Enragés

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Die Enragés (französisch enragé: ‚wütend‘) waren eine sozialrevolutionäre politische Gruppierung, die sich Ende 1792 unter der Führung des Priesters Jacques Roux formierte.

Als radikale Splittergruppe der Sansculotten waren die Enragés während der Französischen Revolution zur Zeit der jakobinischen Diktatur von Anfang Juni 1793 bis Ende Juli 1794 tätig.

Roux stellte die Ziele der Gruppierung am 25. Juni 1793 im Pariser Konvent mit der Verlesung des Manifest der Enragés vor. Die Gruppe befürwortete unter Anderem eine staatlich gesteuerte Wirtschaft, die Enteignung des Grundbesitzes und die Herstellung echter Gleichheit (französisch: égalité réelle). Die Enragés gerieten mit diesen Forderungen in einen offenen Konflikt mit den Girondisten, die kurz zuvor, am 2. Juni 1793, faktisch ihrer Macht enthoben wurden (29 ihrer Führer wurden verhaftet). Selbst nach Ansicht vieler Jakobiner, so auch Robespierres, waren die Forderungen der Gruppierung nach einer Ausweitung der Terrorherrschaft zur Erreichung der Ziele der Enragés zu radikal. Robespierre ließ Roux daraufhin verhaften und vor Gericht stellen. Nach der Verurteilung zum Tod beging Roux im Februar 1794 Selbstmord. Auf Betreiben Robespierres wurde die Gruppierung danach schrittweise ausgeschaltet.

Rezeption im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Konflikte zwischen den Jakobinern und den Sansculotten wurden im 20. Jahrhundert ausführlich von Daniel Guérin untersucht.[1]

Im Mai 1968 wurde in bewusster Anknüpfung an die französische Revolution Enragés als Selbstbezeichnung verwendet. Das Wort wird heute auch im generischen Sinn für extreme Gruppen verwendet.

Peter Weiss hat Roux in seinem wohl bedeutendsten Stück Marat/Sade als Figur auftreten lassen.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Daniel Guérin: La lutte de classes sous la première république : Bourgeois et "bras nus" ; (1793–1797), Paris 1946, überarbeitete Neuausgabe Paris: Gallimard 1968 (2 Bände). Bourgeois et bras nus ist eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ursula Geitner: „Die eigentlichen Enragées ihres Geschlechts“. Aufklärung, Französische Revolution und Weiblichkeit. In: Helga Grubitzsch u.a. (Hg.): Grenzgängerinnen. Revolutionäre Frauen im 18. und 19. Jahrhundert. Düsseldorf: Schwann 1985, ISBN 3-590-18042-0, S. 181–217.
  • Daniel Guérin: Bourgeois et bras nus : 1793–1795, Paris : Gallimard, 1973, dt. Klassenkampf in Frankreich: Bourgeois et bras nus 1793–1795, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1975
  • René Viénet: Enragés et situationnistes dans le mouvement des occupations, Paris: Gallimard, 1968, dt. Wütende und Situationisten in der Bewegung der Besetzungen: Paris Mai '68, Hamburg: Edition Nautilus im Verlag Lutz Schulenburg, 1977.
  • Peter Weiss: Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats. Text und Kommentar. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2004. ISBN 3518188496