostenlos. Lediglich die Änderung von Personen- und Adressdaten ist jederzeit kostenlos möglich.[5]

Funktionsweise[Bearbeiten]

Die eingereichten Unterlagen werden gemäß einer Klassifizierung auf der Vorder- und Rückseite der Karte eingetragen[7]:

Klasse A Studienabschlüsse
Klasse A1 Dipl.-Ing. (FH) bzw. B. Eng. und B. Sc.
Klasse A2 Dipl.-Ing. (TU/TH) bzw. M.Eng. und M.Sc.
Klasse A3 Dr.-Ing.
Klasse B Berufserfahrung
Klasse B1 Unternehmen
Klasse B2 öffentlicher Dienst
Klasse B3 Selbstständig
Klasse C Weiterbildung
Klasse C1 Seminar mit Teilnahmebescheinigung
Klasse C2 Seminar mit Abschlussprüfung
Klasse C3 Fortbildung mit Zeugnis

Auf der Vorderseite der Karte wird die gesamte Qualifikation des Karteninhabers in Form der Klassen als Kurzform aufgezeigt; z.B:

A1A2 B1 C1C2C3

Sämtliche Daten der Registrierung kann der Karteninhaber außerdem als Registerauszug einsehen, ausdrucken und einem potentiellen Arbeitgeber vorlegen. Dieser Registerauszug ist nach dem Muster des europäischen Lebenslaufes aufgebaut[8].

Kritik[Bearbeiten]

Die engineerING card wurde von der IG Metall kritisiert[9]. Aus Sicht der IG-Metall muss sichergestellt werden, dass die engineerING card bei der Auswahl der Bewerber/innen nicht berücksichtigt wird.

Die Hauptkritikpunkte der IG Metall sind vor allem:

  • kein Nutzen durch den Erwerb der Karte für Absolvent/innen und Beschäftigte.
  • Die Kosten würden in keinem Verhältnis zum Nutzen der Karte stehen.
  • Die Karte gliedert die Ausbildung in einfachen Rastern ein wodurch diese möglicherweise weitreichende arbeitsmarkt- und bildungspolitische Auswirkungen hat. Aus Sicht der IG-Metall ist der Schritt zu einer beruflichen Akkreditierung nach angelsächsischem Vorbild im Falle einer flächendeckenden Einführung nicht mehr weit. Im angelsächsischem Raum reicht ein Hochschulabschluss nicht mehr aus, um sich Ingenieur nennen zu dürfen; hier müsse man Qualifikation und Berufserfahrung vorweisen, wodurch die Hochschulabschlüsse entwertet werden würden.
  • Der Bildungsbereich würde durch diese Karte weiter privatisiert werden, da die Trägerverbände der Karte nur private Organisationen seien.
  • Durch die zentrale Ablage der sensiblen Informationen in einem zentralen Ingenieurregister ergibt sich ebenfalls ein datenschutzrechtlicher Aspekt.

Als Alternativen werden Verbesserung der Qualität von Studium und Lehre sowie Studienbedingungen in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern genannt.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Neu: engineerING card – der Berufsausweis für Ingenieure. Website vom Verein Deutscher Ingenieure. Abgerufen am 28. August 2011.
  2. a b c Grünes Licht für die engineerING card. Website vom Verein Deutscher Ingenieure. Abgerufen am 28. August 2011.
  3. Vorstellung der EngineerING card. Website vom Verein Deutscher Ingenieure. Abgerufen am 28. August 2011.
  4. engineerING card europaweit umsetzen. Website vom Verein Deutscher Ingenieure. Abgerufen am 28. August 2011.
  5. a b c EngineerING card beantragen. Website der engineerING card. Abgerufen am 28. August 2011.
  6. Registerkommission. Website der engineerING card. Abgerufen am 28. August 2011.
  7. Beide Seiten der engineerING card. Website der engineerING card. Abgerufen am 28. August 2011.
  8. Muster Registerauszug.Website der engineerING card. Abgerufen am 28. August 2011.
  9. IG Metall kritisiert Engineering Card des VDI. enineerING-igmetall.de. Abgerufen am 28. August 2011.