Enthornung

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Unter Enthornung versteht man das Zerstören von Hornanlagen bei horntragenden Tieren, z. B. Rindern, Schafen und Ziegen, in der Vieh haltenden Landwirtschaft. Die Enthornung wird im Wesentlichen bei Rindern durchgeführt. Auch in ca. 70 % der Bio-Betriebe wird die Enthornung praktiziert.

Begründungen[Bearbeiten]

In modernen Haltungsverfahren für Rinder werden die Tiere in Ställen frei laufend gehalten (Laufstall). Da Rinder wegen ihrer Hörner einen gewissen Mindestabstand zueinander einhalten, benötigen die Tiere in Laufställen mehr Platz. Hornlose Rinder halten weniger Abstand zueinander, wodurch die Ställe kleiner werden und die Kosten geringer gehalten werden können. Ein weiterer Punkt sind Kämpfe zur Rangordnung in Rinderherden, die bei horntragenden Rindern weiter verbreitet sind und heftiger geführt werden als bei hornlosen Tieren. Dies führt zu einer zusätzlichen Verletzungsgefahr der horntragenden Rinder untereinander. Weiterhin zeigt sich, dass hornlose Rinder üblicherweise ruhiger im Umgang mit Menschen sind, wodurch auch die Verletzungsgefahr beim Menschen durch Rinder sinkt. Jährlich sterben in Deutschland mehrere Menschen durch Hornstöße von Rindern. Hornlose Rinder können den Menschen durch Kopfstöße weniger verletzen als Horntragende durch Hornstöße.

Durch Verletzungen am Horn (Hornbruch) ist es manchmal nötig, das verletzte Horn des Tieres zu entfernen.

Bei Einzeltieren kann es im Alter vorkommen, dass die Hornspitzen in den Schädel einwachsen können. Um dies zu verhindern, werden hier oftmals die Hörner abgesägt.

Gesetzliche Regelungen[Bearbeiten]

Laut deutschem Tierschutzgesetz (TierSchG) sind Eingriffe an Tieren ohne Betäubung nicht zulässig. Abweichend davon dürfen Kälber bis zum Alter von sechs Wochen ohne Betäubung enthornt werden.

Methoden[Bearbeiten]

Eine Methode ist die Verwendung eines Brenneisens, mit dem die Hornanlagen ausgebrannt werden. Durch das heiße Brenneisen wird gleichzeitig die dabei entstehende Wunde kauterisiert, wodurch Blutungen gestillt und desinfiziert werden. Üblicherweise verwachsen diese Wunden relativ problemlos und vernarben schnell.

Eine weitere Methode ist der Ätzstift. Dabei wird die Hornanlage mit einem ätzenden Medium (etwa Natriumhydroxid) verätzt und damit zerstört. Dieses Verfahren ist nicht so sicher wie das Ausbrennen, durch herunterlaufende Ätzflüssigkeit kann die Haut oder die Augen der Tiere verletzt werden. Die Zulassung für den Ätzstift ist in Deutschland allerdings weggefallen. Somit ist die Anwendung nicht mehr erlaubt.

Neben diesen Methoden, die nur bei Kälbern Anwendung finden, kann es nötig sein, auch bereits ausgewachsene Tiere enthornen zu müssen (Hornverletzung, Neueinstallung in eine Gruppe enthornter Rinder etc.). Die Enthornung älterer Rinder, bei denen die Entwicklung der Hörner schon abgeschlossen ist, wird mit einem Sägedraht vorgenommen. Während die Zerstörung der Hornanlagen bei Kälbern auch von den Tierhaltern (Landwirten) selbst vorgenommen wird, muss die Enthornung älterer Tiere von einem Tierarzt durchgeführt werden - die nach deutschem Recht (TierSchG) vorzunehmende Schmerzausschaltung (in diesem Fall meistens allgemeine Sedierung und lokale Anästhesie der die Hörner versorgenden Nervenäste) darf nur von Tierärzten vorgenommen werden.

Kritik[Bearbeiten]

Der Bio-Verband Demeter, der die Enthornung untersagt, vertritt die Ansicht, die Hörner seien unabdingbar für die Verdauung und den Stoffwechsel der Tiere. Erste Versuche einer Hornloszucht werden von dem Verband ebenfalls als Einmischung in das Ökosystem verurteilt. Außerdem soll die Milch behornter Kühe weniger Allergene beinhalten, was besonders für Menschen mit Laktoseintoleranz wichtig sein könne.

Grundsätzlich verboten ist die Enthornung außer bei Demeter nur noch bei Neuland, der Verband Gäa gestattet sie ausschließlich in Einzelfällen und nur nach ausdrücklicher Genehmigung.


Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]