Entführung von Steven Stayner und Timmy White

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Die als Entführungsfall Steven Stayner und Timmy White bekannte Straftat bezeichnet die bis 1980 andauernde siebenjährige Kindesentführung des anfangs siebenjährigen Schülers Steven Gregory Stayner und die 2 Wochen andauernde Kindesentführung des zur Tatzeit fünfjährigen Timmy White durch Kenneth Parnell in Kalifornien.

Entführung und Verurteilung von Parnell[Bearbeiten]

Der am 18. April 1965 geborene Steven Gregory Stayner wurde am 4. Dezember 1972 auf dem Weg von der Schule nach Hause von Kenneth Eugene Parnell (siehe engl. Wikipedia), einem mehrfach vorbestraften Kriminellen und wegen Kindesmissbrauch verurteilten Sexualstraftäter, entführt. Parnell hielt Steven bei sich und erklärte in der Öffentlichkeit, der Junge sei sein Sohn „Dennis“. Sie wechselten oft ihren Wohnort innerhalb von Kalifornien.

Am 14. Februar 1980 kidnappte Parnell den fünfjährigen Timmy White im kalifornischen Ukiah. Nur knapp zwei Wochen später, am 1. März 1980, als Parnell zur Arbeit außer Haus war, gelang Steven und Timmy die Flucht. Sie trampten nach Ukiah und meldeten sich bei der Polizei, worauf sie ihren Familien wieder zugeführt werden konnten.

Parnell wurde angeklagt und verurteilt – jedoch nur wegen Entführung, nicht aber wegen der zahlreichen sexuellen Übergriffe auf Steven und andere Jungen, da sie teilweise verjährt waren oder sich außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der ermittelnden Strafverfolgungsbehörde ereigneten. Nach fünf Jahren Haft kam er auf Bewährung frei. Er ist 2003 erneut verhaftet worden, als er einer verarmten Frau ihr Kind abkaufen wollte. Im Zuge des kalifornischen "Three-Strikes-Gesetzes" wurde er für diese - in Relation zu den vorher begangenen Verbrechen - Kleinigkeit nun zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt.

Aufarbeitung in den Medien[Bearbeiten]

Der Film Steven – Die Entführung (Originaltitel: I know my first name is Steven) von 1989 beruht auf diesem Fall.

1991 erschien das Buch I Know My First Name is Steven von Mike Echols (ISBN 1-55817-563-6), das 1993 als Ich weiß nur, mein Name ist Steven (ISBN 3-40413-441-9) auf Deutsch herausgegeben wurde. Parnell gestand dem Autor im Zuge der Entstehung des Buches, dass er Steven während der Jahre an die 3000 Mal missbraucht hat. Auf die Frage, ob er es je bereut hätte, sagte er nur, dass er es immer gehasst habe, das ganze Blut aufzuwischen, nachdem er den anfangs erst sieben Jahre alten Jungen missbrauchte. Er blieb bei seiner Auffassung, dass sein Verhältnis zu „seinem“ Jungen „normal“ gewesen sei und er ihm viel Liebe gegeben habe. Obwohl es nicht mal sein eigener Sohn war.

Nachspiel[Bearbeiten]

Steven Stayner schaffte es, nach einer langen, von Selbstmordgedanken und psychischen Problemen geprägten Phase ein „normales“ Leben zu beginnen. Er heiratete 1985 und wurde Vater zweier Kinder. Am 16. September 1989 starb er bei einem Motorradunfall. Sein älterer Bruder Cary Stayner wurde 1999 zum Serienmörder im Yosemite National Park. Er wurde zum Tode verurteilt und sitzt seither in einer Todeszelle.

Timmy White hat ebenfalls Kinder. Seinen ersten Sohn nannte er im Gedenken an seinen Mitgefangenen Steven. Timmy White starb 35-jährig am 1. April 2010 in Santa Clarita (Kalifornien) an einer Embolie.

Kenneth Parnell starb im Alter von 76 Jahren, bereits am 21. Januar 2008, im Gefängnis des kalifornischen Vacaville.

Am 28. August 2010 wurde im Applegate Park in Merced, dem Geburtsort von Steven Stayner, eine Statue zum Andenken an Steven und Timmy White enthüllt. Unter den anwesenden Gästen waren u.a. Stayners Eltern Delbert und Katherine, sowie dessen Tochter Ashley und die Mutter des kurz zuvor verstorbenen Timmy White.[1]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatStatue honors Steven Stayner's legacy. In: www.mercedsunstar.com. 30. August 2010, abgerufen am 30. März 2012 (engl.).