Enterococcus faecium

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Enterococcus faecium
Systematik
Abteilung: Firmicutes
Klasse: Bacilli
Ordnung: Milchsäurebakterien (Lactobacillales)
Familie: Enterococcaceae
Gattung: Enterococcus
Art: Enterococcus faecium
Wissenschaftlicher Name
Enterococcus faecium
(Orla-Jensen 1919)
Schleifer & Kilpper-Bälz 1984

Enterococcus faecium (früher als Streptococcus faecium bezeichnet) ist eine Bakterienart aus der Gattung Enterococcus (eingedeutscht: Enterokokken). Enterococcus faecium' kommt im Darm von Menschen und Tieren vor. Die Verwandtschaft mit Enterococcus faecalis ist sehr eng, aber E. faecium hat einige klinisch relevante Eigenschaften, die ihn von E. faecalis unterscheiden.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Zellen von Enterococcus faecium verhalten sich grampositiv. Sie sind kokkenförmig und liegen in Paaren oder zu Ketten angeordnet vor. Enterococcus faecium verhält sich negativ im Katalase- und Oxidase-Test. Er kann sich in Anwesenheit und Abwesenheit von Sauerstoff vermehren, der Stoffwechsel ist somit fakultativ anaerob.[1]

Auf Blutagar kann man meistens keine Hämolyse beziehungsweise γ-Hämolyse beobachten.[2] Enterococcus faecium ist genau wie sein enger Verwandter Enterococcus faecalis weitgehend resistent gegenüber Gallensalzen und Optochin. Es ist thermotolerant (Wachstum noch bei 45 °C), sowie salztolerant (Wachstum in 6,5 %iger NaCl-Lösung). Außerdem ist er zur Äskulinhydrolyse fähig. Er trägt das Lancefield-Gruppen-D-Antigen, aber die Extraktion des Antigens ist schwieriger als bei den Streptokokken, da dieses Antigen der Enterokokken auf einer zellwandgebundenen Teichonsäure basiert, die als C-Substanz fungiert.[2]

Klinische Bedeutung[Bearbeiten]

Das Vorkommen im Darm allein hat keinen Krankheitswert. Wenn Antibiotika gegeben werden, kann E. faecium durch eine Resistenzbildung zum Hauptbestandteil der Darmflora werden.

Bisher konnten keine Toxine und nur wenige andere virulente Faktoren nachgewiesen werden, zum Beispiel eine Aggregationssubstanz.[2]

Die pathogenen Stämme verursachen nosokomiale Infektionen bei Personen mit geschwächtem Immunsystem. Weiterhin können eine Endokarditis, sowie Cholecystitis, Blasenentzündung und Dekubitalulzera mit E. faecium entstehen. Komplikationen wie Urosepsis oder Peritonitis sind wegen der Resistenz des Erregers oft schwierig behandelbar.[3][4] Insgesamt findet sich E. faecium seltener in Infektionen als E. faecalis, allerdings ist der Vancomycin Resistente Enterococcus (faecium) (VRE) einer der am schwierigsten zu bekämpfenden Keime überhaupt.[5][3][6]

Lebende Keime des Stamms Cernelle 68 (SF 68) von Enterococcus faecium werden zur Behandlung von Durchfallerkrankungen und zum Wiederaufbau der Darmflora in Form von Kapseln angeboten.[7]

Resistenzen[Bearbeiten]

Natürliche Resistenzen bestehen gegenüber allen Cephalosporinen, Makroliden, Fusidinsäure und Sulfonamiden.[8] Weiterhin ist die große Mehrheit der Isolate (ca. 90 %) resistent auch gegen Ampicillin und Amoxicillin. Diese Resistenz wird typischerweise nicht enzymatisch durch β-Lactamasen vermittelt, sondern durch Mutationen oder Überexpression des Penicillin-Bindeproteins 5.[9] Daher kann sie meist auch nicht durch das Hinzugeben eines β-Lactamase-Inhibitors überwunden werden.

Behandlung[Bearbeiten]

Durch Enterococcus faecium verursachte Infektionen sind relativ schwierig mit Antibiotika zu behandeln, da nur wenige Antibiotika in Betracht kommen. Als Standardbehandlung kann derzeit noch Vancomycin betrachtet werden, wobei dies bei VRE (siehe oben) grundsätzlich unwirksam ist. Als Alternativen kommen Teicoplanin, Linezolid und Tigecyclin in Betracht, bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen (die allerdings nur selten durch E. faecium verursacht werden) evtl. auch Fosfomycin oder Nitrofurantoin.[9]

In einer Studie mit Mäusen konnte die Kolonisation mit Vancomycin-resistenten E. faecium durch Implantation mit Bakterien der Gattung Barnesiella verhindert und rückgängig gemacht werden.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael T. Madigan, John M. Martinko, Jack Parker: Brock Mikrobiologie. Deutsche Übersetzung herausgegeben von Werner Goebel, 1. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg/Berlin 2000, ISBN 978-3-8274-0566-1, S. 559–563.
  2. a b c Uwe Groß: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie : 129 Tabellen, 2. Aufl., Thieme, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-13-141652-0.
  3. a b Helen W Boucher, George H Talbot, John S Bradley, John E Edwards, David Gilbert, Louis B Rice, Michael Scheld, Brad Spellberg, John Bartlett: Bad Bugs, No Drugs: No ESKAPE! An Update from the Infectious Diseases Society of America. In: Clinical Infectious Diseases. 48, Nr. 1, 1. Januar 2009, S. 1-12. doi:10.1086/595011. Abgerufen am 12. Februar 2012.
  4. Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF: Leitlinie 029-019 - Maßnahmen beim Auftreten multiresistenter Erreger (MRE). Abgerufen am 12. Februar 2012.
  5. Henrik Holtmann: Basics medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene / Henrik Holtmann ; Monika Bobkowski, 1. Aufl., Elsevier, Urban & Fischer, München 2008, ISBN 978-3-437-42416-8.
  6. Gerd Herold: Innere Medizin : eine vorlesungsorientierte Darstellung, 2012, Herold, Köln 2012, ISBN 9783981466010.
  7. Beschreibung von Bioflorin Kapseln, einem Präparat mit Keimen von Enterococcus faecium
  8.  R. Leclercq et al.: EUCAST expert rules in antimicrobial susceptibility testing. In: Clinical Microbiology and Infection. 19, Nr. 2, Wiley-Blackwell, Oxford 2013, ISSN 1469-0691, S. 141-160, doi:10.1111/j.1469-0691.2011.03703.x, PMID 22117544 (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1469-0691.2011.03703.x/full, abgerufen am 17. Februar 2013).
  9. a b  Cesar A. Arias und Barbara E. Murray: Enterococcus Species, Streptococcus bovis Group, and Leuconostoc Species. In: Gerald L Mandell, John E. Bennett und Raphael Dolin (Hrsg.): Principles and Practice of Infectious Diseases. 7. Auflage. Churchill Livingstone Elsevier, Philadelphia 2010, ISBN 978-0-4430-6839-3, S. 2643-2653.
  10. C. Ubeda, V. Bucci u. a.: Intestinal Microbiota Containing Barnesiella Species Cures Vancomycin-Resistant Enterococcus faecium Colonization. In: Infection and Immunity. 81, 2013, S. 965–973, doi:10.1128/IAI.01197-12.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolle/Mayr: Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. Enke Verlag, Stuttgart 2007