Enterococcus faecium

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Enterococcus faecium
Systematik
Klasse: Bacilli
Ordnung: Lactobacillales
Familie: Enterococcaceae
Gattung: Enterococcus
Art: Enterococcus faecium
Wissenschaftlicher Name
Enterococcus faecium
(Orla-Jensen 1919)
Schleifer & Kilpper-Bälz 1984

Enterococcus faecium ist ein im Darm von Menschen und Tieren vorkommendes grampositives Bakterium. Die Katalase-negativen Enterokokken sind häufig paarweise oder in Kettenform angeordnet. Es sind anspruchslose Organismen, die sowohl einen anaeroben als auch einen aeroben Stoffwechsel aufweisen. Die Verwandtschaft mit Enterococcus faecalis ist sehr eng, aber E. faecium hat einige klinisch relevante Eigenschaften, die es von E. faecalis unterscheiden.

Nachweis[Bearbeiten]

Auf Blutagar kann man meistens keine Hämolyse beziehungsweise γ-Hämolyse beobachten.[1] Enterococcus faecium ist genau wie sein enger Verwandter Enterococcus faecalis weitgehend resistent gegenüber Gallensalzen und Optochin. Es ist hitzestabil (Wachstum bei 45 °C), sowie salztolerant (Wachstum in 6,5 %iger NaCl-Lösung). Außerdem hydrolysieren sie Äskulin. Sie tragen das Lancefield-Gruppen-D-Antigen, aber die Extraktion des Antigens ist schwieriger als bei den Streptokokken, da dieses Antigen der Enterokokken auf einer nicht-zellwandgebundenen Teichonsäure basiert, die als C-Substanz fungiert.[1]

Klinische Bedeutung[Bearbeiten]

Das Vorkommen im Darm allein hat keinen Krankheitswert, wenn Antibiotika gegeben werden, kann E. faecium durch eine Resistenzbildung zum Hauptkeim der Darmflora werden. Bisher konnten keine Toxine und nur wenige andere virulente Faktoren nachgewiesen werden, zum Beispiel eine Aggregationssubstanz.[1]

Die pathogenen Stämme verursachen nosokomiale Infektionen bei Personen mit geschwächtem Immunsystem. Weiterhin können eine Endokarditis, sowie Cholecystitis, Blasenentzündung und Dekubitalulzera mit E. faecium entstehen. Komplikationen wie Urosepsis oder Peritonitis sind wegen der Resistenz des Erregers oft schwierig behandelbar.[2][3] Insgesamt findet sich E. faecium seltener in Infektionen als E. faecalis, allerdings ist der Vancomycin Resistente Enterococcus (faecium) (VRE) einer der am schwierigsten zu bekämpfenden Keime überhaupt.[4][2][5]

Lebende Keime des Stamms Cernelle 68 (SF 68) von Enterococcus faecium werden zur Behandlung von Durchfallerkrankungen und zum Wiederaufbau der Darmflora in Form von Kapseln angeboten.[6]

Resistenzen[Bearbeiten]

Natürliche Resistenzen bestehen gegenüber allen Cephalosporinen, Makroliden, Fusidinsäure und Sulfonamiden[7]. Weiterhin ist die große Mehrheit der Isolate (ca. 90 %) resistent auch gegen Ampicillin und Amoxicillin. Diese Resistenz wird typischerweise nicht enzymatisch durch β-Laktamasen vermittelt, sondern durch Mutationen oder Überexpression des Penicillin-Bindeproteins 5[8]. Daher kann sie meist auch nicht durch das Hinzugeben eines β-Laktamase-Inhibitors überwunden werden.

Behandlung[Bearbeiten]

Durch Enterococcus faecium verursachte Infektionen sind relativ schwierig mit Antibiotika zu behandeln, da nur wenige Antibiotika in Betracht kommen. Als Standardbehandlung kann derzeit noch Vancomycin betrachtet werden, wobei dies bei VRE (siehe oben) grundsätzlich unwirksam ist. Als Alternativen kommen Teicoplanin, Linezolid und Tigecyclin in Betracht, bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen (die allerdings nur selten durch E. faecium verursacht werden) evtl. auch Fosfomycin oder Nitrofurantoin[8].

In einer Studie mit Mäusen konnte die Kolonisation mit Vancomycin-resistenten E. faecium durch Implantation mit Bakterien der Spezies Barnesiella verhindert und rückgängig gemacht werden.[9]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c Uwe Groß: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie : 129 Tabellen ; [Medilearn-Gütesiegel] / Uwe Groß, 2. Aufl., Thieme, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-13-141652-0.
  2. a b Helen W Boucher, George H Talbot, John S Bradley, John E Edwards, David Gilbert, Louis B Rice, Michael Scheld, Brad Spellberg, John Bartlett: Bad Bugs, No Drugs: No ESKAPE! An Update from the Infectious Diseases Society of America. In: Clinical Infectious Diseases. 48, Nr. 1, 1. Januar 2009, S. 1-12. doi:10.1086/595011. Abgerufen am 12. Februar 2012.
  3. Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF: Leitlinie 029-019 - Maßnahmen beim Auftreten multiresistenter Erreger (MRE). Abgerufen am 12. Februar 2012.
  4. Henrik Holtmann: Basics medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene / Henrik Holtmann ; Monika Bobkowski, 1. Aufl., Elsevier, Urban & Fischer, München 2008, ISBN 978-3-437-42416-8.
  5. Gerd Herold: Innere Medizin : eine vorlesungsorientierte Darstellung, 2012, Herold, Köln 2012, ISBN 9783981466010.
  6. Beschreibung von Bioflorin Kapseln, einem Präparat mit Keimen von Enterococcus faecium
  7.  R. Leclercq et al.: EUCAST expert rules in antimicrobial susceptibility testing. In: Clinical Microbiology and Infection. 19, Nr. 2, Wiley-Blackwell, Oxford 2013, ISSN 1469-0691, S. 141-160, doi:10.1111/j.1469-0691.2011.03703.x, PMID 22117544 (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1469-0691.2011.03703.x/full, abgerufen am 17. Februar 2013).
  8. a b  Cesar A. Arias und Barbara E. Murray: Enterococcus Species, Streptococcus bovis Group, and Leuconostoc Species. In: Gerald L Mandell, John E. Bennett und Raphael Dolin (Hrsg.): Principles and Practice of Infectious Diseases. 7. Auflage. Churchill Livingstone Elsevier, Philadelphia 2010, ISBN 978-0-4430-6839-3, S. 2643-2653.
  9. C. Ubeda, V. Bucci u. a.: Intestinal Microbiota Containing Barnesiella Species Cures Vancomycin-Resistant Enterococcus faecium Colonization. In: Infection and Immunity. 81, 2013, S. 965–973, doi:10.1128/IAI.01197-12.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolle/Mayr: Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. Enke Verlag, Stuttgart 2007
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!