Englische Kirche (Wiesbaden)

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Die Englische Kirche in Wiesbaden, aufgenommen von der angrenzenden Villa Clementine

Die Englische Kirche (offiziell: Church of St. Augustine of Canterbury, Wiesbaden) ist ein neogotisches Kirchengebäude an der Ecke Frankfurter Straße und Kleine Wilhelmstraße in Wiesbaden, welches 1863 nach Entwürfen des Wiesbadener Oberbaurats Theodor Goetz für die britischen Kurgäste der damaligen Weltkurstadt errichtet wurde. Das rote Backsteingebäude steht direkt neben der Villa Clementine und befindet sich damit in unmittelbarer Nähe zur Parkanlage Warmer Damm und zur 'Wilhelmstraße.

Geschichte[Bearbeiten]

Gegründet, um die geistlichen Bedürfnissen der britischen Kurbevölkerung Wiesbadens zu decken, wurde der Gottesdienstbetrieb in der Kirche während des Ersten Weltkriegs eingestellt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Grundstück, das der Gemeinde 1863 von der Kurhausaktiengesellschaft zur Verfügung gestellt wurde, vom Staat enteignet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs diente das Gebäude der US-militärischen Besatzung als Kapelle, bis das US-Militär 1955 eine neue Kapelle im amerikanischen Wohngebiet Heinerberg eröffnete. Das Grundstück wurde dem Bischof von London übereignet, um fortan als anglikanisches Gotteshaus zu dienen. Da viele der Gemeindemitglieder jedoch nach wie vor aus dem US-Militär kamen, wurde die vormals britische Migrationskirche zunehmend eine Mischform aus der Church of England und die Episcopal Church in the USA. So verwendete sie ab diesem Zeitpunkt das US-amerikanische Book of Common Prayer, und die Berufung des Priesters erfolgte ebenfalls über die Jurisdiktion der Convocation of Episcopal Churches in Europe.

Im Januar 1966 wurde das Gebäude von einem verheerenden Feuer heimgesucht, der durch einen Fehler des Heizsystems verursacht wurde; mit der Versicherungssumme und Spenden der Gemeinde wurde die Kirche jedoch restauriert. Die angelieferte Orgel, die noch nicht eingebaut war, wurde jedoch von der Versicherung nicht gedeckt.

1980, mit der Gründung der Diözese in Europa, die für die vormals dem Bischof von London unterstellten Church of England-Gemeinden auf dem europäischen Kontinent zuständig wurde, hat der Bischof in Europa seine episkopale Zuständigkeit formal seinem US-Kollegen in Paris überlassen, solange die US-Kirche weiterhin für die Betriebskosten aufkommen wollte.

2003 berief die Gemeinde erstmals eine Frau als Pfarrerin, Rev. Martha Hubbard, die vormals in der St.-Mark's-Gemeinde in Penn Yan (New York) im Bistum Rochester tätig war.

Die Gemeinde heute[Bearbeiten]

Als Migrantenkirche mit einer abwechslungsreichen Tradition ist die nationale Zusammensetzung der Gemeinde heute recht vielfältig. So sind 37 % der Gemeindemitglieder US-Amerikaner, 26 % Briten, 20 % Deutsche und 17 % haben andere bzw. mehrere Staatsangehörigkeiten,[1] darunter auch die kanadische, australische, südafrikanische, italienische und nigerianische Staatsangehörigkeit. Dem Kirchenvorstand gehören britische Untertanen, deutsche, österreichische, südafrikanische und US-amerikanische Staatsbürger an.

Am 24. Januar 2014 teilte der Bischof der Convocation of Episcopal Churches in Europe mit, dass die Episkopalgemeinde das Kirchengebäude verlassen müsse und auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten sei. Gemeindepfarrer seit März 2014 ist Rev. Christopher Easthill, Priester der Episkopalkirche mit britischer und deutscher Staatsbürgerschaft. Ebenfalls im Frühjahr 2014 wurde die Entscheidung, das Gebäude verlassen zu müssen, vorerst wieder ausgesetzt, während die finanziellen und baulichen Voraussetzungen für den von den meisten Gemeindegliedern gewünschten Verbleib im angestammten Gebäude geprüft werden.[2]

Neben den sonntäglichen Gottesdienstfeiern (in der Regel Eucharistie) ist in der Gemeinde ein Hauskreis aktiv und finden auch unter der Woche Gottesdienste statt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hilary Norman: The English Church in Wiesbaden: A History. Druckerei Dierks, Taunusstein 2003
  • Stefan Weiller: Wiesbaden Teil der großen Welt. In: Wiesbadener Tagblatt, 8. Mai 2008

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeinderundbrief November 2006, S. 4
  2. Wiesbadener Kurier 18. September 2014, S. 13, "Die Chancen sind wieder gestiegen"

50.088.2461111111111Koordinaten: 50° 4′ 48″ N, 8° 14′ 46″ O