Ennio Morricone

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ennio Morricone (2012)
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
Spiel mir das Lied vom Tod (Jill's Theme)
  DE 14 15.12.1970 (30 Wo.)
Mein Name ist Nobody
  DE 44 04.03.1974 (1 Wo.)
Chi Mai
  DE 23 15.03.1982 (15 Wo.)
[1]

Ennio Morricone (* 10. November 1928 in Trastevere, Rom) ist ein italienischer Komponist und Dirigent. Er hat auch unter den Pseudonymen Dan Savio und Leo Nichols gearbeitet und komponierte die Filmmusik von über 500 Filmen. Sein Name wird vornehmlich mit dem Filmgenre des Italo-Western in Verbindung gebracht, obwohl er „nur“ für etwa 30 solcher Filme die Filmmusik geschrieben hat.

Besondere Bekanntheit erlangten seine Filmmusiken zum Italowestern-Klassiker Zwei glorreiche Halunken (Original: Il buono, il brutto, il cattivo), zum Western-Epos Spiel mir das Lied vom Tod, zu Roland Joffés Drama Mission und für Giuseppe Tornatores Film Cinema Paradiso. 2007 erhielt Morricone den Oscar für sein Lebenswerk.

Leben[Bearbeiten]

Morricone studierte im Konservatorium von Santa Cecilia Trompete und Chormusik und erhielt 1946 sein Konzertdiplom als Trompeter. Ein Jahr später folgte ein erstes Engagement als Theaterkomponist. 1953 begann er mit der Gestaltung des Abendprogramms eines italienischen Rundfunksenders. Für seine Ausbildung als Komponist am Konservatorium, die er 1954 mit einem Diplom abschloss, zeichnete Goffredo Petrassi verantwortlich. 1956 heiratete er Maria Travia. Er etablierte sich ab Mitte der 50er Jahre mit Kammermusik- und Orchesterwerken in der musikalischen Avantgarde seines Landes. 1958 unterschrieb Morricone einen Arbeitsvertrag als Musikassistent bei der staatlichen Rundfunkanstalt Radiotelevisione Italiana, wo er als Arrangeur tätig war. Auch für zahlreiche Schallplattenaufnahmen im Genre Pop (beispielsweise für Gino Paoli) schrieb er Arrangements und leitete Band und Orchester.

Morricone komponierte 1961 seine erste Filmmusik für Luciano Salces Il Federale, doch ließ der internationale Erfolg noch einige Jahre auf sich warten. 1964 begann er seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Sergio Leone (die beiden gingen zusammen in dieselbe Schulklasse) und Bernardo Bertolucci. In dieser Zeit schrieb er unter anderem die Musik für Leones Filme Für eine Handvoll Dollar, Zwei glorreiche Halunken und Spiel mir das Lied vom Tod. Morricones Kompositionen unterschieden sich stark von den traditionellen symphonischen Western-Soundtracks aus Hollywood und wirkten durch ihre ungewöhnlichen Soundelemente (Maultrommeln, Pfiffe, Kojotengeheul, Eulenrufe, Glocken, Spieluhren, Peitschenknallen, Schläge auf Amboss etc.) stilbildend und innovativ. Mit einigen seiner Kompositionen konnte der Komponist sogar Hitparadenerfolge verbuchen. Im Genre des Italo-Westerns orientierten sich zahlreiche Komponisten an dem von Morricone entwickelten Stil.

Seit Mitte der 1990er Jahre komponierte Morricone in jedem Jahr die Filmmusik für etwa 15 Filme. Außerdem spielte er von 1964 bis in die siebziger Jahre im von Franco Evangelisti initiierten Improvisationsensemble Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza. Zusammen mit anderen Komponisten gründete Morricone 1984 in Rom das I.R.TE.M, eine Forschungsanstalt für musikalisches Theater.

In mehr als vierzig Jahren künstlerischen Schaffens schrieb Morricone über 500 Filmmusiken und arbeitete dabei mit namhaften italienischen und internationalen Regisseuren zusammen. Er dirigierte eine große Anzahl von Orchestern, wobei er für zahlreiche Konzerte sowie Filmmusikaufnahmen mit dem Roma Sinfonietta Orchestra zusammenarbeitete. Mit diesem Ensemble gab Morricone am 2. Februar 2007 auch ein Ehrenkonzert zum Amtsantritt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon.

Neben Film- und Bühnenmusik hat er aber auch weiterhin Kammermusiken für Solisten (Gitarre, Klavier, Violine, Cello) und diversen Formationen (Trio, Quintett, Sextett, Piano und Instrumente, Gesang und Instrumente, Chöre, etc.) sowie Kantaten geschrieben:

  • Ut (1992)
  • Cantata per I’Europa (1988)
  • Cantata Frammenti di Eros (1985)
  • Gestazione (1980)
  • Requiem per un Destino (1966)
  • Sestetto (1955)

Sein Sohn Andrea Morricone ist ebenfalls Komponist. Beide komponierten für Cinema Paradiso.

Werk[Bearbeiten]

Ennio Morricone bei den 66. Filmfestspielen von Venedig 2009

Morricone trug mit seiner Musik wesentlich zum Welterfolg der Leone-Western bei,[2] die heute Kultfilme sind, wie zum Beispiel Spiel mir das Lied vom Tod. Leone bekannte einmal, dass Morricone für ihn mehr ein Drehbuchautor sei als ein Komponist, denn durch die Musik könne er etwas mitteilen, was er sonst hätte zeigen müssen.[2] Und vom Komponisten ist überliefert:

„Filmmusik braucht Raum, um sich entfalten zu können. Der Film muss der Musik Zeit geben, um sich zu entwickeln.“

Ennio Morricone[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscars (Academy Awards)
Golden Globes
Goldene Himbeere
  • 1983: nominiert für Butterfly (Schlechtester Song) It's Wrong For Me To Love You (zusammen mit Carol Connors)
  • 1983: nominiert für Butterfly (Schlechteste Filmmusik)
  • 1983: nominiert für Das Ding aus einer anderen Welt (Schlechteste Filmmusik)
BAFTA Award
David di Donatello
Grammy
ASCAP Award
Weitere Auszeichnungen
  • Er erhielt neunmal den Preis der Italian National Syndicate of Film Journalists.
  • 1988 konnte er den Preis fürs Lebenswerk der London Critics Circle Film Awards entgegennehmen.
  • 1989 folgte der Preis fürs sein Lebenswerk vom Locarno Film Festival.
  • 1994 wurde Morricone vom ASCAP Film and Television Music Awards für sein Lebenswerk geehrt.
  • 1995 erhielt er den Goldenen Löwen für sein Gesamtschaffen der Internationale Filmfestspiele von Venedig
  • 1999 erhielt er den Erich-Wolfgang-Korngold-Preis
  • 1999 bekam er den Europäischen Filmpreis für sein Lebenswerk
  • 2000 konnte er den Preis für sein herausragendes Lebenswerk von der renommierten Kritikervereinigung National Board of Review entgegennehmen.
  • 2001 bekam er den begehrten Preis der Los Angeles Film Critics Association für sein herausragendes Lebenswerk.
  • 2002 gewann er den Kunstpreis des Taormina Festivals.
  • Seine Filmmusik zu Mission schaffte es auf Rang 23 in der vom American Film Institute entworfenen Liste der 25 größten Filmmusiken aus 100 Jahren.
  • Am 18. November 2003 wurde Morricone zum Ehrensenator der Musikhochschule München ernannt. Die Laudatio wurde von Enjott Schneider gehalten.[3]
  • 2010 erhielt Morricone den schwedischen Polar Music Prize.[4]
  • 2013 wurde Morricone für seine Musik zu dem Film The Best Offer – Das höchste Gebot von Giuseppe Tornatore mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet.[5]

Darüber hinaus wurde er mit dem Verdienstorden der Italienischen Republik ausgezeichnet und in die Ehrenlegion aufgenommen.

Wirkung[Bearbeiten]

Morricone im UN-Hauptquartier (2007)

Weltweit wurden mehr als 50 Millionen Alben von Morricone verkauft.[6][7] Seine Kompositionen werden teilweise in andere Genres übertragen:

Filmmusiken (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Lhassa: Hommage au Maitre Ennio Morricone. Limitierte Auflage von 500 Exemplaren. Editions du Center d’Art d’Ixelles, 1986
  • Sergio Miceli: Morricone – Die Musik, das Kino. Edition Filmwerkstatt, 2000, ISBN 3-930524-03-1.
  • Christiane Hausmann: Zwischen Avantgarde und Kommerz – Die Kompositionen Ennio Morricones. Wolke Verlag, Hofheim 2008, ISBN 978-3-936000-68-9.
  • Ennio Morricone in Venice. Live at Piazza San Marco. DVD und Buch. Icestorm Entertainment GmbH/ARS Latina, 2008
  • Toni Hildebrandt: Ennio Morricone und Giuseppe Tornatore. Die Musik, das Kino. Grin Verlag, Regensburg 2007.
  • Wolfgang Sandner: Spiel mir das Lied von Morricone. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. November 2008, Z3
  • Peter Moormann (Hrsg.): Klassiker der Filmmusik. Reclam Verlag, Ditzingen 2009
  • Guido Heldt, Tarek Krohn, Peter Moormann: Ennio Morricone. Edition Text und Kritik, München 2014, ISBN 978-3-86916-274-4.
  • Lorenzo Sorbo: The Dramatic Functions of Italian Spaghetti Western Soundtracks: A Comparison between Ennio Morricone and Francesco De Masi. In: Sebastian Stoppe: Film in Concert. Film Scores and their Relation to Classical Concert Music. VWH Verlag, Glücksstadt, Germany 2014, ISBN 978-3-86488060-5. S. 161–174

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ennio Morricone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chartquellen: [1]
  2. a b c Michael Hanisch: Gefühlte Realität – Ein Perfektionist: der Komponist Ennio Morricone in Film-Dienst 23/2003 S. 46 f. Zum 75. Lebensjahr.
  3. Hochschule für Musik und Theater München (Version vom 6. April 2008 im Internet Archive)
  4. http://www.ascap.com/playback/2010/05/action/polar_music_prize.aspx
  5. Ennio Morricone erhält Europäischen Filmpreis Focus Online, 28. Oktober 2013
  6. Zammerumaskil, Roma
  7. Fondazione Italiani (Version vom 29. Juli 2013 im Internet Archive)
  8. The Quentin Tarantino Archives 15. Januar 2013: Django Unchained complete soundtrack list with movie references, aufgerufen am 19. Januar 2013