Enver-Hoxha-Museum

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Blick zum Museum (rechts) im Jahr 2005

Das Enver-Hoxha-Museum (albanisch Muzeu „Enver Hoxha“; später Internationales Kulturzentrum, albanisch Qendra Ndërkombëtare e Kulturës genannt) ist ein am 16. Oktober 1988 eröffnetes Gebäude in der Innenstadt von Tirana in Albanien. Das ehemalige Museum war dem langjährigen Staatsführer Enver Hoxha gewidmet.[1] Das Gebäude aus weißem Marmor, Glas und rotem Stahl, auf den ersten Blick an eine Pyramide erinnernd und deshalb meist auch so genannt (albanisch Piramida), wurde von Hoxhas Tochter Pranvera entworfen und in zwei Jahren geplant und errichtet.[1][2]

Die Pyramide liegt an sehr zentraler Lage am Prachtboulevard Dëshmorët e Kombit und der Lana in einem kleinen Park. Der für damalige Verhältnisse monumental wirkende Bau[1] prägte durch seine Größe und sein eigenwilliges Aussehen lange das Zentrum der Stadt und war Ausdruck des Personenkults um Hoxha.[3] Auf der Spitze des Gebäudes prangte zu Beginn ein beleuchteter Roter Stern, aus dem der Fassade entlang von Scheinwerfern rotes Licht ausgestrahlt wurde.[1][2] Die Fassade war mit hellen Marmorplatten verkleidet – später bei Kindern eine beliebte Rutschbahn.

Die Ausstellung des Museums zeigte auf drei Etagen das Leben von Enver Hoxha und seinen Einfluss auf die jüngere albanische Geschichte. Zu sehen waren viele Fotos, aber zum Beispiel auch Fahrzeuge aus seinem Besitz. Neu für die damalige Zeit – in Albanien – waren das ausführlich präsentierte Filmmaterial und ein angegliedertes Computer-Dokumentationszentrum. Ebenfalls im Haus untergebracht war eine kleine Bibliothek und ein Café.[1]

„Before February 1991, it contained more or less everything that Hoxha ever touched or used, and in the center was a sitting marble statue of Hoxha by Kristaq Rama.“

„Vor Februar 1991 beinhaltete es mehr oder weniger alles, was Hoxha je berührte oder benutzte. Und in der Mitte befand sich eine sitzende Marmorstatue Hoxhas, die Kristaq Rama gestaltet hatte.“

James Pettifer[2]

Nach dem Ende des kommunistischen Regimes in Albanien wurde das Museum, eindrückliches Denkmal für den Ex-Diktator, umfunktioniert: Offiziell Internationales Kulturzentrum genannt, diente es als Konferenz- und Ausstellungszentrum für verschiedene Anlässe.[2] Auch Büros internationaler Organisationen, eine Bar und eine Disco waren darin untergebracht. Im Jahr 2000 wurde im Park vor dem Gebäude eine Friedensglocke errichtet, die aus in Albanien gesammelten Patronenhülsen gegossen wurde und an die Unruhen im Jahr 1997 erinnert.

Im Dezember 2010 stimmte das Parlament Albaniens mit 71 zu 64 Stimmen einem Bau-Projekt zu, welches vorsieht, das Gebäude abzureißen und auf dessen Grund den neuen Komplex des Parlaments zu errichten, um welches insgesamt 25 Architekturbüros konkurriert hatten.[4] Schon zuvor sind die Marmorplatten an der Fassade entfernt worden.

Um den Abriss entstand eine politische Kontroverse: Einige führende Architekten aus dem Ausland und Politiker der oppositionellen Sozialisten sind damit nicht einverstanden. Der Historiker Ardian Klosi konnte mit einer Petition für das Albanische Parlament rund 6000 Unterschriften von Gegnern sammeln, um einen Abriss zu verhindern. Doch vorerst hielt die Regierung an ihrem Plan fest. Die Ausschreibung für das 110 Millionen Euro teure Projekt gewann im März 2011 das Wiener Architekturstudio Coop Himmelb(l)au. Der Neubau sollte anlässlich des 100. Jahrestags der Ausrufung der Republik Albanien am 28. November 2012 vollendet werden.[5][6][7] Bisher (September 2014) haben allerdings noch keine Abrissarbeiten stattgefunden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Enver-Hoxha-Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e  Renate Stecay: Das Enver-Hoxha-Museum. In: Deutsch-Albanische Freundschaftsgesellschaft (Hrsg.): Albanische Hefte. Nr. 4, München 1988, ISSN 0930-1437, S. 12-13.
  2. a b c d  James Pettifer: Albania & Kosovo – Blue Guide. A & C Black, London 2001, ISBN 0-7136-5016-8.
  3.  Rainer Mayerhofer: Albanien vor der Wende. In: Adolph Stiller (Hrsg.): Tirana. Architektur im Ringturm XXII, Müry Salzmann Verlag, Salzburg/Wien 2010, ISBN 978-3-99014-030-7, S. 58-64.
  4. balkanweb: OK të shembet piramida
  5. Das nutzlose Mausoleum von Tirana. Frankfurter Allgemeine, 3. November 2011, abgerufen am 16. September 2013.
  6. Juria ndërkombëtare dhe votat elektronike të opinionit shqiptar, shpallin projektin fitues për Kompleksin e ri Parlamentar. parlament.al, 24. März 2011, abgerufen am 27. August 2011 (albanisch).
  7. Tiranë: Projekti fitues për Kuvendin e ri. In: youtube.com. 24. März 2011, abgerufen am 27. August 2011 (Projektvideo).

41.32302222222219.821566666667Koordinaten: 41° 19′ 22,9″ N, 19° 49′ 17,6″ O