E.ON Ruhrgas

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E.ON Ruhrgas AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1926
Auflösung 2013
Sitz Essen, Deutschland
Hauptverwaltung E.ON Ruhrgas in Essen-Rüttenscheid

Die 1926 gegründete Ruhrgas AG war das größte Ferngas- und Erdgas­handelsunternehmen Deutschlands. Das Unternehmen mit Sitz in Essen wurde seit März 2003 als 100-prozentige Tochtergesellschaft des E.ON-Konzerns unter dem Namen E.ON Ruhrgas geführt und mit Wirkung zum 2. Mai 2013 auf die E.ON Global Commodities SE mit Sitz in Düsseldorf verschmolzen.

Konzernstruktur[Bearbeiten]

E.ON Ruhrgas war zuletzt die Führungsgesellschaft der E.ON Konzerneinheit Global Gas. Die Einheit Global Gas ist im E.ON-Konzern für die Gasbeschaffung einschließlich der eigenen Gasförderung sowie für die Projekt- und Produktentwicklung in den Bereichen Speicherung, Transport, LNG und technische Anlagenbetreuung verantwortlich.

Die Geschäftsaktivitäten der E.ON Ruhrgas teilten sich wiederum auf sieben strategische Geschäftsfelder auf. Durch das integrierte Portfoliomanagement sollte ein abgestimmtes Zusammenwirken einzelner Aufgabenbereiche sichergestellt werden. Das Kompetenzcenter Gastechnik & Energiesysteme bündelte die technische Expertise zur Unterstützung aller Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette. E.ON Ruhrgas Exploration & Production erkundete und förderte Erdgas und Erdöl im sogenannten Upstream-Bereich. Langfristige Lieferverträge wurden im Bereich LTC betreut. Im Geschäft mit verflüssigtem Erdgas (LNG) war es Ziel, sich langfristige Wachstumsmöglichkeiten im globalen Gasgeschäft zu sichern. Das nationale und internationale Speichergeschäft wurde über E.ON Gas Storage koordiniert. Die Transportkapazitäten im deutschen Fernleitungsnetz wurden durch die neu aufgestellte Konzerngesellschaft Open Grid Europe vermarktet, die 2012 als eigenständige GmbH vom E.ON Konzern an ein internationales Käuferkonsortium veräußert worden ist. Das strategische Geschäftsfeld Infrastrukturbeteiligungen betreute bestehende internationale Leitungssysteme und Beteiligungen; es begleitete außerdem aktiv neue Pipelineprojekte und Joint Ventures.

Kennzahlen[Bearbeiten]

Im Geschäftsjahr 2010 wurden 695,4 Mrd. kWh Gas abgesetzt und 20.896 Mio. € Erlöse erzielt. Das (adjusted) EBITDA betrug 2.031 Mio. € und das (adjusted) EBIT betrug 1.471 Mio. € . Die Zahlen zeigen die Bedeutung der E.ON Ruhrgas für den Konzern. Das Leitungsnetz umfasst 12.000 km, die sich im Besitz der Open Grid Europe befinden. Die Arbeitsgaskapazität der eigenen sowie angemieteten Gasspeicher beträgt 10,5 Mio. m³, davon 7 Mio. m³ allein in Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 2002[Bearbeiten]

Ehemalige Logos der Ruhrgas AG und E.ON Ruhrgas

Die Ruhrgas AG wurde 1926 als Gemeinschaftsunternehmen der Ruhrgebietszechen gegründet, um den Vertrieb des in den Kokereien erzeugten Gases zu übernehmen. Zu Beginn war dies eine Idee von Albert Vögler, Generaldirektor der Vereinigten Stahlwerke AG und Alfred Pott, Generaldirektor des Bergbauzweiges des Stinnes Konzerns, die die Idee einer großräumigen Ferngasversorgung entwickelten. 1928 wurde das 300 km lange Leitungsnetz der RWE AG übernommen und die "Aktiengesellschaft für Kohleverwertung (AGKV)" wurde in Ruhrgas AG umbenannt. Bis zum Ende des Jahrzehntes wurden Verträge für die Gasversorgung der Städte Köln, Düsseldorf, Hannover und Saarbrücken abgeschlossen. 1930 betrug der Gesamtabsatz 0,3 Mrd. m³, 3,8 Mrd. kWh. Das Leitungsnetz umfasste 857 km. Die Ruhrgas beschäftigte 385 Mitarbeiter und hatte 1930 einen Umsatz von 13 Millionen Reichsmark.

Bis 1936 war das Rohrnetz auf 1.128 km Länge gewachsen, mit dem 2 Mrd. m³ Kokereigas aus 32 Kokereien verteilt wurden. Als wichtiger Industriekunde konnte die Opel-Werke in Rüsselsheim gewonnen werden. 1939 sollte auf Forderung des Reichswirtschaftsministeriums die in Bad Bentheim (Landkreis Grafschaft Bentheim) entdeckten Erdgasvorkommen durch die Ruhrgas AG in das bestehende Netz integriert werden. Kriegsbedingt konnte erst 1944 eine 75 km lange Erdgasleitung zu den Chemischen Werken Hüls fertiggestellt werden.

1945 waren durch kriegsbedingte Zerstörungen nur noch 3 von 51 Kokereien lieferfähig. Doch die Zerstörungen wurden überraschend schnell überwunden, so dass bereits Ende des Jahres 1945 das Rohrnetz zu 90 % wieder betriebsbereit war. Schon 1948 exportierten Ruhrgas und Thyssengas gemeinsam Kokereigas in die Niederlande.

Bis 1965 wuchs das Leitungsnetz auf 3.402 km und der Gesamtabsatz lag bei 3,3 Mrd. m³, 36,6 Mrd. kWh, davon 10 Prozent aus Erdgas. Es waren 1965 1.667 Mitarbeiter beschäftigt, die einen Umsatz von 430 Millionen DM erwirtschafteten.

1970 unterzeichnete die Ruhrgas AG den ersten Liefervertrag mit ihrem Partner Gazprom. Daraus entwickelte sich Deutschlands größtes Erdgasimport- und -verteilungsunternehmen mit einer quasi monopolartigen Stellung, die durch den Abschluss der deutsch-sowjetischen Verträge 1973 noch wuchs. Bei dem Geschäft, das die Errichtung einer Erdgaspipeline von Sibirien bis nach Deutschland vorsah, lieferte die Mannesmann AG finanziert von der Deutschen Bank nahtlose Rohre, die zum Bau der Pipeline benötigt wurden. Im Gegenzug belieferte die heutige Gazprom die Ruhrgas mit Erdgas. Aus dem über Jahrzehnte bis zum Jahr 2000 fixierten Erlös tilgte die sowjetische Seite den Kredit bei der Deutschen Bank.

1977 begann die Ruhrgas AG in Kooperation mit der Swissgas auch mit Erdgaslieferungen in die Schweiz.

1980 betrug das Leitungsnetz 7.507 km und der Gesamtabsatz belief sich auf 38,2 Mrd. m³, 424,6 Mrd. kWh, davon 95 % aus Erdgas. Die Ruhrgas AG beschäftigte 1980 2.938 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 8,798 Milliarden DM.

1983 unterzeichnete die Ruhrgas AG mit der sowjetischen Sojusgasexport und dem DDR-Kombinat "Verbundnetz Energie" einen Vertrag über die Lieferung von jährlich 650 Millionen m³ Erdgas für West-Berlin ab 1985.

Neben der UdSSR erschloss sich Ruhrgas weitere Bezugsquellen in den Niederlanden, in Deutschland, seit September 1977 in Norwegen, seit 1984 in Dänemark und seit 1998 in Großbritannien. Dabei nahm das Troll-Projekt in Norwegen besondere Aufmerksamkeit ein, weil es den Anteil norwegischen Erdgases aus der Nordsee von 1996 bis 2005 verdoppeln sollte.

1994 gehörten zwei Holdinggesellschaften sowie eine Reihe von Projektgesellschaften die sich mit dem Erdgastransport beschäftigten. In der Ruhrgas Energiebeteiligungs-Aktiengesellschaft (RGE) war die Mehrzahl der energiewirtschaftlichen Beteiligungen zusammengefasst. Das Downstream-Engagement der Ruhrgas AG unter dem Dach der RGE bestand 1998 aus Beteiligungen an 23 in- und ausländischen Energieversorgungsunternehmen. Die industriellen Beteiligungen wurden durch die inzwischen in Ruhrgas Industries GmbH umbenannte Ruhrgas Industrie-Beteiligungsgesellschaft mbH geführt. Sie hatte vier Geschäftsfelder: die Gasmessung und Gasregelung, dem Industrieofenbau, dem Engineering und der Gebäudetechnik. Im gesamten Ruhrgas-Konzern waren Ende 1998 rund 9.100 Mitarbeiter beschäftigt.

Ruhrgas verfügte 1998 über ein Leitungsnetz von 10.361 km mit 26 Verdichteranlagen und 12 unterirdischen Speichern und der Gesamtabsatz betrug 50,9 Mrd. m³, 585,7 Mrd. kWh. Das Unternehmen beschäftigte 1989 2.681 Mitarbeitern und erzielte einen Umsatz von 12,824 Milliarden DM, der bis 1994 auf 13,8 Mrd. DM und bis 2004 auf 14,4 Mrd. € gewachsen war, wohingegen die Zahl der Beschäftigten auf 2.500 im gleichen Zeitraum abnahm.

Vor der Übernahme durch E.ON im Jahr 2002 waren zuletzt folgende Aktionäre (nach Stimmrechtsanteilen) an der Ruhrgas beteiligt (Stand: 1998):

Ruhrgas als Tochter der E.ON[Bearbeiten]

Ehemalige Zentrale von E.ON Ruhrgas in Essen-Huttrop nach Umbau zum Ruhr-Turm

Durch eine Ministererlaubnis des damaligen Staatssekretärs Alfred Tacke in Vertretung des Wirtschaftsministers Werner Müller im Frühjahr 2002 konnte die ebenfalls aus einer Fusion von VEBA und VIAG hervorgegangene E.ON den Gaskonzern Ruhrgas in Essen übernehmen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) hatte die Fusion zunächst gestoppt; Grundlage dafür waren Eilanträge der Energiehändler Ampere und Trianel. Das OLG äußerte Zweifel an der Rechtmäßigkeit der vom Wirtschaftsministerium erteilten Sondergenehmigung, die die Fusion trotz eines Verbots des Bundeskartellamtes billigte.[1][2] Die Übernahme zog sich daraufhin bis März 2003 hin. Am 1. Juli 2004 hat der neue Eigentümer seine Gassparte in E.ON Ruhrgas umbenannt. Der Konzern errichtet sich in der Nähe der Essener Grugahalle eine neue Konzernzentrale.

Im Juni 2005 erwarb E.ON Ruhrgas 51 Prozent am rumänischen Gasversorger DistriGaz Nord und firmierte diesen am 1. April 2006 in E.ON Gaz România um. Am 8. September 2005 wurde der Vertrag über den Bau der Nord-Stream-Pipeline (ehemals North European Gas Pipeline, NEGP) von der russischen Gazprom und den deutschen Konzernen E.ON Ruhrgas und BASF im Beisein von Gerhard Schröder und Wladimir Putin unterzeichnet.

2008 umfasst das Leitungsnetz 11.552 km und der Gesamtabsatz betrug 687,0 Mrd kWh. 2008 erwirtschaftete die E.ON Ruhrgas 27,422 Milliarden Euro.

Im Jahr 2009 beteiligte sich E.ON mit 25 % abzüglich einer Aktie über die Betreiberfirma OAO Severneftegazprom (SNGP) am Erdgasfeld Juschno-Russkoje. Weitere Aktionäre sind die Gazprom (50 % plus 2 Aktien) sowie die Wintershall (25 % abzgl. einer Aktie).[3] Damit hat E.ON Ruhrgas Zugriff auf eines der größten Erdgasfelder der Welt mit Reserven von über 600 Mill. m³ Erdgas. Der Transport von Erdgas aus diesem Feld nach Mitteleuropa soll ab 2012 über die in Bau befindliche Pipeline Nord Stream erfolgen.

Im März 2009 bestätigte der E.ON-Konzern die Absicht, das Tochterunternehmen Thüga, die seit Dezember 2004 über die Tochter E.ON Ruhrgas Thüga Holding zur E.ON Ruhrgas gehörte, zu verkaufen. Der Kaufvertrag zwischen E.ON und dem kommunalen Erwerberkonsortium Integra/KOM9 wurde am 23. Oktober 2009 unterzeichnet.[4] Die Thüga-Beteiligungen an der Gasag (36,85 Prozent), an der HEAG Südhessische Energie (40 Prozent), an den Stadtwerken Duisburg (20 Prozent) sowie an den Stadtwerken Karlsruhe (10 Prozent) wurden im Gegenzug an die E.ON Ruhrgas übertragen. Alle vier Beteiligungen sollten verkauft werden. Auch der 40%ige Anteil an der HEAG Südhessische Energie wurde 2010 an die Holding HEAG veräußert.[5] Im Juli 2010 übernahm E.ON Ruhrgas 15 % der Anteile der Trans Adriatic Pipeline von den bisher paritätischen Gesellschaftern EGL und Statoil.

Im Oktober 2010 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Grugastadions die neue Hauptverwaltung der E.ON Ruhrgas bezogen, und damit der Standort von Essen-Huttrop nach Essen-Rüttenscheid verlegt.

Geldbuße der EU-Kommission wegen Aufteilung von Märkten[Bearbeiten]

Am 8. Juli 2009 verhängte die EU-Kommission Geldbußen von je € 553 Millionen gegen GDF Suez und E.ON/E.ON Ruhrgas. Im Rahmen der Planungen zum Bau der MEGAL-Pipeline wurden im Jahr 1975 Zusatzvereinbarungen über die Aufteilung von Gasmärkten in Frankreich und Deutschland getroffenen. Den Unternehmen wird vorgeworfen diese Marktabsprachen unzulässigerweise weiter praktiziert zu haben, obwohl diese, ursprünglich legalen Wettbewerbsabreden, nach der Öffnung der europäischen Gasmärkte seit August 2000 gegen EU-Recht verstießen. Das Bußgeld wurde fristgemäß im Oktober 2009 gezahlt.

Auflösung der E.ON Ruhrgas AG[Bearbeiten]

Am 1. September 2010 wurden auf Basis des Dritten Energieliberalisierungspakets der EU die Einheit Gastransport und den Gasspeicherbetrieb auf die E.ON Gastransport übertragen und diese in Open Grid Europe umbenannt. Das in der Open Grid Europe zusammengefasste Gastransportsystem wurde im Juli 2012 an ein Konsortium von Infrastrukturfonds (bestehend aus dem Macquarie European Infrastructure Fund 4, der Infinity Investments, der British Columbia Investments Management Corporation und der MEAG Munich ERGO Asset Management) verkauft, so dass E.ON Ruhrgas nur noch das Gashandelsgeschäft mit ca. 500 Mitarbeitern durchführte. Mit Wirkung zum 2. Mai 2013 wurde die E.ON Ruhrgas auf die E.ON Global Commodities SE mit Sitz in Düsseldorf verschmolzen.

Quellen[Bearbeiten]

  • Schlaglichter. Die ersten 75 Jahre. Publikation der Ruhrgas AG, 2001.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: E.ON Ruhrgas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Handelsblatt: Eon geht für Ruhrgas durch alle Instanzen, 18. Juli 2002
  2. Steffen Florschütz, Hochschule Bochum: Die Übernahme der Ruhrgas durch den E.ON Konzern, 19. Juni 2006
  3. finanzen.net: E.ON unterzeichnet Beteiligungsvertrag bei Gasfeld Yushno Russkoje, 9. September 2010
  4. Thüga AG Pressemitteilung vom 23. Oktober 2009
  5. finanzen.net: E.ON und HEAG einigen sich über den Verkauf der HSE-Beteiligung, 9. September 2010

51.4438888888897.0336111111111Koordinaten: 51° 26′ 38″ N, 7° 2′ 1″ O