Enzio von Sardinien

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Detail von Enzios Grabstein in Bologna
Enzio wird von den Bolognesern gefangen genommen, Bildnis aus einem mittelalterlichen Manuskript
Grabmal von Enzio in der Basilica di San Domenico in Bologna

Enzio (ital. für Heinz, * um 1220; † 14. März 1272 in Bologna) war König von Sardinien von 1239 bis 1249 (Titularkönig bis 1272). Er war ein unehelicher Sohn Kaiser Friedrichs II. und der schwäbischen Adligen Adelheid, vermutlich aus dem Hause der Herzöge von Urslingen.

Jugend und militärische Erfahrungen[Bearbeiten]

Er war ein Liebling seines Vaters, dem er einigen Quellen zufolge in Aussehen und Charakter sehr ähnlich gewesen sein soll und mit dem er die Liebe zur Poesie teilte. 1238 von Friedrich II. zum Ritter geschlagen, heiratete er im gleichen Jahr Adelasia de Lacon-Gunale (* um 1207; † 1255), Richterin (Iudicessa) von Torres (der Nordwesten Sardiniens), Tochter des Richters Mariano II. von Torres und der Agnes de (Lacon-)Massa, und Witwe des Richters von Gallura (der Nordosten Sardiniens), Ubaldo Visconti. 1246 wurde diese Ehe auf Betreiben Adelasias wieder geschieden. Die Insel Sardinien war damals in vier Teilkönigreiche (Judikate) geteilt, deren Herrscher den Titel „iudex“, d.h. Richter, führten. Tatsächlich aber hatten sie eine königgleiche Stellung inne. Adelasia brachte in ihre Ehe mit Enzio zwei der vier Teilkönigreiche ein. 1239 wurde Enzio von seinem Vater zum König von Sardinien und Generallegaten in Mittel- und Oberitalien ernannt. In dieser Funktion führte er in der Romagna, in den Marken und in der Toskana militärische Unternehmungen gegen die aufständischen Guelfen.

Er bereitete die Gefangennahme hoher kirchlicher Würdenträger vor, die von Gregor IX. zu einem Konzil nach Rom gerufen waren, um Friedrich II. zu exkommunizieren. Die eigentliche militärische Operation bei der Seeschlacht von Giglio führte aber nicht er, sondern ein kaiserlicher Admiral, der 1241 jene genuesischen Schiffe bei der Insel Giglio abfing, auf denen sich Bischöfe und Kardinäle aus ganz Europa befanden. Zusammen mit Ezzelino da Romano kämpfte er danach in Oberitalien gegen die guelfischen Kommunen. 1245 von den Mailändern bei Gorgonzola gefangengenommen, wurde er sofort gegen Gefangene ausgetauscht. 1247 nahm er an der glücklosen Belagerung Parmas teil. In dieser Zeit (1247/48) schloss er seine zweite Ehe mit Freiin von Enne (di Egna), einer Tochter des Henricus III., Podestà von Verona und Nichte von Ezzelino da Romano.

Gefangennahme und Haftzeit[Bearbeiten]

Wenige Monate nach seiner zweiten Vermählung geriet er am 26. Mai 1249 nach der Schlacht bei Fossalta bei Modena zusammen mit zahlreichen Deutschen und Cremonesen in bolognische Gefangenschaft. Obwohl Friedrich II. seine sofortige Freilassung forderte, beschloss die Kommune Bologna, Enzio bis zu seinem Tode gefangenzuhalten, gleichsam als lebendes Symbol des Stolzes der Stadt.

Enzio lebte danach mehr als 22 Jahre in ritterlicher Haft in jenem „Palazzo Nuovo“ der Kommune, der nach ihm bis heute Palazzo Re Enzo heißt. Hier meditierte er in melancholischen Versen nach Art der Scuola poetica siciliana (Sizilianische Dichterschule) über sein eigenes tragisches Schicksal und den Untergang seines Hauses. Von ihm sind zwei Canzonen, ein bekanntes Sonett („Tempo vene che sale chi discende“) und ein Fragment erhalten.

Enzio wurde im linken Querarm der Basilica di San Domenico in Bologna bestattet.

Literarisches Nachleben[Bearbeiten]

Enzios Grabinschrift stammt von dem berühmten Magister der Ars Notaria, Rolandino de' Passeggeri, dem irrtümlich auch die Verfasserschaft des stolzen Briefes der Bolognesen an Friedrich II. zugeschrieben wurde, in welchem dem Kaiser die Auslösung seines Sohnes verweigert worden ist.

Die Gestalt des unglücklichen jungen Herrschers, dessen Tapferkeit, Bildung und blonde Schönheit von allen gerühmt wurde, inspirierte Giovanni Pascoli zu seinen „Canzoni di re Enzio“ (1909).

Nachfahren[Bearbeiten]

Enzio hinterließ nachweislich keine ehelichen Nachkommen. In seinem Testament erwähnt er eine Tochter namens Elena (als Tochter einer gewissen Frascha), die den Pisaner Guelfo della Gherardesca heiratete und mit diesem mehrere Kinder hatte. Des Weiteren werden in Enzios Testament die beiden Töchter Magdalena und Costanza genannt, allerdings ohne Nennung der Mutter. Hinweise auf andere Nachkommen, z.B. einen vermeintlichen Sohn mit Namen Heinrich, sind spekulativ. Die Geschichte von einem angeblichen Sohn namens Bentivoglio, auf den sich später das gleichnamige bologneser Geschlecht berief, ist dem Bereich der Legende zuzuordnen.

Literatur[Bearbeiten]



 Commons: Enzo of Sardinia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien