Ennetbaden

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Ennetbaden
Wappen von Ennetbaden
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Badenw
BFS-Nr.: 4026i1f3f4
Postleitzahl: 5408
Koordinaten: 666180 / 25939047.4819448.316673360Koordinaten: 47° 28′ 55″ N, 8° 19′ 0″ O; CH1903: 666180 / 259390
Höhe: 360 m ü. M.
Fläche: 2.11 km²
Einwohner: 3272 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 1551 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 22,6 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.ennetbaden.ch
Ennetbaden, Ansicht von Norden

Ennetbaden, Ansicht von Norden

Karte
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Ennetbaden (schweizerdeutsch: ˈænːəˌpɑːdə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden des Schweizer Kantons Aargau. Sie befindet sich, wie der Name andeutet, gegenüber der Stadt Baden am rechten Ufer der Limmat. Ennetbaden war früher ein Teil Badens, ist aber seit 1819 eine eigenständige Gemeinde.

Geographie[Bearbeiten]

Ennetbaden, Ansicht von Westen

Ennetbaden besitzt auf allen Seiten natürliche Grenzen. Das Dorf liegt in einem rund eineinhalb Kilometer langen, muldenförmigen Seitental der Limmat zwischen dem Geissberg (586 m ü. M.) im Norden sowie der Lägern und der Klus von Baden im Süden. Die Lägern ist der nordöstlichste Ausläufer des Faltenjuras, während der Geissberg zum Tafeljura gerechnet wird. Die Limmat bildet die westliche, der Höhtal-Sattel die östliche Grenze der Gemeinde. Die Bebauung konzentriert sich auf den Uferbereich an der Limmat sowie auf den sonnigen Geissberg-Südhang.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 211 Hektaren, davon sind 88 Hektaren bewaldet und 78 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf dem Lägerngrat auf 757 Metern, der tiefste auf 360 Metern an der Limmat.

Nachbargemeinden sind Freienwil im Norden, Ehrendingen im Osten, Wettingen im Süden, Baden im Westen und Obersiggenthal im Nordwesten. Baden, Ennetbaden, Obersiggenthal und Wettingen bilden einen zusammenhängenden Siedlungsraum.

Geschichte[Bearbeiten]

Grabungen im Jahr 2008 ergaben, dass die Römer um 120 n. Chr. auf den Brandruinen eines 80 Jahre zuvor entstandenen Handwerkerquartiers, das zur Siedlung Aquae Helveticae (Baden) auf der anderen Flussseite gehörte, einen repräsentativen Terrassenbau errichteten. Dieser war ungewöhnlich luxuriös mit Freskenmalereien, Mosaiken, marmorverkleideten Wänden und Fussbodenheizungen ausgestattet; auch Teile des Mobiliars blieben erhalten. Das Gebäude wurde um 270 nach Überfällen der Alamannen aufgegeben. Bei den Grabungen kam ausserdem ein Friedhof aus dem 7. Jahrhundert zum Vorschein.[5]

Die erste urkundliche Erwähnung von Alio Badin erfolgte im Jahr 1150, die Form Ennentbaden erscheint erstmals 1410. Der Ortsname geht auf eine alamannische Übersetzung von Aquae Helveticae zurück (ze badun, «bei den Bädern»), die differenzierende Präposition kann «jenseits von Baden» oder «das jenseits (der Limmat) gelegene Baden» bedeuten.[3] Die Siedlung war ein integraler Bestandteil der Stadt Baden, doch nur die Inhaber der «Kleinen Bäder» am Limmatufer besassen das Bürgerrecht. Die übrigen Bewohner waren Hintersassen, die dem Kloster St. Blasien zehntpflichtig waren. Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 gehörte Ennetbaden zur Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft. Die Steuerpflicht verlagerte sich zunehmend vom Kloster zur Stadt, ohne dass den Ennetbadenern die gleichen Rechte zugestanden wurden. Nur in landwirtschaftlichen Angelegenheiten handelten sie über die «Gerechtigkeitsgenossenschaft» eigenständig.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Die Ennetbadener entsandten nun einen Vertreter in den Stadtrat, der aber nur eingeschränktes Mitbestimmungsrecht hatte, so dass es häufig zu Spannungen kam. Baden empfand Ennetbaden als lästiges Anhängsel, während Ennetbaden sich vom grösseren Nachbarn ausgegrenzt fühlte. Als die Ennetbadener die Zahlung der Polizeisteuer verweigerten, stellte der Stadtrat im Januar 1817 beim Kanton den Antrag, den Stadtteil abzutrennen und daraus eine eigenständige Gemeinde zu bilden. Nach langen Verhandlungen erliess die Kantonsregierung ein entsprechendes Dekret, das nach der Zustimmung des Grossen Rates am 22. Dezember 1819 in Kraft trat.[6] Nach der Gründung der BBC in Baden Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Ennetbaden zu einem bevorzugten Wohngebiet. Der Kurbetrieb kam nach dem Zweiten Weltkrieg zum Erliegen.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb schwarzer Schildhauptpfahl.» Nach der Trennung von Baden führte Ennetbaden das Stadtwappen unverändert weiter. Erst 1942 wurde ein eigenes Wappen eingeführt. Die Form behielt man bei, lediglich die Farben änderten sich. Die gelbe Farbe ist eine Anspielung auf die Goldwand, den Ennetbadener Rebberg.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hotel Schwanen

Das am rechten Ufer der Limmat gelegene Ennetbaden ist durch die Schiefe Brücke und den Mercier-Fussgängersteg mit dem Badener Bäderquartier verbunden. Die sich am Flussufer entlang ziehende Häuserzeile ist halb ländlich und halb städtisch geprägt. Gut erhalten ist das Hotel «Schwanen», während andere Gebäude sichtbare Spuren des Verfalls aufweisen. Im Gange sind umfassende Renovationsarbeiten.

In Flussnähe befindet sich das «Schlössli», ein herrschaftliches Anwesen. Dessen Baujahr ist nicht bekannt, doch dürfte es vor 1543 entstanden sein und diente als Landsitz vornehmer Badener Bürger. Im Jahr 1800 liess der damalige Besitzer das Gebäude vollständig im spätbarocken Stil neu erbauen. Von der alten Bausubstanz blieb nur der runde Treppenturm an der Nordseite erhalten, der um ein Stockwerk erhöht und mit einer Zwiebelhaube versehen wurde.[8]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[9]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 451 997 2223 2566 2963 3257 2702 2966 3019 3026

Am 31. Dezember 2013 lebten 3272 Menschen in Ennetbaden, der Ausländeranteil betrug 22,6 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 40,7 % römisch-katholisch und 32,5 % reformiert; 6,7 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[10] 83,8 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,4 % Französisch, 2,2 % Italienisch, 1,8 % Serbokroatisch, je 1,7 % Englisch und Portugiesisch, 1,3 % Albanisch, 1,1 % Türkisch.[11]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Ennetbaden gehört zum Friedensrichterkreis Baden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Ennetbaden gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 540 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 5 % in der Industrie und 90 % im Dienstleistungssektor.[12] Das Dorf ist wegen seiner sonnigen Hanglage vor allem eine Wohngemeinde. Es gibt keine Grossunternehmen, hingegen zahlreiche kleine Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Die grosse Mehrheit der Erwerbstätigen arbeitet in den benachbarten Orten Baden und Wettingen. Am Südhang des Geissbergs, der so genannten Goldwand, wird Weinbau betrieben.

Verkehr[Bearbeiten]

Blick auf die Schiefe Brücke

Der Bahnhof Baden befindet sich wenige Gehminuten entfernt und kann mittels eines Fussgängerstegs über die Limmat erreicht werden. Ennetbaden wird von zwei Buslinien der RVBW bedient sowie von drei Postautolinien, die von Baden aus nach Kaiserstuhl, Tegerfelden und Döttingen verkehren.

Im 20. Jahrhundert war Ennetbaden stark vom Durchgangsverkehr betroffen, da sich ein grosser Teil des Verkehrs aus Norden, aus dem westlichen Limmat- und dem Aaretal über die 1874 erbaute Schiefe Brücke nach Baden bewegte. 2002 gab es eine gewisse Entlastung durch den Bau der Siggenthaler Brücke. 2007 wurde schliesslich der Goldwandtunnel dem Verkehr übergeben, der die Kern- und Bäderzone vom Durchgangsverkehr entlang der Limmat befreit. Gleichzeitig wurde die Schiefe Brücke für den Privatverkehr gesperrt, was sowohl für Ennetbaden als auch für das Badener Bäderquartier eine weitgehende Entlastung vom Verkehrslärm mit sich bringt.

Bildung[Bearbeiten]

Aufgrund der unmittelbaren Nähe zu Baden gibt es in Ennetbaden lediglich eine Primarschule. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können in Baden besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in ebenfalls Baden sowie in Wettingen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Hoegger: Der Bezirk Baden I. Baden, Ennetbaden und die oberen Reusstalgemeinden. In Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Aargau VI. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1976 (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 63). ISBN 978-3-7643-0782-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ennetbaden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 144–145.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo
  5. Luxuriöses Bad aus der Römerzeit freigelegt. Neue Zürcher Zeitung, 9. Dezember 2008, abgerufen am 20. Januar 2010.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatUrs Tremp: Szenen einer Ehe. In: Ennetbadener Post, Nr. 2/2008. Einwohnergemeinde Ennetbaden, Mai 2008, S. 10–13, abgerufen am 20. Januar 2010 (PDF).
  7.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 151.
  8.  Peter Hoegger, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band VI: Bezirk Baden I, Birkhäuser Verlag, Basel 1976, ISBN 3-7643-0782-X, S. 348–359.
  9. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  12. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.