Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

&nbsp

Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen
United Nations Development Programme
Programme des Nations Unies pour le développement

Wappen des UNDP
Organisationsart Ausschuss der Hauptversammlung der UNO
Kürzel UNDP
Leitung Administratorin Helen Clark
Gegründet 1965
Hauptsitz New York City
Oberorganisation Hauptversammlung der UNO
Webseite: UNDP

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (englisch United Nations Development Programme, UNDP, französisch Programme des Nations Unies pour le développement, PNUD) ist ein Exekutivausschuss innerhalb der UN-Generalversammlung. Der UNDP-Leiter ist das dritthöchste Amt innerhalb der Hierarchie der Vereinten Nationen (UN), unmittelbar nach dem Generalsekretär der Vereinten Nationen und seinem Stellvertreter. Der UNDP-Exekutivausschuss besteht aus Repräsentanten aus 36 Ländern weltweit, die nach einem Rotationsprinzip eingesetzt werden. Das Projektbüro wurde 1995 als UNOPS (s.u.) als eigenständige Organisation ausgegliedert.

Der Hauptsitz ist in New York City, weitere Niederlassungen befinden sich in Europa (Genf, Brüssel, Kopenhagen), Japan (Tokio) und den USA (Washington D.C.). Das UNDP wird vollständig aus freiwilligen Beiträgen der UN-Mitgliedstaaten finanziert. Die Organisation hat Länderbüros in 166 Staaten. Von diesen Kopfstellen aus arbeitet das UNDP mit lokalen Regierungen zusammen, um die Entwicklungsherausforderungen gemeinsam anzugehen. Zusätzlich hilft das UNDP den jeweiligen Entwicklungsländern die Millennium Development Goals (MDGs) zu erreichen.

Das UNDP fördert durch die Bereitstellung von Beratungskapazitäten, Trainings sowie Zuschuss-Mitteln. Dabei liegt ein zunehmender Fokus auf der Förderung der so genannten Least Developed Countries (LDCs). Um die Millennium-Ziele zu erreichen und die globale Entwicklung voranzutreiben, konzentriert sich das UNDP auf die Armutsbekämpfung, HIV/AIDS, Demokratische Regierungsführung, Energie und Umwelt sowie die allgemeine Krisenprävention. Querschnittsaufgabe in allen Programmen ist dabei der Schutz der Menschenrechte sowie die Gleichbehandlung von Frauen. Außerdem prägte das Programm 1994 den Begriff der menschlichen Sicherheit, der unter anderem die Reformdiskussion über die Vereinten Nationen mit beeinflusste.

Geschichte[Bearbeiten]

Das UNDP wurde 1965 gegründet, um das seit 1949 bestehende Erweiterte Programm für Technische Zusammenarbeit und den 1956 geschaffenen Sonderfonds der Vereinten Nationen zu kombinieren. 1971 erfolgte schließlich die vollständige Integration beider Organisationen.

1995 wurde das Büro für Projektdienste der Vereinten Nationen, englisch United Nations Office for Project Services (UNOPS) als eigenständige Dienstleistungsorganisation aus dem UNDP ausgegliedert. UNOPS übernimmt im Auftrag der UN-Organisationen die Leitung und Durchführung von Programmen. Ein Beispiel ist UNOSAT.

Haushalt[Bearbeiten]

Der Gesamtetat des UNDP belief sich im Jahr 2012 auf etwa 5 Milliarden USD.[1]

Geber[Bearbeiten]

Der größte Einzelgeber ist Japan mit einem Gesamtbeitrag von 443 Millionen USD (2012), gefolgt von den USA mit 325 Millionen USD und Schweden mit 216 Millionen USD. Deutschland steht mit einem Gesamtbeitrag von 104 Millionen USD an siebter Steller der größten Einzelgeber.[1]

Aufgaben[Bearbeiten]

  • Demokratische Regierungsführung

Das UNDP unterstützt den Übergang zu demokratischen Systemen durch Politikberatung und technische Hilfe. Hierbei sollen die institutionellen und individuellen Fähigkeiten in den jeweiligen Entwicklungsländern gestärkt werden. Hierzu gehört auch die Ausbildung breiter Bevölkerungsschichten hinsichtlich demokratischer Reformen, die Förderung von Verhandlung und Dialog sowie die Vermittlung von Erfahrungen aus anderen Ländern und Regionen.

  • Armutsbekämpfung

Das UNDP hilft den Ländern Strategien zur Armutsbekämpfung zu entwickeln. Dabei werden die Armutsziele mit den übergeordneten Entwicklungszielen der Länder verknüpft, so dass arme Bevölkerungsschichten auch einen größeren Einfluss im Gesamtentwicklungskontext erhalten. Auf makroökonomischer Ebene arbeitet das UNDP an der Reform internationaler Handelsbeziehungen, dem Schuldenerlass sowie der Förderung ausländischer Investitionen.

  • Krisenprävention

Das UNDP arbeitet daran, das Risiko bewaffneter Konflikte und Auseinandersetzungen zu reduzieren. Als Beispiele von Maßnahmen zur Risikominderung im Vorfeld wurden Bemühungen zur Eindämmung der Verbreitung kleiner Handfeuerwaffen unterstützt, Strategien zur Verminderung der Auswirkungen von Naturkatastrophen entwickelt sowie Programme zur Förderung des Einsatzes von Diplomatie erarbeitet.

  • Energie und Umwelt

Da ärmere Länder unverhältnismäßig stark von der Zerstörung der Umwelt betroffen sind und dabei der Zugang zu sauberer und bezahlbarer Energie fehlt, strebt das UNDP Umweltfragen anzusprechen, um gleichzeitig eine nachhaltige Entwicklung der Entwicklungsländer zu ermöglichen. Dies erfolgt u.a. durch innovative Politikberatung und Vernetzung mit anderen Partnern.

Die Umweltstrategien des UNDP fokussieren dabei effiziente Wasserverwaltung, Zugang zu nachhaltigen Energien, nachhaltige Landwirtschaft zur Bekämpfung der Desertifikation und Landvernichtung, die Bewahrung und nachhaltige Nutzung der Biodiversität, sowie die Entwicklung einer Politik zur Kontrolle von Schadstoffausstoß und Ozonschicht-schädigenden Substanzen.

Leitung[Bearbeiten]

Helen Clark (rechts) mit der Außenministerin Sierra Leones Zainab Hawa, 2010.

Helen Clark, die frühere neuseeländische Premierministerin ist seit 2009 die Administratorin des UNDP, sie bekleidet damit das dritthöchste Amt der Vereinten Nationen.[2] Helen Clark setzte sich bei der Wahl durch die UN-Generalversammlung gegen mehrere von der US-amerikanischen Regierung favorisierte Kandidaten durch.

Die weiteren Leiter des UNDP waren:

Organisation[Bearbeiten]

Das UNDP organisiert das Executiv Board dessen derzeitiger Präsident Roble Olhaye aus Djibouti ist. Ihm unterstellt sind vier Vizepräsidenten, momentan aus Indonesien, Argentinien, Bulgarien und Norwegen. Das Board hat 36 Mitgliedsstaaten, die in sechs regionale Gruppen unterteilt sind. Die Mitgliedsstaaten haben eigene Countryoffices. Der einzige vertretene deutschsprachige Staat dieser 36 Staaten ist Deutschland.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Der jährlich erscheinende Weltentwicklungsbericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (Human Development Report) ist eine Studie des UNDP und beschreibt die Entwicklung von Armut und Reichtum auf der Welt. Der darin enthaltene Human Development Index listet Länder nach dem Bildungsgrad, Lebenserwartung und durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen auf.

Der im November 2010 bekannt gewordene Bericht weist nach, dass sich die Lebensumstände und -chancen der meisten Menschen auf der Erde in den letzten 40 Jahren erheblich verbessert haben- allerdings in den meisten Fällen unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung ihres Heimatlandes.[3]

Goodwill Global Ambassadors[Bearbeiten]

Es gibt sog. Goodwill Global Ambassadors (dt. Botschafter des guten Willens), die sich aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position für den Kampf gegen die Armut einsetzen. Hierzu gehören:

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: United Nations Development Programme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b UNDP: United Nations Development Programme - Annual Report 2012/2013 - Supporting Global Progress. Abgerufen am 24. November 2013 (PDF; 4 MB, Juni 2013).
  2. Helen Clark unanimously confirmed as new head of UNDP. In: UNDP, 31. März 2009. Abgerufen am 11. April 2009. 
  3. badische-zeitung.de, 6. November 2010, Nachrichten, Ausland, Andreas Zumach: Entwicklung braucht wenig Wachstum (11. November 2010)
  4. Actress wins fans' support for efforts against poverty http://www.undp.org/goodwill/misako.shtml. Abgerufen am 3. August 2010.
  5. Antonio Banderas appointed as UNDP Goodwill Ambassador http://content.undp.org/go/newsroom/2010/march/antonio-banderas-nombrado-embajador-de-buena-voluntad-del-pnud--.en 17. März 2010