Enstatit-Chondrit

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« Saint Sauveur » Enstatit-Chondrit EH5 1914 - 14 Kg
Der am 6. April 2002 gefallene Enstatit-Chondrit Neuschwanstein
Abee-Meteorit

Die Enstatit-Chondrite (E-Chondrite) sind Meteoriten einer seltenen Gruppe von Chondriten, die das Mineral Enstatit enthalten.

Sie unterscheiden sich von den gewöhnlichen und kohligen Chondriten darin, dass die Eisen-Komponente fast nur in reduzierter, metallischer Form vorliegt. Dies lässt darauf schließen, dass die Ursprungskörper der E-Chondrite, auch wenn sie sich heute im Asteroidengürtel befinden, ursprünglich in einer sauerstoffärmeren Umgebung als die gewöhnlichen Chondrite entstanden sind, das heißt nicht im Asteroidengürtel – wie etwa die gewöhnlichen Chondrite – sondern in kürzerer Distanz zur Sonne.

Aus Messungen des 53Cr/52Cr-Verhältnisses der Chrom-Isotope von Erdproben, Marsmeteoriten und HED-Meteoriten aus dem Asteroidengürtel, wird geschlossen, dass im Sonnensystem das 53Cr/52Cr-Verhältnis mit dem Abstand zur Sonne zunimmt. Das 53Cr/52Cr-Verhältnis der Enstatit-Chondrite würde demnach auf eine Entstehung der Enstatit-Ursprungskörper bei 1,4 Astronomischen Einheiten, knapp innerhalb der mittleren Marsbahn (1,524 Astronomischen Einheiten) hindeuten.[1]

Mohapatra und Murty (2003) schließen aus dem Vergleich der Isotope von Sauerstoff und Stickstoff in Marsmeteoriten, gewöhnlichen Chondriten und Enstatit-Chondriten, dass Mars aus Material ähnlich den Enstatit-Chondriten und den gewöhnlichen Chondriten in einem Verhältnis von 74:26 akkretierte.[2]

Abhängig von ihrem Metallgehalt werden die E-Chondrite in die Gruppen EH (High Metal, mit etwa 29 % Eisen) oder EL (Low Metal, mit etwa 22 % Eisen) eingeteilt.

Beide Gruppen dürften jedoch von einem gemeinsamen Ursprungskörper stammen. Beim EH4-Meteoriten von Abee (Kanada), dem mit 107 kg größten gefundenen Enstatiten, wird als Ursprungskörper der Planet Merkur vermutet, was allerdings in der Fachwelt umstritten ist.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. Shukolyukov, G.W Lugmair: On The 53Mn Heterogeneity In The Early Solar System. Space Science Reviews, Bd. 92, Nr. 1-2, S. 225–236, 2000
  2. Ratan K. Mohapatra, S.V.S Murty: Precursors of Mars: Constraints from nitrogen and oxygen isotopic compositions of martian meteorites. Meteoritics & Planetary Science, Bd. 38, Nr. 2, S. 179–323, 2003 (Kurzfassung)
  3. Fotos und Klassifikation : Rumuruti Chondrite und Enstatit Chondrite.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]