Entschlackung

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Dialyse manchmal auch als „Entschlackung“ bezeichnet. Im Bereich der Eisenbahn bezeichnet „Entschlackung“ das Entfernen der Verbrennungsrückstände aus der Feuerbüchse einer Dampflokomotive

Entschlackung (von Schlacke, einem Verbrennungsrückstand) ist in der Alternativmedizin ein Ausdruck für Maßnahmen, die mutmaßliche Giftstoffe und vermeintlich schädliche Stoffwechselprodukte ausscheiden sollen. Die Wirksamkeit dieser Verfahren ist nicht gegeben, die angenommenen Wirkungsweisen lassen sich nicht nachweisen.

Unschärfen bestehen sowohl in der Definition der Substanzen, die unter diese Schlacken fallen, als auch bezüglich der Maßnahmen, die als Entschlackung gelten sollen. Meist werden unter „Entschlackung“ bestimmte im Rahmen der Alternativmedizin eingesetzte Maßnahmen verstanden, die unter dem Begriff ausleitende Verfahren zusammengefasst werden, zum Beispiel Schröpfen, Cantharidenpflaster, Einläufe, Schwitzkuren (Sauna), Abführmittel (Laxantien) und Fastenkur. Einige Verfahren behaupten, auch Quecksilber (beispielsweise von Amalgamzahnfüllungen), Impfstoffe oder andere Schlacken ausleiten zu können.

Ein allgemein anerkannter Nachweis, dass der Körper in diesem Sinne therapeutisch „entgiftet“ oder „entschlackt“ werden könne oder gar solle, liegt nicht vor. Während einer Fastenkur steigt sogar die Schadstoffbelastung des Blutes.[1] Etwaige Heilerfolge werden rein subjektiv erlebt und sind mit dem Placebo-Effekt erklärbar.

Im weiteren Sinne fallen auch medizinische Therapieformen hierunter, wie etwa das Entfernen harnpflichtiger Substanzen aus dem Blut in der Dialyse durch Blutwäsche. Auch Ammoniak, der bei einer leberbedingten Hirnerkrankung im Rahmen einer Leberzirrhose vermehrt anfällt und dessen Produktion durch eine antibiotische Darmdekontamination und Lactulosebehandlung verringert wird, wäre ein Beispiel in diesem Zusammenhang.

Geschichte[Bearbeiten]

Besonders in den traditionellen hinduistischen Behandlungsmethoden des Ayurveda ist die sogenannte Entschlackung unter dem Begriff Panchakarma etabliert. Die Entstehungsgeschichte der Entschlackung in diesem Sinne in der westlichen Welt reicht dagegen nur zum Ende des 19. Jahrhunderts zurück, als die großen Industriestädte Abwassersysteme erhielten. Korrespondierend dazu kam die Theorie zur Krankheitsentstehung auf, dass Darm und Nieren Giftstoffe enthalten und diese aus dem Körper abführen würden. Verstopfung und Harnverhalt sollen Fäulnis und innere Vergiftungen erzeugen wie ein überlaufender Kanal. Der Begriff Entschlackung als Analogie zur Reinigung von Hochöfen oder des Feuerkessels von Dampflokomotiven wurde erstmals verwendet von Otto Buchinger, einem Anfang des 20. Jahrhunderts tätigen Arzt und Erfinder einer Fastenmethode.[2]

Mehrere Stoffe, die normalerweise von Darm, Leber und Nieren entgiftet und ausgeschieden werden, können sich bei Funktionsstörungen dieser Organe im Körper anreichern und unter Umständen schädigend wirken. Für einige Situationen konnten bewiesenermaßen wirksame Therapieformen wie Dialyse oder Laktulosebehandlung entwickelt werden. Dabei sind sowohl einige der schädlichen Stoffe, die bei diesen Methoden entfernt werden als auch die Schädlichkeit derselben, wenn sie ohne diese Maßnahmen im Körper akkumulieren, bekannt. Dies gilt jedoch nicht für die Entschlackung der Alternativmedizin im engeren Sinne, wo es oft keinen allgemein anerkannten Nachweis für die Schädlichkeit der propagierten Gifte (zumindest in der Konzentration, die bei den Patienten vorliegen) gibt.[3] Bei anderen Stoffen ist ihre schädliche Anhäufung im Körper nachgewiesen, wie Cholesterin und Kalk für Arteriosklerose, Uratkristalle für Gicht, Proteine für Amyloidose und Alzheimer-Krankheit oder Immunkomplexe für einige Formen der Glomerulonephritis und Vaskulitis.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jörg Zittlau: Die Mär vom Entschlacken, Spiegel Online, 18. März 2012
  2. Häufige Fragen und Antworten
  3. E. Ernst: Colonic irrigation and the theory of autointoxication: A triumph of ignorance over science. In: Journal of Clinical Gastroenterology. Band 24, 1997, S. 196–198 PMID 9252839