Enneagramm

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Das Enneagramm-Symbol

Das Enneagramm (von altgriechisch ἐννέα, ennea, „neun“, und γράμμα, gramma, „das Geschriebene“[1]) bezeichnet ein neunspitziges esoterisches Symbol, das als grafisches Strukturmodell neun als grundsätzlich angenommene Qualitäten unterscheidet, ordnet und miteinander in Beziehung setzt. Dieser Artikel geht hauptsächlich auf seine aktuelle Anwendung zur Beschreibung verschiedener Persönlichkeitsstrukturen ein.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Wurzeln des Enneagramms sind unbekannt. Manche Vertreter von Lehren, die das Enneagramm verwenden, gehen von einem antiken Ursprung aus, wobei es über den Kulturkreis verschiedene Spekulationen gibt. Vielen Vermutungen zufolge ist das Enneagramm vom Sufismus (islamischer Mystik) überliefert.[2] Es besteht eine Reihe von Parallelen zu den Ansätzen des Enneagramms, etwa die „Hauptlaster“ (Todsünden) der Wüstenväter oder die Entwicklungsstufen bei Evagrius Ponticus, einem christlichen Mystiker des 4. Jahrhunderts. Solche Parallelen können als Vorstufen des Enneagramms betrachtet werden; einen Nachweis, dass es als Typensystem verwendet wurde, gibt es nicht.

Die heutige Form des Enneagramms wurde von Georges I. Gurdjieff entwickelt; er stellte es 1916 zunächst einigen Schülern, insbesondere P. D. Ouspensky, vor. Es ist auch das Jahr der ersten belegten Verwendung des Begriffs „Enneagramm“. Gurdjieff habe das System auf seinen zahlreichen Reisen gefunden oder entwickelt; genauere Quellen können nicht rekonstruiert werden. Es verknüpft im Rahmen der von ihnen vorgestellten Lehre des Vierten Weges das darin dargelegte Oktavgesetz (auch als Gesetz der Sieben bezeichnet) mit dem Gesetz der Drei, der Triade.[3] Hierbei wird das Enneagramm auch als ein prozessorientiertes Werkzeug zur Selbstentwicklung beschrieben, nicht aber als Symbolisierung verschiedener Persönlichkeitstypen.

Die Verwendung als Persönlichkeitsenneagramm wurde erstmals in den 1960er Jahren von Oscar Ichazo eingeführt. In der Anwendung des Enneagramms entwickelten sich drei Richtungen:

  1. Lehre Ichazos (Bezeichnung des Enneagramms als „Enneagon“): Trainings an der Arica School.
  2. Christliche Deutung: Vertreter sind z. B. Pater Richard Rohr, Andreas Ebert (evangelisch), Bob Ochs (jesuitische Tradition). Jesus Christus werden die Stärken aller neun Enneagramm-Typen zugeschrieben, und jeder Typ hat einen bestimmten Weg zu Gott.[4]
  3. Spirituelle und psychologische Richtung: Vertreter sind z.B. Claudio Naranjo, Helen Palmer und Don Richard Riso. Das Enneagramm wird als ein Mittel zu mehr Selbsterkenntnis und persönlichem Wachstum gesehen.

Das Symbol[Bearbeiten]

Geometrie und Numerik[Bearbeiten]

Das Enneagramm-Symbol ist eine in einen Kreis eingeschriebene neuneckige Figur, welche sich aus einem gleichseitigen Dreieck und einer sechseckigen Figur zusammensetzt:[5]

Dabei werden die neun Ecken im Uhrzeigersinn nummeriert, beginnend mit der rechten oberen Ecke der sechseckigen Figur. Die sich somit aus den Linien der sechseckigen Figur ergebende Zahlenfolge weist einen mathematischen Bezug auf: Teilt man eine natürliche Zahl (die selbst kein Vielfaches von 7 ist) durch 7, enthalten die Nachkommastellen stets die periodische Ziffernfolge 142857 (zyklische Zahl der Generatorzahl 7); beginnend mit \tfrac{1}{7} = 0{,}\overline{142857} über \tfrac{6}{7} = 0{,}\overline{857142} bzw. allgemein \tfrac{n}7 für jede natürliche, nicht durch 7 teilbare Zahl n.

Ein weiterer Zusammenhang besteht mit der Produktfolge der Multiplikation natürlicher Zahlen von 1 bis 9 mit der 9, wobei die beiden Ziffern der Produkte jeweils auf der linken und der rechten Seite des Enneagramms stehen, beginnend mit 9·9 = 81 bis 6·9 = 54. Dann vertauschen sich die Ziffern, sodass 5·9 = 45, bis 2·9 = 18 und schließlich oben 1·9 = 9 verbleibt.[6]

Symbolische Deutung[Bearbeiten]

Der figürliche Aufbau des Enneagramms kann folgendermaßen interpretiert werden: Der Kreis steht für die eine umfassende göttliche Natur, auch für die Essenz des Lebens und die Vollkommenheit. Das Dreieck steht für das Nicht-Duale, die Dreifaltigkeit, These/Antithese/Synthese, bzw. Erschaffendes/Vernichtendes/Verbindendes oder Positiv/Negativ/Neutral. Demgegenüber steht das Sechseck für das Nicht-Vollkommene, Chaotische. Es wird aber auch als die Materialisation einer Idee, eines abstrakten Prinzips (arab. wham) beschrieben.

Darüber hinaus können weitere Figuren als Sub-Symbole aus dem Enneagramm abgeleitet werden, mit ihren Entsprechungen. So z. B. das Fünfeck, das aus der Figur des inneren Rands der sechseckigen Figur entsteht, wenn zusätzlich die Ecken Fünf und Vier verbunden werden. Es kann mit den Fünf Elementen assoziiert werden.[7]

Zwischen den Punkten Vier und Fünf ist die größte Entfernung von zwei nebeneinanderliegenden Typen, was den Abstand zwischen dem (männlichen) Kopf- und dem (weiblichen) Herzbereich, die hier aufeinandertreffen, ausdrückt.[8]

Geschichte des Symbols[Bearbeiten]

Das Symbol wurde zwar 1916 von Georges I. Gurdjieff eingeführt, doch gibt es begründete Vermutungen, dass Gurdjieff hierfür von Ramon Llull und Athanasius Kircher beeinflusst wurde.[9] Gurdjieff behauptete, das unregelmäßige Sechseck im Kloster einer Sufi-Bruderschaft im Zusammenhang mit Tempeltänzen entdeckt zu haben.[10]

Gurdjieffs Symbol wurde von verschiedenen Autoren aufgegriffen und zu dem heute bekannten Modell der psychologisch-spirituellen Persönlichkeitstypisierung entwickelt.[11]

Grundlagen des Persönlichkeitsenneagramms[Bearbeiten]

Klassifikation in Typen[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den vier antiken Temperamenten cholerisch, sanguinisch, melancholisch und phlegmatisch wird das Persönlichkeitsenneagramm dazu benutzt, die Menschen in neun als fest angenommene Persönlichkeitstypen einzuteilen. Mischtypen gibt es keine.

Versucht man, den Typ anderer Personen herauszufinden, kann es selbst bei den erfahrensten Enneagramm-Lehrern zu Fehleinschätzungen kommen. Sie basieren meist darauf, dass nur wenige Aspekte eines Menschen beachtet werden und nur auf Verhalten geschaut wird, statt das Gesamtbild inklusive seines Wahrnehmungsstils und Wesens zu betrachten.

Zum Gesamtbild gehören an erster Stelle die Fokussierung der Aufmerksamkeit und die darunter liegende Leidenschaft (Temperament, Motivation). Des Weiteren:

  • das Wertesystem eines Menschen,
  • die daraus folgenden Ansichten und Einstellungen,
  • die dazu führen, dass er bestimmte Prioritäten setzt,
  • was zu bestimmten Verhaltensweisen und
  • einer bestimmten Kommunikationsform und Wortwahl („Keywords“) führt.

Dies spiegelt sich dann natürlich auch äußerlich in Körperbau und -haltung wider. Rückschlüsse darauf bedürfen aber einer komplexeren Analyse (z. B. der Subtypen usw.).

Spirituell-psychologischer bzw. religiöser Rahmen[Bearbeiten]

Das Enneagramm ist nicht als Religion zu verstehen und soll auch nicht als Ersatzreligion oder Glaubensersatz dienen. Es kann aber als Hilfsmittel verwendet werden, um sich etwa der eigenen Schwächen bewusst zu werden; so kann es (im christlichen Kontext) als „Beichtspiegel“ verwendet werden (Dietrich Koller).[12] Das Enneagramm ist ein Symbol der Umkehr (und hat nichts mit modernem Streben nach „Selbstfindung“ zu tun).

Die bedeutendsten heutigen Enneagramm-Autoren unterscheiden ein „falsches“ Selbst bzw. „Ego“ und ein „wahres“ (göttliches) Selbst (Bezeichnung bei Richard Rohr: false self / ego und true self; Don Richard Riso spricht von der Persönlichkeit als dem „eingefahrenen“ Ego-Muster (ego fixation), welches die Person von dem wahren Wesen („Essenz“) trennt). Der Weg dorthin wird „Transformation“ genannt.

Typentests[Bearbeiten]

Riso und Hudson entwickelten seit den 1990er Jahren eine Reihe mehr oder weniger umfangreicher Tests, die den Enneagrammtyp ermitteln sollen; die volle Version ist der Riso–Hudson Enneagram Type Indicator (RHETI), dessen aktuelle Version aus 144 Entscheidungsfragen besteht.[13] Der Test wird damit angepriesen, dass seine Zuverlässigkeit wissenschaftlich und unabhängig nachgewiesen worden sei.[14]

Im Internet kursieren eine Vielzahl von Enneagrammtypentests.[15]

Übersicht der neun Typen[Bearbeiten]

Die moderne Enneagrammlehre besagt, dass jeder Mensch zu genau einer dieser neun Beschreibungen passt, und dass dieser Grundton der Persönlichkeit sich im Lauf eines Lebens nicht ändert. Die Lehre besagt jedoch auch, dass das Enneagramm niemals die biografische Einzigartigkeit eines Menschen erfassen kann, sondern lediglich die Enneagrammstruktur.

Die meisten Autoren ziehen es vor, die Typen entsprechend ihrer Nummer („Einsen“, „Zweien“ etc.) zu bezeichnen, da Zahlen wertneutral sind. Es gibt aber auch verschiedene und damit uneinheitliche Namen für die Typen.

Diese Tabelle bedarf einer Überarbeitung: Erweitern und dabei belegen. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Typ Namen Selbst-
verständnis
positiv negativ Versuchung
(„Todsünde“)
1 Perfektionist / Idealist / Reformer / Ordnungshüter Recht haben zuverlässig dogmatisch Zorn / Groll (Verbitterung)
2 Helfer / Geber helfen empathisch instabil Stolz (Überheblichkeit)
3 Erfolgsorientierte / Macher / Dynamiker erfolgreich (der Beste) sein dynamisch statusversessen Täuschung/Lüge/Betrug (Eitelkeit)
4 (Tragischer) Romantiker / Künstler / Individualist / Extravagante anders sein sensibel launisch Neid
5 Beobachter / Denker / Forscher durchblicken objektiv snobistisch Geiz (Habsucht)
6 Ängstliche / Wächter / Skeptische / Loyale / Advokat des Teufels Pflicht erfüllen ehrlich überkritisch Furcht (Ängstlichkeit)
7 Hedonist / Genießer / Optimist / Fröhliche / Lustige / Epikureer / Enthusiast glücklich sein Leichtigkeit des Seins narzisstisch Gier (Maßlosigkeit)
8 Boss / Herausforderer / Führer / Anführer stark sein selbstbewusst machtbesessen Wollust (Schamlosigkeit)
9 Friedliebende / Vermittler / Friedensstifter zufrieden sein gelassen phlegmatisch Trägheit (Bequemlichkeit)

Tiefendimensionen[Bearbeiten]

Triaden[Bearbeiten]

Das Enneagramm und die Triaden

Nach der enneagrammatischen Persönlichkeitstypologie verfügt jeder Mensch über drei Intelligenzzentren: Kopf (Verstand/Ratio), Herz (Emotionen) und Bauch (Instinkt).

Bei jedem Menschen dominiert eines der drei Intelligenzzentren. Dies führt zu einer Einteilung in drei Bereiche, die jeweils drei im Enneagramm nebeneinanderliegende Typen umfasst:

  • Bauch-Typen (Instinkttriade): 8, 9 und 1,
  • Herz-Typen (Gefühlstriade): 2, 3 und 4,
  • Kopf-Typen (Denktriade): 5, 6 und 7.

Die mittleren Typen der Triaden sind durch das gleichseitige Dreieck verbunden.

Die Triaden beschreiben, wie bzw. auf welcher Ebene ein Typ die Welt in besonderem Maße wahrnimmt und dadurch auch, wie er empfindet und handelt. Gleichzeitig wird dadurch das Grundprinzip des Egos dargestellt.

Eine Übersicht über die Triaden und ihre dominierenden Körperbereiche sowie Lebensthemen:

Triade Fixierung dominierende Körperregionen/-funktionen[16] Organe[16] zentrale Lebensthemen[16] Charakter[17]
Typen
8, 9, 1
instinktiv Verdauungstrakt, Sonnengeflecht (kinästetisch/haptisch) Nase, Ohr Macht, Gerechtigkeit, Aggression rigide bzw. anti-intrazeptiv (das ist das Gegenteil von Innerlichkeit oder Interesse an dem, was im Geist vorgeht)
Typen
2, 3, 4
emotional Herz/Kreislaufsystem Tastsinn, Geschmack Beziehungen, Für-Sein, Prestige/Image hysteroid (verführerische Art, großes Ausdrucksvermögen, theatralisches Auftreten)
Typen
5, 6, 7
gedanklich Gehirn, Zentralnervensystem Augen Kontrolle, Verstehen, Ordnung schizoid (seelisch gespalten)

Flügel[Bearbeiten]

Ein Typ weist meist auch Eigenschaften eines seiner beiden direkten Nachbarn auf, beispielsweise könnte die 4 auch Eigenschaften der 3 oder der 5 haben. Meist überwiegt der Einfluss einer der Nachbarn; dieser wird dann als Flügel (engl. wing) bezeichnet. Es gibt also z. B. eine 4 mit 3er-Flügel oder eine 4 mit 5er-Flügel oder eine 5 mit 4er-Flügel etc.

Instinktvarianten/Subtypen[Bearbeiten]

Jeder Typ differenziert zudem noch in drei Instinkt-Varianten (Sub-Typen), den sozialen (oder geselligen) Untertyp, den sexuellen Untertyp oder den selbsterhaltenden Untertyp.

Entwicklungslinien (Pfeile)[Bearbeiten]

In dem Enneagramm-Symbol hat jede Zahl zwei Verbindungslininen. Diese sind genauer gesagt Pfeile, wobei von jedem Typ ein Pfeil hinführt, die für eine »schlechte« Entwicklung des Typs hinweist (bezeichnet als Desintegration, Devolution, Stresspunkt oder „falscher Trost“) und einer weiterführt, was die Entwicklungslinie des Typs darstellt (bezeichnet als Integration, Evolution, Relaxpunkt oder „echter Trost“).

Entwicklungsstufen[Bearbeiten]

Jeder Typ umfasst mehr oder weniger ausgereifte Bereiche (Entwicklungsstufen), die sich dreifach unterteilen lassen:

  • ungesunder/unerlöster/dysfunktionaler Bereich,
  • mittlerer/normaler/durchschnittlicher Bereich und
  • reifer/erlöster/gesunder Bereich.

Als Parallele werden auch in der christlichen Mystik drei Stufen spirituellen Wachstums beschrieben, etwa bei Euagrios Pontikos. Don Richard Riso hat neun Entwicklungsstufen (Levels) gefunden, nämlich je drei für die drei Bereiche.[18]

Horney-Gruppen[Bearbeiten]

Horney’sche Gruppen

Nach der Psychoanalytikerin Karen Horney (1885–1952) gibt es drei Möglichkeiten, wie man spontan auf eine Situation reagieren kann: durch aggressives Tun (Hinwendung), durch gefügige Anpassung (Zuwendung) oder durch entziehenden Rückzug (Abwendung). Jeder Enneagrammtyp neige nun zu einer dieser drei Haltungen; wenn man gleiche verbindet, entstehen drei gleichschenklige Dreiecke:

  • Hinwendung (aggressives Tun), in der Abbildung rechts rot:
    • Typ 3: sorgt für das Erreichen der Ziele
    • Typ 7: sorgt dafür, sich nach dem Plan (der Vision) auszurichten
    • Typ 8: sorgt für das „Anpacken“
  • Zuwendung (gefügige Anpassung), in der Abbildung rechts grün:
    • Typ 1: wirkt ein, damit es „richtig“ und korrekt getan wird
    • Typ 2: wirkt ein, um andere zu fördern bzw. helfend für andere zu sorgen
    • Typ 6: wirkt ein, um die allgemeinen Bedürfnisse zu befriedigen
  • Abwendung (entziehender Rückzug), in der Abbildung rechts blau:
    • Typ 4: geht einen Schritt zurück, um kreativ nach neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten
    • Typ 5: geht einen Schritt zurück, um die Situation und Alternativen zu analysieren
    • Typ 9: geht einen Schritt zurück, um zugunsten einer gemeinsamen Richtung (Konsens) zu vermitteln

Polarität[Bearbeiten]

Claudio Naranjo unterschied als Erster folgende Polaritäten innerhalb des Enneagramms:[19]

  • Die Typen der rechten Seite (Typen 1 bis 4) seien „sozialer und sozialisierter“ und neigen zu „hysterischem Verhalten“ (Verführung; weiblicher Pol), während die linke Seite (Typen 5 bis 8) „eher antisozial“ sei und zu „psychopathischem Verhalten“ (Rebellion; männlicher Pol) neige.
  • Ebenso besteht eine Polarität zwischen dem oberen und dem unteren Teil des Enneagramms bezogen auf den „Intrazeptions- bzw. Innerlichkeitsgrad“ zwischen „Heftigkeit (tough-mindedness)“ (oben) und „Sensibilität (tender-mindedness)“ (unten): Im unteren Teil finde man die „Armen im Geiste“ (Vier und Fünf), die sich ihres Mangels bewusst sind und am intensivsten suchen, während die Typen am oberen Gegenpol „sich für ihre inneren Verletzungen unempfindlich gemacht haben“, sodass sie sich zufrieden fühlen.

Bezug zur Vier-Elemente-Lehre[Bearbeiten]

Enneagramm mit Elementen
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Die Elemente der antiken Vier-Elemente-Lehre können in Beziehung zum Enneagramm gesetzt werden: Feuer unten, Wasser oben, Luft links und Erde rechts.

Kritische Sichtweisen[Bearbeiten]

Die katholische Kirche sieht in der Charakteranalyse ein Beispiel für den Gnostizismus, der „in dezidiertem oder gar erklärtem Widerspruch zu allem [steht], was zum Wesen des Christlichen gehört“. Der Gebrauch der Charakteranalyse führt demnach zu „eine[r] Vieldeutigkeit in Lehre und Leben des christlichen Glaubens“,[20] wie es in einem vatikanischen Dokument über „New Age“ heißt. Die Kleriker, die es vertreten, wurden bisher zwar nicht sanktioniert, ihre Auffassungen werden aber als „abwegig“ bezeichnet.[21] Vor allem unter Ordensleuten, insbesondere in den USA, wird das Enneagramm kontrovers diskutiert.[22] Die US-amerikanische Bischofskonferenz warnt vor der Lehre, ohne ein Verbot aktiv umzusetzen.[23] Dennoch wird es auch von christlichen Amtsträgern, oft ökumenisch, benutzt oder gelehrt.[24]

Seit 1989 gibt es in Deutschland einen ökumenischen Arbeitskreis Enneagramm, der Tagungen und Ausbildungen zum Enneagrammtrainer durchführt und inzwischen über 500 Mitglieder hat.[25][26]

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen äußerte sich 2006 kritisch,[27] während eine Stellungnahme von 2013 zwar Probleme und Fehlinterpretationen benennt, aber dem Enneagramm dennoch einen positiven Wert in der Seelsorge einräumt.[28]

Von biblisch-fundamentalistischen und teilweise von evangelikalen Gruppen wird das Enneagramm als „okkulte“, „unbiblische“ Erlösungslehre verurteilt. Evangelikale wie Peter Scazzero erachten es als hilfreiches Werkzeug für eine ausgewogene Persönlichkeitsentwicklung.[29][30]

Literatur[Bearbeiten]

Englisch[Bearbeiten]

  • John G. Bennett: The Enneagram. Coombe Springs Press, Sherborne 1974, ISBN 0-900306-17-3.
  • John G. Bennett: Enneagram Studies. Weiser, York Beach 1983, ISBN 0-87728-544-6.
  • Maurice Nicholl: Psychological Commentaries on the teachings of Gurdjieff and Ouspensky. Vincent Stuart, London 1952.
  • P. D. Ouspensky: In Search of the Miraculous. Harcourt, Brace and Company, New York 1949, S. 278–98, 376–378.
  • William Patrick Patterson: Taking With the Left Hand: Enneagram Craze. Arete, Fairfax 1998, ISBN 1-879514-10-9.
  • Irmis B. Popoff: The Enneagramma of the Man of Unity. Weiser, New York 1978, ISBN 0-87728-399-0.
  • James Webb: The harmonious circle. The Lives and Work of G. I. Gurfjieff, P. D. Ouspensky, and Their Followers. Putnam, New York 1980, S. 499–542.

Deutsch[Bearbeiten]

  • Franz-Josef Hücker: Das Enneagramm - Selbsterkenntnis auf brüchigem Fundament. In: Wege zum Menschen. Vol. 65, Nr. 4, 2013 (Vandenhoeck & Ruprecht), S. 346-353.
  • Johannes Bartels: Mitten in die Seele hinein. Das Enneagramm im Kontext religiöser Erwachsenenbildung. Dissertation an der Universität Münster 2003. Lit, Münster 2005, ISBN 3-8258-7282-3.
  • Anthony Blake: Das intelligente Enneagramm. Gurdjieffs Instrument der Wahrnehmung. Martin, Südergellersen 1993, ISBN 3-921786-77-0.
  • Maria-Anne Gallen, Hans Neidhardt: Das Enneagramm unserer Beziehungen. Verwicklungen, Wechselwirkungen, Entwicklungen. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1994, ISBN 978-3-499-19616-4.
  • Eli Jaxon-Bear: Die neun Zahlen des Lebens. Knaur, München 1989, ISBN 3-426-26405-6.
  • Eli Jaxon-Bear: Das spirituelle Enneagramm. Neun Pfade der Befreiung. Goldmann, München 2003, ISBN 3-442-21650-8.
  • Pamela Michaelis, Ingrid Meyer-Klemm: Ich bin anders − Du auch? Sich selbst und andere neu entdecken. Das Enneagramm in der mündlichen Tradition. BoD, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8334-7492-7.
  • Helen Palmer: Das Enneagramm. Sich selbst und andere verstehen lernen. Knaur, München 1991. Neuausgabe 2000, ISBN 3-426-87094-0.
  • Wilfried Reifarth: Das Enneagramm. Idee – Dynamik – Dimension. Ein Lernbuch. Kohlhammer, Stuttgart 1997. 2. Auflage: Lambertus, Freiburg 2008, ISBN 978-3-7841-1907-6.
  • Wilfried Reifarth: Wie anders ist der Andere? Enneagrammatische Einsichten. Lambertus, Freiburg 2009, ISBN 978-3-7841-1906-9.
  • Don Richard Riso: Die neun Typen der Persönlichkeit und das Enneagramm. Knaur, München 1989, ISBN 3-426-04213-4.
  • Richard Rohr, Andreas Ebert: Das Enneagramm. Die 9 Gesichter der Seele. Claudius, München 1989; Neuausgabe 2009, ISBN 978-3-532-62395-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Enneagramme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Enneagramm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Rohr, Andreas Ebert: Das Enneagramm. Die 9 Gesichter der Seele. Claudius, München 27. Aufl. 1995, S. 22
  2. Ingrid und Kurt Bauer: Enneagramm. Stufen zur Vollkommenheit Urania Verlags AG 1994
  3. P. D. Ouspensky: Auf der Suche nach dem Wunderbaren, Scherz Verlag & O. W. Barth Verlag u. a., 1966 ff.
  4. Richard Rohr: Enneagram II. Advancing Spiritual Discernment. Crossroad, First Edition 1995 / 21998.
  5. Ouspensky 1949: 278-298, 376-378
  6. S. Karppe: Etudes sur les origines de la nature de Zohar. Paris 1901
  7. Ingrid und Kurt Bauer: Enneagramm. Stufen zur Vollkommenheit. Urania Verlags AG 1994.
  8. Richard Rohr: Enneagram II. Advancing Spiritual Discernment. Crossroad, (First Edition 1995) 21998, S. 155f.
  9. Webb 1980: 499-542, Bartels 2005: 60-71
  10. Der nach Gurdjieffs gleichnamiger Autobiographie gedrehte Film Meetings With Remarkable Men (1979, bei YouTube zu finden) deutet darauf hin, dass es sich um das unregelmäßige Sechseck und nicht um das gesamte Symbol handelt. Dieser Film stellt insofern eine seriöse Quelle dar, weil Jeanne de Salzmann mitverantwortlich für den Inhalt des Filmes ist. Jeanne de Salzmann war 30 Jahre bis zum Tode Gurdjieffs nicht nur seine Schülerin, sondern auch seine Mit-Choreografin für die movements (heilige Tänze).
  11. vgl. Bartels 2005: 6-99
  12. Dietrich Koller: „Die Reue, die keinen gereut“. Nachwort in Rohr/Ebert: Das Enneagramm. Die 9 Gesichter der Seele.
  13. Enneagram Institute: RHETI
  14. Enneagram Institute: The RHETI (Version 2.5) has been Scientifically Validated
  15. Beispielsweise [1], [2].
  16. a b c Rohr/Ebert: Das Enneagramm. 25. Auflage 1995, S. 40–43 [Triaden].
  17. Claudio Naranjo: Das Enneagramm der Gesellschaft. Die Übel der Welt, das Übel der Seele. Aus dem Spanischen von Gerhard Strässer und Regula Dell’Anno-Doppler. Verlag Via Nova, Petersburg 1988. S. 28 [Symmetrie und Polarität im Enneagramm] und 142 [Anhang].
  18. Beschrieben in Riso/Hudson: Die Weisheit des Enneagramms.
  19. Claudio Naranjo: Das Enneagramm der Gesellschaft. Die Übel der Welt, das Übel der Seele. Aus dem Spanischen von Gerhard Strässer und Regula Dell’Anno-Doppler. Verlag Via Nova, Petersburg 1988. Kapitel Symmetrie und Polarität im Enneagramm. S. 28ff. Zur Unterscheidung von männlich/weiblich siehe ders., Erkenne Dich selbst im Enneagramm. Die 9 Typen der Persönlichkeit. Kösel, München 1994, S. 43.
  20. Päpstlicher Rat für die Kultur, Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog: Jesus Christus, der Spender lebendigen Wassers. Überlegungen zu New Age aus christlicher Sicht (2003). Englische Fassung auf vatican.va; inoffizielle deutsche Übersetzung auf kath.ch (Abgerufen am 14. Januar 2012.; PDF; 334 kB)
  21. Enneagramm statt Kreuz – Esoterisch-okkulte Abwege katholischer Ordensleute (2012) auf katholisches.info
  22. Heiliger Kreis? – Enneagramm in USA. http://enneagramm.eu/Artikel/73/heiliger-kreis-enneagramm-in-usa
  23. Anna Abbott: A Dangerous Practice. Catholic interest in the Enneagram persists. The Catholic World Report (January 31, 2012) online (listet Vertreter beider Seiten)
  24. An bekanntester Stelle steht Pater Richard Rohr OFM. Pater Anselm Grün OSB wird in dessen Standardwerk mit einer positiven Stellungnahme zitiert (s. bspw. [3]). Auch Alois Glück, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, hat sich positiv geäußert, weil er das Enneagramm selber anwendet und nutzt [4]. Das Bistum Augsburg wirbt offiziell für einen eigenen „Enneagramm-Arbeitskreis für Männer (EAM)“: [5], vgl. beim Bistum Fulda.
  25. http://enneagramm.eu/
  26. http://www.christundwelt.de/themen/uebersicht/artikel/die-neummalklugen/
  27. Zur Deutungsvielfalt des Enneagramms. Im Materialdienst-Einzelheft 9/2006: http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_berichte_zur_deutungsvielfalt_des_enneagramms.php
  28. Zur Deutungsvielfalt des Enneagramms. Im Materialdienst-Einzelheft 5/2013: http://www.ekd.de/ezw/Lexikon_2937.php
  29. bibel-glaube.de = bible-only.org; vgl. z. B. alexanderseibel.de
  30. http://distomos.blogspot.ch/2012/01/peter-scazzero-und-das-enneagram.html