Englische Bulldogge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Englische Bulldogge
Englische Bulldogge
FCI-Standard Nr. 149
2.1 Doggenartige Hunde
Ursprung:

Großbritannien

Alternative Namen:

English Bulldog

Gewicht:

Rüde: 25 kg
Hündin: 23 kg

Zuchtstandards:

FCI, AKC, KC

Liste der Haushunde

Die Englische Bulldogge, Bulldog ist eine von der FCI anerkannte britische Hunderasse (Gruppe 2, Sektion 2.1, Standard Nr. 149).

Herkunft und Geschichtliches[Bearbeiten]

Englische Darstellung eines Bulldogs von 1790 (Philip Reinagle)

Der Ursprung ist nach einer Theorie etwa im 6. Jahrhundert v. Chr. zu suchen, als mit Britannien Handel treibende Phönizier ihre aus der Levante mitgebrachten Molosser mit britannischen doggenartigen Hunden kreuzten.

Erstmals erwähnt wird der Hund im 13. Jahrhundert unter dem Namen Bonddog (von englisch bond „fesseln“) bzw. Bolddog (von bold „kühn“). Der heutige Name taucht etwa im 17. Jahrhundert auf. Die Englische Bulldogge wurde als Bullenbeißer, eine Art von Kampfhund, eingesetzt: Ihr Metier war der Kampf gegen Bullen (Bullbaiting). Bei der Zucht wurde damals im Charakter des Hundes auf „Mut“ und Aggressivität, äußerlich auf eine kurze Schnauze, breite Kiefer und eine zurückgenommene Nase Wert gelegt. Die zurückliegende Nase hatte den Zweck, dass der Hund sich in die Nase des Bullen verbeißen konnte und dabei weiter gut Luft bekam.

„Zahlreichen Berichten zufolge soll es unter diesen ersten Bulldogs auch Hunde gegeben haben, die selbst mit gebrochenen Läufen oder von den Hörnern aufgerissenen Bäuchen den Stier wieder angriffen. Nur der Hund, der „game“ (entschlossen, furchtlos) genug war bis zum Tode zu kämpfen, galt als echter Bulldog. Verbiß sich einer der Hunde an einer anderen Stelle, so wurde er als unrein, nicht der Rasse zugehörig, angesehen und von weiteren Kämpfen ausgeschlossen, was einem Todesurteil gleichkam.[1][2][3][4] Im Anschluß an den Kampf konnte der gehetzte Bulle vom Metzger geschlachtet werden. Die Hundezüchter nutzten diese Gelegenheit und ließen ihre Welpen sich im blutigen Stierschädel verbeißen, um sie auf ihre späteren Kämpfe vorzubereiten.[5][6][7]

In späterer Zeit wurde er auch auf andere große Tiere gehetzt. Auch kamen immer mehr Kämpfe Hund gegen Hund in Mode. Im 19. Jahrhundert wurden Hundekämpfe in Großbritannien gänzlich verboten (1835). Mit dem Verbot verschwand auch fast die Rasse der Bulldogge.

1864 wurde „The Bulldog Club“ gegründet – der erste Rassehunde-Club weltweit. Er verschwand zwar wieder sehr schnell, legte aber erstmals einen Rassestandard fest. 1875 wurde der „Bulldog Club Incorporated“ gegründet, der von da ab die Zuchtregie übernahm. Ab sofort wurde auf Verträglichkeit Wert gelegt. Ein Kampfhund war nicht mehr gefragt, sondern der friedliche Familienhund.

„Der Grundzug des Bulldogcharakters ist Gutmütigkeit, ein gewisses Phlegma, beides aber nur solange, als sich nichts ereignet oder ihnen begegnet, was ihre schlummernden Leidenschaften auslöst. Es liegt hierin ein scheinbarer Widerspruch, man kann es aber nicht anders bezeichnen, als daß Phlegma und Leidenschaft unvermittelt nebeneinander ruhen. In dem Ausbruch ihrer Leidenschaft liegt eine ungeheure Beharrlichkeit, ebenso in dem ihres Willens. Man hat oft dies Unvermittelte für Jähzorn gehalten, ich möchte dies mehr als eine äußerst heftig einsetzende Willensbetätigung bezeichnen, wozu sich ein unentwegtes Festhalten an einem einmal gefaßten Entschluß gesellt.[8][9]

Im Januar 2009 kündigte der britische Kennel Club eine grundlegende Revision seines Standards an. In Zukunft soll die Gesundheit und das Wohlergehen der Hunde im Mittelpunkt stehen. Deshalb soll auf übertriebene Merkmale wie zu kurze Nase, zu große Köpfe, besonders faltiges Gesicht, zu kurze Läufe verzichtet und eine nachhaltige Verbesserung der Atmung sichergestellt werden. Auch sollen Maßnahmen ergriffen werden, die zu einem Rückgang der Kaiserschnittquote, der Fruchtbarkeitsprobleme und der Welpensterblichkeit führen sollen. Der dabei als Entwurf zur Diskussion vorgelegte Interimsstandard stieß bei Züchtern auf massiven Widerstand, wozu u.a. in einer Petition aufgerufen wurde. Ihrer Auffassung nach sei der Bulldog gesund und bedürfe keines geänderten Standards. Der Kennel Club verabschiedete dennoch im Oktober 2009 diesen jetzt verbindlichen neuen Standard.[10] Die FCI hat diesen Standard am 13. Oktober 2010 übernommen. Der ACEB, der in Deutschland das Zuchtbuch führte, wurde 2011 vom VDH ausgeschlossen. Der VDH nimmt die Zucht- und Zuchtbuchhoheit für den Englisch Bulldog selbst wahr.[11][12]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Englische Bulldogge ist für ihre Größe, mit 25 kg, ein schwerer Hund. Das Haar ist von feiner Struktur, kurz, dicht und glatt. Es kann auch gestromt, rot in allen Schattierungen, falb, rehbraun und so weiter sein, ebenso weiß und gescheckt, nur schwarz ist unerwünscht.

Der Kopf soll im Verhältnis zum Körper mäßig groß sein, massig, und hat eine kurze Schnauze. Auffällig ist auch die sehr breite Brust und das eher schmale Hinterteil. Die Ohren sind hoch angesetzt, stehen weit auseinander, hoch über den Augen, klein und dünn – sogenannte „Rosenohren“. Die Rute ist tief angesetzt, tritt an der Wurzel ziemlich gerade heraus und ist dann nach unten gebogen. Weder eine fehlende, noch eine eingewachsene Rute (Korkenzieherrute) ist bei einer Englischen Bulldogge erwünscht.

Wesen[Bearbeiten]

Der FCI-Rassestandard beschreibt die ideale Englische Bulldogge als „Aufmerksam, kühn, loyal, zuverlässig, mutig, grimmig im Aussehen, aber liebenswürdig im Wesen.“[13] Der Österreichische Bulldog-Klub schreibt, der Hund sei nicht schwierig zu erziehen, wenn man berücksichtige, dass er nichts von unbedingtem Gehorsam hält.[14]

Gesundheit[Bearbeiten]

Übertypisierungen und Extremzucht führen in manchen Fällen zu Qualzucht. Vielfach ist bei derart gezüchteten Tieren eine natürliche Geburt nicht mehr möglich und ihre Welpen müssen per Kaiserschnitt zur Welt geholt werden. Verschiedene Züchter bevorzugten die Schaffung neuer Rassen wie der Olde English Bulldogge oder der neuen Schweizer Rasse Continental Bulldog, wobei es sich erst aber noch mit der Zeit erweisen muss, welchen Einfluss derartige Vorhaben auf die Gesundheit der neu gezüchteten Tiere haben. Der Britische Kennel Club hat – wie bereits erwähnt – 2009 einen neuen Standard festgelegt, bei dem der Gesundheit der Hunde mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieter Fleig: Kampfhunde I und II. Helga Fleig, Mürlenbach 1981a und 1983, ISBN 3-924008-02-7 und ISBN 3-924008-03-5.
  2. Heinz Müller: Der Bullterrier. Paul Parey, Hamburg / Berlin 1992, ISBN 3-490-42212-0.
  3. Imelda Angehrn: English Bulldog. 1. Auflage, Kynos-Verlag, Mürlenbach 1993, ISBN 3-924008-90-6.
  4. Dieter Fleig: Kampfhunde ... wie sie wirklich sind! Kynos-Verlag, Mürlenbach 1999, ISBN 3-933228-04-2.
  5. Dieter Fleig: Kampfhunde I. Helga Fleig, Mürlenbach 1981, ISBN 3-924008-02-7.
  6. Todd Fenstermacher: American Pit Bull Terrier – heute. Kynos-Verlag, Mürlenbach 1997a, ISBN 3-929545-64-0.
  7. Andrea Steinfeldt: „Kampfhunde“ Geschichte, Einsatz, Haltungsprobleme von „Bull-Rassen“ - Eine Literaturstudie -. (PDF-Datei; 6,2 MB) Dissertation, Hannover 2002, S. 49.
  8. Richard Strebel: Die deutschen Hunde. 2 Bd., E. Ertel, München 1903.
  9. Andrea Steinfeldt: „Kampfhunde“ Geschichte, Einsatz, Haltungsprobleme von „Bull-Rassen“ - Eine Literaturstudie -. (PDF-Datei; 6,2 MB) Dissertation, Hannover 2002, S. 52.
  10. KC Standard 2009
  11. VDH-Vorstand: Zur Situation Englisch Bulldog und Allgemeiner Club für Englische Bulldogs (ACEB) e.V. vom 10. August 2011 mit Begründung des Antrags auf Ausschluss des ACEB
  12. Christoph Jung: Knalleffekt in der Hundezucht - Bulldog-Rasseklub aus deutschem Zuchtverband Ausgeschlossen. In: WUFF das Hundemagazin. 2/2012, S. 24 ff.
  13. Rassestandard Nr. 149 der FCI: Englische Bulldogge (PDF-Dokument)
  14. Standard & Charakteristik Österreichischer Bulldog-Klub

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Englische Bulldogge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien