Eröffnungsfalle

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Als Eröffnungsfallen bezeichnet man im Schach Zugfolgen in der Eröffnungsphase einer Partie, die den Gegner zu einem Fehler verleiten sollen.

Eröffnungsfallen werden oft durch das Anbieten eines scheinbaren oder echten Materialgewinns (zum Beispiel durch sogenannte vergiftete Bauern) realisiert, dessen Annahme den Verlust der Partie oder andere dauerhafte Nachteile im Spielverlauf einleitet.

Wird die Eröffnungsfalle mit etwas psychologischem Geschick durch entsprechende Mimik und Gestik unterstützt, so glaubt der Gegner oft an einen Flüchtigkeitsfehler des Schachpartners und greift beherzt zu.

Beispiele[Bearbeiten]

Russische Verteidigung
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Diagramm 1: Damengewinn nach 5. Se5-c6+
Aljechin – Moner
Palma de Mallorca 1935
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Diagramm 2: Stellung nach 5. Dd1-e2

In der Russischen Verteidigung nach den Zügen 1. e2-e4 e7-e5 2. Sg1-f3 Sg8-f6 3. Sf3xe5 Sf6xe4?! kann Weiß mit dem Zug 4. Dd1-e2 eine „Falle stellen“. Schwarz muss nun mit Dd8-e7 eine Gegenfesslung in der e-Linie aufbauen (nach 5. De2xe4 d7-d6 wird die Figur zurückgewonnen), da nach einem Rückzug des Springers e4 nach beispielsweise f6 der Weiße mit 5. Se5-c6+ ein Abzugsschach gibt und die schwarze Dame gewinnt (siehe Diagramm 1).

Ein ganz anderes Motiv nutzte der ehemalige Schachweltmeister Alexander Aljechin in einer Partie gegen Moner aus (siehe Diagramm 2). In der aus der Caro-Kann-Verteidigung entstandenen Stellung fesselt Aljechin mit 5. Dd1-e2 den schwarzen Bauern auf e7, so dass 6. Se4-d6 mit ersticktem Matt droht (der Bauer kann nicht auf d6 schlagen). Moner übersah tatsächlich die Falle, zog 5. ... Sg8-f6 und ließ sich mattsetzen.

Weitere bekannte Beispiele für Eröffnungsfallen sind das Seekadettenmatt oder ein Abspiel des angenommenen Damengambits.

Literatur[Bearbeiten]

  • Emil Gelenczei: 200 Eröffnungsfallen, 200 neue Eröffnungsfallen. Sportverlag, Berlin 1964, 1973
  • Rainer Knaak und Karsten Müller: 222 Eröffnungsfallen nach 1.e4, 222 Eröffnungsfallen nach 1.d4. Olms, Zürich 2007
  • Eugene Snosko-Borowsky: Eröffnungsfallen am Schachbrett. 12. Auflage. Beyer-Verlag, Hollfeld 2002, ISBN 3-88805-472-9