Enthäuten

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Häutung des Marsyas, Gemälde von Tizian

Das Enthäuten, auch Häuten oder Schinden genannt, war eine von der Antike bis ins Mittelalter praktizierte Hinrichtungsmethode. Dabei wurde einem Menschen mit einem Messer die Haut vom Körper abgezogen. Häuten führt zu Blutverlust und einem damit verbundenen Kreislaufzusammenbruch, zum Zusammenbruch diverser Funktionskreisläufe wie Temperatur- und Wasserhaushalt. Enthäutete starben oft einen langsamen Tod.

Geschichte[Bearbeiten]

Enthäutung von Rebellen durch assyrische Soldaten

Alter Orient[Bearbeiten]

Im Alten Orient wurde Schinden (kašu) als Bestrafung verwendet. Pfählen und Schinden von Rebellen ist zuerst unter Aššur-Bel-kala nachgewiesen.[1] Der assyrische Herrscher Salmanasser III. ließ dem aufständischen Ilubiʾdi von Hamath bei lebendigem Leib die Haut abziehen: „seine Haut [wurde] rot wie Wolle gefärbt“ (iṣrupu nabāsiš). Die Schindung Ilubiʾdis ist im Saal VIII (Platte 25) in Nimrud bildlich dargestellt. Eine ähnliche Formulierung findet sich in dem Moussaieff-Fragment für die Hinrichtung des Königs Aššur-leʾi von Karalla auf Befehl Sargons: „Der Zerstörer des Landes Karalla, der die Haut des Stadtoberhauptes rot wie eine illuru-Pflanze werden ließ“.[2] Sargon ließ auch Bagdatti von Uišdiš und Jahu-Biʾdi, König von Hamath, schinden. Der verstümmelte Körper wurde öffentlich zur Schau gestellt, wahrscheinlich, um potentielle Rebellen abzuschrecken.[3]

„Ich zog dem König von Katmuhi in Arbela die Haut ab und hängte sie über die Stadtmauer von Arbela.“

Asarhaddon[3]

Auch für das Perserreich wird vom Häuten berichtet: Nach Herodot (Historien, Buch V) ließ Kambyses II. dem Richter Sisamnes wegen Bestechlichkeit die Haut abziehen.

Darstellung der Enthäutung Bartholomäus' in der ehemaligen Klosterkirche St. Maria

Griechische Mythologie[Bearbeiten]

Der Satyr Marsyas wurde von dem Gott Apollon geschunden, nachdem er in einem Wettstreit gegen ihn verloren hatte. Die Darstellung des geschundenen Marsyas wird oft mit dem Erwerb der Stadtrechte verbunden. Herodot (Historien 7, 26): berichtet: „In der Stadt Kelainai hängt auch die Haut des Satyrn Marsyas. Diese hat nach der Sage der Phrygier Apollon dem Marsyas abgezogen und hier aufgehängt.“

Römisches Reich[Bearbeiten]

Der Apostel Bartholomäus soll sein Martyrium durch Schinden erlitten haben.

Nach den christlichen Historikern Laktanz und Agathias ließ der persische König Schapur I. den gefangenen römischen Kaiser Valerian schinden, seine Haut rot färben (infecta rubro colore) und in einem Tempel aufhängen.[4] Der Wahrheitsgehalt dieser auf Laktanz’ Biographie beruhenden Nachricht ist allerdings zweifelhaft, da er in propagandistischer Absicht schrieb[3].

Xipe Totec im Codex Borgia, 15. Jahrhundert

Neuzeit[Bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert griff Jean Bodin den Topos des Schindens im Perserreich auf, indem er behauptete, das Schinden sei noch zu seiner Zeit in Persien als Strafe für Diebstahl gebräuchlich: Dem Übeltäter werde bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen, diese dann ausgestopft und auf einen Esel gesetzt.[5]

Das Wappen der Stadt Kronach zeigt als Schildhalter zwei Männer, die ihre abgezogene Haut über dem Arm tragen. Sie erinnern an Kronacher Bürger aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, die während eines Ausfalls Kanonen der belagernden Schweden unbrauchbar machten und dabei von diesen gefangen und geschunden wurden.

Haruki Murakami beschreibt das Enthäuten eines japanischen Soldaten durch Mongolen während des Zweiten Weltkrieges in dem Roman "Mr. Aufziehvogel".

Mittelamerika[Bearbeiten]

Aus Mittelamerika ist das Enthäuten aus dem Kult des Vegetationsgottes Xipe Totec als Menschenopfer belegt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Enthäuten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seth Richardson, Death and dismemberment in Mesopotamia: discorporation between the body and the body politic. In: Nicola Laneri (Hrsg.), Performing Death, Chicago 2007, 197
  2. Kathleen Abraham/Jacob Klein, A new Sargon II Cylinder Fragment from an unknown Provenance. Zeitschrift für Assyriologie und vorderasiatische Archäologie 9/2, 2007, 255
  3. a b c Vgl. Erica Reiner: The reddling of Valerian. In: The Classical Quarterly 56, S. 325–329
  4. Laktanz: De mortibus persecutorum – Die Todesarten der Verfolger. Lateinisch/deutsch, übersetzt und eingeleitet von Alfons Städele, Brepols, Turnhout 2003 (Fontes Christiani 43), ISBN 2-503-52108-8; hier Abschnitt 5.6.
  5. Jean Bodin: Sechs Bücher über den Staat. Hrsg. von P. C. Mayer-Tasch, Beck, München 1954, Buch 2, Kap. 1.